Tiere als moralische Exempel

Affen

Der Affe gilt als unter anderem als dumm und lüstern, geil. Auf Bildern, die eine dumme oder unzüchtige Handlung darstellen, wird er deshalb gerne hineingesetzt. Dadurch, dass er dort kaum hinpasst, wird die Hinweisfunktion deutlich.

Dass Spielen eine Torheit darstellt, wird vom Petrarkameister so dargestellt, dass den beiden spielenden Paaren ein Paar Affen beigesellt ist. Bei Petrarca wird das Brettspiel bezeichnet als Narrheit/ kinderwerck/ zeit verderbung/ fantasey u.a.m. Petrarca verweist darauf, dass nach Plinius Affen das menschliche Spiel nachahmen (nat. hist. VIII, lxxx, 215: latrunculis lusisse). Er beschreibt anschließend das Verhalten der Spieler als affen-artig: sie können auff den widersacher springen/ zürnen/ Zeen wetzen/ trauren/ haderen/ grißgramen/ im kopff kratzen/ die Negel beissen... Das heisst: sprachlich wird der Bezug zwischen der Spielerwelt und der Affenwelt zusätzlich ausgebaut.

 

Aus: Franciscus Petrarcha, Von der Artzney bayder Glück / des guten vnd widerwertigen, Augspurg: H. Steyner MDXXXII.  I, Kapitel 26.

Dass David sündigte, als er Bathseba begehrte (2.Samuel = II. Reg, Kapitel 11), wird von Tobias Stimmer (1539–1584) dadurch kommentiert, dass er einen Affen bei der Szene zuschauen lässt, wie David die Badende betrachtet.

Der Affe kommt in der Bibel in dieser Szene nicht vor. Der Betrachter muss die Einschätzung dieses Tiers als töricht kennen.

 
Aus: Neue Künstliche Figuren Biblischer Historien, Basel 1576.

Frau Venus (mit Esel und Affe) fesselt Narren, aus: Sebastian Brant, lat. Übersetzung »Stultifera nauis«, Augsburg 1497.

Horst W. Janson, Apes and ape lore in the Middle Ages and Renaissance, (Studies of the Warburg Institute 20), London 1952.


Esel

Der Ultimus (der schlechteste Schüler der Klasse oder wenn einer Deutsch statt Latein sprach) musste sich einst zu Beginn der Schulstunde einen Eselskopf (Asinus) umhängen oder aufsetzen oder sich auf einen hölzernen Esel setzen. 

Rodericus Zamorensis, Spiegel des menschlichen Lebens, Augsburg 1497

 

De fide concubinarum in sacerdotes, Questio accessoria causa ioci […] a Paulo Oleario, [Basel, ca. 1501]
> http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00004315/image_46

Bild eines Esels zur Abschreckung fauler Kinder; Flugblatt des 17.Jhs., aus: Emil Reicke, Magister und Scholaren. Illustrierte Geschichte des Unterrichtswesens, Leipzig 1901, Abb. 40.

Grandville gibt dem Esel eine satirische Pointe mit seiner Zeichnung  Les Savants envoyèrent un académien armé des ses ouvrages:

Scènes De La Vie Privée Et Publique Des Animaux. Études De Mœurs Contemporaines, Publiées Sous La Direction De M. P.-J. Stahl, Avec La Collaboration De Messieurs De Balzac ... Vignettes Par Grandville, Paris: J. Hetzel Et Paulin, Éditeurs 1840–1842.

 

Gabrielle Oberhänsli-Widmer, »... so sind wir Esel«. Die Eselin des Rabbi Pinchas ben Ja’ir (BerR 60,8) und die Rolle der Esel im Judentum von biblischer Zeit bis in die Gegenwart, in: Studium in Israel: Predigtmeditationen im christlich-jüdischen Kontext […], Weihenzell: Wachowski 2009, S. VII-XVII.  > urn:nbn:de:bsz:25-opus-75653  > https://www.freidok.uni-freiburg.de/data/7565

Vgl. die großartige Sammlung von "Amicus Asini" > http://equusasinus.blogspot.ch

Weitere Hinweise und Bilder zum Eselreiten als Schandstrafe standen auf der interessanten Website  http://eselwelt.org , die leider am 3. Juli 2016 aus Kostengründen vom Netz genommen wurde. Schade!

 


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