Projekte

Kolloquien


Symbolik des Buchs — des Schreibens — des Texts — des Alphabets — der Typographie u.a.m.

geplant für 2020; erste Vorstudien hier

 


Überbietungen – Rekreationen – Variationen

In allen Medien kommt das vor: Ein Text, ein Bild, ein Musikstück, eine Handlung wird überboten, das heisst: das Motiv, die Struktur, das Handlungsschema wird übernommen und neu geformt: mit sinnfälligen Änderungen,ernst oder witzig, oft schräg.

Der Ausgangs-Element kann dabei als Autorität eingeschätzt werden, die man noch überbieten will; oder als roh und stümpferhaft, was man verbessern möchte; oder als altmodisch, was man aufdatieren möchte usw.

Transformationstechniken:

  • in der Literatur: Parodie und Kontrafaktur; Adaptation courtoise;
  • im Medium Bild: Karikatur
  • in der Musik: Kontrafaktur (Melodie übernommen; neuer Text dazu)
  • in der christlichen Theologie: typologische Deutung des NT auf der Grundlage des AT (Matthäus 12,40 — vgl. Jona 2,1)
  • generell: das Ausgangs-Element wird allegorisiert

Welche neue Aussage entsteht so?

 

Beispiele

• Goyas ›Nackte Maja‹ und Picassos Variation davon (1964) waen 2019 im Prado nebeneinander ausgestellt. Mehr zu dessen Überarbeitungen hier.

www.duckomenta.com

• Der babylonische Turm variiert

• Typologischer Bezug von Szenen zwischen dem Altem und dem Neuen Testament

links: Enrückung des Enoch (Genesis 5, 24)
rechts: Himmelahrt des Elia (2 Könige = 4 Reg. 2, 11–12)
im Medaillon in der Mitte: Christi Himmelfahrt (Apostelgeschichte 1,9–11)

Biblia Pauperum Codex Pal. Lat. 871, Fol. 18v, Ausschnitt; Reprod. mit Transkription der Texte von Heike Drechsler, Stuttgart: Belser 1995.

• Lucas Cranach d.Ä. setzt die Szene des demütig auf einer Eselin in Jerusalem einreitenden Jesus (Matthäus 21) derjenigen der prunkvoll einherreitenden katholischen Geistlichkeit (erkennbar der Papst, ein Kardinal, ein Bischof) gegenüber, die auf die Hölle zureiten:

Passional Christi und Antichristi, Wittenberg 1521.
> http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0002/bsb00027007/images/

• Gryllus (Tierkarikatur): Aeneas mit Anchises und Ascanius auf der Flucht aus dem brennenden Troja (Wandmalerei in Pompei, umgezeichnet):

Vgl. das antike Relief (Fundort Ungarn): F. und O. Harl, Ubi Erat Lupa > http://lupa.at/5921

 

Hinweise:

Karl Eric Maison, Bild und Abbild. Meisterwerke von Meistern kopiert und umgeschaffen, München 1960 (Themes and variations. Five centuries of interpretations and re-creations, London: Thames and Hudson [1960]).

Das Projekt wäre eine Erweiterung der Kolloquien zur Wiederholung.


Was geschieht beim Verlust des Symbols? Und was, wenn man alles als symbolisch auffasst?

»Deux erreurs: 1° prendre tout littéralement; 2° prendre tout spirituellement.« (Blaise PASCAL, Pensées, Nr. 648 [Brunschvicg])

zu 1°

  • Postmoderne: Es gibt nur das unendliche Spiel der Signifikanten
  • Fundamentalismen aller Schriftreligionen
  • abstrakte Kunst (Malevitsch, Schwarzes Quadrat 1915)
  • Programm-Musik vs. Ornament (Hanslick: Musik besteht aus "tönend bewegten Formen")
  • Wörtlichnehmen von Mythen: was für ein Fisch verschlang den Jonas?

zu 2°

  • Kirchenväter-Exegese
  • Traumdeutung von Artemidor bis Freud
  • evtl. psych. Störungen > http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_psychischer_Störungen ? ("überwertige Ideen")

Welche "Zeichen" leisten (was) bei der "Kommunikation"?

Sprache (in allen Ausfächerungen: proprie, metaphorice) — Mimik (vgl. Charles Darwin, The Expression of the Emotions in Man and Animals, 1872) — Bildmedien — Programm-Musik — Kommunikation im Tierreich —

 


Psychoanalytische Deutungen von Narrativen

Anregungen (chronologisch):

  • Sigmund FREUD, Der Wahn und die Träume in W. Jensens Gradiva, Leipzig und Wien: Heller 1907.
  • Carl Gustav JUNG, Psychologie und Alchimie, Zürich: Rascher 1944.
  • Linda FIERZ-DAVID, Der Liebestraum des Poliphilo. Ein Beitrag zur Psychologie der Renaissance und der Moderne, Zürich: Rhein-Verlag 1947. [Zusammenfassung und Kommentar der »Hypnerotomachia« im Lichte der Psychologie von C.G.Jung]
  • Antoinette FIERZ-MONNIER, Initiation und Wandlung, Zürcher Diss., Bern 1951. [zum Artusroman aus Sicht von C.G.Jung]
  • Hedwig VON BEIT, Symbolik des Märchens, Bern: Francke 1952.
  • Emma JUNG / Marie-Louise VON FRANZ, Die Graalslegende in psychologischer Sicht, Zürich 1960.
  • Eugen DREWERMANN, Tiefenpsychologie und Exegese, Olten: Walter (2 Bände) 1984/85.
  • Aron Ronald BODENHEIMER, Der Waldgänger. Wenn die Melancholie dichtet, Wien: Passagen-Verlag 1993.
  • Brigitte BOOTHE, Das Narrativ. Biografisches Erzählen im psychotherapeutischen Prozess, Stuttgart: Schattauer 2010.
  • Peter VON MATT, Literaturwissenschaft und Psychoanalyse, Freiburg/Br.: Rombach 1972.
  • Freiburger Arbeitskreis Literatur und Psychoanalyse: http://www.litpsych.uni-freiburg.de/wp/
  • Frauke Berndt, Eckart Goebel (Hgg.), Handbuch Literatur & Psychoanalyse, Handbücher zur kulturwissenschaftlichen Philologie 5, De Gruyter 2017.

Darstellung des Nicht-Darstellbaren

GottesbilderSeelenbilderEmotionen — Tabuisiertes — die Entscheidunggeheime Botschaften — usw. —

 


Handwerk, Technik, Maschinen als Modelle für Lebendiges

Beispiele: der Roboter • Unkraut jäten für Aszese • Iatromechanik • die mystische Mühle • L’homme machine • Wahlverwandtschaften • der rasende Webstuhl der Zeit • Überdruckventil der Emotionen • Hardware/Software im Gehirn • Gleichschaltung • ...

 

Exkursionen

 

Embleme der Wallfahrtskirche Hergiswald. Link

Die romanische Bilderdecke der Kirche St. Martin in Zillis. Link

Die Felszeichnungen von Crap Carschenna. Link

Führung durch das Money Museum (Zürich) Link

 



Im Aufbau … Holzschnitt des Petrarkameisters, aus: Officia M. T. C. Ein Buch So Marcus Tullius Cicero der Römer zu seynem Sune Marco. Von den tugentsamen ämptern vnd zugehörungen eynes wol vnd rechtlebenden Menschen ..., Augspurg: Steyner, 1531, fol. XLVIverso