Einhorn
Seit Jahrhunderten kursieren viele Geschichten über das Einhorn, und es gibt allein schon in unserem Kulturkreis hunderte von Bildern. Seltsamer Hype um ein Wesen, das es gar nicht gibt...
Interessant bei diesem Thema ist: Wie ein 1-deutig erkennbares Wesen in verschiedenen Diskursen erscheint (in Reiseberichten, in der Spiritualität, in der Emblematik; von der Enzyklopädie bis zum Kinderbuch); wie damit gelegentlich Schindluder getrieben wird, wie seine Existenz dementiert wird; wo es als Nebenmotiv auftritt; welche Interpretations-Probleme man gelegentlich hat, wenn kein erklärender Text dem Bild beigegeben ist und evtl. die künstlerische Phantasie überwiegt.
Es gibt eine Fülle an Forschungs-Literatur und Websites dazu.
Übersicht:
➹➹➹ Naturbeschreibung, Reiseberichte
➹➹➹ Einhorn-Medizin
➹➹➹ In der Bibelwissenschaft
➹➹➹ In der christlichen Symbolik
➹➹➹ Profane Symbolisierungen
➹➹➹ Einhörner ohne tiefgründige Symbolik
➹➹➹ Die Existenz wird fragwürdig
➹➹➹ Anhang: Ungedeutetes
➹➹➹ Literaturhinwiese
Naturbeschreibung, Reiseberichte
Der griechische Arzt Ktesias aus Knidos, der 401 v.u.Z. an den Hof Artaxerxes’ II. von Persien gekommen war, erzählte in seinem das damalige Wissen über Indien zusammenfassenden Buch »Indica« von einem seltsamen Tier: Es gebe dort wilde Esel, die so groß wie Pferde und größer seien. Ihre Körper seien weiss, ihre Köpfe dunkelrot und ihre Augen dunkelblau. Sie hätten ein mehrfarbiges Horn auf der Stirn. Aus diesem Horn hergestelltes Pulver schütze gegen tödliche Drogen.
Aelian (um etwa 200 u.Z.) schreibt:
Es soll auch … ein Thier seyn, Einhorn, und von ihnen Kartazonen genannt.
An Größe soll es einem ausgewachsenen Pferde
gleichkommen, einen Haarschopf und ein gelbliches Haar haben, mit den Füßen wohl begabt, und sehr schnell seyn. Die
Füße haben keine Gelenke, und sind ähnlich den Füßen der Elephanten zusammengewachsen; der Schwanz ist wie der
eines Schweines. Mitten zwischen den Augbraunen hat
es ein Horn, das aber nicht glatt, sondern mit natürlichen
Windungen versehen ist, und schwarz von Farbe. Es soll
dieses Horn auch sehr spitzig seyn. Wie ich höre, ist die
Stimme dieses Thieres sehr widrig und durchdringend.
Wenn sich ihm andere Thiere nähern, so duldet es dieß,
und ist ganz sanft; mit gleichartigen Thieren aber ist es
unverträglich. Und nicht allein zwischen den Männchen finden Kämpfe und Schlachten statt, sondern auch gegen die
Weibchen hegen sie denselben Zorn, und wenn sie besiegt sind,
treiben sie den Zwist bis zum Tode. Die Stärke des Thieres verbreitet sich durch seinen ganzen Leib; aber die Kraft
seines Hornes ist unbesieglich. Es liebt einsame Weideplätze,
und schweift allein umher; zur Zeit der Begattung aber
paart es sich mit dem Weibchen und wird zahm, und sie
halten sich zusammen: ist aber diese Zeit vorbei und das
Weibchen trächtig, so wird das Indische Kartazonon wieder
wild und sucht die Einsamkeit. Die Füllen schaffen sie ganz
jung zu dem Könige der Präsier, und sie zeigen dann ihre
Stärke gegen einander bei den festlichen Schauspielen. Daß
aber ein erwachsenes gefangen worden, erwähnt Niemand.
Claudius Aelianus, »Tiergeschichten« (Περὶ ζῴων ἰδιότητος ) XVI.Buch, Kap.20. (Übersetzung von Friedrich Jacobs, Aelian’s Thiergeschichten. Stuttgart 1839, Band 4, S.1042–1043)
Immer wieder kopiert wird der Bericht von Plinius dem Älteren (ca. 23–79 u.Z.), der in seiner Naturkunde (VIII, xxxi, 76) schreibt:
in India et boves solidis ungulis, unicornes, ... Orsaei Indi ... venantur asperrimam autem feram monocerotem, reliquo corpore equo similem, capite cervo, pedibus elephanto, cauda apro, mugitu gravi, uno cornu nigro media fronte cubitorum duum eminente. hanc feram vivam negant capi.
In Indien soll es Rinder mit ungespaltenen Klauen und einem einzigen Horn geben ... Die Orsäer in Indien jagen als wildestes Tier das Einhorn, das sonst am Körper dem Pferde, am Kopf aber dem Hirsch, an den beinen dem Elefanten, am Schwanz dem Eber ähnlich ist, dumpf brüllt, während ein zwei Ellen langes schwarzes Horn mitten auf der Stirne hervorragt. Lebend soll sich dieses Wild nicht fangen lassen.
Neben (nach heutiger Vorstellung) wirklich existierenden Tieren wie Elefanten, Rhinoceros, Krokodil, Chamäleon u.a. werden hier auch aufgeführt: Sphingen, leukokrota, mantichora, Basilisk, ichneumon – und eben auch das Einhorn.
Plinius, Naturkunde, Lat.-dt., Buch VIII, hg. und übersetzt [mit Erläuterungen] von Roderich König, Heimeran-Verlag 1976.
Kleine Vorausschau: Im Kapitel von den Viech/ den vierfüssigen Thieren […] in der illustrierten Plinius-Übersetzung 1565 sieht das dann so aus:

Dise Leuth jagen noch ein ander sehr grimmiges Einhörnigs
Wild/ das am Leibe einem Pferd/ am Kopff einem Hirschen/ an Füssen einem Helffanten vnnd am Schwanz einem Wilden Schwein gleich sihet/ brüllet grausam/ vnd hat ein schwarz Horn mitten an der stirn/ zweier Ellenbogen lang / sie sagen dises Thier möge lebendig
nicht baldt gefangen noch ergriffen werden.
Caij Plinij Secundi / Des furtrefflichen Hochgelehrten Alten Philosophi / Bücher und schrifften / von der Natur / art vnd eigenschafft der Creaturen oder Geschöpffe Gottes / […] auß dem Latein verteutscht durch M. Johannem Heyden / Eifflender von Dhaun […] Mit einem Zusatz auß H. Göttlichen Schrifft, vnd den alten Lehrern der Christlichen Kirchen, […] Sampt vil schönen kurtzweiligen Historien, auß allerley andern Scribenten, […], Frankfurt: Sigmund Feyerabend 1565.
Marco Polo († 1324) berichtet in seinem »Divisament dou monde« (Die Vielfalt der Welt), dass er solche Tiere im fernen Osten gesehen habe:
Do sint ouch elephant, do sint auch vil eynhorn, dy luzzil cleyner sint wen di elephant, sundir sy han hor sam die buffil odir daz wisint unde vuze als eyn elephant, das houbt sym eyn swyn krum czu der erdin; sy wonen gerne in deme wassir und in den pfuelin und han eyn horn mittin an der stirnen unde das ist grob unde swarcz, ir czunge scharf sam dorn von langin stichlin, mit dem tun si we beyde lutin [Leuten] und tyern, und di sint schylich obil an czu seen sam die merwundir. (Der mitteldeutsche Marco Polo. Nach der Admonter Handschrift hrsg. von Eduard Horst von Tscharner, Berlin 1935, Deutsche Texte des Mittelalters 40)
Und das ist keine dichterische Ausgeburt, denn:
Messer Marco Polo, ein gebildeter edler Bürger aus Venedig, erzählt hier, was er mit eigenen Augen gesehen hat. Es gibt allerdings einzelnes, das er nicht gesehen, jedoch von vertrauenswürdigen Leuten vernommen hat. [...] Jeder Leser und jeder Zuhörer darf Vertrauen haben: das Buch handelt nur von wahren Begebenheiten. (¶ I) Es ist die reine Wahrheit. Dort kommen die fabelhaftesten Dinge vor. Wer davon hört, wird sich vor Verwunderung nicht fassen können. Der Reihe nach werde ich aufschreiben, was Messer Marco wirklichkeitsgemäß erzählt hat. (¶ CLVIII) (Marco Polo, Milione. Die Wunder der Welt, Übersetzung aus altfranzösischen und lateinischen Quellen und Nachwort von Elise Guignard. Zürich: Manesse, 1983)
Bernhard von Breydenbach (ca. 1440 – 1497) will das Tier im Heiligen Land wahrhaftig gesehen haben:

Haec animalia sunt veraciter depicta sicut vidimus in terra sancta
Peregrinatio in Terram Sanctam, Mainz: Erhard Reuwich 1486.
> http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ink/content/pageview/4422000
Bernhard von Breydenbach, Dis buch ist innhaltend die heiligen reysen gein Jherusalem zu dem heiligen Grab vnd furbaß zu der hochgelobten jungfrowen vnd merteryn sant katheryn, [Speyer], [ca. 1505]
> https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/....page=224
Im umfangreichen naturwissenschaftlichen Werk »Hortus sanitatis« (eines unbekannten Verfassers) werden im Teil de animalibus (für unser Empfinden kunterbunt tatsächlich existierende und phantastische) Tiere besprochen, hier Kapitel 126: Rinocephalus
monoceron: id est vnicornus eo quod vunum cornu in media fronte habeat.

Hortus sanitatis, Jacob Meydenbach, Mainz 1491.
> http://diglib.hab.de/drucke/42-4-med-2f/start.htm?image=00580
> https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k10953660/f584.item
Interessant ist diese Textpassage: Das Horn ist so scharf und stark, dass es, was das Tier angreift, in die Luft schwingt oder durchbohrt. Wenn es wie oft mit einem Elefanten kämpft, bringt es diesen mit einer Wunde im Bauch um.
Das ist ein Verhalten das über Jahrunderte dem Nashorn zugeschrieben wurde, vgl. diese Zusammenstellung.
Noch Willibald Kobolt (vgl. unten) kennt das anno 1738:
Das merckwürdigiste / und in der Artzney das kostbarste ist an diesem Thier das bey 2. oder 3. Elen lange / starcke und spitzige Horn / welches an seiner Stirn gerad hinauß gehet / deßwegen es auch Einhorn genennt wird. Wann es mit dem Elephanten streiten will / da wetzt es zuvor das Horn an einem Felsen / und schaut / daß es ihme den Bauch / welcher weich ist / darmit durchsteche und aufreisse; wann es aber fehlt / da wird er von ihm zerrissen.
1545 ist vom Einhorn (als einem Kompositwesen) nur im Modus der Vermutung die Rede:
Monoceros soll ein Thier sein/ von vielen Thieren zusamen gesetz/ mitt greulichem/ vast erschrockenlichem geschrei/ von leibes gestalt wie ein Pferdt/ aber die füß vnd schenckel wie der Helffant/ ein schwantz wie ein schwein/ kopff als ein Hirtz/ an mitte der stirnen soll es ein langes horn haben/ schön vnd sehr gleissend ...
Das ist ein Reflex des hier übersetzten Texts von Abertus Magnus († 1280): Monocerontem vocant animal ex multis compositum… (de animalibus, XXII,ii,71 = ¶ 119)

Thierbuch Alberti Magni. Von Art Natur vnd Eygenschafft der Thierer/ als nemlich von vier füssigen/ Vögeln/ Fyschen/ Schlangen oder kriechenden Thieren/ vnd von den kleinen gewürmen die man Insecta nennet/ durch Waltherum Ryff verteutscht. Frankfurt am Main: Jacob 1545.
>
http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00073687/image_5
Conrad Gessner (1516–1565) kompilierte in seinem Tierbuch alle ihm erreichbaren Texte: Conradi Gesneri medici Tigurini historiae animalium lib. I. de quadrupedibus viviparis, Zürich: Froschauer 1551; Fol. 781–786.
Er gibt auch einen Holzschnitt mit einem Bild des Tiers bei, kommentiert diesen aber vorsichtig: Figura hæc talis est, qualis a pictoribus fere hodie pingitur, de qua certi nihil habeo. (≈ Dieses Bild ist so, wie es heutzutage in der Regel gemalt wird, wovon ich aber nichts Sicheres glaube.)

In der deutschen Übersetzung (Auflage 1563) stehen (gemäß der Struktur aller Einträge) diese Unterkapitel (daraus unten einige Kostproben):
Von gestalt des Einhorns.
Wo das Einhorn zefinden.
Von natürlicher art vnd anmuot dises thiers.
Wie sy gefangen werdind.
Von narung des Einhorns.
Von nutzbarkeit vnd gebrauch der von disem thier kumpt.
Lustig historien von disem thier oder seinem ghürn härrürend.
Wo das Einhorn zefinden
Niemants ist der dieses thier ye in Europa gesehen hab: vnd wiewol der Römisch pracht alle thier der erden in jre schauwplätz vnd triumph zebringen sich vnderstanden/ lißt man doch nit daß das Einhorn ye dem Römischen volck gezeigt worden seye/ da sunst Tiger/ Panthier/ Naßhorn/ Löuwen/ Trachen etc vnd alle grausame gwild fürgestelt worden.
Derwegen den Landfareren vnnd weytreisenden glauben darvon geben werden muoß/ was sy ja sagen: dann ein mal so ist das thier auff erden/ sunst wären der hörner nit vorhanden: vnd laß man es darbey bleyben/ daß Jndien/ Arabien/ Morenland sy erzeüge.
Von nutzbarkeit vnd gebrauch
Sein ghürn wirt yetzmals in der Artzney gelobt vnd gebraucht/ von dem wie es sey/ vnd wie es etlich felschen/ wöllen wir hier sagen. […] Die krafft des Einhorns ist vornen am spitzen heilsamer dann hinden: vnd ist wol acht zuo nemen/ daß man von gantzen/ oder sunst grossen stucken des gehürns kauffe […] Es ist falsch vnd ein betrug/ daß man sagt/ wo Einghürn lige/ vnd gifft darzuo komme/ so schwitze das Einghürn […]. Die alten ärtzet haben jre artzney zuo sölichen schäden [pestilentzische fieber] vom Einghürn in der weyß gebraucht/ daß sy trinckgeschirr auß dem ghürn gemacht/ vnd den krancken darauß zetrincken geben […]
Thierbuoch Das ist ein kurtze bschreybung aller vierfüssigen Thieren/ so auff der Erden und in wassern wonend, sampt jrer waren Conterfactur: alles zuo nutz vnd guotem allen liebhabern der künsten/ Artzeten/ Maleren/ Bildschnitzern/ Weydleüten vnd Köchen gestelt. Erstlich durch den hochgeleerten D. Cuonrat Geßner in Latin beschriben/ yetzunder aber durch D. Cuonrat Forer zuo mererem nutz aller mengklichem in das Teütsch gebracht/ vnd in ein kurtze komliche ordnung gezogen. Getruckt zuo Zürych bey Christoffel Froschower im Jar als man zalt M.D.LXIII.
Fol. XXXV verso – XXXIX recto.
> http://dx.doi.org/10.3931/e-rara-5027
Im »Thierbuch« von Bocksberger / Amman wird das Tier 1569 (und in Neuauflagen) so gezeigt und die Fangtechnik mittels einer Jungfrau erwähnt, aber ohne allegorische Auslegung:


Ein neuw Thierbuch: Eigentliche vnd auch gründliche beschreibung allerley vier vnd zweyfüssigen Thieren vom grossen biß zum kleinsten sampt derer Art Wesen Natur vnd Eigenschafft. Erstlich Durch ... Hansen Bocksperger den juengern von Saltzburg in visirung gestellt Folgendts gerissen durch den Kunstreichen Joß Amman von Zuerich: Nun jetzt durch Georgium Schallerum von Muenchen Gantz fleissig beschrieben vnd in Teutsche Reimen gefasset ... Gedruckt zu Franckfurt am Mayn: bey Martin Lechler, in verlegung Hieronymi Feirabends Anno M.D.LXIX.
> https://www.digitale-sammlungen.de/en/view/bsb00092448?page=51
Das Tier wurde – weil es ja in der Bibel mehrfach genannt und bei den antiken heidnischen Autoren beschrieben wird – für existierend gehalten. Dass es in renommierten Werken wie z.B. dem des Joannes Jonstonus (1603–1675) abgebildet wurde, mag diesen Glauben verstärkt haben:

Historiae Naturalis De Quadrupetibus [recte: Quadrupedibus] Libri. Francofurti Ad Moenum: Impensis Haeredum Math. Meriani [1652].
http://www.uni-mannheim.de/mateo/camenaref/jonston/vol4/jpg/s077.html
Dass das Einhorn nicht für ein seltsames Monstrum gehalten wurde, geht daraus hervor, dass Ulisse Aldrovandi (1522–1605) es in diesem Buch nicht erwähnt:
Vlyssis Aldrovandi Patricii Bononiniensis Monstrorvm Historia. Cvm Paralipomensis Historiæ Omnivm Animalivm Bartholomaeus Ambrosinvs […], Bononiae: Marco Antonio Bernia 1642.
Unter uns gesagt: Würde KI (artifizielle "Intelligenz") auch herausfinden, dass etwas in einem Buch, wo man es erwarten könnte, FEHLT? Und mit diesem Wissen eine Aussage machen?
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Einhorn-Medizin
Dem Horn wurde heilende Wirkung zugeschrieben, es wurde auch als Gegengift gehandelt.
••• Eine frühe Erwähnung findet sich im »Parzival« von Wolfram von Eschenbach (ca. 1200/1210). Der Einsiedler Trevrizent unterrichtet Parzival über den todkranken Anfortas. Dessen Wunde sei eine Strafe dafür, daß er einst um Orgeluse gebuhlt habe; im Kampf gegen einen Heiden habe er durch einen vergifteten Speer die Wunde empfangen. Er leide heftige Schmerzen; alle Heilmittel seien vergeblich gewesen. Ebenso wenig wie Pelikanblut und Trachonte-Wurzel nützten das Herz und der Karfunkel des Einhorns:
482,12: ein vogel heizt pellicânus:
swenne der vruht gewinnet,
alze sêre er die minnet,
in twinget sîner triuwe gelust
daz er bîzet durch sîn selbes brust
und lât daz bluot den jungen in den munt:
er stirbet an der selben stunt. [sofort]
dô gewunnen wir des vogels bluot,
ob uns sîn triuwe waere guot,
und strichenz an die wunden
sô wir beste kunden.
daz mohte uns niht gehelfen sus.
ein tier heizt monicirus:
daz erkennet der megede reine sô grôz,
daz ez slâfet ûf der megede schôz.
wir gewunnen des tieres herzen
über des küneges smerzen. [um die Schmerzen zu stillen]
wir nâmen den karfunkelstein
ûf des selben tieres hirnbein, [sollte es nicht ûz heissen?]
der dâ wehset under sînem horne.
wir bestrichen die wunden vorne
und besouften den stein drinne gar: [drückten ihn ganz hinein]
diu wunde was êt lüppec var. [behielt das giftige Aussehen|
daz tet uns mit dem künege wê.
wir gewunnen ein wurz heizt trachontê
(wir hoeren von der würze sagen,
swâ ein trache werde erslagen,
si wahse von dem bluote.
der würze ist sô ze muote,
si hât al des luftes art),
ob uns des trachen ummevart
dar zuo möhte iht gevromen …
Das Leiden von Anfortas kann mit diesen Heilmitteln also nicht behoben werden. Erst als ihn dann Parzival – mitleidvoll – fragt: œheim, waz wirret dir? (Onkel, was fehlt dir? 795,29), wird er schlagartig gesund.
••• Der Text zum Bild der Einhornjagd von Jan van der Straet (inv.; 1523–1605) und Johannes Collaert (sculps.; 1561–1620) sagt,
dass aus dem Horn Trinkgeschirre verfertigt werden, die [wenn man daraus trinkt] Krankheiten heilen, Wunden pflegen, Gift vertreiben ≈ sanant morbos, vulnus curant, pellunt venena.

> http://diglib.hab.de?grafik=37-6-geom-2f-00029
••• Die Preise für dieses ›Medikament‹ waren gigantisch. Der Gram über die Entdeckung des Narwals bei den Apothekern war enorm.
Spankästchen für zerstoßenes Einhorn.

um 1800. Germanisches Nationalmuseum Nürnberg (vgl. Philine Helas, Kat.1.25)
••• Wohl aus diesem Grund gibt es viele Apotheken mit diesem Logo:

 
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In der Bibelwissenschaft
Iin der Bibel wird ein Tier mit der hebräischen Bezeichnung rə’ēm (vgl. Strong’s Dictionary #H7214) acht Mal erwähnt — man weiss nicht, was gemeint ist.
Die im 3. Jh. v.u.Z. begonnene und hoch geschätzte griechische Bibelübersetzung (›Septuaginta‹) übersetzt das Wort mit μονόκερως [monokeros], d.h. Ein-Horn:
- Numeri 23,22: ὡς δόξα μονοκέρωτος αὐτῷ
- Deuteronium 33, 17: κέρατα μονοκέρωτος τὰ κέρατα αὐτοῦ·
- Job 39, 9: βουλήσεται δέ σοι μονόκερως δουλεῦσαι
- Psalm 21,22: καὶ ἀπὸ κεράτων μονοκερώτων τὴν ταπείνωσίν μου.
- usw.
In der Kirchenväterzeit und im Mittelalter kursierten verschiedene lateinische Bibelübersetzungen, das ist immer zu bedenken. Die älteren Übersetzungen, sog. *** ›Vetus Latina‹, verwenden das Wort unicornis, während dann die (erst seit dem Konzil 1546 als einzig authentisch erklärte) ›Vulgata‹ einige Male mit rhinoceros übersetzt. Vgl. Bibliorum Sacrorum latinae versiones antiquae seu Vetus italica, Operâ & studio Petri Sabatier, tom I, Remis 1743.
- Numeri 23,22 und Parallele 24,8: Gott hat sie aus Ägypten herausgeführt, sein ist ja die Herrlichkeit des Einhorns; (*** Versio antiqua: Deus ex Ægypto vocavit eum, gloria ejus sicut unicornis. / Vulgata: Deus eduxit illum de Ægypto, cujus fortitudo similis est rhinocerotis.)
- Deuteronium 33,17: Der Erstgeborene des Stieres – das ist seine Schönheit, die Hörner des Einhorns sind seine Hörner. (*** Versio antiqua: Primogenitus tauri decus ejus, cornua unicornui cornua ipsius / Vg.: Quasi primogeniti tauri pulchritudo ejus, cornua rhinocerotis cornua illius.)
- Job 39, 9: Wird dir das Einhorn dienen oder an deiner Krippe ruhen wollen? (*** Versio antiqua: Volet autem monoceros servire tibi aut dormire super praesepe tuum? / Vg.: Numquid volet rhinoceros servire tibi.)
- Psalm 21,22: Rette mich aus dem Rachen des Löwen, und vor den Hörnern der Einhörner meine Ohnmacht (Vg.: Salva me ex ore leonis, et a cornibus unicornium humilitatem meam.)
- Psalm 28,6: Er lässt den Libanon hüpfen [zu Staub werden] wie das Kalb, und (er ist) der Geliebte wie der Sohn der Einhörner (Vg.: et comminuet eas, tamquam vitulum Libani, et dilectus quemadmodum filius unicornium.)
- Psalm 77 69: Und er hat sein Heiligtum erbaut wie das von Einhörnern, er gründete ihn [den Stamm Juda] auf der Erde für immer. (Vg.: Et aedificavit sicut unicornium sanctificium suum, in terra quam fundavit in saecula.)
- Psalm 91,11: Und mein Horn wird erhöht werden wie das des Einhorns. (Vg.: Et exaltabitur sicut unicornis cornu meum, et senectus mea in misericordia uberi.)
Der Orientalist Samuel Bochart (1599–1667) behandelt das hebr. Wort rə’ēm philologisch ausführlichst auf 25 Foliospalten (Pars prima, Lib. III, Cap. xxvii = Col. 948–972)
Samuel Bochartus, Hierozoicon Sive Bipertitum Opus De Animalibus S. Scripturæ ... Cum Indice Septuplici ... / Authore Samuele Bocharto, Revisum atque correctum ab innumeris mendis, quibus Editio Londinensi scatebat, Opera atque studio David Clodii Hamb. Profess. GisseniFrancofvrti Ad Moenvm. Impensis Johannis Davidis Zunneri. Typis Balthas. Christophori Wustii 1675 [erste Ausgabe 1663]

Holzschnitt Spalte 955/965
Johann Jacob Scheuchzer (1672–1733) bespricht das Tier zur Stelle 4.Mos 23,22: GOTT hat sie aus Egypten geführet, seine Stärke / Freudigkeit ist wie eines Einhorns. (Übersetzungen der Zürcher Bibel und der Lutherbibel)
Während Phönix, Greif als Fabeltiere eingeschätzt werden – um das Einhorn hingegen streitet man noch immer, ob zwar nicht so sehr ob? als vielmehr was es seye? Aus dem Text 4.Mos.24,8 kann man entnehmen, dass es ein ansehnliches, hohes und starckes Thier seye. Aus Hiob 39,9ff. kann man entnehmen, dass es ein wildes unbändiges Thier ist. Aufgrund von Psalm 92,11 und Ps. 22,22 (MT) muss man annehmen, dass es ein gehörntes Tier sei. Im Segen von Moses heisst es von den nachfolgenden Stämmen, sie werden Völker niederstoßen wie Einhörner (5.Mos 33,17). Scheuchzer traut den vielen (von Bochart zusammengetragenen) antiken Textzeugnissen nicht; das von Plinius (Naturkunde VIII,xxxi,76) beschriebene hält er für aus verschiedenen Bestandteilen literarisch zusammengesetzt. Er hält es für wahrscheinlich, dass die Juden das Nashorn kannten, und er gibt auf TafelCCCXIII denn auch Dürers berühmtes Bild des Rhinoceros wieder. Die Beschreibung von Paulus Venetus (Philosophia naturalis 1521) kommet gäntzlich mit dem Naßhorn überein. Andere Beschreibungen hält er für Alfanzereyen, die mehr ein Lachen und Geringachtung als eine Bewunderung oder Widerlegung verdienen. Die in Naturalienkammern und Apotheken aufgehängten Hörner gehören dem Narhval. (Er verweist auf seine Tafel XVI).
Fazit: Bey so verschiedenen, und mit starcken Gründen gegen einander stehenden Meynungen, kan man sich so leicht nicht entschliessen, wohin man sich lencken solle; Die gelehrteste ist des Bocharti, die natürlichste und einfältigste aber scheint dem Naßhorn das Wort zu reden […]

Tafel CCCXV mit der Beschreibung Alte Tafel mit denen Orygibus (griech./lat. oryx: eine wilde Ziegen- / Gazellenart) –
Dieses Bild ist direkt übernommen aus Bochart!
Kupfer-Bibel, in welcher die physica sacra, oder geheiligte Natur-Wissenschafft derer in Heil. Schrifft vorkommenden natürlichen Sachen, Deutlich erklärt und bewährt von Joh. Jacob Scheuchzer […]. Anbey zur Erläuterung und Zierde des Wercks in künstlichen Kupfer-Tafeln ausgegeben und verlegt durch Johann Andreas Pfeffel; Augsburg und Ulm: Ch. U. Wagner, 1731–1735.
Zweyte Abtheilung, S.578ff.
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In der christlichen Symbolik
• Der unschuldig Verfolgte betet im Psalm 21 [Vg.-Zählung]
21 Erue a framea, Deus, animam meam, et de manu canis unicam meam.
22 Salva me ex ore leonis, et a cornibus unicornium humilitatem meam.
≈ 21 Errette meine Seele, Gott, vom Schwert, und mein einziges [Leben] vor den Hunden. 22 Hilf mir aus dem Rachen des Löwen und errette mich Erniedrigten vor den Hörnern der Einhörner.
Die Stelle wird dann typologisch auf Jesus bezogen. Das Bild im Stuttgarter Psalter zeigt den Gekreuzigten, der von den genannten Tieren angegriffen wird:

aus dem Stuttgarter Psalter
• Der über seine Feinde Triumphierende in Psalm 91 [Vg.],11 jubelt: Et exaltabitur sicut unicornis cornu meum, et senectus mea in misericordia uberi.
(Kontext: 10 Denn siehe, HERR, deine Feinde werden umkommen, und alle Übeltäter werden zerstreut werden. 11 Mein Horn wird erhöht sein wie das Horn eines Einhorns, und mein Alter wird fruchtbar sein an Barmherzigkeit. 12 Mein Auge wird herabsehen auf meine Feinde, und mein Ohr wird hören von denen, die sich in Bosheit gegen mich erheben.)

Stuttgarter Psalter ≈
Württembergische Landesbibliothek. Cod.bibl.fol.23
> http://digital.wlb-stuttgart.de/purl/bsz307047059
Für das Christentum wurde sodann das Kapitel im »Physiologus« wichtig, diesem aus dem 2. / 4. Jahrhundert stammenden kleinen Werk über die Eigenschaften und allgeorischen Auslegungen von Tieren, Pflanzen und Steinen, das in großer Zahl weitergereicht wurde: Der Physiologus sagte vom Einhorn, dass es folgende Eigenheit habe: Ein kleines Lebewesen ist es, wie ein Böckchen, aber ganz außerordentlich leidenschaftlich. Nicht kann ein Jäger ihm nahekommen, weil es sehr stark ist. Ein einziges Horn hat es mitten auf seinem Kopf.
Wie nun wird es gefangen? Eine reine Jungfrau
, fein herausgeputzt, werfen sie vor es hin, und es springt in ihren Schoß; und die Jungfrau säugt das Lebewesen und bringt es in den Palast zum König.
Dies wird übertragen auf das Bildnis unseres Heilands. Denn es wurde auferweckt aus dem Hause Davids das Horn unseres Vaters, und wurde zum Horn des Heils […] (< Lukas 1,69: Horn des Heils, Zitat aus dem AT)
Der Physiologus, Übertragen und erläutert von Otto Seel, Zürich: Artemis 1960; Kap. 22.
Hier die ausführlichere althochdeutsche Variante (Wiener Prosafassung, Mitte des 12. Jahrhunderts):
Ouch ist ein tier unte heizzit Einhurno. von deme zellit Physiologus,
daz iz suslich gislahte habe.
Iz ist luzzil tier unte ist deme Chizzine gilich unte ist vile chuone. Iz habit ein horn an deme houbite. nehein man nimag in givahen, neware mit disme liste.
Man nimit eine magit unte leittet sie in die stat, da der Einhurn emzige wisit, unt lazzit sie eine da. So der Einhurne si gisihet, so springet er in ir barm unde slaffet. so wirt er gevangen unde leitet man in zuo des chuniges phalinze.
Also tet unser trehtin, der haltende Christ, der geistlich Einhurne ist, so David sprach: „er ist min liebo also des Einhurnen sun" und chut ave sus: „Sin gewalt wirt erhöhet also des Einhurnen horn", sus chut Zacharias: „er irchuchet in Davidis geslahte daz horn unsere heile" [Lukas 1,69]; unt in dem buoche deutronomio da ist sus gescriben: Moyses, do er wihte Josebes geslahte, do chod er: „du min erister sun, din anesune ist getan also des Pharres, diniu horn sint getan, also des tieris Rinocerotis." [vgl. 5.Mos. 33,17]
Daz er ave éin horn habit, daz bezeichinot, daz Christ sprach: „Ich unt min vater wir birn ein"; Christis houbit daz ist got.
Sin chuoni diu meinit daz, wante neheine furstuomo noch gewalte noch herscaft in vernemen nimahten noch helle nimahte in gehaben.
Daz er luzzil ist, daz meinit diu diemuoti einer libhafte, also er selbe sprach: „Lirnet von mir, want ich milte bin unte diemuotis herzen."
Er got ist so chuoni, daz ter unchustigi tiefel firnemen noch ersuochen nimach di gitougen siner libhafti.
Mit einim deme willen sines vater so fuor er in die wambe der unbiruortin magide; duo wart daz wort ze fleiske getan unde wonet in uns.
Daz der Einhurne dem Chizze gelich ist, daz bezeichinot unseren haltare, also Sante Paulus chod: „Got wart getan in suntiges lichnamen bilde, do verdamnote er unsere sunte mit sineme lichenamen."
Der altdeutsche Physiologus. Die Millstätter Reimfassung und die Wiener Prosa, herausgegeben von Friedrich Maurer, Tübingen: Niemeyer 1967 (Altdeutsche Textbibliothek 67)
In den Bestiarien finden sich allüberall Bilder des Tiers, nur einige Beispiele:

Bodleiian Bestiary Ms. Bodl. 764, Fol. 22r Monoceros

UB Heidelberg, cpg 311 / 0226
> http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg311/0226
Ein wichtiger Multiplikator der Geschichte ist Isidor von Sevilla († 636) in seinen »Etymologien« XII, ii, 12–13.
Rhinoceron a Graecis vocatus. Latine interpretatur in nare cornu. Idem et monoceron, id est unicornus, eo quod unum cornu in media fronte habeat pedum quattuor ita acutum et validum ut quidquid inpetierit, aut ventilet aut perforet.
Nam et cum elephantis saepe certamen habet, et in ventre vulneratum prosternit.
Tantae autem esse fortitudinis ut nulla venantium virtute capiatur; sed, sicut asserunt qui naturas animalium scripserunt, virgo puella praeponitur, quae venienti sinum aperit, in quo ille omni ferocitate deposita caput ponit, sicque soporatus velut inermis capitur.
≈ Das Rhinozeros ist von den Griechen benannt worden. Lateinisch wird es nare cornu übersetzt. Es heissst auch monoceron, weil es ein einziges Horn in der Mitte der Stirn hat, vier Fuß lang und so scharf und kräftig. dass es alls, was es angreift, aufspießt oder durchbohrt.
Es kämpft oft mit Elefanten und wirft den im Bauch Verwundeten nieder (vgl. hier).
Es ist von so großer Stärke, dass es von keinem Jäger gefangen werden kann. Indessen, wie diejenigen versichern, die die Naturen der Tiere beschrieben haben, wird ein junges Mädchen hingesetzt, das dem Ankommenden seinen Schoß darbietet, in den das Tier, nachdem es all seine Wildheit abgelegt hat, seinen Kopf legt, und so eingeschlafen wie wehrlos gefangen wird.
Der Bezug von ›Einhorn« (unicornus) auf den ›Eingeborenen‹ (unigenitus), d.h. Christus, stammt nicht von Isidor, sondern von Kirchenvätern.
Aufgrund dieser Vorstellung wurde das Einhorn zu einem Mariensymbol. Das Einhorn bedeutet Christus, der einst gegenüber der Welt zürnte; das Horn seine Stärke; die Hunde, die das Einhorn treiben, sind Barmherzigkeit, Liebe, Gerechtigkeit und Wahrheit; die Jäger (die biblischen Propheten) können seiner mit keiner List habhaft werden; einzig der Jungfrau Maria legt es seinen Kopf in den Schoß; da verliert das Einhorn die unbeugsame Gerechtigkeit. Anselm Salzer, Die Sinnbilder und Beiworte Mariens in der deutschen Literatur und lateinischen Hymnenpoesie des Mittelalters, mit Berücksichtigung der patristischen Literatur. Eine literar-historische Studie (1886–1894); Nachdruck: Darmstadt 1967. S.44–50 und 524f.
Honorius Augustodunensis († etwa 1151) schreibt in einer Musterpredigt zu Weihnachten: Per bestiam hanc Christus exprimitur, per cornu ejus insuperabilis fortitudo exprimitur. Qui in uterum virginis se reclinans captus est a venatoribus, id est in humana forma inventus est a suis amatoribus.
≈ Durch dieses Tier wird Christus abgebildet; durch das Horn seine unüberwindliche Stärke. Es/er wird, wenn es/er sich in den Schoß der Jungfrau beugt, von den Jägern gefangen, das heißt: in menschlicher Gestalt von seinen Liebhabern gefunden.
Honorius, Speculum ecclesiae. De nativitate Domini, in: Migne, Patrologia Latina 172, 819.
Konrad von Würzburg († 1287), »Goldene Schmiede«, ein Marienlob in 1000 Reimpaaren
dû bist genant von schulden
ein maget aller megede.
dû vienge an eim gejegede
des himels einhürne,
der wart in daz gedürne
dirre wilden werlt gejaget
und suochte keiserlichiu maget
in dîner schôz
vil senftez leger.
ich meine dô der himeljeger [≈ Gottvater]
dem undertân diu rîche sint
jagte sin einbornez kint [≈ unigenitus Dei filius, vgl. Joh. 3,16–19 u.a.]
ûf erden nach gewinne
dô in diu ware minne
treip her nider balde
ze maneger sünden walde,
dô nam er, vrouwe, sine vluht
zuo dir, vil sælden riche vruht,
unt slouf in dinen buosen
der âne mannes gruosen [≈ grüner Trieb an Pflanzen]
ist lûter unde lichtgevar.
Crist Jesus den din lip gebar.
der leite sich in dine schôz.
do des vater minne grôz
in jagete zuo der erden.
er suochte dine werden
kiusche lûter unde glanz.
hg. Wilhelm Grimm, Berlin 1840, Verse 256ff.
Konrad von Megenberg (1309–1374) hat eine naturkundliche Enzyklopädie verfasst, in der das Einhorn auch vorkommt, und zwar mit einer allegorischen Auslegung:
VON DEM AINHÜRN. Unicornus ist ain ainhürn und ist ain klain tier, sam Isidorus spricht, gegen seiner grôzen kraft. ez hât kurzeu pain zuo seiner grœzen. ez ist gar scharpf und härwe, alsô daz ez kain jäger gevâhen mag mit gewalt. aber sam Isidorus und Jacobus sprechent,
sô væht man ez mit ainer käuschen juncfrawen. wenne man die læt aine sitzen in den walt, sô ez dâ zuo kümt, sô læzt ez alle sein grimmikait und êrt die rainikait des käuschen leibs an der juncfrawen und legt sein haupt in ir schôz und entslæft dâ. sô vâhent ez die jäger und füerent ez in die künigleichen paläst den läuten ze ainem anplick und zuo ainem schawen.
Daz tier bedäut unsern herren Jesum Christum, der was zornig und grimm, ê er mensch würd, wider die hôchvart der engel und wider die ungehôrsam der läut auf erden. den vieng diu hôchgelobt mait mit irer käuschen rainikait, Marîâ, in der wüesten diser kranken werlt, dô er von himel her ab sprang in ir käusch rain schôz. dar nâch wart er gevangen von den gar scharpfen jägern, von den juden, und wart lästerleich getœtt von in. dar nâch erstuont er und fuor ze himel in den palast des himelischen künges, dâ er ain süezer anplick ist der gemainschaft aller hailigen und aller engel. hilf muoter, hilf raineu mait, dû hâst oft geholfen, daz wir dein kint dâ beschawen. daz ainhürn unwerden, die ez dann hât.
Konrad von Megenberg, Buch der Natur III, 67, ed. F. Pfeiffer, Stuttgart 1861.
Diese Szene wird oft visualisert:

Codex Vindobonensis 507

Ashmole Library 1511
Eine seltsame Fassung mit zwei Jungfrauen bietet dieser Text der »Gesta romanorum«:
Von einem aynhurn vnd von zwain iunchfrawn.
in dem Lxxxij
Ez waz ein gepieter der hiet ein walt . dar inn waz ein einhorn . dem selben ainhorn getorst niemant genahen . daz vernam der gepietter vnd vragt die maister waz dez tyers natur wær. Die sprachen do . daz ainhorn hat lieb plozz vnd rain magd. Vnd fræwt sich irer antlutz. Nu hiezz der herr suochen in allem seinem reich zwo schœn vnd rain Junchfrawn so man si aller schœnst gehaben mocht. Die wurden funden. Vnd die giengen in die wüest dez waldez vnd warn gar enplœst . die ain iunchfraw die nam ein pech vnd die ander ein swert . Vnd da mit sungen si gar süezz in dem wald. Daz erhört daz ainhorn vnd chom zu in gelauffen. Vnd begond ire tüttel saugen . die iunchfraw sungen so lang daz ez wart rûen in iren schozzen in der schozz die daz pech trug. Aber die iunchfraw die daz swert truog do die sach daz ez entslaffen waz in der schos irer gespiln . die sluog im sein haubt ab vnd tötet ez . die ander vieng sein pluot in daz pech. Vnd von dem pluot hiezz im der chünich machen ein purpur.
Ir lieben: der gepietter ist der himlisch vater . got selber . daz ainhorn ist vnser herr Jesus christus . der waz vor der menschait gar übel [?]. Die zwo Junchfrawn . die warn Eua vnd Maria . die worn paid ploz von allen sünden. Eua in dem anfang irer geschepfd . Vnd Maria in irer muoter leib. Also warn si paid rain. Eua truog daz swert daz ist die sund . dar vmb Christus getötet ist vnd gestorben. Aber Maria hielt daz pech daz ist [das bedeutet:] daz er von ir nam die menschait vnd die menschlichen natur. Daz ainhorn saugt ir paider prüst. Pai zwain prüsten ist ze versten die alt ee [AT]. vnd die new ee [NT] Die christus gesogen hat . also daz er si paid erfült hat . vnd hat sein pluot vergozzen. Von dem selben pluot sind vnser sêl purper worden zuo dem ewigen leben.
Gesta Romanorum, das ist der Roemer Tat; [cgm 54; 2.Hälfte des 14. Jhs.]
hg. Adelbert von Keller
(Bibliothek der gesammten deutschen National-Literatur, 23.Band) 1841. [etwas vereinfacht]
Eine ähnliche Fassung findet sich im Codex Donaueschingen 145 (Mitte 15.Jh.). Kapitelüberschrift: Das seitt von zwayn junckfrowen vnd von ainem hyrzen [!]

> https://digital.blb-karlsruhe.de/blbhs/content/pageview/548355
Eine andere Fassung bietet Wolfgang Stammler (Hg.), Spätlese des Mittelalters; II. Religiöses Schrifttum (Texte des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, Heft 19), Berlin 1965. Nummer 22 und Kommentar S. 133–138.
Das Einhorn im »Hortus Conclusus«. Der Verkündigungsengel stürmt mit Jagdhunden (die die Tugenden bedeuten) und dem Einhorn auf Maria zu:

[Ulrich Pinder] Der beschlossen gart des rosenkranz marie. Gedrukt und volendet zu Nürmberk durch doctor Ulrichen pinter [1505].
Das sechst buch; Blatt ix verso
> https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb00022493?page=26
Verena Zollers Wirk-Teppich aus dem Benediktinerkollegium Sarnen, datiert 1554:

> https://upload.wikimedia.org/wikipedia/....Hortus_conclusum.....jpg
Anna Rapp Buri / Monica Stucky-Schürer in: Zs f Schwz Archäologie und Kunstgeschichte 52 (1995), S. 137–150. Digitalisat [mit präzisen Deutungen und weiteren Beispielen]
Vgl. ferner Bibiana Hubmann-Fellner Kapitel 3.8
Celestino Sfondrati (1644–1696): Una domat. Huius ferae victoria soli Virgini servabatur.
Das Einhorn. Eine bezammet.
Indien erzeiget das Einhorn. Dises Thier gleichet an Kopff dem Hirsch/ an Füssen der Gaiß/ an übrigen Leib dem Pferd; Es ist begabet an der Stirn mit einen schwartzen mit Kreysen umbwundenen zwey Ellen langen Horn, und einer solchen unbezaumbter Art/ daß es lebendiger nicht mag gefangen werden/ ausser das / wie Albertus, Nierenbergius und andere bezeugen, da es von weiten ein Mägdl ersihet/ alsobald zaumb werde, und mit gebogenen Knyen in die Schooß der Jungfrau gleich eines Bittenden falle, und also von denen Jägern gefangen werde.

Innocentia Vindicata, in Qua Gravissimis Argumentis Ex S. Thoma petitis ostenditur, Angelicum Doctorem, Pro Immaculato Conceptu Deiparae Sensisse & Scripsisse. Pars Prior Theologica. Authore […] Celestino Sfondrati, St.Gallen: Jacobus Müller 1695.
Die Erledigte Unschuld, In welcher Mit Uberschwäresten Beweißthumben Auß dem H. Thoma Erwiesen wird, Der Englische Lehrer habe beschlossen und geschrieben Für die Unbefleckte Empfängnuß Der Mutter Gottes// Coelestinus Sfondrati. Wien: Schwendimann 1717; II, S.81ff.
Der Dominikaner Franz von Retz († 1472) verfasste ein Werk (das »Defensorium inviolatae virginitatis Mariae« also: Verteidigungsrede für die unverletzte Jungfräulichkeit Marias), in dem er darlegte, dass alle Paradoxien, die man Maria zuschreibt (z.B. die Jungfrauengeburt) völlig erklärbar sind; für jedes scheinbare Paradox gibt es Parallelfälle aus der Natur und aus der antiken Mythologie.

Blatt 14: Rinoceron si virgini si inclinare valet. cur verbum patris celici virgo non generaret. (Ysidorus wird u.a. als Quelle genannt.)
Zeitgenössische Übersetzung: Dye magtlich reynigkeit | mag den eynhorn gefahen [fangen] | So mochte auch ein jungfrae gemeyt | Gottes sune entphanen.
Franz von Retz, Defensorium inviolatae virginitatis Beatae Mariae (Faksimile eines Inkunabel-Druckes um 1470, hg. Wilhelm L. Schreiber, Weimar 1910)
Nikolaus Reusner (1545–1602) verwendet das mariologische Konzept in seinem Emblembuch zum Motto Victrix casta fides ≈ Der keusche Glaube siegt.

Casta pudicitiae defenstrix bellua: cornu
Unum quae media fronte, nigrumque gerit.
Thesauros ornans regum, preciumque rependens.
Nam cornu praesens hoc levat omne malum,
Fraude capi nulla, nulla valet arte virorum
Callida: nec gladios, nec fera tela pavet:
Solius in gremio requiescens sponte puellae:
Foeminea capitur, victa sopore, manu. [der Text geht noch weiter...]
≈ Ein keusches Tier, Verteidiger der Keuschheit. Es trägt ein einzelnes schwarzes Horn mitten auf der Stirn. […] Dieses Horn vertreibt alles Böse sogleich. Durch keine Hinterlist kann es gefangen werden, keine List der Menschen nützt. Es fürchtet weder Schwerter noch wilde Waffen. Allein im Schoß eines Mädchens ruhend wird es von Frauenhand gefangen genommen, vom Schlaf überwältigt.
Emblemata Nicolai Revsneri IC. Partim Ethica, Et Physica: Partim ver Historica, & Hieroglyphica: sed ad virtutis, morumq[ue] doctrinam omnia ingeniosè traducta: & in quatuor libros digesta, cum Symbolis & inscriptionibus illustrium & clarorum virorum ...
Frankfurt am Main 1581.
> https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/reusner1581
Rätselhaft ist das Emblem Nr. XLVI bei Joseph Zoller O.S.B. [1676–1750]:

Unicornis, spelunca sua ab exteris animalibus occupata, ulterius subire recusans [was bedeutet das Anagramm?]
JEsus / Mariæ Sohn einem Einhorn verglichen/ Welches durchauß nit wohnen will/ wo einstens ein frembdes Thier gewohnet.
Mein H ö l e veracht/
Der Gast hat es gemacht.
Sein eigne Höl das Einhorn veracht/
Da selbes ein fremmdes Thier darin betracht.
So könt auch GOtt sagen: Ich geh nit hinein/
Wo d’ErbSünd gewohnet: da mag ich nit seyn.
Mariae höchst-wunderbarliche und ohne alle Sünden-Mackl gnaden-reich beschehene Empfängnuss/ in hunderterley Sinn-Bildern vorgestellet, mit minder durch gleich-lauffende Vers deutlich erkläret/ anbey mit einer anmüthigen Melodey versehen… Augsburg: Labhart 1712.
> https://hdl.handle.net/2027/uiuo.ark:/13960/t49p3jw00
Genaueres fände man in seinem Buch:
Conceptvs Chronographicvs De Concepta Sacra Deipara: Septingentis Sacrae Scripturae, SS. Patrum, Ac Rationum, Nec non Historiarum, Symbolorum, Antiquitatum, Et Anagrammatum Suffragiis Roboratus ...Combinatus Per P. Josephum Zoller, Ord. S. Benedicti ...Augustae: Labhart 1712
Seite 153 ≈ ¶ 316sqq. Conceptus XLVI
> https://www.digitale-sammlungen.de/....page=187
Anmerkung: Das Einhorn, das in der Allegorie des Manns am Abgrund den Tod bedeutet, ist ein Einzelgänger.
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Profane Symbolisierungen
Eine mittelalterliche Fabel (Perry 645 / John of Sheppey 13) erzählt:
Der treulose Löwe verstellt sich humpelnd und möchte vom Einhorn dessen Horn als Wanderstock für eine Reise ausleihen, da es genau die richtige Länge habe und sehr stabil sei. Das Einhorn glaubt dem Löwen und leiht ihm sein Horn und ist nun wehrlos. Der Löwe fügt dem Einhorn daraufhin eine schwere Wunde zu und streckt es nieder. – Moral: Wer das Leben seines Feindes verlängert, nimmt sich selbst etwas weg. Ecclesiasticus ≈ Sirach 12,10: Trau niemals deinem Feind!
Aesop's Fables, translated by Laura Gibbs (2002)
> http://www.mythfolklore.net/aesopica/oxford/110.htm
Francesco Petrarca (1304–1374), »Trionfi«
Wie bei einem Triumphzug im antiken Rom defilieren sechs allegorische Figuren am Autor vorbei: die Liebe; die Keuschheit; der Tod; der Ruhm; die Zeit; die Ewigkeit.
Die Sittsamkeit (PVDICITIA) hat als Zugtiere des Wagens Einhörner:

Kupferstich von Georg Pencz (1500–1550)
> https://sammlungonline.mkg-hamburg.de
Die Keuschheit (Castitas) hat als Reittier ein Einhorn:

Speculum humanae salvationis BSB Cgm 3974 (Mitte 15.Jh.)
> https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb00088606?page=1
In der Emblematik wird das Einhorn gerne als Bildspender verwendet.
Joachim Camerarius (1534–1598), Symbola et emblemata, Band II, Frankfurt: J. Ammon 1595 hat drei Einhorn-Embleme, darunter auch das marianische, das er indessen profan auf das keusche und reine Leben hin ausdeutet.
Die deutschen Texte hier nach der deutschen Übersetzung: Vierhundert Wahl-Sprüche und Sinnen-Bilder, durch welche beygebracht und außgelegt werden die angeborne Eigenschafften, wie auch lustige Historien und Hochgelährter Männer weiße Sitten-Sprüch. Und zwar Im 1. Hundert: Von Bäumen und allerhand Pflanzen. Im II. Von Vier-Füssigen Thieren. Im III. Von Vögeln und allerley kleinen so wol fliegenden als nit fliegenden Thierlien. Im IV. Von Fischen und kriechenden Thieren. Vormahls durch den Hochgelährten Hn. Ioachimum Camerarium In Lateinischer Sprach beschrieben: Und nach ihm durch einen Liebhaber seiner Nation / wegen dieses Buchs sonderbarer Nutzbarkeit allen denen die in vorgemelter Sprach unerfahren seyn/ zum besten ins ins Teutsch versetzet, Maintz: Bourgeat 1671.

II,xii: Würde meines Hornes Krafft mit nit kundig seyn/ Wär es mir nur eine Last in ein blosser Schein.
Man weiß, dass das Horn wider allerley Gifft kräfftig sey. Daher sagen etliche daß das Einhorn/ ehe es auß unsaubern Wasser/ darinnen giftige Schlangen sind/ trincke/ sein Horn darin stecke/ und also heilsam mache. Mit welcher Gleichnüß wir gelehrt werden/ daß wir mit Weißheit und guter Lehr/ in Gefährlichkeiten alle Beschwernüß und Verhinderung/ welche uns vom Weg der Tugend und Erbarkeit abführen/ wenden/ und dz Böse von dem Guten scheiden können. […]

XIV.
Das was nütz ist, und ergetzet
Wird auch billich theur geschätzet.
Daß / das ist nutz und gut / was die Erfahrung weiset /
Nicht das / was das Gerücht den Pöbel rühmt und
preiset /
An diesem tragen viel gefallen /
Das andere geliebt fast allen.
Gleich wie das Einhorn nit für sich selbst / und weil es selten ist/ in so hohem Werth gehalten gehalten wird / sondern wegen seiner fürtrefflichen Würckung wider das Gifft hoch gehalten, und theuer geschätzet wird: Also sollen wir in unserm gantzen Leben alle Ding/ nicht nach dem Ruhm/ oder daß sie von vielen hoch geachtet werden/ sondern nach der Erfahrung und Gewißheit ihrer Güte hoch=wehrt und köstlich schätzen. Horat. bildet uns den rechten Gebrauch des Reichthumbs und anderer Ding nicht vergebens an vielen Orten ein. In Betrachtung dessen sollen wir dieses wohl beobachten/ daß wir unser Vermögen nicht so verschlaudern/ und nicht so unnütze Spesen und Unkosten auff geringe Sachen/ die nur der blose Wahn für köstlich hält / wenden. Ach wie viel Dinges könte diese hoffärtige Welt entbähren und sparen/ wann sie nicht Thorheit so gar durchritten hätte.
(Die Kupfer aus der Ausgabe 1595)
Auch bei Johannes Sambucus (1531–1584) hat das Horn heilende Wirkung:
Pretiosum quod utile ≈ wertvoll weil nützlich

Emblemata, et aliquot nummi antiqui operis, Ioan, Sambuci Tirnaviensis Pannonii. Tertia editio, Cum emendatione & auctario copioso ipsius auctoris, Antwerpen, Ch Plantin, 1569.
Pretiosum quod utile
Hier > http://www.emblems.arts.gla.ac.uk/french/emblem.php?id=FSAb080 eine englische Übersetzung des lat. Texts:
Many things are thought worthy by men of a high price, for they are rare, and the waves bring them from distant places. Empty superstition, worthy of general laughter! All the same, this rare horn is recommended by its utility. For, if men make so bold as to mix poison in the cups, this medicine averts all present danger. It is an ornament to the treasuries of kings, and it demands a price: this expense did not deserve faint praise!
Vom Einhorn vnd Widhopff — Illustration von Aegidius Sadeler (1570–1629)

DAs Einhorn rühmet sich gar sehr
Daß es schneweiß und edel wer.
Daß auch Kayser / König und Herrn
Sein Horn als einen Schatz begern.
Der Widhopff sprach: Ich bin nicht schön /
Drum kan ich frey sicher bestehn,
Schönheit / Kunst / Reichthumb / guht und gwalt
Heldt man gar hoch in dieser Welt.
Doch ist grosse Gefahr dabey /
Die Armut ist sicher und frey.
DEr Reiche niemals sicher ist /
Denn seim guht stelt man nach mitt List.
Als sich Cræsus wie der Einhorn vor jedermann mit gar prächtigen worten seines gutts / Gewalts / ansehens und Herlichkeit rühmete / sprach zu ihm Solon der Philosophus: Ob ich schon nicht so Reich und mächtig als du / so bin ich doch so grosser Gefahr nicht unter worffen. Plutarchus.
Theatrum morum. Artliche gesprach der thier mit wahren historien den menschen zu Lehr.
[Prag: Paul Sesse 1608]
> https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k5606663w/f27.item
Reprint mit neu gesetztem Text: Gesellschaft Deutscher Bücherfreunde in Böhmen, Prag 1938. > https://archive.org/....
Diego de Saavedra Fajardo (1584–1648), Idea de un principe politico christiano, En Monaco; Nicolao Enrico 1640
Prae oculis ira

Den Zorn vor Augen
IN dem Einhorn ist die Natur wunder sorgfaltig / vnd klug gewesen; zwischen den augen hat sie jhm die waffen des Zorns gepflantzet. Gantz nohtwendig ist es daß man beide
augen in diser zuneigung offen habe / welche so gewaltig vber die bewegung des gemuhts / herschet. Eben daß fewer so solches entzündet benimbt jhr daß Liecht. Zwischen dem Zorn vnd vnsinnigkeit ist nichts darzwischen als eine kleine zeit. Der zornige Mensch ist nit der / welcher er zuvor war / […] Wan die zornige Fürsten sich selbst mit eigenen augen sehen thäten / so wurden sie eine gestalt welche einer solchen Majestat nit wol anstehet sehen. Deren Santfftmuht vnd susse zusamenstimmung der wörter sol viel lieber die gemütter
an sich zwigen / als erschrecken; liebe erwecken als förcht. Es halte derowegen ein Furst mit dem heftigen zorn inne. So er es aber nit thun konte / so enthalte er sich von dem wüten / vnd schiebe die volziehung auf […]
Emblem Nr. 8, hier aus der Edition: Ein Abriss Eines Christlich-Politischen Printzens, In CI. Sinn-bildern und mercklichen Symbolischen Sprüchen gestelt / von A. Didaco Saavedra Faxardo ... Zu vor auß dem Spanischen ins Lateinisch; nun ins Deutsch versetzt, Zu Amsterdam, Bey Johann Janßonio, dem Jüngern, 1655.
> https://images.sub.uni-goettingen.de/iiif/image/gdz:.....jpg
Der Beneditkiner Willibald Kobolt (1641–1697) referiert alle bekannten Texte, und er fügt noch einige hinzu:
Sonsten soll es gewiß seyn / daß das Einhorn ein von Natur keusches Thier seye / also / daß sich das Männlein des Weibleins nicht annemme / als in der Brunst / ausser welcher sie nichts miteinander zu thun haben: ja sie führen immerdar Streit / und verfolgen / ja bringen einander um: und indem sie sonst mit anderen Thieren / neben denen sie waiden / mild und freundlich seynd / so wollen sie doch ihres gleichen nicht gedulten: Daher kommt es / daß es gar wenig dieser Thieren gibt / weil sie durch ihre Uneinigkeit immerdar einander selbst zu Grund richten.
Meines Erachtens können deßwegen die unfriedliche Eheleuth füglich mit den Einhörneren verglichen werden: dann auch diese seynd niemahl fridsam und einig / als wann es ihnen um den fleischlichen Wollust zu thun ist: sonsten kommen sie nicht zusammen / das eine gehet da / das andere dort hinaus / und mögen einander kaum anschauen. Ja sie streiten wider einander / als wie die Einhorn / und verstossen sich also / daß offt das Weib blaue Augen / und der Mann ein verkrätztes Gesicht darvon traget / mithin kürtzen sie einander das Leben ab.
Zu Straßburg haben vor Zeiten die Domherren in dem Schatz des Dom-Stiffts auch ein solches Einghürn gehabt / welches aber einstens ein Canonicus heimlich gestimmlet / und vornenher bey 4. Zwerfinger-lang abgeseget habe (weilen er gehört hat / daß es sehr gut für das Gifft seye) welches aber die andere Domherren so übel aufgenommen / und den Schaden so hoch empfunden haben / daß sie ihn einhellig ausgeschlossen / und des Canonicats beraubt haben / ja über dieses ein Statutum gemacht / daß von seinem Geschlecht zu ewigen Zeiten keiner mehr könne Domherr zu Straßburg werden.
Die Groß- und Kleine Welt, Natürlich-Sittlich- und Politischer Weiß zum Lust und Nutzen vorgestellt, Das ist: Der mehrist- und fürnemsten Geschöpffen natürliche Eigenschafften, und Beschaffenheit, auf die Sitten, Policey und Lebens-Art der Menschen ausgedeutet. Ein Werck, welches in 4. Theil abgetheilt ist mit mancherley curios- und nutzlichen mehrentheils allegorischen Concepten, Moralien, Geschicht und
Fabeln versehen; mithin zur Auferbauung und Ergötzlichkeit aller Gelehrt- und Ungelehrten / Geistlich- und Weltlichen Stands-Personen / auch zu
sonderer Bequemlichkeit deren Prediger gewidmet / verfaßt und in Truck gegeben von A.R.P. Wilibaldo Kobolt. Augsburg: Martin Veith / und Happachische Interessenten 1738.
Der III. Theil –
I. Von vierfüßigen wilden Thieren –
Der 3. Absatz:
Von dem Panterthier, Tiger und Einhorn.
Man lese selbst! > http://www.zeno.org/nid/20005181348
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Einhörner ohne tiefgründige Symbolik
Selbstverständlich gehört es zu den vom HErrn erschaffenen Tieren und so sieht man es im Paradies:

Wendel Dietterlin ( 1550/51–1599) 1590
British Museum
Registration number: 1884,0412.4 —
AN82552001
Das die Paradiesvorstellung aufnehmende Titelblatt zum Buch von Johann Sperling (1603–1658) kennt das Tier ebenfalls:

Johannis Sperlingii, Scient. Natural. quondam Prof. P. Celeberrimi, Zoologiam Physicam Recensuit Georg. Casp. Kirchmaier, Eloqu. P.P. Witteb : Addiditque Dißertationes De Basilisco, Unicornu, Phoenice, Behemoth, Leviathan, Dracone, Aranea & Ave Paradisi, Wittebergae: Bergerus 1669.
> https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Sperling_....jpg
Tobias Stimmer (1539–1584) hat 1576 eine Holzschnitt-Serie zur Bibel gestaltet. Beim Verlad der Tiere in Noahs Arche (Genesis 6,19f.) hat sich auch ein Einhorn-Pärchen wartend hingelagert. Zeugt das vom Glauben, dass es diese Tiere gebe (denn Noah hat ja doch keine Fabelwesen auf die Arche mitgenommen)? Irgendwie hat man aber das Gefühl, die beiden schönen Tiere hätten sich gemütlich hingelagert, das eine blickt aus der Szene heraus zum Betrachter hin und scheint zu sagen: Wir brauchen keine Arche, wir überleben die Sintflut in der Phantasie der Menschen genau so gut ....
Hier aus: Biblia sacra veteris et novi testamenti, secundum editionem vulgatam. Baslilaeae M.D.L.XXVIII
Am Rand der Welt angesiedelt ist ein (sogar geschwänztes) Einhorn an der Bilderdecke von Zillis (datierbar auf 1109 bis 1114). Die Felder am Rand zeigen Wesen im die Erde begrenzenden Ozean: mit Fischschwänzen versehene Löwen, Elefanten, Widder, einen Drachen, eine Sirene, u.a.m. (mehr dazu hier).

Diether Rudloff u.a., Zillis. Die romanische Bilderdecke der Kirche St. Martin, Basel: Heman 1989.
Orpheus sitzt bei Ovid (Metamorphosen X, 143ff.) von Tieren der Wildnis umringt, die seinem Gesang lauschen; und nach der traurigen Episode mit Eurydike bezaubert er die wilden Tiere mit seinem Gesang (Met. XI, 1ff.). Warum soll da nicht auch ein Einhorn mithören?

Holzschnitt von Virgil Solis (1514–1562) in: PVB. OVIDII NASONIS Metamorphoseon libri XV. In singulas quasque fabulas argumenta, Francofurti ad Moenum MDLXVII.

Crispin de Passe in Les Metamorphoses d’Ovide. De nouueau traduites en rançois, Et enrichies de figures chacune seolon son subiect. Avec XV. Discours, Conenans l’Explication morale des fables. A Paris Chez la veufe M. Guillernot... 1622.

Julius Wilhelm Zincgref: Sapientia Picta. Das ist/ Künstliche Sinnreiche Bildnussen und Figuren/ darinnen denckwürdige Sprüch und nützliche Lehren im Politischen und gemeinen Wesen durch hundert schöne newe Kupfferstück vorgebildet/ entworffen/ ... Franckfurt: Marschall 1624.
> http://diglib.hab.de/drucke/li-6643-2/start.htm
Ein Fabel erzählt:
Einst hatten die Vierfüßer einen großen Streit mit den Vögeln. Als die Fledermaus den großen Haufen Vierfüßer sah und meinte, der Sieg werde wohl bei ihnen sein, da verließ sie die Vögel und ging zu den Vierfüßern hinüber. Der Adler kommt und ficht, so dass die Vierfüßer in die Flucht gewendet werden. – Die Fledermaus wird von den Vögeln angeklagt, daß sie von ihnen zu den Vierfüßern gewichen sei. Die Desertierende muss nun statt Federn ein Fell tragen und darf nur nachts fliegen.
Das Bild dazu erscheint zuerst in der Ausgabe der Fabeln mit Brants Zusätzen, Basel 1501. De Quadrupedibus et Avibus
> https://mateo.uni-mannheim.de/desbillons/esop/seite96.html
Unter den kämpfenden Vierfüßern befindet sich auch ein Einhorn, das aber in der Fabel keine Rolle spielt.

Hier aus dem Buch: Jn disem Buch ist des ersten teils: das leben vnd fabel Esopi: Auiani: Doligani: Adelfonsi: mit schympffreden Pogij. Des andern teils vszüge schoner fabeln vnd exempelen Doctoris. S. Brant: alles mit synen figuren vnd Registern, Straßburg: Johann Prüß 1508. Fol. XLII verso
> https://mdz-nbn-resolving.de/bsb00001850
Die Rheinauer Handschrift Ms. Rh. hist. 164 wurde 1674 vom Rheinauer Mönch Carolus Riser geschrieben und verziert. Im einleitenden Text auf Blatt IVr thematisiert er, warum er den Codex nicht auf Pergament, sondern auf Papier geschrieben hat.
Man wird nun aber von mir sagen, ich hätte wenig <von der Sache> verstanden,
weil dies hier nicht auf deinem Leder, Melampus, geschrieben ist.
Der myth. Visionär Melampus, d.i. Schwarzfuss, hatte mit seinen seherischen Fähigkeiten eine Rinderherde erworben und hätte so Häute für Pergament liefern können.
Der Einleitungstext ist indessen "auf dem Fell eines Einhorns", also gleichwohl auf Pergament, dem edelsten, geschrieben. Oben auf dem Blatt, auf dem blauen Grund, steht
In te Verò hostes DeI VentILabIMVs CornV
Das ist ein Chronogramm für 1674 (Entstehungszeit).
In te vero hostes Dei ventilabimus cornu. ≈ In dir aber <im Vertrauen auf dich>, <Ein>horn, werden wir die Feinde Gottes in den Wind schleudern [so dass sie wie Spreu verweht werden].
Mit der Anspielung auf Psalm 91 [Vg.],11: et exaltabitur sicut unicornis cornu meum ≈ und mein Horn wird erhöht werden wie das des Einhorns. – Hier bezogen auf Christus, vgl. oben verbindet Pater Riser den spaßigen codicologischen Einfall mit der geistlichen Symbolik.

In den 12 Distichen auf dem Fell bekundet Riser recht humorvoll, dass er den Text mit großer Mühe zum Lob Gottes geschrieben hat. (Hier steht der Vers mit *Melampus)
Unten (auf dem blauen Grund) ist das Gedenken an den verstorbenen Mönch Carlous Riser († 1680) formuliert.
(Transkription, Übersetzung und Erläuterungen von Thomas Gehring)
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Die Existenz wird fragwürdig
Lebende Einhörner oder auch Kadaver wurden nie beobachtet. Aber dass es dieses Tier gebe, bestätigten immer wieder Funde von seinen Hörnern. Diese wurden auch in Wunderkammern der Fürsten und reichen Bürger ausgestellt.
Schon früh kommt die Vorstellung auf, es handle sich um Stoßzähne von Fischen:
Thomas Cantimpratensis [von Cantimpré] (um 1201 – um 1270) behandelt im »Liber de natura rerum« im Abschnitt über die Vierfüßer das Einhorn (IV, ¶ civ: de unicorni), inkl. der Fangmethode durch eine Jungfrau und der Allegorie auf Christus und Maria. Interessanter aber dies:
Liber VI: de monstris marinis, ¶ xxxv. De monoceros.
Monoceros monstrum marinum dicitur, ut dicit Liber rerum, quod a re nomen habere potest. Monos enim unum, ceros cornu interpretatur. Unde monoceros belua unius cornus dicitur (sicut enim in terra
sevam bestiam unicornem scripture referunt), et horridum visu cornu maximum
in fronte habens, quo utique naves obvias penetrare ac destituere possit et
hominum multitudinem perdere. – Sed in hoc pietas creatoris generi humano
consuluit, quia, cum tardum animal sit creatum respectu crudelitatis, naves viso
monstro possunt effugere.
≈ Als Einhorn wird, wie das »Buch der Dinge« berichtet, ein Seeungeheuer bezeichnet, dessen Name sachlich begründet ist. Denn monos bedeutet eins, ceros bedeutet Horn. Daher wird das Einhorn als einhorniges Tier bezeichnet […], das ein furchterregendes Horn auf der Stirn trägt, mit dem es Schiffe durchbohren und zerstören und unzählige Menschen vernichten kann. — Doch der Schöpfer hat in seinem Erbarmen für das Menschengeschlecht gesorgt, denn da das Tier im Vergleich zur Grausamkeit als ein langsames erschaffen wurde, können Schiffe bei Anblick des Ungeheuers entkommen.
Ausgabe: hg. H. Boese, Berlin / New diesen 1973. S. 243.
Olaus Magnus (1490–1557) übernimmt diesen Text offensichtlich in seiner »Historia de gentibus septentrionalibus«, Rom 1555 (Liber XXI, Cap. xiiii: De piscibus monstrosis) über monströse Fische, wo er sagt, dass dass das Monoceros an der Stirn ein großes Horn trage, mit dem es Boote durchbohren und zerstören könne:
Monoceros est monstrum marinum, habens in fronte cornu maximum, quo naves obvias penetrare possit, ac destruere. (S.743f.)

> https://archive.org/details/bub_gb_....page/743/mode/1up
> https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k15213327/f831.item
Olaus galt als glaubwürdiger Autor, dessen Berichte auf Erfahrung abgestützt sind.
Ambroise Paré [1509?–1590] hegt in seinem ausführlichen Aufsatz etliche Zweifel an der Existenz.
Discours d'Ambroise Paré, Asçavoir, de la mumie, des venins, de la licorne et de la peste, avec une table des plus notables matières contenues esdits discours,
Paris: G. Buon 1582 [darin: Discours de la Licorne; illustriert]
> https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k87078326/f13.image [Original]
> https://penelope.uchicago.edu/oddnotes/pareyunicorn.html [Transkript]

,
(Das Bild scheint von Olus Magnus inspiriert zu sein. Die Insel gleicht Island.)
Ole Worm (1588–1654) trug in Kopenhagen eine Wunderkammer zusammen, die er ausführlich katalogisierte:
Olaus Wormius, Museum Wormianum seu historia rerum rariorum, tam naturalium, quam artificialium, tam domesticarum, quam exoticarum, quae Hafniae Danorum in aedibus authoris servantur, adornata ab Olao Worm, Med. Doct. et, in professore publico ; variis & accuratis iconibus illustrata, Lugduni Batavorum apud Iohannem Elsevirivm 1655.
(Digitalisiert vom Service Commun de la Documentation de l'Université de Strasbourg: http://imgbase-scd-ulp.u-strasbg.fr/displayimage.php?album=1010&pos=3 )
Darin findet sich auch ein Kapitel über Wale. Er kennt das Unicornu marinum (Das Meereseinhorn) nicht nur aus Berichten, sondern er hat auch einen Schädel dieses Wals namens Narhual (isländ. hvalur ›Wal‹) vor Augen. Der ausgebildete Anatom Worm beschreibt den Schädel mit dem hervorragenden Zahn ganz genau und bildet ihn in einem Holzschnitt ab.

Das Bild aus Wormius 1655, pag. 283 wird in der Folge mehrmals kopiert.
Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf besaß in seinem Raritätenkabinett ebenfalls ein Einhorn. Adam Olearius (1599–1671) beschreibt dieses im Katalog der Gottorfischen Kunst-Cammer (Schleswig 1666; Tabula IX). Interessant ist die folgende Bemerkung:
Unser langes Horn [ist] keines von den obgedachten Thieren/ sondern von einer sonderlichen Art Wallfischen ein Schnabel/ oder vielmehr ein eraußstehender zahn/ so in der NordSee/ sonderlich bey Grünland sich befinden. Daher die ... Grünländischen Weiber dieses Horn/ als ichs ihnen gezeiget/ alsbad gekennet/ und gesaget/ daß solche bey ihnen aus der See kommen. (Seite 12)
Caspar Bartholin (1585–1629) verfasste ein Werk über das Einhorn: Casp. Bartholini, De vnicornu, eiusque affinibus & succedaneis opusculum, Hafniæ, excudebat Georgius Hantzschiu, 1628. Das Buch seines Vaters hat der Sohn Thomas Bartholin (1616–1680) erweitert: Padua 1645 und Thomae Bartholini De Unicornu Observationes Novae, Amstelaedami 1678.
> https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/bartholin1678
Hier das Titelblatt der 2.Auflage: Der Graphiker verwendet sowohl die Vorstellung "Jungfrau mit Einhorn" (die Dame ist ebenfalls gehörnt!) als auch im Vordergund Narwal-Hörner, die – mythologisch dazu passend – von Tritonen im Meer gesammelt werden. (Wer ist der horn-tragende Ritter und die weiteren Figuren im Hintergrund?)

Thomae Bartholini De unicornu observationes novae : secunda editione auctiores & emendatiores editae a filio Casparo Bartholino
Amstelaedami: Apud JHenr. Wetstenium 1678
> http://archive.org/details/gri_thomaebartho00bart
1678 wird (S.120ff.) mit Verweis auf das Museum VVormianum der Schädel eines Narwals vorgestellt:

In einer deutschen Übersetzung von Gessners Tierbuch aus dem Jahre 1669 (Gesnerus redivisus auctus & emendatus. Oder: Allgemeines Thier=Buch ...« Franckfurt: Serlin MDCLXIX) werden die alten Materien wiederholt. Im Kapitel über die Nahrung wird gesagt, das Tier sei fleischfrässig/ welches wol zu glauben ist. Im Kapitel Von der Nutzbarkeit steht:
Wie des Indianischen Esels Fleisch bitter/ und zur Speiß nicht dienlich ist/ also glaube ich/ seye auch des Einhorns Fleisch.
Im Hinblick auf die Verwendung als Antidot heisst es, die Krafft des Einhorns ist vornen an der Spitze heilsamer dann hinden, und man müsse aufpassen, dass man beim Kauf eines Stücks nicht betrogen werde. Dann heisst es unvermittelt:
Eben diese Einhorn aber/ so man zu Venedig weiset/ wie auch in Dännemark [es werden weitere Kunstkammern genannt] sind keine Einhörner von vierfüssigen Thieren/ davon so viele viel vom hören Sagen geschrieben/ keiner aber jemahlen ein solch vierfüssig Einhorn gesehen/ sondern sie stammen von dem Ißländischen Walfisch Narhual, der dieses Horn/ oder vielmehr Zahn fühlet/ ... und es werden mehrere Autoren genannt, u.a. Bartholin und Olaus Magnus.
Erstaunlich ist das argumentativ nicht vermittelte Nebeneinander von Referat alten Materials und Kritik daran, was sich auch in der Bebilderung zeigt: Auf derselben Seite ein Narwal-Schädel und ein klassisches Einhorn:
Der Glaube an die Existenz von Einhörner geriet durch die aus Grönland und Island stammenden Narwal-Schädel ins Wanken. Und so mussten die Bibel-Ausleger sich etwas einfallen lassen, worum es sich denn bei dem dort genannten Tier handle.
Sir Thomas Browne (1605–1682) ist äusserst kritisch in seiner
Pseudodoxia Epidemica, Book III, chapter 23
Of Unicorns horn.
GREAT account and much profit is made of Unicorns horn, at least of that which beareth the name thereof; wherein notwithstanding, many I perceive suspect an Imposture, and some conceive there is no such Animal extant. ≈ Mit dem Horn des Einhorns, zumindest mit dem, das diesen Namen trägt, wird viel Geld verdient; dennoch vermuten viele einen Betrug, und einige glauben sogar, dass es ein solches Tier gar nicht gibt.
Ed. 1672 > https://penelope.uchicago.edu/..../pseudo323.html
Übersetzung von Christian Knorr von Rosenroth (1636–1689):
Des vortrefflichen Engelländers Thomae Brown, der Artzney Dr. Pseudodoxia Epidemica, Das ist: Untersuchung derer Irrthümer/ so bey dem gemeinen Mann/ und sonst hin und wieder im Schwange gehen : In Sieben Büchern also und dergestalt abgefasset/ Franckfurt, 1680.
Das dritte Buch., Von unterschiedlichen gemeinen und angenommenen Meinungen von Thieren/ welche/ nachgethaner Untersuchung/ entweder falsch oder zweifelhaft befunden worden.
Das XXIII. Capitel., Vom Horn des Einhorns = S. 664ff.
> http://diglib.hab.de/drucke/ea-104/start.htm?image=00708
Dem orientalistisch höchst versierten Samuel Bochart (1599–1667) fällt dies insofern leicht, als er sich nicht an den Wortlaut der lateinischen Bibel (uni-cornis = Ein-Horn) hält, sondern sich auf das Hebräische rǝem abstützen kann. Und so schreibt er ein ausführliches, auf die neuesten Funde verweisendes Kapitel, in dem bewiesen wird, dass dass reem nicht, wie man meint, ein Einhorn sei, sondern eine Art zweihörnige Ziege, eine Oryx:
Probatur reem non esse Monocerotem, ut volunt, sed bicornis capreae specimen, aut orygen. Samuel Bochartus, Hierozoicon Sive Bipertitum Opus De Animalibus S. Scripturæ, 1663 (hier nach der Ausgabe 1675), 1. Band, Lib. III, Caput 27.
Der frühe Journalist Eberhard Werner Happel (1647–1690) zieht sich in seinen »Relationes Curiosæ« so aus der Affäre, dass er ›das‹ Einhorn in drei verschiedene Wesen aufspaltet: Es sei zu erinnern,
daß die Naturkündiger dreyerley Sorten von Einhörnern gedencken/ das eine ist ein Land-thier/ wird aber so selten gesehen, daß es von vielen vor ein Gedicht gehalten wird. Das andere ist von der Natur in der Erden/ an theils Orthen ein Minerale formiret in der Gestalt eines Horns. Das 3 ist der Fisch Narvval selber.
E. G. Happelii Vierter Theil. Grösseste Denkwürdigkeiten der Welt Oder so genandte Relationes Curiosæ. In welchen einfeführt […] Merckwürdige Seltzemkeiten […] Allen Liebhabern dieser Curiositäten auffgesetzt/ aus den bewehrtesten Scribenten zusammen getragen […] Hamburg 1689; S. 622ff.

> https://archive.org/stream/bub_gb_Gpg_AAAAcAAJ#page/n709/mode/2up
Auf das Wasser=Einhorn geht Happel genau ein und referiert die anatomische Beschreibung mehrerer Gelehrter. Es wollen etliche/ daß dieses herfür ragende Wesen vielmehr ein Zahn als ein Horn sey/ weil es nicht aus der Stirn gehet/ noch oben aus dem Kopff/ wie die Ochsen und Widder-Hörner/ sondern aus dem obern Kinnbacken. Das Horn wurde von den Apothekern für ein Gegenmittel gegen Gift gehalten. Trinkgefäße wurden daraus hergestellt und es wurde als Pulver gehandelt. Happel referiert (S.626f.) , dass die Grünländische Compagnie zu Copenhagen – wohl wissend, dass es sich um Narwalzähne handelte – ein gutes Geschäft damit machte. Einst habe einer ihrer Händler dem Großfürsten von Moscovien eines andrehen wollen, aber dessen Arzt habe den Schwindel entdeckt. Also mußt der Factor mit einer Horn-langen Nase wieder abziehen. […] Glaublich ist/ der Doctor habe das Horn nicht darum verachtet/ daß er es etwann ohne Tugenden hätte befunden: sondern wil es nichts Seltenes […] gewesen. Denn die Seltenheit setzt allen Sachen den Preiß höher/ und die Gemeinheit wohlfeiler. Die Dänen haben sich offenbar den Markt selbst durch das Überangebot verdorben.
Die Knochen (vermutlich eines Mammuts), die in der Nähe von Scharzfeld (Landkreis Göttingen) gefunden wurden, hat man mit der Vorstellung eines Einhorns im Hinterkopf zu einem solchen zusammengesetzt. Die Überlieferungsgeschichte dieses sog. ›Quedlinburger Einhorns‹ ist sehr kompliziert, vgl. ausführlich: Fritz Krafft, Gottfried Wilhelm Leibniz oder Otto von Guericke? — Protogaea oder Experimenta nova Magdeburgica? Die Rekonstruktion des vermeintlichen Einhorns von Quedlinburg, in: Sudhoffs Archiv, Bd. 99 / Heft 2 (2015), S. 166–208. > http://www.jstor.org/stable/43694915

Hier das Unicornu fossile (links) im früh publizierten Bild aus Michael Bernhard Valentini (1657–1729), Museum Museorum, oder Vollständige Schau-Bühne aller Materialien und Specereyen […], Frankfurt a.M.: Zunner 1704; [zweyte Edition 1714]; Der vollständigen Natur= und Materialien=Kammer Drittes Buch / Von allerhand Thieren. Das XXX. Capitel (S. 481–483) – mit Diskussion der Echtheit von Einhörnern.
In einem Buch über Medikamente wird 1694 das Licorne de la Mer | Narwal beschrieben.

Ce sont des tronçons de cette corne, que nous vendons à Paris, comme ils se vendent ailleurs pour veritable corne de Licorne, à laquelle quelques personnes attribuent de grandes propritez ..
Pierre Pomet (1658–1699), Histoire générale des drogues, traitant des plantes, des animaux et des minéraux... avec un discours qui explique leurs différens noms, les pays d'où elles viennent, la manière de connoître les véritables d'avec les falsifiées et leurs propriétez, où l'on découvre l'erreur des anciens et des modernes,... par le sieur Pomet,... Paris 1694.
> https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/btv1b8626561c/f6.item
in der »Encyclopédie« findet sich der Narwal dann unter verwandten Meeressäugern:

Recueil de Planches, Tome sixième (1768), Planche XXIV; fig. 1: celle dont on tire les plus grandes lames de baleines & les meilleures.
In der Kinder-Enzyklopädie von Friedrich Johann Justin Bertuch (1747–1822) gibt es Im ersten Band (1792 ?; 2.Auflage 1801) in der Themengruppe Vermischte Gegenstände drei Tafeln und Texte zum Thema Fabelhafte Thiere (Nr. 57–59): Centaur, Chimära. Sphynx, Gryllus, Sirenen, Harpyen, Greif, Satyr, Giganten, Seepferd, Nereiden und Tritonen, (III. 1) der Vogel Roc, (2) Basilisk, (3) Phönix, (4) Einhorn, (5) Boramez, (6) Drache.

Das Einhorn, ist nicht minder eine Fabel. Es kommt zwar in Wundermährchen, in der Heraldik als Schildhalter, und sogar in der Bibel […] vor; allein die neuere Naturgeschichte [≈ Naturwissenschaft] kennt es nicht. […]
Bilderbuch für Kinder enthaltend eine angenehme Sammlung von Thieren, Pflanzen, Blumen, Früchten, Mineralien, Trachten und allerhand andern unterrichtenden Gegenständen aus dem Reiche der Natur, der Künste und Wissenschaften; alle nach den besten Originalen gewählt, gestochen, und mit einer kurzen wissenschaftlichen, und den Verstandes-Kräften eines Kindes angemessenen Erklärung begleitet, …, 12 Bände. Weimar [1792?]–1830.
Dazu: Carl Philipp Funke, Ausführlicher Text zu Bertuch’s Bilderbuche für Kinder. Ein Commentar für Eltern und Lehrer, welche sich jenes Werks bei dem Unterricht ihrer Kinder und Schüler bedienen wollen, […], Weimar 1798–1833., Band 2, S.103–109 referiert die antiken Quellen und Reiseberichte. Es bleibt wohl keinem Zweifel unterworfen, daß das Einhorn ein wahrhaftes Fabelthier ist, das nur in den Köpfen der Menschen existierte. (Dann erwähnt auch er die vermutliche Herkunft vom Narwalzahn.)
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Anhang: Ungedeutetes
••• In der Heraldik wird das Einhorn sowohl als gemeine Figur als auch als Schildhalter (so im Royal coat of arms of the United Kindom of Great Britain and Northern Ireland) verwendet.

Der Minnesänger Dietmar von Eist in der Konstanz-Weingartner Liederhandschrift (ca. 1310/20). Das Wappen kommt in seinen Texten nicht vor. (Quelle Wikipedia)

Das Wappen von Rümlang in Scheiblers Wappenbuch (um 1450/80);
(Quelle: Wikipedia)
230 Einhorn-Familien-Wappen kennt Ottfried Neubecker, Großes Wappen-Bilder-Lexikon der bürgerlichen Geschlechter Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, München: Battenberg 1985, S. 256–266.
••• Einhorn auf Spielkarten:

Kartenspiel Meister ES 1460
••• Als Buchdruckerzeichen (mehr dazu hier) kommt das Einhorn auch vor. Dieses hier ist vom Wegweiser zur Druckerei abgeleitet: à l’enseigne de la Licorne. (Stand dort eine Apotheke?)
Thielmann Kerver († 1522); seit 1497 Drucker in Paris; ebenso bei
Jacques Kerver († 1583)
••• Wenn 5 der 6 Teppiche »La Dame à la licorne« (16.Jh.?; im Musée de Cluny, Paris) die 5 Sinne darstellen – was symbolisieren dann die Einhörner?
> https://fr.wikipedia.org/wiki/La_Dame_%C3%A0_la_licorne
Maria Gräfin Lanckorońska: Wandteppiche für eine Fürstin. Die Dame mit dem Einhorn als historische Persönlichkeit, Frankfurt: Verlag Heinrich Scheffler, 1965. (Untersucht die Entstehungsgeschichte; ohne Verweise auf Einhornsymbolik)
Rainer Maria Rilke hat diese Teppiche in Paris gesehen. Sein Gedicht (Sonette an Orpheus. Zweiter Theil; IV ; erschienen 1923) nimmt Bezug auf den Teppich, auf dem der Seh-Sinn symbolisiert wird:
O dieses ist das Tier, das es nicht gibt.
Sie wußtens nicht und habens jeden Falls
– sein Wandeln, seine Haltung, seinen Hals,
bis in des stillen Blickes Licht – geliebt.
Zwar w a r es nicht. Doch weil sie’s liebten, ward
ein reines Tier. Sie ließen immer Raum.
Und in dem Raume, klar und ausgespart,
erhob es leicht sein Haupt und brauchte kaum
zu sein. Sie nährten es mit keinem Korn,
nur immer mit der Möglichkeit, es sei.
Und die gab solche Stärke an das Tier,
daß es aus sich ein Stirnhorn trieb. Ein Horn.
Zu einer Jungfrau kam es weiß herbei –
und war im Silber-Spiegel und in ihr.
> https://ds.ub.uni-bielefeld.de/viewer/image/2033157/37/
> https://kalliope.org/en/text/rilke2001102330
(Ausschnitt zum Thema Sehsinn)
••• Ein Rätsel ist die Deutung des Bilds von Albrecht Dürer (1516):

Man liest dazu: “Der Raub der Proserpina/Persephone durch Hades (Ovid, Metamorphosen V, 385-409)” — aber das Tier kommt dort nicht vor; Hades stachelt die Rosse des Wagens an ≈ exhortatur equos. Ebensowenig in der Parallelstelle (Fasti IV, 446): Er entführt sie caeruleis equis ≈ mit dunkelfarbigen Pferden, die das Tageslicht kaum aushalten).
••• Im Kräuterbuch von Hieronymus Bock hüpft ein Einhorn unter einem Dattelbaum. (Von dieser zweihäusigen Pflanze wird gesagt, dass das Weiblein vor lieb verwelcket/ vnd vunfruchtbar bleibet/ wa man nicht das Männlein darneben pflantztet/ oder auffs wenigst mit dessen bluomen/ blettern/ oder ästlein/ als einem pfandt der lieb behenckt … – spielt das Einhorn darauf an?)

Kreütterbuch: Darin vnderscheidt, Nammen vnd Wurckung der Kreũtter, Stauden, Hecken vnd Bäumen, mit ihren Früchten, so in Teutschen Landen wachsen, auch der selben eigentlicher vnd wolgegründter Gebrauch inn der Artzney, fleißig dargeben […]
Alles durch H. Hieronymum Bock, auß langwüriger vnd gewisser Erfahrung, beschriben. Hernacher mit vilen nutzlichen Experimenten gemehret, durch den Hochgelehrten Melchiorem Sebizivm […]
Straßburg: Rihel, 1595.
Der Dritte Theil / Von Stauden / Hecken und Bäumen / so in unsern Teutschen Landen... Fol 390 verso
> https://digital.ulb.hhu.de/ihd/content/zoom/4291392
••• Der seiner Person und seinen Lebensumständen nach unbekannte Alchimist Basilius Valentinus legt das Einhorn so aus:
NVn ist von nöthen daß jhr wißt/
Im Wald ein Hirsch vnd Einhorn ist.
In Corpore est Anima & Spiritus.

DIe Philosophi sagens mit gewalt/
Wie zwey Thier seind in diesem Wald.
Das erst schoen/ wolgestalt vnd frisch/
Ein groß gezweigter vnd starcker Hirsch/
Den andr ein Einhorn der weyß thu zeigen/
Die beid im Wald verborgen leigen.
Seelig abr sprechen wir den Man/
Der sie bestricken vnd fahen kan/
Die Meistr vns auch mit halben Worten/
Verkünden hir vnd ahn allen Orten/
Daß die zwey Thier im walde gehn
Doch muß mann Wald ein Ding verstehn.
So wir aber wolln zum Grunde gan/
Thut der Wald Corpus nahmen anfahn/
So wird auch gewiß vnd recht erfundn/
Daß das Einhorn Spiritus zur stunden/
Der Hirsch kein Namen thut begeren
Denn Anima jhm auch keinr mag erwehrn.
Nun ists auch recht/ daß der
Der sie künstlich zu Zähmen weiß/
Außm Wald zuführen/ widrumb drein treibn
Daß sie beynander müssen bleiben/
Ihm wird auch von vnß zu getheilt/
Er habe das gülden Flüß ereylt.
Vnd das er nun mög Triumphiren
Ja vbern Augustum guberniren.
Vier tractätlein Fr. Basilii Valentini benedicter ordens von dem grossen stäin der vralten weysen maister, vnd artzneyen menschlicher gesundheyt : deren er in seinen andern schrifften gedencket, aber vor diesem niemahlen an tag kommen seind, […],
Franckfurt: L.Jennis 1625
> https://hdl.handle.net/2027/uiuo.ark:/13960/t4hm5r92r
> http://diglib.hab.de/drucke/nd-779/start.htm (OCR-erfasst)
••• Grandville (1803–1847): Repas de corps – Sieben (gehörnte) Tiere am Souper erzählen einander Geschichten. Mit dem Fazit: Was man nicht weiss, ist bedeutungslos; was man weiss, ist nebensächlich.

Les métamorphoses du jour / par Grandville.
Nouv. éd., revue et complétée pour le texte,
Paris: Garnier frères, 1869 [Bild bereits 1829 erschienen]
> https://archive.org/details/lesmtamorphoses....page/n10/mode/2up
••• Gustave Moreau (1826–1898):

> https://musee-moreau.fr/en/collection/objet/unicorns-les-licornes
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Literaturhinweise:
Carl Cohn, Zur literarischen Geschichte des Einhorns, Berlin 1896. (30 Seiten)
Liselotte Wehrhahn-Stauch, Artikel »Einhorn«, in: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Band 4 (1958), Spalten 1504–1544.
> http://www.rdklabor.de/wiki/Einhorn
Andreas Vizkelety, Artikel »Einhorn« in: E.Kirschbaum / W. Braunfels u.a. (Hgg.), Lexikon der christlichen Ikonographie, Band I, Freiburg 1968; Sp.590–593.
Robert Rüdiger Beer, Einhorn. Fabelwelt und Wirklichkeit, 2. Aufl. München: Callwey 1972. [234 Seiten,162 Bilder; Nachweis der Textquellen S.211ff.]
Carl Gustav Jung, Psychologie und Alchemie, (Ges.Werke XII), Olten 1972; S. 495–537: Das Enhiornmotiv als Paradigma)
Jürgen Werinhard Einhorn, Spiritalis Unicornis. Das Einhorn als Bedeutungsträger in Literatur und Kunst des Mittelalters. München 1976 (Münstersche Mittelalter-Schriften 13). – 2., aktualisierte und erweiterte Auflage 1998 [685 S.; 202 Abb.]
Leopold Kretzbacher, Mystische Einhornjagd. Deutsche und slawische Bild- und Worterzeugnisse zu einem geistlichen Sinnbildgefüge,
München: Verlag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 1978.
Margrit Früh,
Das Einhorn, das geheimnisvolle Fabeltier. (Begleitkatalog zur Ausstellung in der Schlossremise Frauenfeld, 5. Juni bis 10. Oktober 1993),
Frauenfeld : Thurgauische Museums-Gesellschaft
1993. [70 Seiten; 52 Bilder]
Bruno Faidutti, Images et connaissance de la licorne de la fin du Moyen Âge, Thèse de doctorat 1997.
> https://www.faidutti.com/unicorn/unicorn.htm
Lise Gotfredsen, The Unicorn, New York / London / Paris: Abbeville Press 1999.
Winfried Hagenmaier, Das Einhorn. Eine Spurensuche durch die Jahrtausende. München: Eulen Verlag 2003.
Chris Lavers, Natural history of unicorns — Das Einhorn. Natur, Mythos, Geschichte. Darmstadt: Lambert Schneider 2010. [ohne Bilder und Quellennachweise]
Philine Helas, Das Einhorn – Gefürchtet, gejagt, gezähmt und zerrieben, in:
Monster. Fantastische Bilderwelten zwischen Grauen und Komik, in: Begleitband zur Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum 2015, Nürnberg 2015, S. 90–103.
Raphaela Kaiser,
Das popkulturelle Einhorn. Eine Diskursanalyse von Einhornbildern in sozialen Medien,
Klagenfurt 2019.
> https://netlibrary.aau.at/obvuklhs/content/titleinfo/5336558
Bibiana Hubmann-Fellner, Die Mystische Einhornjagd im hortus conclusus. Entschlüsselung einer spätgotischen Bildkomposition, Graz, 2021. [153 S.; 49 Abb.]
>
https://unipub.uni-graz.at/obvugrhs/5947150
Bruno Faidutti, Blog: Les légendes de la licorne, 2022.
Bernd Roling / Julia Weitbrecht, Das Einhorn. Geschichte einer Faszination, Carl Hanser Verlag, München: Hanser 2023. [158 Seiten; 25 Abb.]
Sarah Hufnagel, Das Einhorn: Mythen, Historische Wurzeln und Kulturelle Wandlungen, tredition Verlag, 2024.
The Christian Symbolism of the Unicorn (2024)
> http://unicorn.ipsissima-verba.org/
Anthologie von Texten mit griech./lat. englischen Übersetzungen:
Early Bestiaries and Natural Histories –
Church Fathers –
Middle Ages
Einhorn – Das Fabeltier in der Kunst. Katalog von Michael Philipp, Béatrice de Chancel-Bardelot; mit Beiträgen von Barbara Drake Boehm [und 8 weiteren],
München u.a.: Prestel, 2025. [400 Seiten; 270 Abb.]
Vgl. die Bibliographie von "animaliter"
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Ob’s zön ist, lässt sich nicht in jedem Phall abklären.
begonnen 2018; letztes Update März 2025
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