Tiere in der Bibel

 

Hier stehen keine tiefschürfenden Deutungen, sondern Anregungen.

Die Schöpfung der Tiere Genesis 1,24f. 2,19

Holzschnitt von Virgil Solis (1514–1562), wieder abgedruckt in: Biblia, Das ist: Die gantze Schrifft Altes und Newes Testaments, verdeutschet durch D. Martin Luthern, Ulm: Balthasar Kühn 1659.

Johann Jakob von Sandrart (1655–1698) & Elias Porcelius (1662–1722), Gantz neue Biblische Bilder-Ergötzung: Dem Alter und Der Jugend Zur Beschauung und Erbauung/ Aus dem alten Testament angestellet und mitgetheilet: Von Johann Andreæ Endters Seel. Söhnen in Nürnberg [ca. 1700]

Zu beachten: Auf dem Bild im 16.Jh. ist der Schöpfer anthropomorph dargestellt; auf dem Bild um 1700 als Pictogramm (Dreieck der Trinität); vgl. hierzu die Website zu den Gottesbildern.

Das Gürteltier im Vordergrund dürfte dem »Thierbuoch« von Conrad Gessner (1563) entlaufen sein, der es von Pierre Belon (1553) hat:

Die Schlange verführt Eva

(Text Genesis 3) In den meisten bildlichen Darstellungen ist die Schlange realistisch dargestellt. Hin und wieder hat sie anthropomorphe Züge wie hier:

Hugo van der Goes († 1482), Wiener Diptychon, linker Flügel (ca. 1477)

oder hier (Zürcher Bibel, Froschauer 1531) > https://www.e-rara.ch/zuz/content/pageview/5464491

Eine Erklärung für die Gestalt findet sich bei Petrus Comestor († 1178). Er schreibt in der »Historia scholastica« (Patrologia Latina 198, 1072), Hist. libri Genesis, Cap. XXI. »De suggestione serpentis sive daemonis«: Der Teufel hasste den Menschen, weil dieser im Gegensatz zu ihm im Paradies war. Um Eva zum Übertreten des Gebots zu verführen, wählte er die Gestalt der Schlange, die das Angesicht einer jungen Frau hatte, weil Gleiches Gleichem Beifall spendet, und bewegte in dieser die Zunge, damit sie sagte "Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen?" — Elegit etiam quoddam genus serpentis, virgineum vultum habens, quia similia similibus applaudunt, et movit ad loquendum linguam ejus, […] Cur praecepit vobis Deus ut non comederetis de omni ligno paradisi?

Hinweis: Bernd Willmes, Artikel »Sündenfall« > https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/31958/

Der Mensch wird zum Herrscher über die Tiere gesetzt – besser: die Tierwelt wird ihm anvertraut

Adam benennt die Tiere (1. Mos. = Genesis 2,20)

19 Gott formte aus dem Erdboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und führte sie dem Menschen zu, um zu sehen, wie er sie benennen würde. Und wie der Mensch jedes lebendige Wesen benannte, so sollte sein Name sein. 20 Der Mensch gab Namen allem Vieh, den Vögeln des Himmels und allen Tieren des Feldes. Aber eine Hilfe, die dem Menschen ebenbürtig war, fand er nicht.

Aus einem der Klöster von Meteora. Man beachte, dass sich unter den Kreaturen auch ein Drache befindet.

Tierliebe als Kennzeichen des auserwählten Menschen (1.Moses = Genesis 24)

Abraham schickt seinen Knecht aus, um eine Frau für seinen Sohn Isaak zu werben. Dieser zieht mit zehn Kamelen aus. In der Stadt Nahors lässt er die Kamele am Brunnen lagern, wo abends die Frauen Wasser schöpfen. Er sagt sich: (Vers 14) Wenn nun ein Mädchen kommt, zu dem ich spreche: »Neige deinen Krug und lass mich trinken«, und es sprechen wird: »Trinke, ich will deine Kamele auch tränken« –, das sei die, die du Isaak beschert hast […]. 15 Und ehe er ausgeredet hatte, siehe, da kam heraus Rebekka mit dem Krug auf der Schulterund so weiter.

Jost Amman (1539–1591) / Heinrich Peter Rebenstock (1545-1591), Newe biblische Figuren: Künstlich vnnd artig gerissen/ durch den sinn vnd kunstreichen auch weitberühmten Joß Ammann/ von Zürych/ mit schönen teutschen Reimen, welche den gantzen Innhalt einer jeden Figur und Capitel kurtz begreiffen: Gestellt durch Herr Heinrich Peter Rebenstock, Pfarherr zu Eschershaim, Gedruckt zu Franckfurt am Mayn: [Sigmund Feyerabend] 1579. > http://doi.org/10.3931/e-rara-28756

Die Sabbatruhe gilt auch für das Vieh Exodus 20,10

Menschen und Tiere zusammen in Noahs Arche: (1.Moses = Genesis, Kapitel 6 und 7)

Die Tiere besteigen die Arche.  Holzschnitt von Tobias Stimmer (1539–1584) aus: Biblia sacra veteris et novi testamenti, secundum editionem vulgatam. Baslilaeae M.D.L.XXVIII

Interessant: Auch ein Einhorn geht an Bord ....

Die Taube als Bote des Heils (Genesis 8,11)

Das Alte Testament deutsch, Wittenberg: M.Lotter 1523. > http://digitale.bibliothek.uni-halle.de/id/994090

Nach der Sintflut werden die Tiere infolge der freigegebenen Jagd scheu (Gen 9,2f.)

Tiere vertreten den Menschen als Opfergabe

  • Bei Isaaks Opferung (hebr. aqedah) tritt der Widder dazwischen Genesis 22.13
  • Der Sündenbock wird in die Wüste geschickt Leviticus 16
Christoph Murer zeichnet schön den dazwischen-tretenden Widder:
Novae sacrorum bibliorum figurae, versibus latinis & germanicis expositae.Das ist neue biblische Figuren mit latinischen und teutschen Versen aussgelegt / durch M. Samuelem Glonerum poetam laureatum, Strassburg: getruckt bey Christoff von der Heyden 1625. > http://www.e-rara.ch/zuz/content/pageview/10067589

Die ägyptischen Plagen

Im 2.Buch Moses (Exodus), Kapitel 5–13 verwüstet der Herr Ägypten u.a. mit Tieren: mit Fröschen, Mücken, Heuschrecken.

Johann Jacob Scheuchzer (1672–1733) benutzt die Gelegenheit, um sich über den Lebenszyklus der Frösche vom Ei über die Kaulquappen bis zum adulten Tier zu verbreiten:

J. J. Scheuchzer, Physica Sacra, erste Abt. (1731), Tafel CXXV.

Speisegebote grenzen diejenigen Tiere aus, welche dem Menschen als Nahrung dienen dürfen: Leviticus (= 3.Moses), Kapitel 11

leviticus

Vgl. den Artikel Speisegebote in der Wikipedia.

Rettung vor den Feuerschlangen durch die eherne Schlange von Moses

Numeri (4.Moses) 21, 6 Da schickte der HERR Feuerschlangen unter das Volk. Sie bissen das Volk und viel Volk aus Israel starb. 7 Da kam das Volk zu Mose und sagte: Wir haben gesündigt, denn wir haben uns gegen den HERRN und gegen dich aufgelehnt. Bete zum HERRN, dass er uns von den Schlangen befreit! Da betete Mose für das Volk.
8 Der HERR sprach zu Mose: Mach dir eine Feuerschlange und häng sie an einer Stange auf! Jeder, der gebissen wird, wird am Leben bleiben, wenn er sie ansieht. 9 Mose machte also eine Schlange aus Kupfer und hängte sie an einer Stange auf. Wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde und zu der Kupferschlange aufblickte, blieb er am Leben.

Johannes Kap. 3 bezieht die Stelle ›typologisch‹ auf die Erlösung durch Christi Opfertod am Kreuz: 14 Und wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, 15 damit jeder, der glaubt, in ihm ewiges Leben hat.

Neue Künstliche Figuren Biblischer Historien […] grüntlich von Tobia Stimmer [1539-1584] gerissen, Zu Basel: bei Thoma Gwarin, Anno 1576. > https://www.e-rara.ch/bau_1/content/pageview/129286

Literatur: Ursula Diehl / Ruth Matthaes, Artikel »Eherne Schlange«, in: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Bd. IV (1956), Sp. 817–837; Digital in: RDK Labor

Bileams Eselin nimmt die Stimme des Herrn wahr

Numeri (4.Buch Mose) 22: Da tat der HERR der Eselin den Mund auf, und sie sprach zu Bileam: Was hab ich dir getan, daß du mich nun dreimal geschlagen hast? http://www.bibel-online.net/buch/04.4-mose/22.html

Holzschnitt nach Vorlage von Hans Holbein.d.J.; von einem Unbekannten geschaffen für die Zürcher Bibel 1531. — Rembrandts Bild bei http://www.statenvertaling.net/kunst/grootbeeld/199.htm

Gesetze zum Schutz der Tiere werden erlassen – Deuteronomium (= 5. Buch Mose)

5.Mose 25,4: Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden.

Paulus biegt das um in 1.Korinther 9,9–10: Im mosaischen Gesetz steht ja doch geschrieben: »Du sollst einem Ochsen, der zu dreschen hat, das Maul nicht verbinden!« Ist es Gott etwa um die Ochsen zu tun? – Es geht hier darum, dass die für die Gemeinde Arbeitenden Recht auf eine Entschädigung für ihre Mühe haben sollen.

Der Prophet Elija wird von Raben ernährt (1.Könige 17)

Elija prophezeit eine Dürre, weil Israel den Baalen huldigt. Er selbst verzieht sich in eine Einöde, wo der Herr ihm Raben schickt:  Und die Raben brachten ihm Brot und Fleisch des Morgens und des Abends, und er trank aus dem Bach.

Johann Jakob von Sandrart (1655–1698) & Elias Porcelius (1662–1722), Gantz neue Biblische Bilder-Ergötzung: Dem Alter und Der Jugend Zur Beschauung und Erbauung/ Aus dem alten Testament angestellet und mitgetheilet: Von Johann Andreæ Endters Seel. Söhnen in Nürnberg [ca. 1700]

Tiere dienen dem HErrn als Strafinstrument:

  • IV Reg = 2 Kön 2,23ff: Kleine Knaben verspotten den Elisa: »Kahlkopf!« – Er verflucht sie: Da kamen zwei Bären aus dem Walde und zerrissen zweiundvierzig von den Kindern.
Holzschnitt von Tobias Stimmer, Aus: Neue Künstliche Figuren Biblischer Historien, Basel 1576.

Der tote Löwe als Rätselaufgabe

Buch der Richter, Kapitel 14: Simson ist verliebt in ein Mädchen der (den Israeliten feindlichen) Philister. Auf dem Weg dorthin zerreißt er einen Löwen mit bloßen Händen. Er bespricht sich mit ihr. Nach einer Zeit – auf dem Weg, sie zu heiraten – kommt er wieder beim Kadaver vorbei: Siehe, da war ein Bienenschwarm in dem Leibe des Löwen und Honig. Er veranstaltet ein (Hochzeits-)Fest und gibt anwesenden Philistern ein Wett-Rätsel auf: »Speise ging aus vom Fresser und Süßigkeit vom Starken.« Erst durch den Verrat seiner Braut können die Philister das Rätsel lösen.

Hans Gieng († 1562) Fontaine de Samson in Freiburg im Üechtland (1547) (Foto von P.M.)

Literaturhinweis: Artikel von Andreas Scherer (2006) > https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/28803/

Die Tiere lehren Gott erkennen

Hiob 12, 7 Doch frag nur die Tiere, sie lehren es dich, die Vögel des Himmels, sie künden es dir. 8 Oder rede zur Erde, sie wird dich lehren, die Fische des Meeres erzählen es dir. 9 Wer von ihnen allen wüsste nicht, dass die Hand des HERRN dies gemacht hat?

Hiob 38,39 Erjagst du Beute für die Löwin, stillst du den Hunger der jungen Löwen, 40 wenn sie sich in Höhlen ducken, im Dickicht auf der Lauer liegen? 41 Wer bereitet dem Raben seine Nahrung, wenn seine Jungen schreien zu Gott und umherirren ohne Futter?

Literaturhinweis: Paul Michel, Hiobs Naturwissenschaft, in: Natura Sacra. Der Frühaufklärer Johann Jakob Scheuchzer (1672–1733), hg. Urs B. Leu, Zug: Achius-Verlag 2012, S.77–104.

Der Mensch als Herrscher über die Tiere (Psalm 8)

Psalm 8,8 Omnia subjecisti sub pedibus ejus, oves et boves universas, insuper et pecora campi, 99 volucres cæli, et pisces maris qui perambulant semitas maris.
Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über die Werke deiner Hände, alles hast du gelegt unter seine Füße: 8 Schafe und Rinder, sie alle und auch die wilden Tiere, 9 die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, was auf den Pfaden der Meere dahinzieht.

Das Bild im Stuttgarter Psalter zeigt rechts (in Gestalt Christi) den Herrn, der mit seinen Händen die Schöpfung geschaffen hat; links den Menschen als Herrscher darüber. (Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, Bibl. fol. 23 > https://archive.org/details/StuttgarterPsalter)

Leviatan (Psalm 104 und an anderen Stellen)

In Psalm 104,26 [MT] – einem Loblied auf den Schöpfer – wird das Wort liwjatan für ein reales See-Lebewesen verwendet: [Im Meer] ziehen die Schiffe dahin, der Levíatan, den du geformt, um mit ihm zu spielen.

In Psalm 74,14 [MT] wird von Gott gesagt, dass er die Häupter des Leviatan zermalmt hat.

In Jesaja 27,1 wird dieses Wort bildhaft für den Teufel verwendet: An jenem Tag sucht der HERR mit seinem harten, großen, starken Schwert den Leviatan heim, die flüchtige Schlange, den Leviatan, die gewundene Schlange und er wird das Ungeheuer töten, das im Meer ist.

Im Buch Hiob beschreibt Gott – um seine Größe und Schöpfermacht zu beweisen – zwei gewaltige Tiere: Behemot (Hiob 40,15ff. MT) und Leviatan (40, 25ff.): Kannst du den Leviatan an der Angel ziehen und mit dem Strick seine Zunge niederdrücken? Legst du ihm ein Binsenseil um die Nase, und durchbohrst du seinen Kiefer mit einem Haken?

Die beiden Tiere wurden gerne als Ausprägungen des Teufels ausgelegt. So etwa im »Liber floridus« (um 1120) des Lambert von St.‐Omer oder in Herrads von Landsberg (vor 1178 bis 1196) »Hortus deliciarum« (fol. 84r). Samuel Bochart (1599–1667) hat in seinem »Hierozoïcon Sive Bipertitum Opus De Animalibus S. Scripturæ« (1663) Behemot mit dem Nilpferd Hippopotamus identifiziert, und zwar aufgrund philologischer Überlegungen, etwa durch einen Abgleich mit der Stelle in Herodots »Historien« (Buch II, 71). – In modernen Bibelübersetzungen werden die beiden Tiere gerne als Nilpferd und Krokodil übersetzt. – Die moderne alttestamentliche Forschung sieht darin altorientalische Chaosungeheuer, die von der Gottheit überwunden werden.

Gustave Doré (Holzstich zur Bibel 1866) zur Jesaias-Stelle (Quellenangabe) – Das Tier erinnert etwas an das Iguanodon von John Martin (1837).

Vgl. das Bild von William Blake in den Illustrations of the Book of Job (1826) hier


Literaturhinweise:

Othmar Keel, Jahwes Entgegnung an Ijob, Göttingen 1978 (FRLANT 121), bes. S.37ff. und S.141ff.

Christoph Uehlinger, Artikel »Leviathan«. In: K. van der Toorn / B. Becking / P.W. van der Horst, Dictionary of Deities and Demons in the Bible. Leiden: Brill, 1999, S. 511–515.

Annette Krüger, Artikel »Behemot« (2010) > http://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/14816/

Tiere loben Gott (Psalm 148)

Psalm 148, Verse 7 und 10: Lobet den Herrn auf Erden, ihr Ungeheuer (Vulgata: dracones et omnes abyssi) und alle Tiefen des Meeres, […], ihr wilden Tiere und alles Vieh, Gewürm und Vögel! (bestiae et omnia iumenta reptilia et aves volantes).

Bild aus dem Utrechtpsalter

 

Bild aus dem Stuttgarter Psalter (Württembergische Landesbibliothek Stuttgart, Bibl. fol. 23 > https://archive.org/details/StuttgarterPsalter)

Mensch und Tier haben dasselbe Geschick (Prediger Salomos)

Kohelet (Qohälät; in der Vulgata Ecclesiastes) 3,19: Jeder Mensch unterliegt dem Geschick, und auch die Tiere unterliegen dem Geschick. Sie haben ein und dasselbe Geschick. Wie diese sterben, so sterben jene. Beide haben ein und denselben Atem. Einen Vorteil des Menschen gegenüber dem Tier gibt es da nicht. Denn beide sind Windhauch.

Die Vögel kennen ihre Zeit

Jeremias 8,7 Ein Storck vnter dem Himel weis seine zeit/ ein Dorteltaube/ Kranich vnd Schwalbe mercken jre zeit / wenn sie widerkomen sollen/ Aber mein Volck wil das Recht des HERRN nicht wissen. (Lutherbibel 1545)

Zu beachten: Der Kranich hält mit dem Fuß einen Stein.

Melchior Mattsperger, Geistliche Herzens-Einbildungen Inn zweihundert und Fünfzig Biblischen Figur-Sprüchen angedeutet, Allen andächtigen Herzen, u. der Tugent-Liebenden Jugent, zu einer Gottseligen Belustigung, […], Augstburg 1685; Reprint Darmstadt: fotokop 1965.

Der Prophet Jonas wird vom Fisch verschlungen und wieder ausgespien (Jonas 2,11)

Vgl. die Interpretation des Mythus durch Andreas Hebestreit hier .

 

Der Fisch speit Jonas aus. Holzschnitt wahrscheinlich von (Hans) Christoph Stimmer (1558–1614), aus: Flauij Josephi / des Hochberühmten Jüdischen Geschichtschreibers / Historien vnd Bücher Von alten Jüdischen Geschichten […] Straßburg: Theodosius Rihel 1611 [EA 1574].

60 Biblische Geschichten des alten Testaments in Kupfer geäzt von Iohann Rudolf Schellenberg [1740–1806] In Verlag Heinrich Steiners und Comp\nie in Winterthur 1774.

Daniel in der Löwengrube

Buch Daniel 6,2–29: Da befalh der König / das man Daniel her brechte / Vnd worffen jn zu den Lewen in den Graben. Der König aber sprach zu Daniel / Dein Gott / dem du on vnterlas dienest / der helffe dir. Vnd sie brachten einen Stein / den legten sie fur die thür am graben / den versiegelt der König mit seinem eigen Ringe / vnd mit dem ringe seiner Gewaltigen / Auff das sonst niemand an Daniel mutwillen vbet. Vnd der König gieng weg in seine Burg / vnd bleib vngessen vnd lies kein essen fur sich bringen / kund auch nicht schlaffen.
DEs morgens frü / da der tag anbrach / stund der König auff / vnd gieng eilend zum Graben / da die Lewen waren. Vnd als er zum graben kam / rieff er Daniel mit kleglicher stim / Vnd der König sprach zu Daniel / Daniel / du Knecht des lebendigen Gottes /Hat dich auch dein Gott / dem du on vnterlas dienest /mügen von den Lewen erlösen?
Daniel aber redet mit dem Könige / Herr könig / Gott verleihe dir langes Leben / Mein Gott hat seinen Engel gesand /der den Lewen den rachen zugehalten hat / das sie mir kein leid gethan haben / Denn fur jm bin ich vnschüldig erfunden ..
. (Lutherbibel 1545 http://www.zeno.org/nid/20005328675)

Holzschnitt von Christoph Murer (1558–1614) aus: Biblia, Die Gantze Heilige Schrifft Alten und Newen Testaments/ Verteutschet Durch Doctor Martin Luther […], Basel: König 1701.

Icones biblicæ præcipuas sacræ scripturæ historias eleganter & graphice repræsentantes. Biblische Figuren/ darinnen die Fürnembsten Historien/ in Heiliger und Göttlicher Schrifft begriffen/ Gründtlich und Geschichtsmessig entworffen/ zu Nutz und Belustigung Gottsförchtiger und Kunstverständiger Personen artig vorgebilget [sic] / an Tag gegeben durch Matthaeum Merian von Basel; Band 3: Franckfurt am Mayn/ bey Erasmo Kempffern MDCXXVII; Kapitel xxiii.

Daniel tötet den Drachen-Götzen

Die Babylonier, wo Daniel als Vertrauter des Königs lebt, verehren einen Drachen wie einen Gott. Daniel, der nur SEINEN Gott anbetet, bittet um Erlaubnis, den Drachen zu töten. Er schmilzt Pech, Talg und Haare zusammen und wirft sie dem Drachen vor, der daran birst. Daniel 14,22–26: tulit ergo Danihel picem et adipem et pilos et coxit pariter fecitque massas et dedit in os ni et disruptus est draco (in den protestantischen Bibeln: Zwingli und Luther apokryph)

Icones Biblicae Veteris et Novi Testamenti. Figuren Biblischer Historien Alten und Neuen Testaments – Proprio aere aeri incisae, et venales expositae a Melchiore Kysel, Augustae Vind. anno Christiano XDCLXXIX. Dritter Theil, Nr. 42.

Tobias und der Fisch

Tobit ist vom Kot von Vögeln (in der Lutherbibel sind es Schwalben), der ihm in die Augen gefallen ist, erblindet. (Tob 2,10f.) – Sein Sohn Tobias wird auf einer Reise vom Engel Rafaël begleitet. Auf dem Weg fängt Tobias einen Fisch, den er auf Anraten des Engels ausnimmt. Tobias heilt zuhause dann mit der Fischgalle die Blindheit des Vaters.

Tob 6,2 Der Knabe stieg hinab, um seine Füße in den Fluss Tigris zu tauchen. Da sprang ein großer Fisch aus dem Wasser auf und wollte den Fuß des Knaben verschlingen, der aber schrie. 3 Der Engel sagte zu dem Knaben: Packe ihn und bring den Fisch in deine Gewalt! Da überwältigte der Knabe den Fisch und zog ihn an Land. 4 Der Engel sagte ihm: Schneide den Fisch auf, nimm Galle, Herz und Leber heraus und leg sie für dich zur Seite. Die Innereien aber wirf weg! Denn seine Galle, sein Herz und seine Leber sind ein wirksames Heilmittel.

Johann Jakob von Sandrart (1655–1698) & Elias Porcelius (1662–1722), Gantz neue Biblische Bilder-Ergötzung: Dem Alter und Der Jugend Zur Beschauung und Erbauung/ Aus dem alten Testament angestellet und mitgetheilet: Von Johann Andreæ Endters Seel. Söhnen in Nürnberg [ca. 1700]

Literatur: http://www.bibelwissenschaft.de/bibelkunde/spaetschriften-des-at/tobit/

Kriegselefanten im feindlichen Heer

2. Makkabäer 13,1ff: Antiochus Eupator zieht mit einem Heer gegen Judäa, in dem Kireger auf zweiundzwanzig Elefanten mitkämpfen; vgl. 2 Makk 15,20

1. Makkabäer 6,32ff.: Und ein jeder Elefant trug einen hölzernen Turm, darin waren je zweiunddreißig Krieger und der Inder, der das Tier regierte. […] 42 Und Judas zog auch gegen sie in seiner Ordnung und schlug sechshundert tot aus des Königs Heer. 43 Und Eleasar Awaran merkte einen Elefanten, der war höher und besser gerüstet denn die andern, und dachte, der König wäre darauf; 44 und gab sich hin, daß er das Volk Israel errettete und einen ewigen Namen erlangte, 45 lief mit großer Kühnheit hinzu, drang durch die Feinde und tötete ihrer viele auf beiden Seiten. 46 Und machte sich unter den Elefanten und stach ihn, daß der Elefant umfiel auf ihn, und starb, und schlug ihn auch tot.

Icones Biblicae Veteris et Novi Testamenti. Figuren Biblischer Historien Alten und Neuen Testaments – Proprio aere aeri incisae, et venales expositae a Melchiore Kysel, Augustae Vind. anno Christiano XDCLXXIX. Dritter Theli, Nr. 49.

Ochs und Esel sind bei der Geburt Jesu anwesend

Die Vorstellung ist entwickelt aus alten Übersetzungen (Septuaginta = vorchristliche griechische Übersetzung des AT) von Jesaias 1,3 und Habakuk 3,2.

Quelle?

Antiphonale aus dem Dominikanerinnenkloster Paradiese bei Soest, 14.Jh. > http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ms/content/pageview/3316453

Ein Esel trägt den Heiland nach Ägypten (apopkryph; vgl. Mt. 2,13)

Giotto, Fresko in der Arenakapelle in Padua > http://www.zeno.org/nid/20004036433

Chorgestühl der Basilika Saint-Andoche in Saulieu (12. Jh.)

Jesus in der Wüste, am Ort der Versuchung, ist bei den Tieren Markus 1,3

Die von Jesus ausgetriebenen Dämonen fahren in Schweine Markus 5,11–14

Holzdecke der Kirche St. Martin in Zillis (genau datierbar auf 1109 bis 1114); vgl. Diether Rudloff u.a., Zillis. Die romanische Bilderdecke der Kirche St. Martin, Basel: Heman 1989.

Die Taube des Heiligen Geists bei der Taufe

Jesus lässt sich von Johannes im Jordan taufen. Als Jesus aus dem Wasser steigt, sieht er den Himmel geöffnet und den Heiligen Geist wie eine Taube herabkommen. (Markus 1,10 || Matthäus 3,16 || Lukas 3,22 || Johannes 1, 32)

Ausschnitt aus dem Kupfer von Caspar Luyken (1672–1708) in: Historiae celebriores Veteris et Novi Testamenti iconibus repraesentatae et ad excitandas bonas meditationes selectis Epigrammatibus exornatae. Nürnberg, Chr. Weigel 1712.

Beim Einzug in Jerusalem reitet der Heiland auf einer Eselin Matthäus 21:

1Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus 2 und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt, und gleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir! 3 Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen. 4 Das geschah aber, damit erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht (Sacharja 9,9): 5 »Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.« 6 Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, 7 und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf. 8 Aber eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.

Dies, weil es so beim Propheten vorausgesagt Sacharja 9,9 wird:

Detail aus dem Hintergrund:

            

Icones biblicæ præcipuas sacræ scripturæ historias eleganter & graphice repræsentantes. Biblische Figuren/ darinnen die Fürnembsten Historien/ in Heiliger und Göttlicher Schrifft begriffen/ Gründtlich und Geschichtsmessig entworffen/ zu Nutz und Belustigung Gottsförchtiger und Kunstverständiger Personen artig vorgebilget [sic] / an Tag gegeben durch Matthaeum Merian von Basel; Band 3: Franckfurt am Mayn/ bey Erasmo Kempffern MDCXXVII; Kapitel xxvii.

In Prozessionen wurden solche Figuren mitgeführt:

Palmesel aus Schwäbisch Gmünd

Lucas Cranach d.Ä. setzt die Szene des demütig auf einem Esel in Jerusalem einreitenden Jesus derjenigen der prunkvoll einherreitenden katholischen Geistlichkeit (erkennbar der Papst, ein Kardinal, ein Bischof) gegenüber, die auf die Hölle zureiten:

Passional Christi und Antichristi, Wittenberg 1521 > http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0002/bsb00027007/images/

Die Evangelisten Markus, Lukas und Johannes haben Tiere als Attribut

Das ist zwar nicht direkt auf einen biblischen Text gegründet, wird aber plausibel gemacht.

Adler des Johannes; Deckengemälde im Kloster Rheinau (Kanton Zürich). (Foto P.M.)

Traum von Petrus zur Aufhebung der Speisegebote

Und als er hungrig wurde, wollte er essen. Während sie ihm aber etwas zubereiteten, geriet er in Verzückung und sah den Himmel aufgetan und etwas wie ein großes leinenes Tuch herabkommen, an vier Zipfeln niedergelassen auf die Erde. Darin waren allerlei vierfüßige und kriechende Tiere der Erde und Vögel des Himmels. Und es geschah eine Stimme zu ihm: »Steh auf, Petrus, schlachte und iss!« Petrus aber sprach: »O nein, Herr; denn ich habe noch nie etwas Verbotenes und Unreines gegessen«. Und die Stimme sprach zum zweiten Mal zu ihm: »Was Gott rein gemacht hat, das nenne du nicht verboten«. Und das geschah dreimal; und alsbald wurde das Tuch wieder hinaufgenommen gen Himmel. (Apostelgeschichte 10,10–16)

Biblia ectypa. Bildnußen auß Heiliger Schrifft Alt- und Neuen Testaments, in welchen Alle Geschichte und Erscheinungen deutlich und schrifftmäßig zu Gottes Ehre und Andächtiger Seelen erbaulicher beschauung vorgestellet werden. … neu hervorgebracht von Christoph Weigel [1654–1725], Kupfferstecher in Augspurg, 1695–1697.

> https://books.google.ch/books?id=IdtJAAAAcAAJ&hl=de&source=gbs_navlinks_s
Hinweis bei >http://www.pitts.emory.edu/dia/index.cfm

Die Friedensvision des Propheten Jesaias (Jes 11,6-8; 65,25)

6 Da werden die Wölfe bei den Lämmern wohnen und die Panther bei den Böcken lagern. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben. 7 Kühe und Bären werden zusammen weiden, daß ihre Jungen beieinander liegen, und Löwen werden Stroh fressen wie die Rinder. 8 Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein entwöhntes Kind wird seine Hand stecken in die Höhle der Natter.

hicks

Ein berühmtes Bild dazu stammt von dem amerikanischen ›naiven‹ Maler Edward Hicks (1780–1849) »Peaceable Kingdom«, mehrfach im Web zu finden.

Literaturhinweis: Carolyn J. Weekley, The Kingdoms of Edward Hicks,  Williamsburg, Va.: Colonial Williamsburg Foundation 1999.


Literaturhinweise

Othmar Keel / Thomas Staubli u.a., Im Schatten deiner Flügel. Tiere in der Bibel und im Alten Orient, Freiburg/Schweiz: Univ.-Verlag 2001.

Yehûda Felîqs, The animal world of the Bible; the identification of all animals mentioned in the Bible and their descriptions based on the Bible, the Mishna, the Midrash and the Talmud and placed in an Israeli setting, Tel-Aviv: Sinai, 5722/1962.

Jean-François Froger, Le bestiaire de la Bible, Méolans-Revel: Editions Dés_Iris, 1994.

Ikonographie

Engelbert Kirschbaum / Wolfgang Braunfels u.a. (Hgg.), Lexikon der christlichen Ikonographie, Freiburg i.Br.: Herder 1968–1976.

Mehr Hinweise > hier.

Bibeln online

Verschiedene (dt., engl, lat. u.a.) Übersetzungen > https://www.bibleserver.com/start

Vulgata (mit Apokryphen) > http://lvc.ibibles.net/ oder http://www.intratext.com/X/LAT0001.htm

Hebräische Bibel (mit grammat. Hilfe!) > http://www.qbible.com/hebrew-old-testament/ oder http://www.scripture4all.org/OnlineInterlinear/Hebrew_Index.htm

Zürcher Bibel 1531 (Digitalisat) > https://www.e-rara.ch/zuz/content/structure/5464454

Lutherbibel 1545 (OCR-erfasst) > http://www.zeno.org/nid/20005319676

Bei der Zählung und Übersetzung der Psalmen und bei Job/Hiob ist anzugeben, ob aus der Vulgata (Vg.) oder nach dem masoretischen Text (MT), den die Reformatoren übernehmen, zitiert ist.

 


 

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