Hunde — symbolische und andere

Hunde haben in gewissen fiktionalen Erzählungen eine Rolle als Handelnde oder sie dienen als Symbol oder sie sind als bedeutsame Realität wichtig oder sie offenbaren das Verhalten der Menschen, die mit ihnen umgehen.

In gewissen Textgattungen (Fabel, Emblem) haben sie deutlich eine symbolische oder allegorische Bedeutung.

Bei etlichen bildlischen Darstellungen fällt auf, dass die Hunde im Umkreis von mächtigen / reichen Pesonen vorkommen.

In anderen Kontexten sind Hunde aber bloße Zugabe, Kolorit, werden scheinbar "belanglos" abgebildet sind und der Text im Umfeld besagt nichts über sie. Oder sind sie doch irgendwie bedeutsam? Und aus welchem Grund könnte man ihnen eine Deutung zuordnen?

Wir konzentrieren uns auf ältere Texte und v.a. Bilder. Es ist keine wirkliche "Kynologie".

 

❑ Zunächst einige weiterführende Hinweise zu symbolischen Bedeutungen:

• Eintrag zum Hund in: Willibald Kobolt (OSB), Die Groß- und Kleine Welt, Natürlich-Sittlich- und Politischer Weiß zum Lust und Nutzen vorgestellt. Das ist: Der mehrist- und fürnemsten Geschöpffen natürliche Eigenschafften, und Beschaffenheit, auf die Sitten, Policey und Lebens-Art der Menschen ausgedeutet. […], Augsburg 1738, S. 367–376
    > http://www.zeno.org/nid/20005181534

• Artikel zum Hund bei »animaliter« > https://www.animaliter.uni-mainz.de/hund/

• 1’889 Einträge in Karl Friedrich Wilhelm Wander, »Deutsches Sprichwörter-Lexikon« (1. Auflage 1867–1880) > http://www.zeno.org/Wander-1867/A/Hund?hl=hund

• Emblemdatenbank unter dem Stichwort "Hund"
     > https://embleme.digitale-sammlungen.de/emblmaske.html

• Der kathol. Geistliche Johann Lorenz Helbig (1662–1721) hat eine umfängliche Predigt-Sammlung unter den Titel gestellt:

Anatomia Canis Mystica Et Moralis, Das ist: Die Eigenschafft eines Hunds, gut und böse, Durch Sonntägliche Predig-Concept Auff Tugend und Laster, welche ein Christen-Mensch, sein Seelen-Heyl zu erwerben, üben und meyden solle also gerichtet, daß auf jeden Sonntag das Erste Concept von einer Eigenschaft des Hunds den Eingang machet, [2 Bände], Nürnberg [u.a.]: Lochner 1720.
> http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb11056601-5

• Hier ein Beispiel dafür, aus welchen Gründen der Hund den Prediger symbolisieren kann – und es gibt noch viele andere Bedeutungen!
Zuerst wird (mit lat. Propter … oder Quia …) das Vergleichsmerkmal angegeben, sodann eine stützende Bibelstelle, z.Bsp.:

6. Propter luporum odium, Psal.118. Iniquos odio habui.
6. Wegen dem Hass auf die Wölfe, Ps. 118 [Vg.],113: Ich hasse die Ungerechten.

Hermann Heinrich Frey, Therobiblia. Biblisch Thierbuch / darinne alle vierfüßige / zahme / wilde / gifftge und kriechende Ther / Vogel vnd Fisch (deren in der Bibel meldug geschiht) sampt jren Eigenschafften vnnd anhangenden nützlichen Historien beschrieben sind. Mit der alten vnd newen Kirchenlehrer Außlegungen fleissig erkleret […] Leipzig: Johann Beyer 1595; Fol. 113 verso.

———————


❑ In der heidnisch-antiken Mythologie war der Hund "kein grosser Symbolträger". Vgl. dazu die Website von Stefan Burkhart
> https://burkhart.jimdofree.com/der-hund-in-der-antike/

••• Homer. Der Hund Argos, erkennt seinen Herrn Odysseus bei dessen Heimkunft in Ithaka nach 20 Jahren wieder:

Aber ein Hund erhob auf dem Lager sein Haupt und die Ohren, Argos, welchen vordem der leidengeübte Odysseus selber erzog; […] Ihn führten die Jünglinge vormals Immer auf wilde Ziegen und flüchtige Hasen und Rehe; Aber jetzt, da sein Herr entfernt war, lag er verachtet auf dem großen Haufen vom Miste der Mäuler und Rinder, welcher am Tore des Hofes gehäuft ward, daß ihn Odysseus' Knechte von dannen führen, des Königes Äcker zu düngen; Hier lag Argos, der Hund, von Ungeziefer zerfressen. Dieser, da er nun endlich den nahen Odysseus erkannte, wedelte zwar mit dem Schwanz und senkte die Ohren herunter, aber er war zu schwach, sich seinem Herren zu nähern. Und Odysseus sah es und trocknete heimlich die Träne, … (Homer, Odyssee, 17. Gesang Verse 290ff. in der Übersetzung von Johann Heinrich Voß > http://www.zeno.org/nid/20005097053)

In der Illustration der Ausgabe der ersten deutschen Übersetzung (Simon Schaidenreißer) ist Argos vorn zu sehen; hinten die prassendden Freier:

Odyssea / das seind die aller zierlichsten vnd / lustigsten vier vnd / zwaintzig bücher des eltisten kunst- / reichesten Vatters aller Poeten Homeri / von der zehen järigen irrfart / des Weltweisen Kriechischen Fürstens Vlyssis beschriben / vnnd erst / durch Maister Simon Schaidenreisser / genannt Mineruium … / mit fleyß zu Teutsch / tranßferiert / mit argumenten vnd kurtzen scholijs erkläret / auch / mit beschreibung des lebens Homeri gemeret / nit vnlustig zu lesen. ... Alexander Weissenhorn, Augustae Vindelicorum excudebat. Anno 1537. — Reprint Münster: Grimmelshausen-Gesellschaft 1986.

••• Der Name der Kyniker, dieser antiken Philosophenrichtung, wird (auch) vom Wort Hund (griech. kyōn) hergeleitet – diese Männer benahmen sich in den Augen der Zeitgenossen wie Hunde und haben evtl. diesen Spottnamen zum Ehrennamen gemacht. (Vgl. Georg Luck, Die Weisheit der Hunde. Texte der antiken Kyniker, Stuttgart: Kröner 1997).

Jean-Léon Gérôme zeigt 1860 den Erz-Kyniker Diogenes im Fass, umgeben von Hunden:

>https://de.wikipedia.org/wiki/Diogenes_von_Sinope

 

Plinius widmet dem Hund einen längeren Passus in seiner Naturkunde (naturalis historia, lib. VII, lxi, 142 – lxiii, 153). Er hebt vor allem die Treue der Hunde hervor, was er mit vielen historischen Beispielen stützt.

Der übersetzte Text aus Plinius: Soli dominum novere et ignotum quoque, si repente veniat, intellegunt; soli nomina sua, soli vocem domesticam agnoscunt.

Caij Plinij Secundi / Des furtrefflichen Hochgelehrten Alten Philosophi / Bücher und schrifften / von der Natur / art vnd eigenschafft der Creaturen oder Geschöpffe Gottes […] auß dem Latein verteutscht durch M. Johannem Heyden / Eifflender von Dhaun […] Frankfurt: Sigmund Feyerabend 1565; S. 196–207.
> http://reader.digitale-sammlungen.de/resolve/display/bsb10140858.html

 

❑ Der zwölfjährige Jesus im Tempel mitten unter den Lehrern. Das Lukasevangelium (2,46–52) nennt keine Hunde. – Aber der Hund gilt in der Bibel als unreines Tier, und die Jesus zuhörenden Lehrer (Vulgata: doctores) sind auch nicht gerade vorteilhaft gezeichnet. — (Einige Seiten vorher [Fol. XVI] begleitet indessen ein ähnlicher Hund die Drei Könige zum Stall in Betlehem …)

[Hans Wechtlin zugeschriebener Holzschnitt in: Johannes Geiler von Kaysersberg] Doctor keiserszbergs Postill Vber die fyer Euangelia durchs jor, sampt dem Quadragesimal vnd von ettlichen Heyligen newlich vßgangen, Straßburg, 1522. Fol. XXI
> http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00071017/image_45

 

❑ Hunde lecken die Wunden des Armen Lazarus in der Erzählung des Evangelisten Lukas (16,19–31):

Matthäus Merian: Icones biblicæ præcipuas sacræ scripturæ historias eleganter & graphice repræsentantes. Biblische Figuren/ darinnen die Fürnembsten Historien/ in Heiliger und Göttlicher Schrifft begriffen/ Gründtlich und Geschichtsmessig entworffen/ zu Nutz und Belustigung Gottsförchtiger und Kunstverständiger Personen artig vorgebilget [sic] / an Tag gegeben durch Matthaeum Merian von Basel; Des Newen Testaments … Fürnembste Historien, Basel 1629; Kapitel XXXII.

Literaturhinweis: Meinolf Schumacher, Ärzte mit der Zunge. Leckende Hunde in der europäischen Literatur, Bielefeld: Aisthesis-Verlag 2003.

 

❑ Matthäus 27,26 steht: Jesus aber ließ er [Pilatus] geißeln und lieferte ihn aus zur Kreuzigung. (vgl.Markus 15,15f.) Im Bild von Jost Amman ist wohl Pilatus links zu sehen – zusammen mit einem Hund:

Icones novi testamenti, Arte Et Industria Singulari Exprimentes, Tum Evangeliorum Dominicalium argumenta, tum alia quamplurima, in Evangelistarum & Apostolorum scriptis eximia, quae, ne muta essent, sua quoque tam Latina, quam Germanica carmina, singulis Iconibus adiuncta, habent […], Francofurti ad Moenum: Feyerabendt 1571.
http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00024383/image_208

 

❑ Beim Tischgebet der Hund am Boden – das könnte eine Anspielung sein auf den Satz der Jesus um Erbarmen anflehenden kanaanäischen || phönizischen Frau: »Die Hunde unter dem Tisch fressen von den Brosamen der Kinder ||, die vom Tisch ihrer Herrn fallen.« (Markus 7,28 || Matthäus 15,27) Diese Hunde werden in der Exegese positiv ausgelegt: Jesus möge sich auch um das Heil der gläubigen Heiden kümmern. (Freundlicher Hinweis von Florence Br.)

Johann Hoffer, ICONES CATECHESEOS, Wittenberg: Krafft, Johann d.Ä., 1560.
> http://diglib.hab.de/drucke/yv-1324-8f-helmst/start.htm

 

❑ In dieser Fabel zeigt der Hund, das man sein eigenes Gut verliert, wenn man nach fremdem hascht:

Der Hund, der Fleisch über den Fluss trägt, dieses im Spiegel des Wasser sieht und begierig danach schnappt, so dass er den Brocken verliert. Amittit merito proprium qui alienum appetit. (Phaedrus, Buch I, Fabel 4)

Holzschnitt von Virgil Solis aus: Fabulæ variorum auctorum nempe Aesopi s. graeco-latinae CCXCVII. ... Phaedri fabulae XC. Opera & Studio Isaaci Nicolai Neveleti, Francofurti: apud Christ. Gerlach & Sim. Beckenstein MDCLX.

Viele Hinweise auf der genialen Homepage von Laura Gibbs > http://millefabulae.blogspot.com/ und http://aesopsbooks.blogspot.com/

 

❑ In der Emblematik wird Hunden eine moralische Symbolik zugeschrieben, positiv oder negativ, oder Dummheit andeutend:

••• Alius peccat, alius plectitur (Der eine handelt sträflich, der andere wird gestraft.)

Ein hunnd mit grossem zoren beyst
Den stain so im wird gworffen nach,
An den er billich aller meyst
Solt zurnen, da ist im nit gach:
Also suecht mancher grosse rach
Zu dem, der nicht umb in verschuldt,
Allein das er arm, bloß und schwach:
Da zorn het stat, tregt er gedult.
(Übersetzung von Wolfgang Hunger)

Andreae Alciati Emblematum libellus, Paris Wechel, 1542
> http://www.emblems.arts.gla.ac.uk/alciato/emblem.php?id=A42b070

••• Eher werde ich mein Leben aufgeben

POTIUS CESSERO VITA

Mir ist vertrawt meins Herren Gut/
Daß halt ich wol in acht vnd hut/
Viele ehe man mir das Leben nimt/
Solch trew eim frommen Diener zimt.

Julius Wilhelm Zincgref, Sapientia Picta. Das ist/ Künstliche Sinnreiche Bildnussen und Figuren; darinnen denckwürdige Sprüch und nützliche Lehren im Politischen und gemeinen Wesen durch hundert schöne newe Kupfferstück vorgebildet/ entworffen/ und durch teutsche Reymen … Franckfurt: Marschall 1624.
> http://diglib.hab.de/drucke/li-6643-2/start.htm

••• Undankbarkeit ist das größte Laster

Links oben wird der Kuckuck gezeigt, der seine Eier der Grasmücke unterschiebt, die sie ausbrütet; und wenn der Bastard ausfliegt, verschlingt er seine Pflegemutter. — Das Hauptbild zeigt einen Hund, der den Mann beißt, der ihn aufgezogen hat:

Also thuot es noch mangem gon
das jhn der hund jinn dwaden beißt
Den er vor von seim tisch hatt gespeißt.

Matthäus Holtzwart, Emblematum Tyrocinia, sive picta poesis Latinogermanica, das ist eingeblümete Zierwerck oder Gemälpoesy innhaltend allerhand Geheymnußlehren durch kunstfündige Gemäl angepracht und poetisch erkläret, Straßburg: B.Jobin 1581.
> http://diglib.hab.de/drucke/t-355-helmst-8f-2/start.htm

 

••• Bei Cesare Ripa trägt Fedeltà in weißem Gewand einen Siegelring und einen Schlüssel in den Händen; ihr zur Seite ein Hund. Den Hund bezieht Ripa auf unter anderem eine Geschichte bei Plinius (nat. hist. VIII,lxi,145) über Titus Labienus (falsch für Titus Sabinus), wo sich einer der Hunde nicht vom Kerker des Gefolterten wegtreiben ließ und auch nicht vom Leichnam des Hingerichteten, und in Gegenwart einer Menge römischen Volkes ein jämmerliches Geheul ausstieß usw.

Iconologia Overo Descrittione Di Diverse Imagini cavate dall'antichità, & di propria inuentione, Roma 1603.

(Mehr zu C.Ripa hier)

 

❑ In der Geschichte des Aktäon (Ovid, Metamorphosen III, 138–252) wird der Jäger Aktäon, von Diana in einen Hirsch verwandelt, von seinen eigenen Jagdhunden aufgefressen. Ovid sagt mit keinem Wort, dass Aktäon sich falsch verhalten hat, wenn er Diana im Bad überrascht hat; die Hunde – sie sind alle mit ihren Namen genannt! – sind kein Mittel der Strafe (at bene si quaeras, Fortunae crimen in illo, non scelus invenies), sondern verhalten sich ganz natürlich.

Les Métamorphoses d’Ovide; avec des explications à la fin de chaque fable. Traduction nouvelle par de Bellegarde Amsterdam: Etienne Roger 1716.

Andrea Alciato hat diese Szene als Emblem verwendet, mit seltsamer Symbolik. (Als wäre Actaeon ein Bösewicht, der sich willentlich als Hirsch verkleidet):

Gegen die, die Halsabschneidern Unterschlupf gewähren

Hier in der lat.-dt. Ausgabe: Kunstbuch, Franckfurt am Main 1567.
> http://www.emblems.arts.gla.ac.uk/alciato/emblem.php?id=A67a117

En novus Actaeon, qui postquam cornua sumpsit,
In praedam canibus se dedit ipse suis

Sich an ein neuwen Actean
Welcher da er die Hörner gewan
Wurd er von seinen eigen Wind
[Hunden]
Zerrissen und gefressen gschwind.

 

❑ Ein Hans Weiditz zugeschriebener Holzschnitt (im Todesjahr des Kaisers 1519): Kaiser Maximilian I., die Messe hörend, im Bild rechts im Gestühl kniend.

> http://www.zeno.org/nid/20004362861

 

❑ Der Petrarcameister zeigt einen Hund ausgerichtet auf den Wohlhabenden, der dem Wucherer eine Beutel Geld bringt, und nicht auf dem Mann, der beim Wucherer Geld ausleiht:

Von der Artzney bayder Glück / des guten vnd widerwertigen, Augsburg: Steiner MDXXXII. Buch I, Kapitel LVI
> http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00084729/image_1

 

❑ Die Scipionen wollen in Afrika Krieg führen und mobilisieren dazu in Hispania Krieger. Das berichtet Livius. Jost Amman hat die Szene so dargestellt:

Von Ankunfft vnd Ursprung deß Römischen Reichs / der alten Römer herkommen /Sitten/Weyßheit/Ehrbarkeit / löblichem Regiment / Ritterlichen Thaten. Jetzund auffs neuw auß dem Latein verteutscht/ und mit ordentlicher verzeichnuß der fünemsten Historien/ Jarrechnung/ kurtzer Liuischen Chronica/ und Register/ in den Truck verfertiget Durch Zachariam Müntzer. Mit schönen Figuren geziert/ … Frankfurt/Main 1568 (zum Jahr 542 ub urbe condita, ¶ 36)

 

❑ Dido fleht ihre Schwester Anna an, sich bei Aeneas für sie zu verwenden, er möge ihr zuhören. Doch Aeneas bleibt hartherzig. Aeneis IV, 437 Doch wird er von keinen Tränen bewegt; es macht kein Wort ihn fügsam; das Schicksal hindert es, und es verschließt ein Gott sein empfindendes Ohr ihm. [Mercur hält ihm die Ohren zu.] (Text > https://www.gottwein.de/Lat/verg/aen04.php)

Erneuertes Gedächtnüs Römischer Tapferkeit/ an den unvergleichlichen Virgilianischen Helden Aeneas, und Seinen großmüthigen Thaten, Zu mehrer Erläuterung des hochschätzbaren Alterthums/ Der Edlen Jugend zum gemeinen Besten/ In 50. Kupfern vorgebildet von Georg Jacob Lang / und Georg Christoph Eimmart. In Nürnberg / Anno M.DC.LXXXIIX. Zu finden bei Leonhard Loschge.

 

❑ Esther bittet den persischen König Ahasver um Gnade für das jüdische Volk, und dieser streckt ihr sein goldenes Szepter entgegen und schenkt ihr das Leben (Buch Esther 5,2). Die Szene wird sehr oft dargestellt. Matthäus Merian zeigt im Hintergrund, wie Haman aufgehängt wird (Esther 7,10). Und was tut der Hund beim Thron?

[Johann Ludwig Gottfried] Historische Chronica. oder Beschreibung der Fürnemsten Geschichten, so sich von Anfang der Welt, biß auff das Jahr Christi 1619 zugetragen.Frankfurt/Main, M. Merians Erben, MDCLVII. [Erstauflage 1630], S. 110.

 

❑ Der Eynkäuffer der Speisen für das festliche Mahl im Kreise der Wohlhabenden – wacker/ arbeitsam/ unverdrossen/ holdselig/ höflich/ sittsam/ trew/ embsig und sorgfeltig – ist begleitet von einem Hund (mit edlem halsband):

Ein new Kochbuch/ Das ist Ein gründtliche beschreibung wie man recht vnd wol/ nicht allein von vierfüssigen/ heymischen vnd wilden Thieren ... allerley Speiß/ als gesotten/ gebraten/ gebacken ... kochen vnd zubereiten solle ..., Franckfort am Mayn: Rumpolt und Feyerabendt 1581.
> http://diglib.hab.de/drucke/2-3-oec-2f/start.htm

 

❑ Otto von Bismarck (1815–1898) ließ sich gerne mit seinen Doggen abbilden (> https://de.wikipedia.org/wiki/Reichshund)


❑ Jakob bringt seinen Bruder Esau im Tausch gegen ein Linsengericht um sein Erstgeburtsrecht (Genesis 25,29–34). Esau wurde ein jagdkundiger Mann, ein Mann des freien Feldes – sind das seine Jagdhunde? Oder sollen die (viel Raum einnehmenden) Hunde mit ihrer Eigenschaft, oft schmeichelnd mit dem Schwanz zu wedeln, aber unversehens zuzubeißen, das Verhalten Jakobs symbolisieren?

Neue Künstliche Figuren Biblischer Historien/ grüntlich von Tobia Stimmer gerissen: Und zu Gotsförchtiger ergetzung andachtiger Hertzen mit artigen Reimen begriffen durch J. F. G. M . Zu Basel bei Thoma Gwarin, Anno 1576.

 

❑ Jesus heilt einen Blinden (Lukasevangelium 18,35ff.). Christoph Murer (1558–1614) zeigt ihn zusammen mit seinem Hund. Künstlerisch gelungen ist die Darstellung der Gruppe um den Blinden im Schatten in Hinteransicht!

Novae sacrorum bibliorum figurae, versibus latinis & germanicis expositae.Das ist neue biblische Figuren mit latinischen und teutschen Versen aussgelegt […], Strassburg: Christoff von der Heyden 1625.
> http://dx.doi.org/10.3931/e-rara-31324

❑ Unter diskutierenden Gelehrten:

Holzschnitt (Aus welchem Werk? Der Rahmen und das Motiv lässt Jost Amman vermuten. Nicht im New Hollstein [compiled by Gero Seelig] gefunden.)
> https://www.britishmuseum.org/collection/image/87143001

 

❑ Im Bergwerksbuch von Georg Agricola laufen allenthalben Hunde herum, die für dieses Gewerbe nicht notwendig sind:

Vom Bergkwerck xij Bücher darinn alle Emter / Instrument / Gezeuge … vorbildet / vnd klärlich beschriben seindt / erstlich in Lateinischer sprach / durch den Hochgelerten vnd Weitperümpten Herrn Georgium Agricolam … jetzundt aber verteütscht / durch den Achtparen vnnd Hochgelerten Herrn Philippum Bechium … Getruckt zuo Basel durch Jeronymus Froben vnd Niclausen Bischoffen im 1557. jar. Pag. clx – Man beachte: Der Hund ist nicht mit einem Verweisbuchstaben markiert.

 

❑ In Jagdtraktaten erscheinen Hunde, wie nicht anders zu erwarten, als Helfer der Jäger:

Künstliche Wolgerissene Figuren und Abbildunge Etlicher Jagdbahren Thieren/ und andern zu Lustigem Weydwerck gehörenden Stücken. Weiland von den beyden Berühmten vnd Fürnehmen Malern/ Tobia Stimmern und Christoff Maurern zu Zürich/ gerissen: Itz aber/ zu mehr Belustigung/ mit Teutschen Reimen geziehrt vnd erklehrt. Straßburg: Johann Carolus 1605.
> http://diglib.hab.de/drucke/30-9-geom/start.htm

 

❑ Der Hund hat aber auch eine medizinische Verwendung:

Der Kopff eines Hunds/ gebrannt gestossen und gepulvert/ oder sein aderich Fleisch heilet den Bisß deß Hunds. Das Pulver von Hundszähnen ist gut für das Zahnwehe und Zahnfleisch. Sein Gall mit Honig gemischt/ ist ein bequem Arzney zu den blöden Augen/ übergestrichen. Sein Schmalz stillet das Podagram und Ohrenwehe. Mit Hundsharn und Nitro ein Arzney gemacht heilet die Aussätzigkeyt und das Jucken.

Adam Lonitzer / Peter Uffenbach, Kreuterbuch. Künstliche Conterfeytunge der Baeume, Stauden, Hecken, Krauter, Getreyd, Gewuertze [...] Item von den führnehmsten Gethieren der Erden […], Ulm: Matthäus Wagner 1679; Dritter Theil, Cap. 27 = S. 596f..

–––––––––––––

❑ So fragt es sich, was der Hund auf dem Kupferstich »Ritter zwischen Tod und Teufel« von Albrecht Dürer bedeuten mag:

Das ganze Bild hier > https://de.wikipedia.org/wiki/Ritter,_Tod_und_Teufel


online Juni 2020 PM

zurück zur Seite Tiersymbolik