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Kolloquien


2019: »Die Präsentation des Sozialen mittels symbolischer Formen«

In Kooperation mit der Schweizerischen Gesellschaft für Kulturwissenschaften SGKW (www.culturalstudies.ch).

Wenn soziale Aggregate nicht in irgendeiner Form wahrnehmbar wären, dann könnten wir nicht über sie sprechen. Es gibt verschiedene Techniken, einen sozialen Körper sichtbar zu machen. In einer zunehmend atomisierten Massengesellschaft spielen solche versuchten oder fiktiven Zugehörigkeiten eine wichtige Rolle.

Ein Thema, das von den Leistungen des Symbolgebrauchs ausgeht, nicht von einem Bildfeld (Tiere, Kleider, Farben) oder einer symbolischen Technik (Allegorie).

Anregungen z.B. im Handbuch der politischen Ikonographie (hg. Uwe Fleckner u.a.), 2001.

Architektur: von den barocken Residenzen zu den Bankgebäuden

Insiginien: Krone, Szepter

Heraldik

Trachten, Uniformen, Tattoos, Mode-Labels

Bildnisse

Huldigungsrituale

Denkmäler

Feste

mythologisierende Erzählungen wie z.B. Drachenkampf

"Geballte Faust, Doppelaxt, rosa Winkel." Aushandeln gruppenkonstituierender Symbole der Frauen-, Lesben- und Schwulenbewegung

……

……


Was geschieht beim Verlust des Symbols? Und was, wenn man alles als symbolisch auffasst?

»Deux erreurs: 1° prendre tout littéralement; 2° prendre tout spirituellement.« (Blaise PASCAL, Pensées, Nr. 648 [Brunschvicg])

zu 1°

  • Postmoderne: Es gibt nur das unendliche Spiel der Signifikanten
  • Fundamentalismen aller Schriftreligionen
  • abstrakte Kunst (Malevitsch, Schwarzes Quadrat 1915)
  • Programm-Musik vs. Ornament (Hanslick: Musik besteht aus "tönend bewegten Formen")
  • Wörtlichnehmen von Mythen: was für ein Fisch verschlang den Jonas?

zu 2°

  • Kirchenväter-Exegese
  • Traumdeutung von Artemidor bis Freud
  • evtl. psych. Störungen > http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_psychischer_Störungen ? ("überwertige Ideen")

Welche "Zeichen" leisten (was) bei der "Kommunikation"?

Sprache (in allen Ausfächerungen: proprie, metaphorice) — Mimik (vgl. Charles Darwin, The Expression of the Emotions in Man and Animals, 1872) — Bildmedien — Programm-Musik — Kommunikation im Tierreich —

 


Gesellschaftliche Narrative und ihre Insinuationen

Narrativ: eine sinnstiftende (in einem Kulturkreis oder einer gesellschaftlichen Gruppe Orientierung vermittelnde) Erzählung

Hinweis: https://de.wikipedia.org/wiki/Narrativ_%28Sozialwissenschaften%29


Psychoanalytische Deutungen von Narrativen

Anregungen (chronologisch):

  • Sigmund FREUD, Der Wahn und die Träume in W. Jensens Gradiva, Leipzig und Wien: Heller 1907.
  • Carl Gustav JUNG, Psychologie und Alchimie, Zürich: Rascher 1944.
  • Linda FIERZ-DAVID, Der Liebestraum des Poliphilo. Ein Beitrag zur Psychologie der Renaissance und der Moderne, Zürich: Rhein-Verlag 1947. [Zusammenfassung und Kommentar der »Hypnerotomachia« im Lichte der Psychologie von C.G.Jung]
  • Antoinette FIERZ-MONNIER, Initiation und Wandlung, Zürcher Diss., Bern 1951. [zum Artusroman aus Sicht von C.G.Jung]
  • Hedwig VON BEIT, Symbolik des Märchens, Bern: Francke 1952.
  • Emma JUNG / Marie-Louise VON FRANZ, Die Graalslegende in psychologischer Sicht, Zürich 1960.
  • Eugen DREWERMANN, Tiefenpsychologie und Exegese, Olten: Walter (2 Bände) 1984/85.
  • Aron Ronald BODENHEIMER, Der Waldgänger. Wenn die Melancholie dichtet, Wien: Passagen-Verlag 1993.
  • Brigitte BOOTHE, Das Narrativ. Biografisches Erzählen im psychotherapeutischen Prozess, Stuttgart: Schattauer 2010.
  • Peter VON MATT, Literaturwissenschaft und Psychoanalyse, Freiburg/Br.: Rombach 1972.
  • Freiburger Arbeitskreis Literatur und Psychoanalyse: http://www.litpsych.uni-freiburg.de/wp/
  • Frauke Berndt, Eckart Goebel (Hgg.), Handbuch Literatur & Psychoanalyse, Handbücher zur kulturwissenschaftlichen Philologie 5, De Gruyter 2017.

Symbolik des Buchs — des Schreibens — des Texts — des Alphabets — der Typographie u.a.m.

Bild aus: Matthias Holtzwart: Emblematum Tyrocinia, Straßburg 1581.

Hinweise:

Leo Koep, Das himmlische Buch in Antike und Christentum. Eine religionsgeschichtliche Untersuchung zur altchristlichen Bildersprache, Bonn: Hanstein 1952.

Erich Rothacker, Das ›Buch der Natur.‹ Materialien und Grundsätzliches zur Metapherngeschichte, Bonn 1979.

Friedrich Ohly, Zum Buch der Natur, in: F.O., Ausgewählte und neue Schriften, Stuttgart: Hirzel 1995, S. 727–843.

Stefan Fischer, Artikel »Buch des Lebens« (2017) > https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/15741/

Und der HERR sprach zu Mose: Wer gegen mich gesündigt hat, den werde ich aus meinem Buch auslöschen. (Exod 32,33) — So haltet denn sehr fest daran, alles zu beobachten und zu tun, was in dem Buch des Gesetzes Moses geschrieben ist … (Josua 23,6) — Und wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde in dem Buch des Lebens, so wurde er in den Feuersee geworfen. (Apokalypse 20,15)

Die ganze sinnlich wahrnehmbare Welt ist wie ein Buch, geschrieben vom Finger Gottes (Hugo von St.Viktor, Didascalicon, VII, 4 = PL 176, 814BC.

Die Schöpfung ist ein Buch: wer’s weislich lesen kann,
Dem wird darin gar fein der Schöpfer kundgetan.

(Angelus Silesius, »Cherubinischer Wandersmann« [1675] V, 86)

Titelblätter von Drucken des 16./17.Jh. — Buchdruckermarken —

Der Evangelist Matthäus als Schreiber. St. Gallen, Stiftsbibliothek, Cod. Sang. 1395
> https://www.e-codices.unifr.ch/en/csg/1395/418


Darstellung des Nicht-Darstellbaren

GottesbilderSeelenbilderEmotionen — Tabuisiertes — die Entscheidunggeheime Botschaften — usw. —

 


Handwerk, Technik, Maschinen als Modelle für Lebendiges

Beispiele: der Roboter • Unkraut jäten für Aszese • Iatromechanik • die mystische Mühle • L’homme machine • Wahlverwandtschaften • der rasende Webstuhl der Zeit • Überdruckventil der Emotionen • Hardware/Software im Gehirn • Gleichschaltung • ...

 

 

Exkursionen

 

Embleme der Wallfahrtskirche Hergiswald. Link

Die romanische Bilderdecke der Kirche St. Martin in Zillis. Link

Die Felszeichnungen von Crap Carschenna. Link

Führung durch das Money Museum (Zürich) Link

 



Im Aufbau … Holzschnitt des Petrarkameisters, aus: Officia M. T. C. Ein Buch So Marcus Tullius Cicero der Römer zu seynem Sune Marco. Von den tugentsamen ämptern vnd zugehörungen eynes wol vnd rechtlebenden Menschen ..., Augspurg: Steyner, 1531, fol. XLVIverso