Buchdruckerzeichen und Verlagssignete

Einleitung

 

Während Schreibstuben in Klöstern Bücher nach Bedarf kopierten, konnte man mit dem Buchdruck Bücher auf Vorrat produzieren; auch gab es bald mehrere Buchdrucker, d.h.: Es entstand ein Markt, und damit Konkurrenz und das Bedürfnis, die eigenen Erzeugnisse als solche hervorzuheben. Das konnte unterstützt werden mit einem einprägsamen graphischen Zeichen.

Insofern als in früheren Zeiten Buchdrucker und Verleger oft in Personalunion agierten, lässt sich eine exakte Unterscheidung in Buchdruckerzeichen und Verlagssignete nicht durchführen. Gelegentlich steht im Impressum "getruckt bey XX / in Verlegung von YY". Schließlich haben auch die Verfasser einen Einfluss auf die Gestaltung der Titelseiten und lassen dort Embleme mit ihren Wunsch-Ideen anbringen.

aus: Hans Sachs / Jost Amman, Eigentliche Beschreibung aller Stände auff Erden …, Gedruckt zu Franckfurt am Meyn bey Georg Raben/ in verlegung Sigmund Feyerabents M.D.LXVIII.

Die Aufgaben von Buchdrucker und Verleger lassen sich aber sehr wohl unterscheiden.

Der Buchdrucker (oder die Buchdruckerin; es gab immer auch Witwen, die das Unternehmen weiterführten) ist mit der handwerklichen Seite beschäftigt: Beschaffung von Papier (bis ins 19.Jh. aus Textilien, nicht aus Holz); Entwerfen und Gießen der Metall-Typen; das Setzen und sofortige Korrekturlesen (der Vorrat an Typen reichte meist nur für den Druck weniger Seiten und musste dann wieder aufgelöst und abgelegt werden); der eigentliche Druck; das Binden.

Der Verleger trägt das geschäftliche Risiko. Er wählt Bücher aus, die marktgängig sind oder seiner Meinung nach eine gesellschaftliche Funktion haben (gegebenenfalls muss er die einen mit den andern quersubventionieren); er bezahlt den Verfassern Honorare; er vergibt den Druckauftrag; er stellt die Bücher auf Messen vor (1594 erschien in Leipzig der erste Messkatalog; ab 1598 gab der Rat der Stadt Frankfurt einen eigenen Messkatalog heraus.)

Es gibt keine verbindliche Terminologie: Druckerzeichen – Marke – Signet – Vignette – modern wäre: Firmen-Logo.

Eine Chronologie ist schwer festzumachen. Die ältesten Druckerzeichen sind die von Fust und Schöffer 1462. Die Blütezeit ist das 16. / 17. Jahrhundert. Johann Zainer in Ulm (gest. ca. 1523) beispielsweise verwendete keine Druckerzeichen. Ebenso um 1700 Johann Ludwig Gleditsch in Leipzig. Wenige Nachzügler bis Ende 19.Jh.

Die Druckermarken sind (im Gegensatz zu den heutigen Logos!) nicht immer eindeutig zuzuordnen; sie wurden oft von Nachfolgern oder anderen Druckern nachgeschnitten. — Oft hat ein und derselbe Drucker Nachschnitte der Marke oder auch verschiedene Marken benutzt.

Interessant sind die verschiedenen Symbolisierungstechniken:

  • Name – in Initialen umgesetzt – diese zu einem geometrischen Gebilde montiert;
  • Das Familienwappen (Gemeine Figur oder/und die Schildhalter) wird als Druckermarke verwendet;
  • ›Sprechender‹ Name (Familienenname oder Ort, wo die Offizin sich befindet) – in ein Bild umgesetzt (z.B. ein Tier);
  • Programm des Verlegers/Drucker – in ein Emblem* umgesetzt;
  • Moralische Idee des Autors (sein eigenes Schicksal; Wunsch, den er dem Buch mitgeben will; wie der Inhalt des Buches grundsätzlich aufzufassen sei; o.ä.) – in ein Emblem* umgesetzt ;
  • Am Ort, wo normalerweise eine Druckermarke steht, wird mit einem Bild auf den Inhalt des Buchs verwiesen.

    *Der Begriff Emblem kann hier insofern angewendet werden, als es sich um ›spannende‹ Bild-Text-Bezüge handelt; insofern ein erklärendes Epigramm fehlt, haben diese Gebilde nicht die dreiteilige Grundform der Embleme. — Die Vermutung, die Buchdrucker hätten sich bei den Emblematikern bedient, ist nur zum Teil richtig; oft ist es umgekehrt, wie Anja Wolkenhauer (2002) gezeigt hat.

Hier folgt eine willkürliche Auswahl aus der riesigen Menge der Buchdruckerzeichen; man erwarte keine profunde Geschichte des Buchdrucks oder ästhetische/stilistische Erörterungen !

Vgl. die Literaturhinweise (unten an dieser Seite).


 

Übersicht

 

❖ Noch ohne Druckermarke

Inkunabel

❖ Signete wie Warenzeichen / Hausmarken, zusammengesetzt aus Lettern, den Initialen des Druckers / Verlegers

Grüninger

Schöffer

Furter

Chevallon

Adam Petri

Endter

❖ Aus dem Namen des Druckers/Verlegers hergeleitete Bilder, Einbezug von Familienwappen

Johannes Hager

Froschauer

Henricpetri

Gryphius / Griffio

Peter Schmid

Maurice George Veneur

Matthias Biener (Apiarius)

Druckerei im Haus zum Hahnen

Michael Furter in Basel

Renatus Beck, zum Thiergarten

❖ Bild-Text-Verbünde, die ein Bekenntnis des Verlags zum Programm der Publikationen darstellen

Christoffel Plantijn

Thomas Wolf

Michael Hubert

Johannes Knobloch – Francesco Marcolini – David Herrliberger

Lazarus Zetzner und Erben

Marco Antonio Giustiniani

Philippo Picinelli

❖ Embleme, die das Programm des Verfassers kundtun / sich auf den Text des Werks beziehen

Fischart

Johannes Kepler

Thomas Fritsch

Comenius

Gundlingiana

❖ Emblem-artige Druckermarken mit vagen moralisierenden Bezügen

Robert Estienne

Anselmo Giaccarelli

Johann Oporin

Sigmund Feyerabend

Joh. Caspar Bencard

Wilibald Kobolt

Zeiller

Zunner

❖ Bilder die am Ort / anstelle der Druckermarke auf den Inhalt des Buches verweisen

Dares Phrygius

Conrad Gessner

Jakob Ruoff

Johann Fischart

❖ Seltsames, Unerklärtes

Girolamo Scotto

Johannes Froben

Gérard Morrhe

Nachleben

❖ Kleines Fazit

Literaturhinweise und Hilfsmittel


Frühe Drucke noch ohne graphisches Signet

Ein Beispiel aus einer Inkunabel. Das Kolophon enthält den Text:

Explicit liber de proprietatibus rerum editus a fratre Bartholomeo anglico ordinis fratrum minorum. Impressus Argentine Anno domini M.cccc.xcj. Finitus altera die post festum sancti Laurentij martyris.

[Bartholomaeus Anglicus] Liber de proprietatibus rerum , Straßburg 1491. — Der Druck wird Georg Husner zugeschrieben. > https://www.deutsche-biographie.de/sfz36113.html

 


Hausmarken, Warenzeichen – abstrakt oder aus den Initialen, oft versehen mit weiteren Attributen

Lange Zeit sahen die Bruchdruckermarken aus wie die Hausmarken und die Herkunftsangaben in der handwerklichen Kultur (Zimmerleute, Steinmetze, Papierhersteller (Wasserzeichen!), Tuchweber verwendeten solche ›Beschauzeichen‹): Einfache Formen aus geraden Linien, Haken, Kreuze, Winkel, Sparren, Stern.

Literaturhinweis: Carl Gustav Homeyer, Die Haus- und Hofmarken, Berlin: Königl. geh. Ober-Hofdruckerei (Decker) 1870.
> http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10551560_00007.html


Druckermarke (unter dem ›Impressum‹ auf der letzten Seite des Buches):

Boetius de Philosophico consolatu siue de consolatione philosophiae: cum figuris ornatissimis nouiter expolitus, Argentinae [Straßburg]: Grüninger 1501. (Das Monogramm zeigt die Initialen von Markus und Johannes Reinhard, genannt Grüninger; > Artikel zu Johann Grüninger]

Auch im folgenden Beispiel (Johann Schöffer in Mainz 1505) sieht man die Druckermarke unter dem Kolophon auf der letzten Seite des Buches:

Romische Historie / Uß Tito Livio gezogen. Mentz: Schoffer, 6. März 1505

Michael Furter (vor 1483 bis um 1517 in Basel) placiert seine Initialen bereits auf der vordersten Seite, phantasievoll gerahmt. (Oben gekrönter Löwe und gekrönter Bär; unten am Baum untertänige Herdentiere Pferd und Schaf.)

[Johann Ulrich Surgant], Manuale curatorum predicandi prebens modum, tam Latino quam vulgari sermone practice illuminatum : cum certis aliis ad curam animarum pertinentibus, omnibus curatis tam conducibilibus quam salubris [Basel: Michael Furter 1503] > http://doi.org/10.3931/e-rara-41453

Das Signet von Berthold Remboldt († 1518) / Claude Chevallon (1479–1537) ist hier gerahmt in eine heraldische Schmuckkartusche mit Schildhaltern. – Die Witwe von Berthold Rembolt, selbst Buchdruckerin, heiratete in zweiter Ehe Claude Chevallon. (Bei den Lebensdaten liest man Verschiedenes …).

Reductorii moralis fratris Petri Berchorii libri quatuordecim ; perfectam officiorum atque morum rationem ac pene totam nature complectentes historiam nusquam hactenus excusi gentium: summa fide ac diligentia ad vetera exemplaria castigati. Parrisijs: apud Claudium Cheuallon […] mensis Martij die .xij. Anno dni Millesimo quingenetsimo vigesimoprimo [1521]. [Ausschnitt]

Exkurs 1: Seltsam ist die öfters vorkommende, wie die moderne Ziffer 4 aussehende Form im Monogramm. Hier weitere Beispiele aus Silvestre, 1853; vgl. unten bei Endter.

                 

Die arabische 4 wurde im 15./16.Jh. anders geschrieben, und um das astronomische/astrologische Zeichen für Jupiter ♃ kann es sich nicht handeln.

   

Das Zeichen kommt in der Heraldik oft vor, dort spricht man von einem ›Haken‹. Fachleute sagen, man solle der Figur keine Bedeutung unterlegen; sie ist arbiträr; sie werde so gezeichnet, dass sie mit einfachen Mitteln realisiert werden kann und sich von anderen deutlich unterscheidet.

A. Sabatier vermutet, die 4 könnte ein Nachvollzug der Linie sein, die die Hand beim Kreuzzeichen macht. Es könnte auch eine Überlagerung des Kreuzeszeichens mit einem die Trinität evozierenden Dreieck sein. Damit stellte sich der so Unterzeichnende mit seiner Offizin unter göttlichen Schutz. Antoine Sabatier, Les signatures ouvrières au quatre de chiffre. Bulletin archéologique, historique et artistique Le Vieux Papier, Lille: Imprimerie Lefebvre-Ducrocq 1908 (Digitalisat der BNF).

Exkurs 2: Dass oben eine Sonne abgebildet ist, versteht man, wenn man zuunterst auf der Seite liest, wo die Offizin steht: sub Sole aureo. – Aber warum zwei Löwen als Schildhalter? Sonst hat Chevallon seinem Namen entsprechend Pferde:

[Guillaume Pepin, O.P], Expositio in Exodum iuxta quadruplicem Sacrae Scripture sensum literalem scilicet moralem, allegoricum et anagogicum, Parisijs: apud Claudium Cheuallonium 1534. Quelle > Biblioteca Virtual del Patrimonio Bibliográfico

Oben das Monogramm von Adam Petri; unten das Monogramm des Graphikers/Holzschneiders Vrs Graf.

[H.Loriti, genannt Glarean] De Ratione Syllabarvm Brevis Isagoge, qua nulla magis succincta esse poterit, HENRICI Glareani Heluetij, Poeta Laureati, Adam Petri 1516.
> https://books.google.ch/books?id=MptbAAAAcAAJ&hl=de&source=gbs_navlinks_s

 

Kombination des Monogramms mit Bildern und Texten

Druckermarke der Nürnberger Verleger/Buchdrucker/Buchhändler Wolfgang Endter d.J. (1622–1655) und seines Onkels Johann Andreas Endter (1625–1670) > https://data.cerl.org/thesaurus/cnp01878342.

Zunächst ein Buch, auf dessen Deckel das typographische Signet aus den Buchstaben W, I, E.; darauf eine Schreibfeder; das ganze steht in einer Landschaft, in einem Teich schwimmen Enten passend zum Namen Endter. In der Banderole MISERICORDIA DOMINI NON HABET FINEM (Die Barmherzigkeit des Herrn hat kein Ende).

[Georg Philipp Harsdörffer, 1607–1658] Der Geschichtspiegel/ Vorweisend Hundert Denckwürdige Begebenheiten/ Mit Seltnen Sinnbildern/ nutzlichen Lehren/ zierlichen Gleichnissen/ und nachsinnigen Fragen aus der Sitten-Lehre und der Naturkündigung; Benebens XXV. Aufgaben Von der Spiegelkunst / An das Liecht gesetzt/ Durch Ein Mitglied der hochlöblichen Fruchtbringenden Gesellschafft, Nürnberg: in Verlegung Wolffgang des Jüngeren und Johann Andreae Endtern 1654.

Dann wird das Signet ausstaffiert. Lesen wir, wie Johann Heinrich Gottfried Ernesti in »Die Wol-eingerichtete Buchdruckerey«, Endter 1721 das ›Symbolum‹ beschreibt:

»Zum Symbolo stellet er ein Buch, darauf eine Schreibfeder lieget mit dem Handels-Signet, ein mit Wasser durchströmtes Erdreich, in Wasser schwimmen ein paar Enten. Neben stehet eine Jungfer mit einem Zweig voller Granaten in der rechten Hand, so mit der linken die aus den Wolken stralende Sonne zeiget. Zur andern Seite ist abermal eine Jungfer, eine brennende Lampe in der rechten, und in der linken einen über die Wolken hinweg fliegenden Zettel haltend, darauf diese Worte zu lesen: Misericordia Domini non habet finem. Auf der Erde lieget ein anderer Zettel mit den Worten: In solo Deo spes nostra unica. Die Allusion auf den Namen ist nicht undeutlich abzunehmen.«

Erasmi Francisci Ost- und West-Indischer, wie auch Sinesischer Lust- und Stats-Garten : Mit einem Vorgespräch Von mancherley lustigen Discursen; In Drey Haupt-Theile unterschieden. […] Nürnberg/ In Verlegung Johann Andreæ Endters / und Wolfgang deß Jüngeren Sel. Erben. Anno M.DC.LXVIII. [1668]

Michael und Johann Friderich Endter sowie Martin Endter haben das Druckerzeichen dann abgeändert. Die ›Endten‹ sind zwar noch da, aber die nicht-endenwollende Misericordia Domini ist einem herberen Spruch gewichen: RESPICE FINEM ET NON PECCABIS (Bedenke das Ende und du wirst nicht sündigen). Um die drängende Zeit zu visualisieren, bewegen sich die Sonne und Luna (beide weiblich gekleidet) um eine Sonnenuhr herum, die an einer abgebrochenen Säule angebracht ist.

[Wolf Helmhardt von Hohberg, 1612–1688] Georgica Curiosa Aucta. Oder: Des auf alle in Teutschland übliche Land- und Haus-Wirthschafften gerichteten, hin und wieder mit vielen untermengten raren Erfindungen und Experimenten versehenen, auch einer mercklichen Anzahl Kupffer weiter vermehrt und gezierten Adelichen Land- und Feld-Lebens Anderer Theil: In dessen Sechs Büchern gehandelt und beschrieben wird Wie die Bau-Gründe und fruchtbaren Felder auf das nützlichste und ersprießlichste anzurichten; wie sowol die Gestüttery, Abricht- und Wartung der Pferde, ... zu warten und in Nutzung zu bringen ... bey diesen vierdten Druck allenthalben an vielen Orten vermehrt und gebessert worden. Durch ein Mitglied der Hochlöbl. Fruchtbringenden Gesellschafft ans Liecht gegeben, Nürnberg: Martin Endter 1701.

Hinweis zur Buchdruckerfamilie Endter > http://www.zeno.org/nid/20011434910


Aus dem Namen des Druckers/Verlegers hergeleitete Bilder, Familienwappen

Diskussion am Gartenzaun?

Johannes Hager (ca. 1477 – ca. 1538) trägt seinen Namen (Schweizer Kanzleisprache des 16.Jhs. und noch im heutigen Schweizerdeutschen: Hag = Zaun) als gemeine Figur im Wappen und montiert dieses in seine Druckermarke. Gleichsam als Schildhalter stehen zwei bäurisch gekleidete Männer dort; man glaubt, dass Heraklit und Demokrit miteinander diskutieren. Und der Text des Büchleins ist auch ein reformatorischer Streit-Dialog.

Antwurt eins Schwytzer Purens/ über die ungegründten Geschrifft Meyster Jeronimi Gebwilers Schuolmeisters zuo Straßburg/ die er zuo Beschirmung der Römischen Kilchen und iro erdachten Wesen hat lassen ußgon. Ein Epistel Huldrich Zuinglis. Durch Joannem Hager zuo Zürich getruckt Anno. M.D.xxiiij. [1525] > http://doi.org/10.3931/e-rara-5098

Der Text stammt von Hans Füssli [ Blatt aij: Hans Fůßli ] (1477–1538/1548); nur das Vorwort ist von Zwingli. Im Vorwort setzt Zwingli die schulmeisterliche Rhetorik der einfältigen christlichen Rede – dem ›sermo humilis‹ – eines Handwerkers entgegen, die schon Jesus gebraucht hat:

Hier kempffet ein Hafengiesser der gar ghein sprach noch kluogheit kan/ dann die er von got und siner muoter gelert hat/ mit eim alten Schulmeister/ der in vil künsten/ voruß des geistlichen retschens (wie heißt es [rätschen ist ein Verb, das leeres Schallen bezeichnet]) rechtens/ verschlissen vnnd vßgenutzet ist. Welcher aber sich vff die götlichen warheit bas verstand vnd das gots wort eigenlicher bruche/ wirdst du in dym gleubigen hertzen innen.

Die Druckermarke hat zu Problemen geführt. #####

Literaturhinweis zu Hager: P. Leemann-van Elck, Die Zürcher Drucker Peter und Hans Hager (im 15.–16. Jahrhundert), in: Der Schweizer Sammler. Organ der Schweizer Bibliophilen Gesellschaft und der Vereinigung Schweizerischer Bibliothekare VI/1 (1932), S.1–8. > http://doi.org/10.5169/seals-387054

Froshower Zvrch

Dass das Signet von Christoph Froschauer (* um 1490 – 1564) mit seinem von einer Flurbezeichnung herrührenden Namen zusammenhängt, ist klar.

Auf eine frühe Fassung (1521) weist Leemann-van Elck ohne bibliographische Angaben hin:

> http://doi.org/10.3931/e-rara-40113

Spätere Fassungen sehen so aus:

Gemeiner loblicher Eydgnoschafft Stetten / Landen vnd Völckeren Chronik wirdiger thaaten beschreybung […] durch Johann Stumpffen beschriben […] Getruckt Zürych bey Christoffel Froschouer M.D.XLVII.
(Eine Vorserie von 30 Exemplaren wurde bereits 1547 gedruckt; dann 1548.)

Woher kommt die Idee des auf einem Frosch reitenden reitenden Knaben? Eine zugegeben gewagte Deutung könnte so lauten:

Der Frosch gilt in der alten Naturkunde als geschwätzig: Isidor, Etymologiae XII,vi,58: Ranae a garrulitate vocatae. Die Frösche sind nach ihrem Gequake benannt, weil sie in der Gegend der Sümpfe, wo sie zur Welt kommen, lärmen und Töne mit lästigem Geschrei von sich geben. – Thomas Cantimpratensis, Liber de natura rerum IX,xxxv: Loquax est et vocibus importuna.

Ferner gibt es (bereits antike?) allegorische Bilder, die einen Reiter auf einem wilden Tier zeigen, das er dominiert; zum Beispiel auf einem Löwen, wozu das Motto Animi Domitor, etwa: der Reiter ist ein Bezähmer der Gemütskräfte. Hier ein Bild aus Pierio Valeriano: Hieroglyphica, Frankfurt/Main 1678 (EA Basel 1556):

> https://www2.uni-mannheim.de/mateo/camenaref/valeriano/valeriano1/jpg/bs015.html

Könnte sich Froschauer witzig inszeniert haben als der, der dummes Geschwätz (in Büchern) zügelt?

Literaturhinweis: Paul Leemann-van Elck, Die Offizin Froschauer. Zürichs berühmte Druckerei im 16. Jahrhundert, Zürich: Orell Füssli 1940.

Wie ein Hammer, der einen Felsen zerschmettert

Der Basler Buchdrucker und Verleger Heinrich Petri (1508–1579) übernimmt nach dem Tod des Vaters (Adam Petri) 1527 die väterl. Offizin .

Er entwickelt ein Signet aus dem griechischen Wort petros für ›der Fels‹, das er anschließt an das Bibelwort Jeremias 23,29 Ist nicht mein Wort so: wie Feuer – Spruch des HERRN – und wie ein Hammer, der Felsen zerschmettert?

Das erste Vorkommen der Druckermarke ist nicht – wie gelegentlich gesagt – in Nicolai Copernici de revolutionibus, Henricpetri 1566, sondern bereits 1547:

Henricus Loriti [1488–1563] Glareani Dōdekachordon, Basileae: Per Henricvm Petri, Mense Septembri Anno Post Virginis Partvm M.D.XLVII [1547]
> http://doi.org/10.3931/e-rara-49282
> http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/glareanus1547/0500?sid=2a081a7740ea1fbf1bff731242ff1125

Der Sohn Sebastian Henricpetri (1546–1627) verwendet das Signet weiter:

Vitruvius, Des aller namhafftigisten unnd hocherfahrnesten/ Römischen Architecti/ unnd kunstreichen Werck oder Bawmeisters/ Marci Vitruvij Pollionis/ Zehen Bücher von der Architectur und künstlichem Bawen. Ein Schlüssel und eynleitung aller Mathematischen unnd Mechanischen Künst/ Scharpffsinniger fleissiger nachtrachtung oder Speculation künstlicher Werck ... / Erstmals verteutscht/ unnd in Truck verordnet. Durch/ D. Gualtherum H. Rivium .... Basel: Sebastian Henricpetri, [1614]

Literaturhinweise:

http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D41530.php

http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D41532.php

Frank Hieronymus, 1488 Petri – Schwabe 1988. Eine traditionsreiche Basler Offizin im Spiegel ihrer frühen Drucke. 2 Bände. Schwabe, Basel 1997.

Ein griffig zugreifender Vogel Greif

Sebastian Gryphius (1492–1556), seit 1524 (28?) in Lyon visualisiert seinen Namen: ein Greif. Hier ein früher Druck mit seinem Signet (Ausschnitt aus dem Titelbaltt):

Cicero Relegatvs & Cicero Revocatvs: Dialogi festiuissimi, Lvgdvni: Apvd Seb. Gryphivm 1534. > http://doi.org/10.3931/e-rara-54293

Die Inschriften am Rand: VIRTVTE DVCE — COMITE FORTVNA (Geführt von der Tugend – begleitet vom unbeständigen Glück)

Der Greif ist genau so gezeichnet, wie es Aelian in seinem Tierbuch (4. Buch, Kap. 27) beschreibt. Er erwähnt dort, dass – nach Aussagen gewisser Leute – die Greifen Wächter des Goldes seien, dieses ausgraben und daraus ihre Nester bauen.

Der Greif wird in der zeitgenössischen Hieroglyphik dem Gott der Künste Phoebus/Apollo zugeordnet; vgl. Hieroglyphica sive de sacris Aegyptiorum literis commentarii, Ioannis Pierii Valeriani Bolzanii Bellunensis, Basel: Isengrin 1556; Liber XXIII, fol.167verso (Ausgabe 1678 digital).

Was bedeutet der Block, den der Greif an einem Ring trägt, und an dem die geflügelte Kugel hängt? Die Beschreibung von Claude Mignault (Syntagma de Symbolis, 1571; zitiert bei Wolkenhauer S.91/92) ist nicht erhellend: »Ein Greif, der mit den Klauen seines rechten Fußes einen quaderförmigen Stein hochhebt, darunter ein Kreis oder eine Kugel, an deren beiden Seiten Flügel festgemacht sind.« Mignault bezeichnet das Bild als »ingeniosus«.

Rollenhagen übernimmt das Buchdruckerzeichen in seine Emblemsammlung 1613 (II,5) und deutet es so um: »Mag Fortuna die Begleiterin, Tugend die ruhmreiche Führerin des Handelns sein, unsere Bemühung / Arbeit / Anstrengung / Ausdauer (labor) wird nicht vergeblich sein, wenn sie im Herrn geschieht.«

Somit bedeutet hier das Heben des Steinquaders die Virtus (in der Inschrift); und die gefügelte Kugel die Fortuna, das stets in Bewegung befindliche, unbeständige Glück.

Giovanni Griffio (* 1518 in Lyon;  † 1576/1577 in Venedig) übernimmt das Signet der Familie:

Metamorphoseon libri XV. Raphaelis Regii Volaterrani luculentissima explanatio, cum nouis Iacobi Micylli... additionibus, Venetiis, apud Ioan. Gryphium 1565.

Literaturhinweise:

https://de.wikipedia.org/wiki/Sebastian_Gryphius

http://www.treccani.it/enciclopedia/giovanni-griffio_%28Dizionario-Biografico%29/

http://omeka.wustl.edu/omeka/exhibits/show/brisman/item/8337

Gemäß Klaus Henseler verwenden dasselbe Motiv auch: Giovanni Battista Bozzola (Venedig 1565 und anderswo), Pedro Patricio Mey (1581 bis 1621 Drucker in Valencia), Claude Morillon ...

Schmiede in der Werkstatt

Der Frankfurter Peter Schmid / Schmidt setzt seinen Familiennamen in eine Druckermarke um:

Doctoris Lutheri Propheceyung. Zur erinnerung vnnd anreitzung zur Christlichen Busse/ ordentlich vnd mit fleiß zusammen getragen durch Mag. Georgium Walther […] Franckfurt: P. Schmid 1576.

Die Figuren links und rechts gehören nicht zur Druckermarke: Der Evangelist Lukas mit dem Rind; der Evangelist Johannes mit dem Adler

Jägerlatein

Der Drucker/Verleger Maurice Georges Veneur verwendet sein Familienwappen (drei Hifthörner für den Jäger) als Signet:

[Abraham van Wicquefort, 1606-1682] L’Ambassadeur Et Ses Fonctions, A La Haye chez Maurice George Veneur 1682. > http://reader.digitale-sammlungen.de/resolve/display/bsb11008976.html

Es scheint ein einziger Titel mit diesem Signet erschienen zu sein. Das Motto LABOR VENATOR HONORIS (Die Bemühung/ Anstrengung ist der Jäger der Ehre) kommt schon 1581 vor in N. Reusners »Stemmatum sive armorum gentilitiorum libri tres« (= Anhang zu Emblemata Nicolai Revsneri IC. Partim Ethica, Et Physica: Partim vero Historica, & Hieroglyphica, sed ad virtutis, morumque doctrinam omnia ingeniose traducta: & in quatuor libros digesta, cum Symbolis & inscriptionibus illustrium & clarorum virorum, Francoforti, 1581), Nr. 312, mit Widmung an Melchior Jäger (Venator/Veneur).

Bienenzüchter bekämpft räuberische Bären

Der aus der Oberpfalz stammende und zunächst in Nürnberg, Basel und Straßburg wirkende Buchdrucker Matthias Biener, der sich wie damals üblich mit einem lateinischen Humanistennamen Apiarius (Bienenzüchter) nannte, wurde 1537 nach Bern berufen, wo er über 100 Drucke verfertigte. (Gestorben ist er 1554. Seine Söhne Samuel und Siegfried versuchten das Gewerbe weiterzuführen.). Als Druckermarke verwendet er dieses Bild:

  

Ein Bär macht sich an einem Bienenschwarm in einer Baumspalte zu schaffen; in der Nähe seiner Pfoten oder seiner Schnauze baumelt ein schwerer Hammer....

links: Schimpff unnd Ernst durch alle Welthänndel […] Mit vil schönen und Warhafften Historien/ kurtzweiligen Exemplen/ Gleichnussen und mercklichen Geschichten fürgestellet. Getruckt in d. Lob. Statt Bernn durch Mathiam Apiarium Auff den 24 tag Februarii, anno M.D. XLIII (1543).
http://dx.doi.org/10.3931/e-rara-610

rechts: Wie Noe vom Win uberwunden durch sin jüngsten Sun Cham geschmächt aber die Eltern beid Sem unnd Japhet geehret den Sägen unnd Fluch inen eroffnet hatt […], Getruckt inn der loblichen Statt Bernn by Mathia Apiario, Anno 1546.
http://dx.doi.org/10.3931/e-rara-712

Das Bild geht auf einen Schutzmechanismus der Imker gegen gefräßige Bären zurück.

Olaus Magnus (1490– 1557) beschreibt dies in seiner »Historia De Gentibus Septentrionalibus« (1555) Lib. XVIII, Cap. xxix; pag. 626: De occisione Vrsorum per ferream clavam.

Digitalisat: http://runeberg.org/olmagnus/0712.html

In der deutschen Übersetzung: Olaj Magni Historien der mittnächtigen Länder […] Getruckt zuo Basel, in der Officin Henricpetrina im Jar 1567 lautet der Text dazu:

 [Man weiß] wie gefähr die Beren den Bynen seind […] wie sie auch dem Honig nachstellen auff den hohen Bäumen. […] Derhalben macht man den Beren/ so des Honigs gewohn/ solche tödtliche fallen/ dieweil sie also ein schwach haupt haben/ das sie beyweilen  von einem kleinen streich sterben/ nemlich einen starcken Höltzen kolben/ zuo vorderst mit Eysenen stacheln vmb vnd vmb beschlagen/ den bindet man vber das loch/ da die Bynen auß vnd ein wäfern [sich geschäftig bewegen]/ an einem ast/ oder wie man kan. So nun der Ber hinauff steigt/ den wäfel [die Wabe] herauß zuo reissen/ so stoßt er mit dem Kopff hinden an den gespitzten Kolben/ fallt herab/ vnd bleibt todt ligen vnder dem Baum.

Die Technik wird noch beschrieben bei Johann Georg Krünitz, Oekonomische Enzyklopädie oder allgemeines System der Land-, Haus- und Staats-Wirthschaft in alphabetischer Ordnung, ... Band 4 (1774): Artikel Biene; 10. Von der Waldbienenzucht in Rußland, und ihrem künstlichen Bärenfange:

An den Bäumen, wo eingehauene Stöcke sind, bindet man einen großen dicken schwebenden Klotz a, an einen Ast, welcher das Zeidelbrett etwas zudeckt, daß dieser Klotz im Aufmachen den Bär hindert. Wenn nun der Bär das Zeidelbrett aufmachen will, so mus er sich den Klotz nothwendig mit seiner Pfote wegstoßen, welcher aber auch allemahl wider ihn zurückprallt, worüber er böse wird, und mit großer Heftigkeit sich denselben aus dem Wege räumen will; er prallt aber desto heftiger zurück, und dauert so lange, bis der Bär herunter fallen mus. — Dazu die Figur 162/163:

Das Bild mit der Bärenfalle verwendete Biener/Apiarius übrigens bereits in Straßburg, also noch bevor er ab 1537 in der Stadt mit dem Bär im Wappen arbeitete. Beispielsweise hier:

Oecolampadius, Johannes, In Prophetam Ezechielem Commentarivs D. Ioan. Oecolampadij, per Vuolfgangum Capitonem aeditus. […], Argentorati apud Matthiam Apiarium, Anno 1534.  Digitalisat: http://hardenberg.jalb.de/display_page.php?elementId=2072

Oder hier:

Gart der gesuntheit. Zu latein/ Hortus Sanitatis. […] alles mit höchste fleiß durchlesen/ corrigiert un(d) gebessert. Strassburg: M. Apiarius, 1536.

Die guten und schlechten Eigenschaften der Tiere werden mit den das Bild umgebenden Bibelsprüchen verdeutlicht:

Vrsus insidians & esuriens, princeps impius super populum pauperem. Thre. 3. Prouerb. 28. [Lamentationes 3,10: Er lauert mir auf wie ein Bär, wie ein Löwe im Dickicht. Verquickt mit Proverbia 28,15: Ein Gottloser, der über ein armes Volk regiert, das ist ein brüllender Löwe und gieriger Bär.]

Quam dulcia faucibus meis eloquia tua, super mel ori meo. Psal. 118. [Psalm 118,103 Vg.= 119,103:  Dein Wort ist meinem Munde süßer denn Honig.]

Auf die Bienen, die auf die (mit dem Tetragramm gekennzeichnete) Bibel (rechts unten im Bild) zufliegen, passt wohl der Text zuoberst: ἐραυνᾶτε τὰς γραφάς … = Johannes 5,39 Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen das ewige Leben zu haben – und sie sind es auch, die Zeugnis über mich ablegen.

Eine einfachere Variante hat die Bild-Umschrift: Brevis in volatilibus [ergänze: est apis], et initium dulcoris habet fructus illius. Eccle XI. (= Ecclesiasticus = Jesus Sirach 11,3: Klein ist die Biene [unter den geflügelten Tieren], aber ihre Frucht hat den Vorzug unter den Süßigkeiten.)

Der wachsame Hahn

Die Druckerfamilie Ketteler hat die Offizin in Köln im Haus zum Hahnen vor St.Paulus. Den Hausnamen machen sie zum Logo und versehen es mit dem Motto RERVM VIGILANTIA CUSTOS (Die Wachsamkeit ist die Beschirmerin der Dinge) – Der Hahn gilt als der wachsame Aufwecker seit des Ambrosius Hymnus »Aeterne rerum conditor«.

Reimb dich/ Oder Ich Liß Dich/ Das ist: Allerley Materien/ Discurs, Concept und Predigen/ welche bishero in underschiedlichen Tractätlein gedruckt worden; Numehro aber in ein Werck zusammen gereimbt/ und zusammen geraumbt/ […] Durch P. Fr. Abraham à S. Clara, Augustiner Baarfüsser Ordens/ Käyserl. Prediger/ und der Zeit Prior/ &c. — Zu Cöllen/ Bey Peter Ketteler/ Buchhändler vor St. Paulus im Hahnen/ Jm Jahr 1693.

Bezug zum Druckort

Basel – Basilisken

Michael Furter († 1517, seit 1483 in Basel) druckt seit 1489 insgesamt über 190 Bücher. Als Reverenz zu seiner Wahlheimat Basel setzt er die Schildhalter des Basler Wappens, die Basilisken in sein Buchdruckerzeichen:

Speculum marie. Marie Spiegel Sant Bonaventure Basel: Michael Furter 1506. [in der dt. Übersetzung von Ludwig Moser]
> https://www.e-rara.ch/bau_1/content/pageview/1690759

Literaturhinweis: Romy Günthart, Deutschsprachige Literatur im frühen Basler Buchdruck (ca. 1470 – 1510), Münster: Waxmann 2007 (Studien und Texte zum Mittelalter und zur frühen Neuzeit 11); bes. S. 34–36 und 318–320.

Thiergarten

René (Renatus) Beck (??–??) betrieb die Offizin Zum Thiergarten. Die breite Titelbordüre zeigt einen Park mit verschiedenen Tieren:

Excusum Argentine in edibus zum thiergarten. Per Renatum Beck ciuem argentinemsem. Anno Millesimo quingentesimo decimo quarto Vocabularius Gemma Gemmarum, 1515
> http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00005915/image_5


Embleme, die ein Bekenntnis des Verlags zum Programm der Publikationen darstellen

Fixpunkt und Bewegung

Das oft verwendete Signet des Antwerpener Verlegers Christophe Plantin (Plantijn, um 1520 – 1589) zeigt einen Zirkel, mit dem eine Hand einen Kreis zieht. Das Motto lautet LABORE ET CONSTANTIA (Mit Fleiß und Beharrlichkeit).

Matthias Felisius, Institvtionis Christianae Catholica Et Ervdita Elvcidatio […], Antverpiæ: Plantin 1575.
> http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb11117901-6

Das Emblem wird (später) so erklärt: »Das Motto ist auf die beiden zusammenwirkenden Schenkel des Zirkels zu beziehen, deren einer einen festen Punkt einnimmt und so die Tugend der Beständigkeit (constantia) repräsentiert, während der andere die unermüdliche Arbeit symbolisiert; mit diesen beiden Momenten will der Verleger sein Unternehmen leiten und erfolgreich führen.« Zitat aus https://embleme.digitale-sammlungen.de/index.html wo auf Roth-Scholtz verwiesen wird:

Bei Christoph Plantin, dessen Andenken ich getreu pflege, ist das gängige und eigentliche Zeichen der Zirkel, mit dem gelehrten Sinnspruch: Mit Bemühung und Beständigkeit. Der Zirkel, um sich gedreht, bedeutet die unablässige Bemühung, derselbe, indem er beim Einstich verweilt, die feststehende Absicht. Das ist gewiss eine zu Plantin passende Schmuckfassung, einem Mann, dem gegenüber keiner im Bemühen geduldiger, keiner in jedem Lebensziel beharrlicher war, abgesehen von dieser Nachgiebigkeit im Benehmen, mit der er sich bei jeder Art von Menschen beliebt machte. (Danke, Thomas G. für die Übersetzung!)

Friderici Roth-Scholtzii Herrenstado-Silesii Thesavrvs Symbolorvm Ac Emblematvm i. e. Insignia Bibliopolarvm Et Typographorvm, Nürnberg 1730; Seite 54 und Tafel V, Nr. 68 > http://diglib.hab.de/drucke/bd-2f-84-1s/start.htm?image=00007 )

Harpocrates

Thomas Wolf(f) (*um 1485, † nach 1535) verwendet 1521 erstmals die Druckermarke mit dem Schweigen gebietenden Mann mit Doktorhut. Es gibt verschiedene Textvarianten; hier eine viersprachige:

##??##, Basel 1526; (Zeichner Hans Holbein d.J.)

  • oben: Digito Compesce Labellum (Bezähme die Lippe mit dem Finger; Juvenal, Satire I,60)
  • links: Red nit zuo vil / ich s radten wil.
  • rechts: πᾶς λόγος σαπρὸς ἐκ τοῦ στόματος ὑμῶν μὴ ἐκπορευέσθω (Kein hässliches Wort komme aus eurem Mund; Epheserbrief 4,29)
  • unten: עֵת לַחֲשׁוֹת וְעֵת לְדַבֵּר (Schweigen hat seine Zeit, reden hat seine Zeit; Qohelet = Ecclesiastes 3,7)

Interessant ist, dass das Emblem mit diesem Motiv bei Alciato erst im Augsburger Druck 1531 als Bild vorkommt:

> http://www.emblems.arts.gla.ac.uk/alciato/emblem.php?id=A31b003

Vgl. A.Wolkenhauer (2002), S. 59–61 und 255–261. Hier werden die antiken Stellen und die bei Erasmus u.a. zitiert, wo der Gott Harpocrates erwähnt wird.

(Wer sich mit der Aufforderung, nicht alles einfachsoherauszuplaudern, nicht abfinden will, benutze > http://www.elsewhere.org/pomo/ )

Die Bärenmutter leckt die Jungen zurecht

Die antike und danach die mittelalterliche Naturkunde wissen, dass das Bärenweibchen unförmige Junge gebiert und sie dann durch Lecken zur richtigen Gestalt formt. Dieses Verhalten wird allegorisiert und schon früh auf das Zusammenwirken von natürlicher ›genialer‹ Anlage und erlernter Kunstfertigkeit bezogen, ein Dauer-Thema der Poetik und der Malerei-Theorie.

In der auf Sueton (ca. 75–160) basierenden »Vita Vergiliana« heißt es § 22: Als Vergil die Georgica schrieb, pflegte er, so wird überliefert, täglich früh morgens sehr viele Verse zu ersinnen und diktieren, dann aber den ganzen Tag hindurch sie zu überarbeiten und so auf wenige zusammenzustreichen, wobei er gar nicht so übel sagte, er gebäre sein Gedicht nach Art einer Bärin und bringe es durch Lecken erst in Form (carmen se ursae more parere et lambendo demum effingere). (Karl Bayer)

Schon früh wird die Idee emblematisch gebraucht:

QUi veult apprendre à dur entendement,
De desespoir ne se voyse faschant:
Mais veoye l’Ourse, & regarde comment,
A ses faons donne forme en leschant.
Tout bon sçavoir se treuve en le cherchant:
Par artifice on ha civilité: L’esprit humain par imbecilité,
Des sa naissance est mal instruict, & rude:
Mais l’on polit telle brutalité,
En luy baillant doctrine par estude.

Guillaume La Perrière, Le theatre des bons engins, Paris: Denis Janot [1544]; Nr. XCVIII.
> http://www.emblems.arts.gla.ac.uk/french/emblem.php?id=FLPa098

Tizian († 1576) hatte als Leitspruch Naturā potentior Ars (Das Handwerk ist mächtiger als die Natur); als Sinnbild dient ihm die Bärin, die das Junge zurechtleckt. Sein Motto wird hier zitiert:

Giovanni Battista Pittoni, Imprese die diverse Prencipi …, Venezia 1568.

I,43http://www.italianemblems.arts.gla.ac.uk/facsimile.php?bookid=sm_1766&pageid=0053

Ingenium doctrinâ et litteris formandum (Die angeborene Fähigkeit muss mittels wissenschaftlicher Kenntnisse und Gelehrsamkeit ›gebildet‹ werden):
Subscriptio: Der menschliche Geist ist von Geburt an schwach, ungelehrt und roh. Solche Grobheit kann man abschleifen, wenn man dem Menschen durch Unterricht Bildung zuteil werden lässt.
Dionysii Lebei-Batillii Regii Mediomatricv[m] Praesidis Emblemata, Francofurti ad Moenum: de Bry 1596
> http://diglib.hab.de/drucke/uk-35/start.htm

Joachim Camerarius, Symbolorvm et Emblematvm Ex Animalibvs Qvadrvpedibvs Desvmtorvm Centvria Altera … (1595) verwendet das Motiv II,21 ebenfalls mit dem Motto: Naturā potentior Ars. – In der deutschen Übersetzung »Vierhundert Wahl-Sprüche und Sinnen-Bilder« (1671): Kunst kan die Natur bezwingen | Und sie zum Gehorsamb bringen.

 

Das Emblem wird dann als Druckermarke verwendet von Michael Hubert:

Titel von: Sammlung von Johann Christian Günthers, aus Schlesien, bis anhero edirten deutschen und lateinischen Gedichten. Auf das neue übersehen, wie auch in einer bessern Wahl und Ordnung an das Licht gestellet. Nebst einer Vorrede von den so nöthigen als nützlichen Eigenschaften der Poesie, Breßlau und Leipzig: Michael Hubert, 1735.

Auf dem Spruchband: Doctrina Ingenium sic format, ut haec Fera Foetum. (Die Gelehrsamkeit formt die Naturanlage so wie dieses wilde Tier die Leibesfrucht.)

Der »Ours mal léché« ist sprichwörtlich geworden.

Die nackte Wahrheit entsteigt einer Höhle

Der Drucker Johannes Knobloch (tätig in Straßburg 1504–1528) lässt auf seiner Druckermarke die Wahrheit nackt aus einer Höhle steigen:

HABACVC PROPHETA CVM ANNOTATIONI BVS MARTI. LVTHE. Iohanne Lonicero Interprete. Straßburg: Johann Knobloch d.Ä. 1526.
> http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0001464F00000000

  • oben steht: hē alḗtheia = Die Wahrheit
  • der hebräische Text ist Psalm 85,11 (hebr. Bibel) / 85,12 (in deutschen Überss.) / 84,12 (Vulgata) אֱמֶת מֵאֶרֶץ תִּצְמָח = Die Wahrheit wird aus der Erde hervorsprossen.
  • unten steht: Verum quum [= cum] latebris delituit diu, emergit = Das Wahre, das sich lange in Schlupfwinkeln verborgen hat, tritt hervor.
  • das griechische Zitat rechts: Άγει δε προς φώς την αλήθειαν χρόνος = (Die) Zeit bringt die Wahrheit ans Licht. (Danke, Jörg, für die Hilfe!)
  • Das Zitat hat Knobloch wohl entnommen Erasmus, »Adagia«, 1317. II, IV, 17: Tempus omnia revelat. (Die dritte Auflage der Adagia erschien bei Froben in Basel 1513).

    Erasmus seinerseits zitiert Aulus Gellius (XII, xi, 6) der einen Vers des Sophokles zitiert: die ewige Zeit … deckt alles auf.

  • Außen herum sind Knoblauchpflanzen (!) gezeichnet.

Die personifizierte Wahrheit (veritas in der lat. Grammatik ist ein Femininum) ist nackt: Horaz kennt die nuda Veritas (Carm. I, xxiv, 7). Sie scheint sich selbständig aus der Höhle befreit zu haben. Was bedeuten ihre Handgesten?

Die Marke wurde erstmals verwendet in einer Stobaios-Ausgabe 1521; dann 1522 in einer Ausgabe von Erasmi »Lob der Torheit«; vgl. Anja Wolkenhauer (2002) S. 245.

Auf einem Bild in einem englischen religiösen Trakat 1535 entflieht die Wahrheit ebenfalls einer Höhle. Hier hat sie indessen einen Helfer: Chronos/Tempus ist ihr (Truthe, the doughter of time) behilflich: Tyme reueleth all thynges — und einen Widersacher: ein Monster – angeschrieben mit Hipocrisis (Heuchelei):

(Das Bibelzitat unten: Matthäus 10,26)

William Marshall, Goodly Prymer in Englyshe, newly corrected London: John Bydell 1535.

Dasselbe Motiv auf der Druckermarke von Francesco Marcolini (aktiv in Venedig 1534 bis 1559). Das Motto lautet: Veritas Filia Temporis. (Die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit.):

Le imagini con la spositione de i dei de gliantichi. Raccolte per Vincenzi Cartari, In Venetia per Francesco Marcolini MD LVI. (1556)
> https://hdl.handle.net/2027/dul1.ark:/13960/t9h432g9w

Embleme, die darlegen dass drei Seuchen der Entbergung der Wahrheit im Wege stehen (Streit, Missgunst, Verleumdung), werden fast zeitgenössisch publiziert:

Ioannes Sambucus, Emblemata, Cvm Aliqvot Nvmmis Antiqvi Operis, Antverpiae: Plantin 1564; Emblema LIII. > http://diglib.hab.de/drucke/li-7744-1/start.htm?image=00303

Literaturhinweise:

Fritz Saxl, "Veritas Filia Temporis," in: Philosophy and History. Essays presented to Ernst Cassirer, edited by Raymond Klibansky and H. J. Paton, Oxford University Press 1936, pp. 197–222.

Donald Gordon, "Veritas Filia Temporis": Hadrianus Junius and Geoffrey Whitney, in: Journal of the Warburg and Courtauld Institutes, Vol. 3, No. 3/4 (1940), pp. 228–240.

Soji Iwasaki, ”Veritas Filia Temporis and Shakespeare”, in: English Literary Renaissance, Vol. 3, No. 2 (Spring 1973), pp. 249–263.

Website > http://riowang.blogspot.com/2010/09/veritas-filia-dei-3-time-and-truth.html {Okt.2018}

Lieselotte Möller, Chronos, in: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Bd. III (1953), Sp. 753–764; insbes. Abb. 4 > http://www.rdklabor.de/w/?oldid=92633

 

Die Wahrheit wird ent-deckt

David Herrliberger zeichnet auf dem Titelblatt seines Werks Heilige Ceremonien und Kirchen-Gebräuche der Christen in der ganzen Welt. Erste Ausgabe, Begreift die Ceremonien der Lutheraner von der Augspurgischen Confession, der reformirten, der holländischen u.a. Kirchen, Zürich 1744 diese Szene der Entdeckung der Wahrheit durch Chronos:

Ausschnitt aus > http://www.e-rara.ch/zuz/content/pageview/5485120

Die Bildunterschrift stammt aus Phaedrus, Fabel 3,10, Vers 5f.:

Ergo exploranda est veritas multum, prius
quam stulte prava iudicet sententia.

(Daher muss man sorgsam den Wahrheitsgehalt erforschen, bevor eine falsche Meinung ein törichtes Urteil fällt.)

Die unbeirrbare Wissenschaft

Lazarus Zetzner (1551–1616) hatte als Druckermarke immer schon die Statue einer behelmten Minerva mit dem Motto Scientia immutabilis – programmatisch, es ist ja die Schutzgöttin der Dichter und Lehrer, die Göttin der Weisheit, die Hüterin des Wissens.

Methodus apodemica in eorum gratiam, cui cum fructu in quocunque tandem vitae genere peregrinari cupiunt ... ; Typis delineata, et cum alijs, tum quatuor praesertim Athenarum vivis exemplis illustr. ... / Theod. Zvingerus Argentinae: Zetzner 1594.

Für das umfänglich enzyklopädische Werk von Joseph Lang wird die Druckermarke von Zetzners Erben 1645 (also im Dreißigjährigen Krieg) ausstaffiert: Die Statue ist situiert in einer Landschaft; im Hintergrund brennt eine Burg. Das Medaillon ist umgeben von den drei Schicksalsgöttinnen (Moiren): Klotho spinnt den Lebensfaden, der von Lachesis bemessen und von Atropos abgeschnitten wird.

Florliegii Magni, seu POLYANTHEÆ Floribus Novissimis Sparsæ, Libri XX. Opus præclarum, suavissimis celebriorum sententiarum, vel Græcarum, vel Latinarum flosculis refertum. […] Studio & operâ Josephi Langii, meliore ordine dispositum, innumeris fere Apophthegmatis, Similitudinibus, Adagiis, Exemplis, Emblematis, Hieroglyphicis, & Mythologiis locupletatum, atque perilustratum, […]. Argentorati, Sumptibus Hæredum Lazari Zetzneri, MDCXLV. [1645]

Tempel-Vision

Die Druckermarke von Marco Antonio Giustiniani (1516–1571), der 1545–1552 in Venedig druckt. Dargestellt ist (auf dem hintersten Blatt) eine Rekonstruktion des Zweiten Tempels in Jerusalem, wie man sie ähnlich aus der Schedelschen Weltchronik (1493) kennt; das Gebäude ähnelt aber auch stark dem (im 7.Jh. u.Z. erbauten) Felsendom:

Hebraicus Pentateuchus latinus plané que nouus post omnes hactenus aeditiones euulgatus ac hebraicae veritati quoad eius fieri potuit, conformatus. Adiectis insuper e rabinorum commentarijs annotationibus pulchre & uoces ambiguas & obscuriora quaeque elucidantibus. Item Cantica Canticorum, Ruth, Threni, Ecclesiastes, Esther […] ex officina Iustinianea, 1551.
> https://books.google.ch/books?id=EjOwJFvG8wUC&hl=de&source=gbs_navlinks_s

Weisheit im Überfluss

Filippo Picinelli (1604 – 1667? 1678?) hatte schon 1653 ein Buch geschrieben: »Mondo Simbolico O Sia Vniversità À D'Imprese Scelte, Spiegate, Ed'Illvstrate con sentenze, ed eruditioni Sacre, E Profane«; dieses erschien in Neuauflagen Milano 1669 und Venedig 1670. 1681 erschien eine lateinische Übersetzung im Verlag von Hermann Demen (1636–1710?) in Köln. – Demen hat in anderen Büchern andere Bilder auf dem Frontispiz; für die Emblemsammlung von Picinelli (ein umfangreicher Foliant) wählt er dieses:

MUNDUS SYMBOLICUS, in Emblematum Universitate formatus, explicatus, et tam sacris, quam profanis eruditionibus ac sententiis illustratus: submnistrans Oratoribus, Prædicatoribus, Academicis, Poetis &c. […] conscriptus reverendissimo domino D. Philippo Picinello, Coloniæ Agrippinæ, Sumptibus Hermanni Demen, sub signo Monocerotis. MCLXXXI [1681]

Es ist die klassische Emblemstruktur. Das Bild eines reich sprudelnden Springbrunnens und dazu der Text im Spruchband OMNIBUS AFFLUENTER. Er stammt aus Jacobus 1,5: Si quis autem vestrum indiget sapientia, postulet a Deo, qui dat omnibus affluenter, et non improperat: et dabitur ei. (Wem es unter euch aber an Weisheit fehlt, der erbitte sie von Gott, der allen im Überfluss gibt und niemandem etwas zum Vorwurf macht: Sie wird ihm zuteil werden).


Embleme, die das Programm oder die Gesinnung des Verfassers kundtun

Aal und Krebs

Auf dem Titelblatt von Johann Fischarts* »Geschichtklitterung« sind ein Krebs und ein Aal in den Händen von Menschen abgebildet mit den Texten (deutsch erst in späteren Auflagen)

Si premas erumpit — Ein Truck entziechts

Si laxes erepit — Zu luck entkriechts

Das könnte sich auf das Verhalten des Lesers beziehen, wie denn auch die Vorrede zum Buch poetologische und hermeneutische Themen behandelt.

Man verliert die (im Buch) angebotene geistige Nahrung (Krebs und Aal sind Leckerbissen) durch ein zu strenges Urteil und Ablehnung, aber auch durch zu leichtfertiges Geltenlassen. (nach Thomas G.)

Oder: Wenn man den Text nicht zupackend interpretiert, versteht man ihn nicht; aber wenn man alles tiefsinnig zu deuten versucht, ebensowenig. (so P.M.)

Affenteurliche und Ungeheurliche Geschichtschrift vom Leben/ rhaten und Thaten der for langen weilen Vollenwolbeschraiten Helden vnd Herrn Grandgusier, Gargantoa, vnd Pantagruel, Königen inn Vtopien vnd Ninenreich. Etwan von M. Francisco Rabelais Französisch entworfen: Nun aber verschrecklich lustig auf den Teutschen meridian visiert/ und vngefärlich obenhin/ wie man den Grindigen laußt/ vertirt/ durch Huldrich Elloposcleron Reznem [Straßburg: Jobin] 1575
> http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00047235/image_3

*) Mit seinem Namen hat er Spaß getrieben. Hultrich Elloposcleros Reznem: Den Begriff des ersten Namens glaubte er in seinem Vornamen Johann zu finden (hebr. jôḥānān bedeutet ›Gott ist gnädig‹); den zweiten entlehnte er aus dem Griechischen éllops Fisch und sklêrós hart; und der dritte entstand durch Umkehrung des Namens Menzer, den er nach seinem ihm beigelegten Geburtsort Mainz angenommen haben soll. (nach Theodor Heinsius)

Körner aus dem Mist

Das Motto zu Johannes Keplers frühem Buch »De Stella nova« besagt: Grana dat e fimo scrutans = Es [das Huhn] gibt [den Küken] aus dem Mist herauswühlend [die] Körner.

Joannis Keppleri De stella nova in pede serpentarij, et qui sub ejus exortum de novo inijt, trigono igneo. Libellus astronomicis, physicis, metaphysicis, meteorologicis & astrologicis disputationibus, endoxois & paradoxois plenus […], Pragae, Ex officina calcographica Pauli Sessii. Anno MDCVI [1606]> http://doi.org/10.3931/e-rara-1752

Es ist nicht die Marke des Druckers/Verlegers Paulus Sessius (Pavel Sesse, aktiv 1606–1631).

Im Buch Keplers wird die Supernova aus dem Jahre 1604 beschrieben (und über das wahre Geburtsjahr Jesu spekuliert). Vielleicht steht das nicht gerade von Selbstsicherheit zeugende Emblem im Zusammenhang mit der melancholischen Grundstimmung Keplers, wie sie Arthur Koestler in »Die Nachtwandler« (deutsch 1959, S. 354ff.) beschreibt.

Comenius

Johann Amos Comenius (1592–1670) lässt – dort wo sich normalerweise die Druckermarken befinden – ein Emblem hinsetzen mit dem Text Omnia sponte fluant, absit violentia rebus. (Alles fließe aus eigenem Antrieb, Gewalt sei fern den Dingen.) Im Bild: Sonnenschein und Regen lassen das Feld gedeihen.

Joh. Amos Commenii Orbis sensualium pictus, Hoc est, Omnium fundamentalium in Mundo Rerum & in Vitam Actionum Pictura & Nomenclatura – Die sichtbare Welt/ Das ist/ Aller vornemsten Welt-Dinge und Lebens-Verrichtungen Vorbildung und Benahmung, Nürnberg: Michael Endter 1658.

Das Emblem versinnbildlicht die Ansicht von Comenius, die er z.B. in der »Großen Didaktik« (17. Kapitel, ¶ 21ff.) so beschreibt: »Es schließt der Baum, so groß er auch sein mag, sein ganzes Wesen in den Kern seiner Frucht … den Setzling ein. Wenn man nun diesen in die Erde senkt, so wird wieder ein ganzer Baum daraus emporwachsen dank der ihm innewohnenden Kraft. Ganz ungeheuer hat man gegen dieses Naturgesetz in den Schulden verstoßen. Die meisten Lehrer nämlich mühen sich ab, statt des Samens … ganze Bäume zu pflanzen, indem sie statt der grundlegenden Prinzipien den Schülern ein Durcheinander von … unzubereiteten Texten vorsetzen.«

Pegasus

Benjamin Neukirch (1665–1729) hat eine berühmte Sammlung galanter Lyrik herausgegeben, unter dem Titel »Herrn von Hoffmannswaldau und andrer Deutschen auserlesener und bißher ungedruckter Gedichte«. Sie erschien von 1695 bis 1709 in 6 Bänden in Leipzig bei Thomas Fritsch. Die Druckermarke ist sinnigerweise Pegasus, jenes gefügelte Pferd, durch dessen Hufschlag auf dem Gebirge Helikon eine Quelle entstand, aus dem alle Dichter trinken.

Aufklärung emblematisch

Nicolaus Hieronymus Gundling[ius] (1671–1729) gab 1715 bis zu seinem Tod die »Gundlingiana« heraus, eine aufklärerische wissenschaftliche Zeitschrift.

Auf die Titelblätter setzt er ein programmatisches Emblem. Die Sonne sagt in der ›Sprechblase‹ dispellam = ich werde [die dunkeln Wolken] auseinandertreiben.

GUNDLINGIANA, Darinnen allerhand zur Jurisprudenz, Philosophie, Historie, Critic, Litteratur und, übrigen Gelehrsamkeit gehörige Sachen abgehandelt werden. Eilfftes bis fünffzehendes Stück Halle: Renger 1717.

Es handelt sich nicht um ein Verlagssignet der Rengerischen Buchhandlung in Halle im Magdeburgischen, wie man sich auf der vorzüglichen Seite vergewissern kann > http://digitale.bibliothek.uni-halle.de/vd18/nav/cloud/publisher?query=Rengerische%20Buchhandlung


Emblem-artige Druckermarken mit vagen moralisierenden Bezügen

Der eingepfropfte Ölzweig mahnt zur Demut

Das Signet von Robertus Stephanus / Robert Estienne (gest. 1559) (> Wikipedia) sieht angfangs noch schlicht aus:

Dictionarium cum gallica fere interpretatione, Paris 1531.

Das Motto Noli altum sapere sed time (≈ Denke nicht hoch hinaus, sondern fürchte dich!) verweist auf den Römerbrief 11,16–24, wo Paulus darlegt, dass die Juden sich aus dem Reich Gottes ausgeschlossen haben, und die sich zu Christus Bekennenden aufgenommen wurden. Er illustriert dies mit einem Gleichnis:

Es wurden Zweige eines edlen Ölbaums (gemeint ist der Alte Bund) abgeschnitten und dafür Zweige eines wilden Ölbaums (die Heidenvölker) eingepropft. Diese neuen Zweige sollen sich aber nicht rühmen – hier fällt das Wort "noli altum sapere" – , denn sie sind ja mit Wurzel des alten Baums verbunden, der sie nährt. Gott kann jederzeit die neuen Zweige ebenfalls ausbrechen. (Und so können auch die von Natur dazugehören Zweige wieder eingepfropft werden; die Juden können und sollen also wieder des Heils teilhaftig werden.) Der Christ soll den Ungläubigen gegenüber nicht überlegen fühlen und nicht vergessen, dass er die Kraft seines Glaubens nicht sich selbst zu verdanken hat.

Das Bild zeigt einen ausbrechenden (neuen, eingepropften) Zweig. – In späteren Fassungen tritt ein Betrachter des Baumes hinzu; wichtiger: Man erkennt die Stellen, wo die Zweige eingepropft wurden.

De origine, continuatione, usu, autoritate, atque praestantia ministerii verbi Dei, et sacramentorum: Et de controversiis ea de re in Christiano orbe, hoc praesertim seculo excitatis : ac de earum componendarum ratione. Autore Petro Vireto, [Genève]: Robert Estienne 1554.
> http://doi.org/10.3931/e-rara-2395

Eine Herkulesarbeit

Anselmo Giaccarelli (auch Zacccarello u.a.) war 1545–1557 in Bologna als Drucker tätig. Eine seiner Buchdruckermarken zeigt Hercules im Kampf mit der mehrköpfigen lernäischen Hydra:

Innocentio Ringhieri, Cento giuochi liberali, et d'ingegno. Bologna: Anselmo Giaccarelli 1551.

Vgl. Cesare Fiaschi, Trattato dell'imbrigliare, maneggiare, et ferrare cavalli …, In Bologna: Per Anselmo Giaccarelli MDLVI > https://www.biodiversitylibrary.org/item/109748#page/5/mode/1up

Das allegorische Motto lautet lateinisch: Affectûs virtute superantur / italienisch: Vinconsi con vertu gli humani affeti; das heißt: Die Gemütsbewegungen / Leidenschaften [der Hydra] werden durch die Tugend [von Hercules] überwunden.

Auch der Verleger Abraham Faber (tätig 1587–1613 in Metz) verwendet den Kampf von Hercules gegen die Hydra. (Man erkennt, dass die Motive wandern; damals gab es kaum einen Copyright-Schutz.)

Das Motto ist hier: labor omnia vincit improbus (Mühsame Arbeit besiegt alles; aus Vergil, Georgica I, 145) — Catherine Silvestre, Marques typographiques ..., Paris 1853, Nr. 1082.

Diese Buchdruckermarken dürften angeregt worden sein durch ein Emblem in der eben gerade in Lyon erschienenen Neuausgabe von Alciatos Buch. Hier lautet ein Vers im Epigramm:
Non furor aut rabies uirtute potentior ulla est;
in der deutschen Übersetzung von Jeremias Held (1566):
Kein wüten noch vnsinnigkeit Stercker ist als die tugent gemeit.

Emblemata D. A. Alciati, denuo ab ipso Autore recognita, ac, quae desiderabantur, imaginibus locupletata. Accesserunt noua aliquot ab autore emblemata, suis quoque eiconibus insignita. Lvgd.: Apud Gvliel. Rovilivm, 1550. > https://hdl.handle.net/2027/gri.ark:/13960/t55d93p8b

Ein gebildeter Leser der Zeit hätte allenfalls aus des Erasmus »Adagia« das Kapitel Herculei labores (III,1,) assoziiert, wo die Arbeit des gelehrten Humanisten als Herkulesarbeit dargestellt wird.

Arion auf dem Delphin

Der berühmte und mit seiner Kunst reich gewordene Sänger Arion wird auf einer Schiffsreise von der geldgierigen Mannschaft beraubt und gezwungen, sich vom Schiff zu stürzen; die Seeleute erlauben ihm, noch einmal zu singen und dann sein Saitenspiel mitzunehmen. Im Meer taucht ein Delphin auf, der ihn auf seinem Rücken ans Ufer nachhause trägt.

Die Geschichte wird nicht bei den großen antiken Dichtern erzählt, sondern von von Herodot, Historien I,23f. — Aulus Gellius, Noctes Atticae XVI,19 — Hyginus, Fabulae 194 – Aelian, Historia Animalium XII,45.

Sebastian Brant bringt die Geschichte mitsamt einem Bild:

Esopi appologi sive mythologi: cum quibusdam carminum et fabularum additionibus Sebastiani Brant. Basel: Jacob <Wolff> de Phortzheim 1501.
> https://www2.uni-mannheim.de/mateo/desbillons/esop/seite367.html

Alciato bringt Arion in der ersten Ausgabe 1531 als Exempel der Habgierigen (gmeint sind die Seeleute):

http://www.emblems.arts.gla.ac.uk/alciato/emblem.php?id=A31b011

Der Basler Buchdrucker Johannes Oporin(us) (1507–1568) (> ADB) verwendet seit 1543 als Signet den auf einem Delphin sitzenden/stehenden Arion. Es wird öfters umgezeichnet; hier aus einer Ausgabe 1564:

Suidae historica, caeteráque omnia, quę ulla ex parte ad cognitionem rerum spectant, solis verborum explicationibus (quae quidem in vulgatis Lexicis passim extant) praetermissis: Opus iucunda rerum varietate et multiplici eruditione refertum […]. opera verò ac studio Hiero. VVolfii in Latinum sermonem conversa. […] Basileæ, apud Ioannes Oporinum et Hervagium [1564].

Die Bild-Umschriften:

Invia virtuti nulla est via ≈ Der Tatkraft ist kein Weg ungangbar (Ovid, Metamorphosen XIV,113 in einem völlig anderen Kontext)

Fata viam inveniunt ≈ das Schicksal bahnt sich selber den Weg (Vergil, Aeneis X,113; dort im Futur invenient und in einem völlig anderen Kontext)

(Wenn man die Geschichte des Sängers Arion verallgemeinernd bezieht auf die Produkte des Verlegers, so könnte man als Pointe formulieren: Bildung kann nicht untergehn.)

Dazu Anja Wolkenhauer (2002), bes. S. 384–396.

Fama

Sigmund Feyerabend (1528–1590) (> Wikipedia) gehört zu den Verlegern, von welchen die zahlreichsten Signete bekannt sind. Sein Symbol war die Fama, welche er von Jost Amman, Tobias Stimmer, Virgil Solis, Melchior Lorch u. a. immer aufs neue mit und ohne seine Devise komponieren ließ und für seine verschiedenen Vergesellschaftungen in Frankfurt und Basel mit den Symbolen seiner Genossen kombinierte.

Die Fama (›das Gerücht‹, negativ wie positiv gemeint) ist geflügelt und trägt Augen unter den Federn. Dass sie die Kunde mit Blasinstrumenten ›ausposaunt‹, steht nicht in den klassischen antiken Texten (Vergil, Aeneis IV, 173–189 und Ovid, Metamorphosen XII, 39–63), das ist Zugabe der Illustratoren; vgl. den Artikel im RDK und die Zusammenstellung hier

Die Umschrift lautet: Pervigiles habeas oculos animumque sagacem | Si cupis ut celebri stet tua fama loco ≈ Wenn du willst, dass dein Ruhm an einem verherrlichten Ort steht, dann halte die Augen immerfort wachsam offen und sei scharfsinnig. (Der Zusammenhang mit der Personifikation der Fama ist etwas wackelig.)

Albertus Magnus/ Daraus man alle Heimligkeit deß Weiblichen geschlechts erkennen kan/ Deßgleichen von jhrer Geburt/ sampt mancherley artzney der Kreuter/ auch von tugendt der edlen Gestein vnd der Thier/ mitsampt einem bewehrten Regiment für das böse ding.Jetzund aber auffs new gebessert/ vnd mit schönen Figuren gezieret/ dergleichen vor nie außgangen. Gedruckt zu Franckfort am Mayn/ Durch Joahnnem Schmidt in Verlegung Sigmund Feyerabendts M.D.LXXXI (1581)

Hier ein Beispiel für einen Verlagsverbund: S.Feyerabend mit Georg Raab und Weigand Haan, deren Wappenvögel die Fama umgeben. (Die Devise hatte wegen der Nennung der Geschäftspartner keinen Platz auf der Banderole.)

[Livius] Von Ankunfft vnd Ursprung deß Römischen Reichs / der alten Römer herkommen /Sitten/Weyßheit/Ehrbarkeit / löblichem Regiment / Ritterlichen Thaten . Jetzund auffs neuw auß dem Latein verteutscht/ und mit ordentlicher verzeichnuß der fünemsten Historien/ Jarrechnung/ kurtzer Liuischen Chronica/ und Register/ in den Truck verfertiget Durch Zachariam Müntzer. Mit schönen Figuren geziert/ … Frankfurt/Main, 1568

Empfangen und dann ausbrüten

In einigen der von ihm verlegten Bücher verwendet der Buchdrucker und Verlagsbuchhändler Johann Caspar Bencard (1649–1720) dieses Emblem: Eine Henne brütet Eier aus; dazu der Text Amore et constantia = Mit Liebe und Beharrlichkeit.

Jacobus Boschius, Symbolographia Sive De Arte Symbolica Sermones Septem, Dilingae: Bencard 1702. > http://diglib.hab.de/drucke/uk-2f-8/start.htm?image=00007

Literaturhinweis: Friedrich Zoepfl, "Bencard, Johann Caspar" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 34f. > https://www.deutsche-biographie.de/pnd130558974.html#ndbcontent

Erhebende Stürme

In einem bei Martin Veith (???) 1738 erschienenen enzyklopädischen Werk. Auf dem Spruchband steht: Turbant, Sed extollunt (Sie [die Stürme] versetzen in Unruhe, aber sie heben in die Höhe).

[Willibald Kobolt O.S.B., 1676–1749] , Die Groß- und Kleine Welt, Natürlich-Sittlich- und Politischer Weiß zum Lust und Nutzen vorgestellt, Das ist: Der mehrist- und fürnemsten Geschöpffen natürliche Eigenschafften, und Beschaffenheit, auf die Sitten, Policey und Lebens-Art der Menschen ausgedeutet. Ein Werck, welches in 4. Theil abgetheilt ist mit mancherley curios- und nutzlichen mehrentheils allegorischen Concepten, Moralien, Geschicht und Fabeln versehen; mithin zur Auferbauung und Ergötzlichkeit aller Gelehrt- und Ungelehrten / Geistlich- und Weltlichen Stands-Personen / auch zu sonderer Bequemlichkeit deren Prediger gewidmet / verfaßt und in Truck gegeben von A.R.P. Wilibaldo Kobolt. Augsburg: In Verlag Martin Veith / und Happachische Interessenten. Anno 1738.
> http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/kobolt1738

Treue per Handschlag

Das Signet des Verlegers Johann Görlin (?–?) in Ulm zeigt zwei Hände aus Wolken, die sich für einen Bund zusammenschließen; dahinter ein Füllhorn, oben ein ausstrahlendes Trinitätssymbol; unter der Kartusche das typographische Monogramm. Im Spruchband steht: DITABIT SERVATA FIDES (Bewahrte Treue macht reich).

Ein Hundert Dialogi, oder Gespräch, Von unterschiedlichen Sachen, zu erbaulicher Nachricht, auch Nutzlichem Gebrauch, und Belustigung. Auß Vornehmer und berühmter Leute Schrifften, und sonderlich etlichen Neuen Historischen Büchern ... durch Martin Zeillern, Ulm: Johann Görlin 1653.

Bild und Motto Ditat servata fides (bei Görlin im Futur ditabit) sind in der Emblematik seit Claude Paradin, »Devises«, Lyon 1551 verbreitet. Hier einige Beispiele:

Simeoni, Gabriele, Le Imprese Heroiche Et Morali, Lyon 1559.
> http://opacplus.bsb-muenchen.de/title/BV036676859

Paolo Giovio, Le sententiose di imprese, Lyon 1561.

Gabriel Rollenhagen / Crispin de Passe, Nucleus Emblematum, Arnheim/Utrecht 1611/1613; II, 32

Bereits 1491 verwendet Guyot Marchand (Guido Mercator, 1483–1508/9) das Motiv:

Cy finist la danse macabre des femmes toute hystoriee et augmentee de plusieurs personnages et beaux dictz en latin et francoys.— Imprimee A Paris par Guyot Marchant demorant ou grant hostel du champ gaillard derrier le college de nauarre L'an de grace mil quatre cens quatre vingz et vnze Le second iour de may

Lustig ist das Bilderrätsel (Rebus), mit dem er das Motto Sola fides sufficit (aus dem Hymnus »Pangue lingua«) schreibt: Sola ist durch die beiden Noten sol und la dargestellt; -ficit steht unter (lat. sub) fides. (Hinweise bei W.J. Meyer, 1926, S. 106)

Ich stütze mich auf …

Schwer zu deuten ist das Buchdruckerzeichen, das Johann David Zunner (1641–1704) hier verwendet:

[Samuel Bochart, 1599–1667], Hierozoicon Sive Bipertitum Opus De Animalibus S. Scripturæ : ... Cum Indice Septuplici ..., Revisum atque correctum ab innumeris mendis, quibus Editio Londinensi scatebat, Opera atque studio David Clodii Hamb. Profess. Gisseni Francofvrti Ad Moenvm. Impensis Johannis Davidis Zunneri. Typis Balthas. Christophori Wustii, 1675.

Ein verdorrender, halb entwurzelter Baum ist an eine Palme angelehnt und spricht: ONERATA RENITOR (Belastet drücke ich dagegen.). – Oneratus könnte einen Bezug haben zu Matth 11,28: Venite ad me omnes qui laboratis, et onerati estis (Kommt alle zu mir, die ihr besorgt und beladen seid); vom Gerechten heißt es in Psalm 92 [Vg. 91],13 er wird gedeihen wie eine Palme – Justus ut palma florebit.

Ein Bezug zum Emblem der Palme, die besonders gut wächst, je mehr sie niedergedrückt wird, ist weniger wahrscheinlich, denn hier geht es darum, dass man dem Übel widerstehen soll, um zu gedeihen. Bei Alciato steht die die Last ertragende und darob gedeihende Palme im Focus; bei Zunner aber der umgestürzte Baum.

> http://www.emblems.arts.gla.ac.uk/alciato/emblem.php?id=A31a025
Vgl. Henkel/Schöne, Emblemata, Sp. 192f. mit weiteren Stellen.

Der Basler Buchdrucker Michael Isengrin (1500–1557) dagegen verwendet dieses Emblem:

Laebliche abbildung und contrafaytung aller kreüter/ so der hochglert herr Leonhart Fuchs der artzney Doctor, inn dem ersten theyl seins neüwen Kreüterbuochs hat begriffen, in ein kleinere form auff das aller artlichest gezogen, damit sie fueglich vonn allen moegen hin unnd wider zur noturfft getragen und gefuert werden, Getruckt zuo Basell durch Michel Isingrin, im iar 1545.

> http://doi.org/10.3931/e-rara-3937

Zum Drucker > https://www.ub.unibas.ch/itb/druckerverleger/michael-isengrin/


Bilder die am Ort / anstelle der Druckermarke auf den Inhalt des Buches verweisen

Damit kommen wir bereits in den Bereich der Gestaltung von ganzen thematischen Titelbildern.

Untergang Trojas

Marcus Tatius (um 1509 – 1562) übersetzte das spätantike Werk des ›Dares Phrygius‹ u.a. zum trojanischen Krieg ins Deutsche. Auf dem Titelblatt steht ein Bild, das die Flucht aus dem brennenden Troja darstellt. Das Titelbild würde man mit der Terminologie der Literaturwissenschaft als ›Paratext‹ bezeichnen.

Warhafftige Histori und beschreibung/ von dem Troianischen krieg/ vnd zerstörung der Stat Troie durch die hochgeachten Geschichtschreiber Dictyn Cretensem vnd Darem Phrygium/ Erstlich in Griechischer sprach beschreiben/ darnach Latein/ vnd yetzund newlich durch Marcum Tatium Auß dem latein ins Teütsch verwandelt/ vormal nie gesehen/ mit durchauß schönen Figuren gezieret. Augsburg: Haynrich Stayner 1536.
> http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0008/bsb00084146/images/

Der Holzschnitt des Petrarkameisters ist dem kurz vorher ebenfalls bei Steiner erschienenen Buch Franciscus Petrarcha, Von der Artzney bayder Glück / des guten vnd widerwertigen […]. Augspurg: H. Steyner MDXXXII. entnommen, wo er das Kapitel II,69: Von dem verstörten vatterland illustriert. In diesem Kapitel ist von Troja nicht die Rede; auf dem Bild ist indessen der seinen Vater Anchises aus der Stadt tragenden Aeneas gut zu erkennen. — Vgl. dazu > Bildwanderungen.

Das allerscheußlichste Tier

In seinem Tierbuch stellt Conrad Gessner ein Tier namens Su vor, das aller schützlichest thier so geseyn mag/ Su genant in den neüwen landen. In der deutschen Übersetzung von 1563 ist es auf dem Titelblatt abgebildet; offensichtlich findet Froschauer das Bild als Blickfang wichtiger als sein Druckerzeichen.

Thierbuoch Das ist ein kurtze bschreybung aller vierfüssigen Thieren/ so auff der Erden und in wassern wonend, sampt jrer waren Conterfactur: alles zuo nutz vnd guotem allen liebhabern der künsten/ Artzeten/ Maleren/ Bildschnitzern/ Weydleüten vnd Köchen gestelt. Erstlich durch den hochgeleerten D. Cuonrat Geßner in Latin beschriben/ yetzunder aber durch D. Cuonrat Forer zuo mererem nutz aller mengklichem in das Teütsch gebracht/ vnd in ein kurtze komliche ordnung gezogen. Getruckt zuo Zürych bey Christoffel Froschower im Jar als man zalt M.D.LXIII.

Das Tier kennt Gessner aus dem eben gerade erschienenen Bericht des Brasilienreisenden André Thevet (1516–1590): Les singularitez de la France antarctique, autrement nommée Amérique, et de plusieurs terres et isles découvertes de nostre tems, Anvers: Chr. Plantin 1558; 106verso

Noch in der (auf die Bilder konzentrierten) Ausgabe Icones animalium quadrupedum viviparorum et oviparorum, quae in Historia animalium Conradi Gesneri describuntur […], Tiguri: excudebat C. Froschoverus, anno 1550. fehlt das Tier Su, und auf dem Titelblatt stand Froschauers Druckermarke. – Ist das ein Scherz, dass er den auf dem Frosch sitzenden Kanben durch die auf der Mutter sitzenden Jungtiere ausgetauscht hat?

> https://www.e-rara.ch/zut/content/pageview/3159678

Kindsgeburt mit Hebamme

In der (postumen) Ausgabe des Hebammenbuchs von Jakob Ruf / Rueff / Ruoff (1505–1558) setzt der Verleger Feyerabend nicht sein Signet hin, sondern eine typische Szene (Das Bild kommt dann im Buch selbst nicht vor.)

Hebammen Buch/ daraus man alle Heimligkeit deß weiblichen Geschlechts erlehrnen, welcherley Gestalt der Mensch in Mutter Leib empfangen, zunimpt und geboren wirdt/ Auch wie man allerley Kranckheit, die sich leichtlich mit den Kindtbetterin zutragen, mit köstlicher Artzeney vorkommen und helffen könne. Alles auß eygentlicher Erfahrung deß weitberühmpten Jacob Rueffen/ Stattartztes zu Zürych an Tag geben, Franckfort am Mayn: [Feyerabend] 1563. (Reprint Grünwald: K.Köbl 1964)

Die Erzeuger der Krankheit pflegen den daran Erkrankten

Der Straßburger Buchdrucker Bernhard Jobin (vor 1545 – 1593) verlegt 1577 das kleine Werk seines Schwagers Johann Fischart (1546–1590). Wo man die Druckermarke erwartet, quält sich ein vom Podagra geplagter Mann mit Krückstöcken, liebevoll umsorgt von Pflegepersonal…*. (Jobin 1573–1579 führte durchaus eine Druckermarke, vgl. Silvestre I, Nr. 647).

Podagrammisch Trostbüchlin. Innhaltend zwo artlicher Schuz Reden von herlicher ankonft, geschlecht, Hofhaltung, Nuzbarkait und tifgesuchtem lob des hochgeehrten, glidermächtigen und zarten Fräulins Podagra […] publicirt durch Hultrich Elloposcleron. Anno M.D.LXXVII.

*) Die beiden Figuren gleichen nicht zufällig dem Bacchus (mit Pokal und mit Weinlaub bekränzt) und der Venus (mit Ruhekissen und dreiteiligem Essenträger[?], darauf zuoberst ein enflammiertes Herz). Bacchus, oder wie Fischart schreibt: Bauchus nam seines Rebensafts so vil ein/ das der dauon erhitzigt sich bei dem Schlaftrunk inn trunkener weis bei der Holtseligsten LibGöttin Veneri zutäppisch macht/ vnd sie zu einem beischlaf vermochte/ welcher plinde beischlaf bald also vil schaffte/ das daraus vber ain kurtze Jarzeit die wirckung an der geburt des zarten Töchterlins Podagra ausprach.


Seltsames, Unerklärtes

Ein allegorisch bedeutsames (?) Scheusal

Die »Dies geniales« des Neapolitaners Alessandro Alessandri (1461–1523), seit 1522 oft aufgelegt, sind eine aus antiken Schriftstellen kompilierte und oft konsultierte Enzyklopädie. Hier das in Paris bei Gérard Morrhe (auch Gérard Morrhy des Champs) gedruckte Buch:

 

Alexander ab Alexandro, Genialium Dierum libri sex varia ac recondita Eruditione referti. Accuratius quam antehac excusi, cum duplice indice. Paris, Vaeneunt in vico Sorbonico, & Iacobaeo, apud Ioannem Petrum sub insigni D. Barbarae, 1532.
> https://reader.digitale-sammlungen.de/resolve/display/bsb10143537.html
> https://archive.org/details/hin-wel-all-00000581-001/page/n10

Das Wesen ist umrahmt von Texten in den drei heiligen Sprachen.

  • oben, griechisch: Ich will weder deinen Honig, noch deinen Stachel (aus der rabbinischen Literatur: Midrasch Bemidbar rabba, Parascha XX zu 4Mos 22,12 und andere Stellen)
  • rechts, hebräisch: Glatter als Öl ist ihr [gemeint ist die Frau des anderen] Mund (Proverbia 5,3a)
  • links, hebräisch: Doch zuletzt ist sie bitter wie Wermut (Proverbia 5,3b)
  • unten, lateinisch: nocet empta dolore voluptas – Es schadet die mit Schmerz erkaufte Lust (Horaz, Epistulae 1,2,55)
  • darunter, griechisch: Ich singe für verständige Leute, schließt die Türen, ihr Uneingeweihten (ein Hexameter aus der orphischen Literatur; heutzutage aus dem Derveni-Papyrus bekannt).

Die Zitate sind gegen die Verlockungen der Welt gerichtet. Nur die (im Buch stehende) Weisheit, Wissen bringt einen voran und an dem Scheusal vorbei … (Thomas G.)

Morrhé hat das Kompositwesen in seinen Büchern mehrmals verwendet.

Vielleicht hat sich Grimmelshausen durch diese Druckermarke für das Titelbild seines »Simplicissmus« (1668) anregen lassen.

Die drei Grazien

Petrus Berchorius, O.S.B. (auch: Pierre Bersuire, Bercheure, Petrus Pictavensis u.a., † 1362) hat unter anderem semantische Erörterungen und allegorische Auslegungen von Wörtern zusammengestellt, das sog. »Repertorium«.

Die Erben des venezianischen Komponisten und Druckers Girolamo Scotto (Hieronymus Scotus; ca.1505 – 1572) haben das umfangreiche Werk ediert.

Das Motto Virtus in omni re dominatur (Die Tugend herrscht über alles) widerspricht dem Zitat aus Sallust, »De Coniuratio Catilinae« 8,1: Fortuna in omni re dominatur. Es bezieht sich auf die oben dargestellte Personifikation der Fortuna (auf einer Kugel mit dem Segel der Unbeständigkeit):

Seltsam muten die drei nackten Grazien an im Kontext eines so hochkarätigen theologischen Werks.

Dictionarii Sev Repertorii Moralis Petri Berchorii Pictaviensis Ordinis Divi Benedicti, Quae dictiones ferè omnes sacrae Theologiae studiosis, ac verbi diuini concionatoribus vsui futuras, locorum communium instar, alphabetico ordine complectitur, earumq[ue] significationes moribus quàm optimè accomodat. […] Venetiis: Haeredes H. Scoti 1583.

••• Eine frühe Darstellung der drei Grazien findet sich in der Allegorie des Monats April von Francesco Cossa, um 1470, im Palazzo Schifonia in Ferrara:

> https://www.wga.hu/art/c/cossa/schifano/2april/2april_01.jpg

••• Sodann hier:

Heydenweldt vnd irer Götter anfängklicher vrsprung, durch was verwähnungen denselben etwas vermeynder macht zugemessen, vmb dero willen sie von den alten verehret worden, pp. pp. auß vieler glerten thewrn männer schrifften, deren benamsung am vmmkörten plat zusamen getragen. Diodori des Siciliers vnder den Griechen berhümptesten Geschichtschreibers sechs Bücher, pp. pp. […] Durch Johann Herold beschriben vnd ins teütsch zuosammen gepracht, Basel: Henrich Petri, 1554; Diodor, pag. cclxxxvi.
> https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/herold1554

••• In einer späteren Ausgabe des Emblembuchs von Alciato (1546) bedeuten die drei Chariten die Dankbarkeit, und es wird die Nacktheit ausgelegt:

Cur nudae? mentis quoniam candore venustas
    Constat, & eximia simiplicitate placet.

Warumb aber seindt nackend sie?
Darumb dann deß gmüts schön ziert hie
Stet und gfellt in auffrechter gunst
Und einfeltiger frombkeit sunst
...

> http://www.emblems.arts.gla.ac.uk/alciato/emblem.php?id=A46a006
> http://www.emblems.arts.gla.ac.uk/alciato/emblem.php?id=A67a050

••• Noch später konnte man die drei Grazien allegorisch so deuten:
Die drey Geistliche Chariten. Glaub, Hoffnung, Lieb seynd in eim Bund, darinn besteht deß Lebens-Grund.

Johann Ebermeier, New poetisch Hoffnungs-Gärtlein/ Das ist: ccc. und xxx. Sinnbilder von der Hoffnung… Tübingen G.Kerner 1653; Das 75. Sinnbild > https://archive.org/details/neupoetischhoffn00eber

••• Literaturhinweis: Veronika Mertens, Die drei Grazien. Studien zu einem Bildmotiv in der Kunst der Neuzeit, Otto Harrassowitz Verlag 1994.

Mercur und eine Elster?

Den Caduceus mit den beiden Schlangen in der Druckermarke von Johannes Froben (ca. 1460 – 1527) und seinen Nachfolgern versteht man gleich als Zeichen des Gottes Hermes/Merkur.

Commentariorvm Vrbanorum Raphaelis Volaterrani, octo & triginta libri, accuratius quàm antehac excusi, cum duplici eorundem indice secundum Tomos collecto. Item Oeconomicus Xenophontis, ab eodem Latio donatus. Basileae: Frobenius / Episcopius 1544.

Rätselhaft ist indessen, was für ein Vogel zwischen den Schlangenköpfen auf dem Stab sitzt. Anja Wolkenhauer (2002), S. 200f. hat dazu eine Vermutung: Der Titelholzschnitt zu Conrad Celtis, Quatuor libri amorum 1502 zeigt in der Randleiste Merkur, »wobei zu Füßen eine Elster (pica) sitzt, die eindeutig gekennzeichnet ist. […] Ihr sprichwörtlich diebischer Charakter legt eine Verbindung mit Merkur nahe.«

Warum sich indessen Froben den Gott der Diebe als Patron ausgesucht haben mag?

Hübsch ist die Anmerkung von Fischart: Ach du armes Däublin daurst mich … (Wolkenhauer S.208)


 

Nachleben

Die Blützezeit der Buchdruckerzeichen und Verlegersignete ist etwa um 1750 zu Ende. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass in der damaligen Epoche Allegorien und Embleme nicht mehr geschätzt wurden.

Merkur und das Füllhorn

Eine der Titelvignetten des Verlags Orell, Geßner und Füeßli in Zürich. Merkur (der Gott der Kaufleute, nicht nur der Diebe; mit geflügeltem Helm und Caduceus-Stab) und die Personifikation des öffentlichen Wohls in traulichem Gespräch. Das Füllhorn der Abondanza ist in der klassischen Ikonographie gefüllt mit Blumen und Früchten; in Zürich scheinen es eher Münzen zu sein...

Johann Jakob Hess, Biblische Erzählungen für die Jugend. Altes und Neues Testament, Zürich, bey Orell, Gessner, Füeßlin und Comp., 1774 > http://doi.org/10.3931/e-rara-17114

Je sème à tout vent

Das Verlagssignet des enzyklopädischen Verlags Larousse ist Programm. Das Bild der die Samen in alle Winde blasenden jungen Frau wurde von Émile-Auguste Reiber (1826–1893) kreiert.

  

Le Petit Larousse illustré (Erstausgabe: 1905)

Die Saat geht auf

Der Verlag Sauerländer (Aarau) hatte in den 50er-Jahren dieses Signet eines aus dem Buch aufkeimenden, hervorsprossenden Bäumchens:

Wer hat ein besseres Bild?

Signatur eines arabischen Königs

Im Logo des Malik-Verlags (1916 bis 1947) erzeugen die ineinander gestellten Initialen ein Bild:

Allerlei Tiere

         

          

Fischer (1960–1964) — Diederichs (1900) — Springer (1990) — Brockhaus (1926) — Penguin (designed by Edward Preston Young) — Ullstein (1962)


 

Kleines Fazit

(Die folgenden Bemerkungen basieren auf der hier getroffenen Auswahl; es können sich noch mehr Gesichtspunkte ergeben.)

◈ Die Buchdruckermarken (BDM) / Verlegersignete funktionieren zu einem Teil als ›Brand‹ wie das Markenzeichen eines heutigen Sportartikelherstellers (> Swoosh), der Mercedes-Stern, der Opel-Blitz usw. Dies am ehesten in der Inkunabelzeit.

◈ Die Buchdrucker und Verleger haben mit Stolz ihre Familie präsentiert, in Gestalt von den Hausmarken ähnlichen typographischen oder heraldischen Zeichen, gelegentlich auch mit Bezug auf den Ort ihrer Offizin. Gelegentlich haben sie dies auch witzig ausgemalt (z.B. Biener/Apiarius).

◈ Nicht selten legen die Verfasser der Bücher mittels eines BDM-ähnlichen Emblems ein Bekenntnis zum eigenen Schaffen ab (Comenius, Gundling).

◈ Häufig sind solche Bekenntnisse eher allgemein: Wir Autoren/Drucker/Verleger sind fleissig und gelehrt (wie die leckende Bärin, das brütende Huhn); die Kunst/Wissenschaft kann nicht untergehn (Minerva; Arion); die Schriften aus unserem Verlag wirken wie das Wort Gottes (Petri).

◈ Gerne betonen die Verleger, dass in ihren Büchern die Wahrheit geschrieben steht (Knobloch), sie betonen, dass das Buch keine Fabeleien und kein haltloses Geschwätz enthält (Wolff). Das war im Zeitalter der Glaubensspaltung besonders wichtig.

Hierzu zwei Zitate aus Schriften von Ulrich von Hutten (1488–1523):

Sie haben Gottes Wort verkehrt,
das christlich Volk mit Lugen bschwert.
Die Lugen wölln wir tilgen ab,
uff daß ein Licht die Wahrheit hab,
die was verfinstert und verdempft.

(Klag und Vormahnung gegen dem übermässigen unchristlichen Gewalt des Papsts… 1520)
> http://www.zeno.org/nid/2000510257X

Die warheit ist von newem gborn,
Vnd hatt der btrugk sein schein verlorn,
Des sag Gott yeder lob vnd eer,
Vnd acht nit fürter lugen meer.
Ja sag ich, Wahrheit was vertruckt,
ist wider nun härfür geruckt.

( Zů dem leßer dißer nachfolgenden büchlin [=Gesprächbüchlin 1521])
> http://www.zeno.org/nid/20005102634

◈ Oft sind die BDM allgemein-moralisch wie die zeitgenössische Emblematik: Nicht zu hoch hinaus! (Estienne); Die Stürme sind nicht verderbenbringend (Veith); Seid einander treu! (Görlin); Die Palme wächst unter der Last (Isengrin).

◈ Mit BDM, die lateinische, griechische und hebräische Inschriften tragen und/oder Kenntnisse der antiken Mythologie voraussetzen, insinuieren die Drucker/Verleger, dass sie zur kulturellen Elite gehören; damit werden auch die Käufer (und allenfalls Leser) der Bücher vereinnahmt.

◈ Die Bibel (beide Testamente) ist allgegenwärtig (Hammer, der Felsen zerschmettert).

◈ Die Antike ist allgegenwärtig, sei es als Anspielung auf einen Mythos (Minerva; Arion) oder als Zitat (Herakles). Deshalb ist es überaus sinnvoll, dass an der Philosophischen Fakultät gewisser Universitäten heute das Latein abgeschafft wird.

◈ Gelegentlich steht an der Stelle einer BDM im engeren Sinn ein Bild, das auf den Inhalt des Werks verweist (Gessners Tierbuch; der trojanische Krieg u.a.).

 



Literaturhinweise (chronologisch)

In der Frühzeit wurden die BDM vor allem von Sammlern aufgelistet, häufig auch brauchbar bibliographiert. In unserem Jahrhundert hat ein Verwissenschaftlichungsschub eingesetzt.

  • Friderici Roth-Scholtzii Thesaurus symbolorum ac emblematum, i. e. Insignia bibliopolarum et typographorum ab incunabulis typographiae ad nostra usque tempora,  apud hæredes Ioh. Dan. Tauberi 1730.
  • Philippe Renouard (1862–1934), Les marques typographiques parisiennes des XVe et XVIe siècles. Paris: Champion 1826–1828.
  • Louis-Catherine Silvestre, Marques typographiques ou recueil des monogrammes, chiffres, enseignes, emblèmes, devises, rébus et fleurons des libraires et imprimeurs qui ont exercé en France, depuis l'introduction de l'imprimerie, en 1470, jusqu'à la fin du seizième siècle : à ces marques sont jointes celles des libraires et imprimeurs qui pendant la même période ont publié, hors de France, des livres en langue française (1.Aufl. 1853), Paris 1867.
  • Die Büchermarken oder Buchdrucker- und Verlegerzeichen, Straßburg 1892ff. Versch. Autoren; mehrere Bände, darunter:
  • William Roberts (1862–1940), Printers’ marks. Achapter in the history of typography, London 1893.
  • Ronald B. McKerrow, Printers’ and publishers’ devices in England and Scotland 1485–1640. Printed for the Bibliographical Society at the Chiswick Press, 1913.
  • Ernst Weil, Die deutschen Druckerzeichen des XV. Jahrhunderts, München: Verlag der Münchner Drucke 1924.
  • Wilhelm Josef Meyer, Die französischen Drucker- und Verlegerzeichen des XV. Jahrhunderts, München: Verlag der Münchner Drucke 1926.
  • Hugh William Davies, Devices of the early printers, 1457–1560, their history and development, with a chapter on portrait figures of printers. London: Grafton & Co., 1935.
  • Wilhelm H. Lange, Buchdruckermarken, in: Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Bd. II (1947), Sp. 1357–1361. Heinrich Grimm, Deutsche Buchdruckersignete des XVI. Jahrhunderts. Geschichte, Sinngehalt und Gestaltung kleiner Kulturdokumente, Wiesbaden: Pressler 1965.
  • Henning Wendland, Signete. Deutsche Drucker- und Verlegerzeichen 1457–1600, Hannover: Schlütersche Verlagsanstalt 1984.  
  • David L. Paisey, Deutsche Buchdrucker, Buchhändler und Verleger, 1701–1750, Wiesbaden: Otto Harrassowitz 1988 (Beiträge zum Buch- und Bibliothekswesen Band 26).
  • P. van Huisstede / J.P.J. Brandhorst, Dutch Printer's Devices 15th-17th Century (3 Vols.), Leiden: Brill 1999.
  • Anja Wolkenhauer, Zu schwer für Apoll. Die Antike in humanistischen Druckerzeichen des 16. Jahrhunderts. Wiesbaden, Otto Harrassowitz 2002.
  • Michaela Scheibe and Anja Wolkenhauer eds., Signa vides. Researching and recording printers' devices. Papers presented on 17–18 March 2015, at the CERL Workshop, London, Consortium of European Research Libraries, 2016. (Als PDF zum Download)
  • Typographorum Emblemata. The printer’s mark in the context of early modern culture, edited by Anja Wolkenhauer and Bernhard F. Scholz, Berlin / Boston: De Gruyter / Saur 2018.
  • Homepage von Klaus Henseler (Cuxhaven) – reichhaltig und mit genauen Beschreibungen {abgerufen am 8.8.2018}

Hilfsmittel bei der Suche


Zusammengestellt von P.Michel im September/Oktober 2018; mit vielen nützlichen Hinweisen von Th. Gehring.