Symbolik des Buchs

Das ganztätige Kolloquium ist geplant für Samstag, 12.September 2020 im Hermann-Escher-Saal der Zentralbibliothek Zürich.

(Details zu den Referentinnen und Referenten und Angaben zum Ablauf werden folgen.)

 

Cicero am Schreibpult – Holzschnitt des Petrarcameisters in: Der Teütsch Cicero, Ausgburg: Steyner Anno M.D.XXXX; (Das Leben Ciceronis, Fol. XIV verso)

Ein Buch ist weitaus mehr als ein bloßer Informationsträger.

Dem Buch eignet eine Symbolik im engeren Sinne:

  • Das materielle Buch steht für den darin aufgeschriebenen Inhalt.
    • Wer diesen für verdammenswürdig hält, zerstört dessen Träger, das Buch.
    • Umgekehrt: Wer den Inhalt für besonders wertvoll hält, verehrt dessen Träger, das Buch.
  • Das Buch ist Thema (signifié): Das Buch ist wie ein fruchtbarer und erholsamer Garten, wie eine Quelle, wie eine Schatztruhe, wie ein Steinbruch usw.
  • Das Buch ist gibt den Vergleich ab (signifiant): Die ganze Schöpfung ist wie ein Buch – im Sternenhimmel kann man lesen wie in einem Buch – Maria ist wie ein Buch –

Im weiteren Sinne wird das Buch oft als bedeutsames Attribut benutzt, denn es ist prestige-trächtig, aufgeladen mit kulturellen Werten.

Auf dieser Website sind aber auch weitere Eigenschaften zusammengestellt, die im Lauf der Geschichte das Buch so merk-würdig machen.

 

Inhaltsübersicht:

Buchstaben/Alphabet — Seitengestaltung (Layout) — Buch (Rolle/Codex) — Bibliothek 

Buchdruck — Hersteller (Buchdruckermarken) — Besitzer (Ex Libris) 

Metaphorische Büchertitel — Titelblätter/Frontispizien — Allegorien

Inhalt per Inspiration — Verstehbarkeit des Buchs — das Buch essen — Bücher unterweisen uns ohne Rute  — richtiges Lesen und Verstehen — Analphabeten  — dummes Lesen (Büchernarren) 

Macht des Buches  — Buch als Beschützer  — das Buch spricht selbst  — Der Autor an sein Buch

Buch als Symbol für die Geschichte/Historia — für Maria  — für das Leben des einzelnen Menschen  — für die ganze Welt  — der Himmel als Buch  — Buch als (profanes) Machtsymbol  — Buch als Symbol der Herrschertugend  — Buch als Ehrengabe  — Büchergeschenke 

Verehrung des (heiligen) Buches — Verstecken des Inhalts — Zensur  — Entehrung des Buches (Bücherverbrennungen)  — unbrennbare Bücher 

 

Loquuntur silentes (Die Schweigenden sprechen). Auf dem Titel des ersten Bands von: Augsburgs Buchdruckergeschichte nebst den Jahrbüchern derselben/ verfasset, herausgegeben und mit literarischen Anmerkungen erläutert von Georg Wilhelm Zapf, Augsburg: bey Christoph Friedrich Bürglen, Buchhändler, 1786 / 1791.

Optimi Consultores Mortui (Die besten Ratgeber sind die Toten [die Autoren von Büchern]). Auf dem Titel von: Fortunius Licetus, De Monstris. Ex recensione Gerardi Blasii. Qui monstra quaedam nova & rariora ex rentiorum scriptis addidit. Editio novissima, iconibus illustrata. Amsterdam, Andreas Frisius 1665.

Inspiration des Buchs

 

In der christlichen Bibelauslegung bestehen zwei Erklärungsmodelle nebeneinander – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Deutung der Texte.

[a] Die Verbalinspiration behauptet im strikten Sinne, dass die Inspiration die Heilige Schrift vollkommen durchdringt.

[b] Die Realinspiration besagt, dass dem menschlichen Verfasser nur der 'Sinn' eingegeben wird, während er den Text seiner zeitgenössischen Umgebung gemäss ausformuliert. Der charismatische Einfluss auf die Schreiber wirkt, ohne dass diese aufhören, literarische Urheber ihrer Werke zu sein.

Einiege Bibelstellen zum Thema: Die alttestamentlichen Propheten reden davon, sie seien vom Geist getrieben worden oder JHWH habe ihnen eingeflüstert: Und der Herr streckte seine Hand aus und berührte meinen Mund. Und er sprach zu mir: "Damit lege ich meine Worte in deinen Mund" (Jes 1,7–9; vgl. Ezechiel 2,2. 11,5; Jes 48,16. 61,1). Und der Herr sprach zu mir: "Nimm dir eine grosse Tafel und schreibe darauf mit Menschenschrift …" (Jes 8,1; vgl Exodus 24,4; Apk 1,11). 2 Petrusbrief 1,21b: heilige Männer redeten, getrieben durch den Geist.

Literaturhinweis: Ernstpeter Maurer, Artikel »Inspiration«
online bei www.bibelwissenschaft.de > hier

Moses (erkennbar an den ›Hörnern‹; Exodus 34,29 nach der Vulgata: cornuta esset facies sua) wird inspiriert. Werkstatt des Diebold Lauber 1441/49 (Universitätsbibliothek Heidelberg cpg 19)

Der Evangelist Johannes wird inspiriert (ca. 1188)

Inspiration der Kirchenväter Augustinus und Gregor; Modena, Dom (um 1200/1225).

Das Frontispiz der Schrift »Scivias« (Wisse die Wege, 1141ff. entstanden) aus dem Rupertsberger Codex (Kriegsverlust 2.WK; nur als Kopie erhalten): Hildegard von Bingen († 1179) empfängt eine Inspiration, zeichnet diese auf Wachstafeln auf und gibt sie an ihren Schreiber weiter.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Scivias

Die Lektüre eines inspirierten Buchs …

erfordert einen inspirierten Leser, denn: Die Heil’ge Schrifft versteht man nicht, Ohn GOTTES fing’r und Gnadenlicht.

Erleuchtung deß verfinsterten Verstands.

Wir lebn in einem dunckeln Ort/
und lesen irrsam GOTTES Wort:
Wenn nicht erleucht GOTT den Verstand/
und zeigt/ was recht/ mit eigner Hand.

Johann Michael Dilherr, Augen- und Hertzens-Lust. Das ist/ Emblematische Fürstellung der Sonn- und Festtäglichen Evangelien […] Nürnberg: Endter 1661; S. 298ff.
> http://diglib.hab.de/drucke/th-4f-13/start.htm?image=00316

Literaturhinweis:

Friedrich Ohly, Metaphern für die Inspiration, in: Euphorion 87 (1993), S. 119–171.

Gut geklaut ist besser als schlecht erfunden.

Viele Bücher sind nicht inspiriert, sondern aus andern zusammenflickt. Die Technik, aus anderen Schriften ein eigene zu exzerpieren, ist alt. Hier Bertolt Brecht zum Thema:

»Heute«, beklagte sich Herr K., »gibt es Unzählige, die sich öffentlich rühmen, ganz allein große Bücher verfassen zu können, und dies wird allgemein gebilligt. Der chinesische Philosoph Dschuang Dsi verfaßte noch im Mannesalter ein Buch von hunderttausend Wörtern, das zu neun Zehnteln aus Zitaten bestand. Solche Bücher können bei uns nicht mehr geschrieben werden, da der Geist fehlt. Infolgedessen werden Gedanken nur in eigner Werkstatt hergestellt, indem sich der faul vorkommt, der nicht genug davon fertig bringt. Freilich gibt es dann auch keinen Gedanken, der übernommen werden, und auch keine Formulierung eines Gedankens, die zitiert werden könnte. Wie wenig brauchen diese alle zu ihrer Tätigkeit! Ein Federhalter und etwas Papier ist das einzige, was sie vorzeigen können! Und ohne jede Hilfe, nur mit dem kümmerlichen Material, das ein einzelner auf seinen Armen herbeischaffen kann, errichten sie ihre Hütten! Größere Gebäude kennen sie nicht als solche, die ein einziger zu bauen imstande ist!«

Julia Kristeva (1967):

Tout texte se construit comme mosaïque de citations, tout texte est absorption et transformation d’un autre texte.

Mehr zum Thema Exzerpieren/Plagiieren hier.

Das Buch des Bundes hören

Josias war von 640 bis 609 König des Reichs Juda. Nach Zeiten der Verehrung anderer Gottheiten förderte er wieder den abrahamischen Monotheismus.

Im 2.Buch der Könige, Kap.22 wird berichtet, dass ein Priester im Tempel das Gesetzbuch (sefär ha-tora) wieder gefunden hat. König Josias lässt es sich vorlesen und ist erschüttert, weil unsere Väter nicht auf die Worte dieses Buchs gehört haben und weil sie nicht getan haben, was in ihm niedergeschrieben ist (22,13). Der König lässt die Ältesten zusammenkommen und lässt allen Einwohnern Jerusalems alle Worte des Bundesbuchs (sefär ha-bərit) vorlesen. Darauf verspricht der König feierlich, er werde die Gebote, Satzungen und Gesetze achten und die Vorschriften einhalten, die in diesem Buch niedergeschrieben sind. Die Gegenstände, die für den Baal und die Aschera angeschafft wurden, werden aus dem Tempel entfernt und verbrannt.

Icones biblicæ præcipuas sacræ scripturæ historias eleganter & graphice repræsentantes. Biblische Figuren/ darinnen die Fürnembsten Historien/ in Heiliger und Göttlicher Schrifft begriffen/ Gründtlich und Geschichtsmessig entworffen/ zu Nutz und Belustigung Gottsförchtiger und Kunstverständiger Personen artig vorgebildet / an Tag gegeben durch Matthaeum Merian von Basel. Mit Versen vnd Reymen in dreyen Sprachen gezieret vnd erkläret. – Pars secunda [1626]

Die Angehörigen der islamischen Glaubens bezeichnen die Juden, Christen und sich selbst als Leute des Buchs/der Schrift (Ahl al-kitāb), vgl. > https://de.wikipedia.org/wiki/Ahl_al-kit%C4%81b.

Literaturhinweis: Konrad Schmid / Jens Schröter, Die Entstehung der Bibel, München: Beck 2019, Kapitel »Von der Kultreligion zur Buchreligion« S. 74ff.

Verstehbarkeit eines Buches

Offenbarung / Apokalypse, Kapitel 5:

1 Und ich sah auf der rechten Hand des auf dem Throne Sitzenden ein Buch, das inwendig beschrieben und auf der Rückseite mit sieben Siegeln versiegelt war. 2 Dann sah ich einen starken Engel, der mit lauter Stimme ausrief: »Wer ist würdig, das Buch zu öffnen und seine Siegel zu lösen?« 3 Doch niemand im Himmel und auf der Erde und unter der Erde vermochte das Buch zu öffnen und hineinzusehen. 4 Da weinte ich laut, weil niemand würdig erfunden wurde, das Buch zu öffnen und hineinzusehen. 5 Doch einer von den Ältesten sagte zu mir: »Weine nicht! Siehe, der Löwe aus dem Stamme Juda, die Wurzel Davids, hat den Sieg errungen, um das Buch und seine sieben Siegel zu öffnen.« (Übers. Menge-Bibel) 

Historiae celebriores Veteris (et Novi) Testamenti iconibus repraesentatae et ad excitandas bonas meditationes selectis Epigrammatibus exornatae, Nürnberg: Chr. Weigel 1712. (Ausschnitt)

Das Öffnen der Siegel bringt folgende ›Texte‹ ( = ! ) katastrophale Ereignisse hervor:

  • Beim Öffnen der ersten vier Siegel werden die vier apokalyptischen Reiter losgelassen (Apk 6,1–8);
  • beim Öffnen des fünften Siegels werden die Seelen derer sichtbar, die hingemordet wurden wegen ihres Zeugnisses für Gott, und die auf Rache warten (Apk 6,9–11);
  • beim Öffnen des sechsten Siegels ereignet sich ein gewaltiges Erdbeben, die Sonne wird schwarz, der Mond wird wie Blut, und die Sterne fallen herab auf die Erde (Apk 6,12–17) – und der Himmel entwich wie eine Buchrolle, wenn man sie zusammenrollt;
  • beim Öffnen des siebten Siegels geht die Welt unter (Apk 8,1–9).

Eine Szene aus der Apostelgeschichte 8,26–35. Der hohe Staatsbeamte der nubischen Königin liest unterwegs zum Tempel in Jerusalem auf dem Wagen im Propheten Jesaias. Dem Schaf, das zur Schlachtbank geführt wird (Jes 53,7), kann er keinen deutlichen Sinn zuordnen. Philippus legt die Schriftstelle typologisch aus auf Tod und Auferweckung Jesu.

Ausschnitt aus dem Titelbild zu Athanasii episcopi Alexandrini opera, studiosius quam antea fuerint a situ vindicata, quorum catalogus sequitur […], Straßburg: Joh. Knobloch 1522.
> http://catalogue.bnf.fr/ark:/12148/cb445875238

Aber der engel des Herren redt zuo Philippo/ unnd sprach: Stand auf/ und gang gegen Mittag auff die straaß die von Jerusalem hinab gadt gen Gaza/ die da wüest ist. Und er stuond auf/ und gieng hin.
     Unnd sihe/ ein mann auß Morenland/ ein verschnittner
[Eunuch] und gewaltiger der künigin Candaces in Morenland/ welcher was über alle jre schätzkammer/ der was kommen gen Jerusalem anzebätten. Und zoch wider heym/ und saß auf seinen wagen/ und laß den propheten Esaiam.
     Der geyst aber sprach zuo Philippo: Gang hinzuo/ und mach dich zuo disem wagen. Do lieff Philippus hinzuo/ unnd hort das er den propheten Esaiam laß/ und sprach: Verstaast du auch was du lisest?
     Er aber sprach: Wie kan ichs/ so michs niemants underweyßt? Und er batt Philippon dz er auffhärstige
[heraufsteige auf den Wagen] / und satzte sich zuo jnen.
     Der innhalt aber der gschrifft/ die er laß/ was dise. »Er ist wie ein schaaff zur schlachtung gefüert/ und wie ein lamb vor sinem schärer stimmloß/ also hatt er nit aufgethon seinen mund. Jn der nidrigkeit ist sein gericht erhaben. Wär wirt aber sein geburt erzellen? dann sein läben ist von der erden genommen«.
     Do antwortet der verschnitten/ und sprach: Jch bitt dich von welchem redt der prophet sölichs? von jm selber/ oder von yemants anders?
     Philippus aber thett seinen mund auf/ und fieng von der gschrifft an/ und prediget jm das Euangelion von Jesu
. (Übersetzung der Zürcher Bibel 1531)

Beweis aus dem Buch

Hier diskutieren Juden und Christen, ob der Messias in dem alten gesetz verheissen ist worden … – Beide Gruppen halten je ein Buch in der Hand, aufgrund von dessen Text sie argumentieren. Vielleicht soll demonstriert werden, dass die Christen das Buch so geöffnet halten, dass alle Welt darin lesen kann.

[der seelen wurtzgart] Ulm: Conrad Dinckmuot 1483
> https://archive.org/details/seelenwurzgarten00unse/page/n55

Ein anderer Druck ist hier digitalisiert: Der Seelen Wurzgarten, Augsburg 1484.
> http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00031616/image_44

 

Das Erkennen als Akt des Schreibens

Aristoteles (384–322), »de anima« III,14 (429b):

Der Geist ist der Möglichkeit nach die denkbaren Dinge, aber der Wirklichkeit nach keines, bevor er es denkt. Dies muß so sein wie auf einer Schreibtafel, auf der faktisch noch nichts geschrieben ist.

John Locke, An Essay concerning Humane Understanding, 1690; Book II, Chapter i, ¶ 2:

Let us then suppose the mind to be, as we say, white paper, void of all characters, without any ideas; how comes it to be furnished? Whence comes it by that vast store which the busy and boundless fancy of man has painted on it, with an almost endless variety? Whence has it all the materials of reason and knowledge? To this I answer, in one word, from experience; in all that our knowledge is founded, and from that it ultimately derives itself.
Nehmen wir also an, der Geist sei, wie man sagt, ein unbeschriebenes Blatt, ohne alle Schriftzeichen, frei von allen Ideen; wie werden ihm diese dann zugeführt?
[…] Ich antworte darauf mit einem einzigen Wort: aus der Erfahrung.

> englisch >https://oll.libertyfund.org/titles/761#Locke_0128-01_207

> deutsche Übersetzung > http://www.zeno.org/nid/2000920797X

Zur Vorstellung der Seele als Wachstafel: tabula rasa

Das Buch als Beschützer

 

••• Bischof Winfrid Bonifatius – Heidenmissionar in Freisland – wollte sich am 5. Juni 554 mit einem vorgehaltenen Buch gegen die Schwertstreiche der Feinde wehren, was ihm aber nichts half.

Miniatur (Ausschnitt) aus dem ältesten Fuldaer Sakramentar Göttingen, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek, Cod. theol. 231 (ca. 975), fol. 87r.
> http://www.historien.nl/images/ab/bonifatius%20moord.jpg

Literatur:

G. Kiesel, Artikel »Bonifatius«. In: Lexikon der Christlichen Ikonographie, Band 5 (1973), Sp. 427–436.

Marc-Aeilko Aris, Erzähltes Sterben. Der Tod des Bonifatius im Spiegel der Bonifatiusviten. In: Michael Imhof, Gregor Stasch (Hgg.), Bonifatius. Vom angelsächsischen Missionar zum Apostel der Deutschen. Zum 1250. Todestag des heiligen Bonifatius, Fulda 2004, S. 111–126.

Gereon Jördens, Die verlorene Handschrift. Zum Motiv von Zerstörung, Verlust und Wiederauffindung als Strategie der Traditionssicherung in der lateinischen Literatur des Mittelalters, in: Carina Kühne-Wespi / Klaus Oschema / Joachim Friedrich Quack (Hgg.): Zerstörung von Geschriebenem. Berlin 2019 (= Schriftenreihe des Sonderforschungsbereichs 933 "Materiale Textkulturen" 22), S. 393–435.

••• Matthias Holtzwart ist in seinem Emblem hoffnungsvoller:

Matthias Holtzwart, Emblematum Tyrocinia, sive picta poesis Latinogermanica, das ist eingeblümete Zierwerck oder Gemälpoesy innhaltend allerhand Geheymnußlehren durch kunstfündige Gemäl angepracht und poetisch erkläret, Nun erstmals inn Truck kommen, Straßburg: Jobin 1581. Emblem VIII.

Kunst [für lat. studium] hilfft Jnn allen nötten.

Du seyst auff Erden wer du wölst
Wan du dich zu den Künsten gselst
So hastu gar ein sicher gleit
Das dir nitt bald schaden ein leidt /
Dan gehts dir übell hast ein schildt
Wider den gar kein waffen gilt
Sonder pleibst ohnuerletzet frey
Wer nur auff Erd wider dich sey
Ists aber das jnn frid vnd ruoh
Du still bringest dein leben zuo
So machen sie dir freyden vil
Ein yeder umb dich wonen will
Das gibt dir als die kunst vnd witz
Da der vnglert dahinden sitzt.

> http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00028624/image_49

••• Das Buch als Mittel gegen Hexenkünste: Kruijt voor de wilde Woeste

Roemer Visschers Zinne-Poppen. Alle verciert met Rijmen, en sommighe met Proze: Door zijn Dochter Anna Roemers*, T'Amsterdam: Willem Jansz, [ca. 1630; Erstausgabe ohne Verse 1614]
> http://diglib.hab.de/drucke/145-1-eth/start.htm?image=00085

Kraut gegen die wilde Wüstheit

Ein solches Kraut war Moly, dünkt mich, das Mercur dem heimwärts strebenden Griechen (Odysseus) gab gegen Circes Zauberei.

Homer, Odyssee 10. Gesang, Verse 302–307; Ovid, Metamorphosen XIV, 291f.:

Doch ihm gab der Cyllenier [Merkur] eine weiße Blüte aus schwarzer Wurzel; die Himmlischen nennen sie Moly. So und zugleich durch die Warnung des Gottes gesichert, betritt er Circes Haus …

Vgl.: https://de.wikisource.org/wiki/RE:Moly —— Bild dazu hier

*) Anna Roemers Visscher (158 –1651)

Das Buch vertritt seinen Verfasser

Kaiser Augustus erließ im Jahre 8.u.Z. ein Edikt, das Ovid befahl, Rom für immer zu verlassen. Die Gründe sind unbekannt. Ovid zog in die Stadt Tomis am Schwarzen Meer, wo er noch neun Jahre lebte – und weiter dichtete (»Tristia« und »Epistulae ex Ponto«). In der Verbannung wendet er sich so an sein Buch:

Ohne mich gehst du, mein Büchlein, zur Stadt, und ich will es dir gönnen.
     Weh mir! Ist deinem Herrn doch die Reise versagt.
Geh denn, doch bar des Schmucks, wie es ziemt einem Buch des Verbannten:
     leidvoll trage das Kleid, das diesem Schicksal gemäß!
Saft des Rittersporns soll dich mit purpurnem Glanz nicht umgeben,
     da diese Farbe ja doch sich für Trauer nicht schickt.
Ziere Zinnober den Titel dir nicht, das Papier nicht die Zeder!
     Trag' nicht an schwarzer Stirn strahlende Hörner zur Schau!
All diese Mittelchen mögen die glücklichen Bücher verschönen:
     dir aber ziemt es, gedenk meines Geschickes zu sein.
Brüchiger Bimsstein soll dir die beiden Ränder nicht glätten,
     dass du recht struppig erscheinst wie mit verworrenem Haar.
Brauchst dich auch nicht deiner Flecke zu schämen: es wird dann ein jeder,
     der sie erblickt hat, sehn, dass ich beim Schreiben geweint!
[…]

Ovid, Tristia I,1ff. – Briefe aus der Verbannung, übers. Wilhelm Willige, München/Zürich: Artmis 1990 (Tusculum)

Lateinischer Text: Parue — nec inuideo — sine me, liber, ibis in urbem .....
> https://www.thelatinlibrary.com/ovid/ovid.tristia1.shtml

Sindonius Apollinaris (ca. 431–487) schreibt in einem Begleitbrief bei der Übersendung eines Buches:

Ich empfehle Eurem Urteil die verschiedenen Regungen meines Herzens, denn es ist mir völlig bewusst, dass der Geist im Buch ebenso offenbar ist, wie das Antlitz im Spiegel – minime ignarus, quod mens pateat in libro velut vultus in speculo. (Briefe, Buch VII, 18 An Constantius, ¶2; in der Übersetzung von Helga Köhler, Stuttgart 2014, S. 242f.)

Der Verfasser sagt seinem Buch dessen Schicksal voraus

Horaz (65–8) fügt, um den übelwollenden Kunstrichtern die Zunge zu lähmen, seinem ersten Buch der »Episteln« einen letzten Brief (Epist. I, 20) an, worin er dem Buch alle Schicksale vorhersagt: Es wird den Launen, Lüsten und Misshandlungen seiner Leser ausgesetzt sein.

Der Dichter gibt seinem Buch wie wie einem jungen Hausdiener, dem es im Haus seines Herrn nicht mehr behagen will, einige gute Lehren mit auf den Weg und sagt ihm seine Zukunft voraus: Wenn es dereinst von Händen des Pöbels abgegriffen sein wird, wird es in ferne Provinzen abwandern. Zuletzt wird es noch einem Schulmeister dienen, um Kindern das ABC beizubringen.

Chr. Martin Wielands Übersetzung von 1782:

Mein liebes Buch, ich sehe wohl warum
du so verstohlen nach dem Janus und
Vertumnus
{i} schielst: du kannst es kaum erwarten
von den Gebrüdern Sosiern
{iii} fein glatt und schmuck
heraus geputzt
{iv} dich ausgekramt {ii} zu sehen.
Die gute Zeit, da du verschämt und züchtig
vor fremden Augen dich in meinem Pult
verstecktest, ist vorbey; du hassest Schloß
und Siegel
{v} keichst nach Freyheit, grämest dich,
so wenig Leuten nur gezeigt zu werden.
So bist du nicht erzogen worden! Aber weil
du’s denn nicht besser haben willst, so geh
wohin so weh dir ist!
[…]

Horaz im O-Ton:

Vertumnum Ianumque {i}, liber, spectare videris,
scilicet ut prostes
{ii} Sosiorum {iii} pumice mundus {iv}
Odisti clavis et grata sigilla
{v} pudico;
paucis ostendi gemis et communia laudas
{vi},
non ita nutritus. Fuge quo descendere gestis.
[…]

Der ganze lat. Text hier online > http://www.thelatinlibrary.com/horace/epist1.shtml

Der Text (in den 18 ersten Versen) ist raffiniert doppeldeutig: Der liber, der seinen Verfasser bei der Publikation verlässt, wird – ohne dass eine explizite Allegorie entsteht – parallelisiert mit dem leichtsinnigen Jungen, der ausbüxt und das Glück in der Welt suchen will.

Kommentar zu den ersten paar Versen:

Das Wort liber ist ein grammatikalisches Maskulinum. Naheliegend ist, es mit einem Maskulinum zu parallelisieren, und zwar mit einem ›verna‹, einem Pagen. Leibliche Nachkommen sind auszuschliessen, weil der Abstieg (vgl. descendere gestis) von Angehörigen in die Halbwelt dem Geschmack des sozial aufgestiegenen Horaz widersprochen hätte.

{i} Am Platz der Gottheiten Vertumnus und Janus am Forum boten die Buchhändler ihre Produkte feil; es war auch der Ort der Kuppler und Prostituierten.

{ii} ut prostes: prostare ›zum Verkauf feil stehen‹ wird auch von Dirnen und Lustknaben gebraucht.

{iii} Die Sosii waren berühmte Buchhändler.

{iv} pumice mundus: ›mit Bimsstein (pumex) geglättet‹. Buchrollen wurden so herausgeputzt (Catull I,2 u.a.); aber dieselbe Wendung wurde auch verwendet für die Toilette insbes. von Knaben, die ihre Haare von den Beinen entfernten (vgl. Ovid, Ars amatoria 1,506; Martial XIV, 205; Juvenal VIII,16 und IX,95).

{v} odisti clavis et sigilla ›Du hasst Schlüssel und Siegel‹: Wertvolle Bücher wurden in Kapseln verschlossen aufbewahrt – auch ein züchtiger Diener sollte in seinen vier Wänden bleiben; diese Bedeutung wird mit grata pudico ›angenehm für den Ehrbaren‹ nahegelegt.

{vi} In communia laudas ›du schätzest die Öffentlichkeit‹ liegt auch eine Anzüglichkeit: communia ist ein Deckwort für Bordell. (Wieland lässt das weg).

Des Q. Horatius Flaccus Episteln, erklärt von Fr. E. Theodor Schmid, Erster Theil; Halberstadt 1828, S. 448ff.
> bei Google Books

Horatius, Briefe. Erklärt von Adolf Kiessling, bearbeitet von Richard Heinze, Band 3: Briefe, Berlin: Weidmann 1914.

Quintus Horatius Flaccus, Epistulae / Briefe. Lateinisch/deutsch, Übers. u. hrsg. von Bernhard Kytzler, Stuttgart: Reclam 1986 (Universal-Bibliothek 432).

Vielen Dank für die Korrekturen und Ergänzungen an Thomas G. in W.!

Hier der (in dieser Inkunabel freilich mehrfach verwendete) Holzschnitt zur Stelle:

Horatij flacci Venusini Poete lirici opera cum quibisdam Annotationibus Imagbinibusque pulcherrimis … Straßburg: Johann Grüninger 12. März 1498. Folio CXCVI recto.
> http://digital.wlb-stuttgart.de/purl/bsz489766633
> https://haab-digital.klassik-stiftung.de/viewer/image/94309013X/1/
> https://archive.org/details/horatijflacciven00hora/page/n8/mode/2up

Das Buch symbolisiert eine Herrschertugend und repräsentieren Macht

 

Utroque Cæsar (Durch beides Herrscher). Artibus et Armis, durch Wissenschaften und Waffen regiert der weise Herrscher.

Gabriel Rollenhagen / Crispin de Passe, Nucleus Emblematum, Arnheim/Utrecht 1611; unter dem Titel: Sinn-Bilder, hg. Carsten-Peter Warncke (Bibliophile Taschenbücher 378), Dortmund 1983.
> http://diglib.hab.de/drucke/21-2-eth-1/start.htm?image=00004

Bücher sollen den Herrschenden Prestige verleihen

Matthias Corvinus (1458 bis 1490 König von Ungarn) hat eine riesige Bibliothek zusammengekauft, die Rede ist von etwa zweitausend Handschriften und Inkunabeln. Nach der Schlacht von Mohács (1526) wurde sie durch die türkischen Eroberer zugundegerichtet.


Bücher werden Herrscher*innen verehrt

Eucharius Rösslin (1470–1526) überreicht sein Buch:

Der hochegbornen fürstin vnd frawen/ fraw Katherina geborn von Sachsen/ Hertzogin zuo brunstzwigk vnd Lunenburg/ meiner gnedigsten frawen/ Enbeut ich Eucharius Rößlin in artzney doctor/ Mein underthänig gehorsam willigst dienst zuo vor/ Gnedigste fürstin / […]
Der Swangern Frauwen vnd hebammen Rosegarten, Argentine [Straßburg]: Martin Flach junior 1513.
> http://www.dilibri.de/urn/urn:nbn:de:0128-5-1441

 

Lodovico de Varthema († 1517, vgl. hier) überreicht sein Buch mit den Reiseschilderungen der Anguesina, Herzogin von Bologna:

Die Ritterlich und lobwirdig rayß des gestrengen und über all ander weyt erfarnen ritters und Lantfarers herren Ludowico vartomans von Bolonia Sagent von den landen Egypto Syria von bayden Arabia Persia Jndia Und Ethiopia von den gestalten syten und dero menschen leben und gelauben, Augspurg: Miller 1515.
> http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00011589/image_5

Philobiblon

Richard de Bury († 1345) verfasste 1344 das Buch »Philobiblon« (Die Liebe zu den Büchern). Einige Auszüge daraus:

Der »liebliche Schatz« (Prov 21,20) an Weisheit und Wissen, den aus natürlichem Trieb alle Menschen sich wünschen, übertrifft weitaus den ganzen Reichtum der Welt. Neben ihm verliert der kostbarste Stein seinen Wert, verwandelt sich Silber in Lehm und zerfällt das geläuterte Gold in Sand; neben seinem Glanz scheinen Mond und Sonne nur matt; neben seiner köstlichen Süße schmecken Honig und Himmelsbrot bitter. Dein Wert, o Weisheit, nimmt nie ab, und deine Kraft bleibt ewig frisch; wer dich besitzt, ist gegen alles Gift gefeit. […]

Wo aber verbirgst du dich, du auserwählter Schatz? Wo finden dich die dürstenden Seelen? Nun, da ist kein Zweifel: in den Büchern »hast du dein Gezelt aufgeschlagen« (Ps 18,6); dort hat der Höchste, das Licht alles Lichts und das Buch des Lebens (Phil 4,3 u.ö.), dir deine Stätte angewiesen; dort wird jedem gegeben, der bittet; dort findet jeder, der sucht, und wer anklopfet, dem wird aufgetan (Luk 11,10); dort breiten die Cherubim ihre Flügel aus, damit sich auf ihnen der Geist des eifrigen Lesers erhebe und von Pol zu Pol schaue, »von Sonnenaufgang und Niedergang, von Mitternacht und vom Meer« (Ps 106,3). In den Büchern lässt sich Gott, der Unbegreifliche, Hocherhabene, in begreiflicher Gestalt finden und verehren; in ihnen enthüllt sich das Wesen all dessen, was im Himmel und auf Erden und unter der Erde ist; in ihnen schauen wir die Gesetze, die jeden Staat lenken; in ihnen sind die unterschiedlichen Aufgaben der himmlischen Hierarchie beschrieben und die Reiche der Dämonen, denen auch Platos Ideen nicht überlegen sind, und von denen Catos Lehre nichts berichtete.

In den Büchern finde ich die Toten, als ob sie noch lebten; in den Büchern schaue ich die Zukunft; aus den Büchern lernt man die Ordnung des Krieges kennen; aus den Büchern stammen die Gesetze des Friedens. Alles geht zugrunde und schwindet dahin mit der Zeit; nie hört Saturn auf, seine Kinder zu verschlingen, und allen Ruhm der Welt würde Vergessenheit bedecken, hätte Gott nicht die Bücher den Menschen zu ihrem Heil geschenkt.

Wer sollte daher dem unerschöpflichen Schatz der Bücher, aus dem ein kundiger Schreiber »Neues und Altes hervorträgt« (Mt 13,52), seinen Wert neben irgend etwas anderem einschränken und herabsetzen wollen? Die Wahrheit, die über alles triumphiert, die stärker ist als der König, der Wein und das Weib, die wir höher als die Freunde zu schätzen verpflichtet sind, die ein Weg ohne Umweg und ein Leben ohne Ende ist, die nach dem erhabenen Boethius ein dreifaches Sein besitzt, nämlich in den Gedanken, im Wort und in der Schrift, sie scheint in den Büchern am nutzbarsten aufgespeichert zu sein und am kräftigsten das Wachstum zu fördern.

Denn die Wahrheit des Wortes stirbt mit dem Klang, und die Wahrheit, die in den Gedanken verbleibt, ist eine verborgene Weisheit und ein vergrabener Schatz (Mt 13,44); die Wahrheit aber, die aus den Büchern leuchtet, wünscht sich jedem empfänglichen Sinne mitzuteilen: dem Gesicht, wenn man sie liest, dem Gehör, wenn man sie hört; ja selbst dem Tastsinn, möchte man sagen, erweist sie ihre Reverenz, indem sie sich geduldig abschreiben, einbinden, korrigieren und verwahren lässt.

[…] die geschriebene Wahrheit des Buchs, die nicht abrollt, sondern beharrt, bietet sich offen den Blicken dar, passiert die durchlässigen Zellen der Augen, die Vorhalle der Empfindung und die Räume der Phantasie, betritt das Gemach des Verstandes, schlüpft ins Bett des Gedächtnisses und gebiert dort die ewige Wahrheit des Geistes.

[…] Diese Lehrer unterweisen uns ohne Rute und Stecken, ohne Schelten und Toben, ohne Bekleidung und Bezahlung zu verlangen. Kommst du, so schlafen sie nicht; fragst du, so schweigen sie nicht; sie schreien dich nicht an, wenn du etwas falsch machst; sie lachen dich nicht aus, wenn du etwas nicht weisst. […]

Lat. Text online > http://www.thelatinlibrary.com/debury.html

Alfred Hartmann (Ed.): Richardus de Bury, Philobiblon oder die Liebe zu den Büchern. Schweizerische Bibliophilen-Gesellschaft, Bern 1955 (lateinisch-deutsch)

Nachtrag: Für den wahren Sammler ist die Erwerbung eines alten Buches dessen Wiedergeburt. Walter Benjamin, Ich packe meine Bibliothek aus. Eine Rede über das Sammeln (17./24. Juni 1931) > als PDF hier [externe Website]

Holbrook Jackson (1874–1948), The Anatomy of Bibliomania, London 1930/31.

Lob des Buches

Al-Ǧāḥiẓ (777–869):

Hast du schon einmal einen Garten gesehen, den man im Ärmel trägt, eine wiese, die man im Schoß halten kann, […] oder findest du irgendwo einen Gefährten, der nur schläft, wenn du schläfst, und der nur spricht, wenn du es wünschst? Das Buch […] stumm, wenn man es zum Schweigen bringt, ist es doch beredt, wenn man es zum Sprechen auffordert. Es ist ein Gefährte in der Nachtwache, der dich nicht anredet, wenn du beschäftigt, der dich aber einlädt, wenn du gut aufgelegt bist, der dich nicht zwingt, dich ihm gegenüber liebenswürdig zu erweisen oder dich vor seinem Tadel zu hüten. […] Ein Buch ist ein Geselle, der dir nicht schmeichelt, ein Freund, der dich nicht reizt, ein Vertrauter, der dich nicht mit Überdruss erfüllt, ein Bittsteller, der nicht ungeduldig wird, […] ein Gefährte, der keine Schmeicheleien aus dir hervorlocken will […]. Ein Buch gehorcht dir nachts wie am Tag, es gehorcht auf der Reise wie zu Hause. […] Es ist ein Lehrer, der sich dir nicht entzieht, wenn du ihn brauchst, und der dir den Nutzen nicht vorenthält, wenn du ihm den Unterhalt verweigerst.

Charles Pellat, Arabische Geisteswelt. Ausgew. und übers. Texte von Al-Ǧāḥiẓ , aus dem Frz. übertr. von Walter W. Müller, Zürich: Artemis 1967, S. 211–214.

Über Bücher conversieren vermehrt sie

 

[Georg Philipp Harsdörffer] FRAVENZIMMER GESPRECHSPIELE/ so bey Ehr= und Tugendliebenden Gesellschaften/ mit nutzlicher Ergetzlichkeit/ beliebet und geübet werden mögen/ Erster Theil. Aus Italiänischen/ Frantzösischen und Spanischen Scribenten angewiesen/ und jetzund ausführlicher auf sechs Personen gerichtet/ und mit einer neuen Zugabe gemehret/ Durch Einen Mitgenossen der Hochlöblichen FRVCHTBRINGENDEN GESELLSCHAFT. Nürnberg: Endter 1644.

[Reymund:] Weil alle Wissenschaft ungezweiffelt im Lesen/ Gespräche und Abwartungen der Gedanken bestehet/ hab ich durch das oberste Buch das Lesen/ durch das andere das Gespräch/ dardurch das erlernete gleichsam aufgelegt und eingesencket wird/ durch das dritte und uneröfnete aber die Vnterhaltung der Gedanken zu verstehen geben wollen.

Weil wir im Lesen unterhalten die Toden/ im Gespräche die Lebendigen/ mit den Gedanken uns selbsten/ solches aber alles in unablässiger Vbung bestehet/ als vermeine ich beyzuschreiben:

Vermehrt oder vermindert. Qui non addit, amittit. Drus. in den Ebreischen Bundreden

[Das Motto genauer: Wer nicht dazugibt, gibt es auf. — Drus. = Johannes Drusius, Apophthegmata Ebraeorvm Ac Arabvm. Ex Avoth R. Nathan, Arestea, Libro selectarum Margaritarum, & aliis auctoribus collecta, Latineque reddita, cum brevibus Scholiis, […] excudebat Aegidius Radaeus 1591 (2.vermehrte Auflage 1612)]

Die truckerey erfunden.

Wann vnsere vorfaren vor tausent vnt anderhalb tausendt jaren diese kunst hetten gehabt/ was het sie trefflich gelerte vnnd kunstreiche menner geben/ was gewaltiger historien vnd geschichten weren in der gedechtnuß der menschen bliben/ die nun disen weg gar in vergeß kommen seind. Dann ob schon die alten auch geschriben haben/ so seind doch jre büecher nit also multipliciert wurden/ wie jetz ein buoch im truck tausent oder zwey tausentfach gemert wir[t]/ vnd deß halben so eins/ zwey/ drey/ zehen oder zwenntzig verbrennen oder sunst abghon/ seind noch so vil andere übrig/ das solich buoch nit gar mag verloren werden.

Cosmographia. Beschreibung aller Lender durch Sebastianum Munsterum in wölcher begriffen. Aller völcker Herrschafften, Stetten vnnd namhafftiger flecken / härkom)en…. Allenthalben fast seer gemeret und gebessert / auch mit einem zuogelegten Register vil breüchlicher gemacht. Basel, Heinrich Petri, 1546. (Im Kapitel über die Stadt Mentz = Mainz, pag. ccccxiij)

Eine Buchdruckerei:

Joh. Ludov. Gottfridi Historische Chronica oder Beschreibung der fürnehmsten Geschichten, so sich von Anfang der Welt biss auff das Jahr Christi 1619 zugetragen […] mit viel schönen Contrafäcturen und geschichtmässigen Kupffer-Stücken zur Lust und Anweisung der Historien geziehret; durch Matthaeum Merianum, MDCCX; S.663 (zum Jahr 1440).
> https://doi.org/10.3931/e-rara-47291

Der Text dazu weist auf die Technik der beweglichen Lettern hin: Es ist aber ein grosser Unterscheid zwischen der Chineser und unserer Druckerey. Der Chineser Schrifften sind auf höltzerne Tafeln/ doch erhoben/ geschnitten/ wie auch die Figuren darbey/ nicht anderst/ als bey uns die Formen in Holtz geschnitten/ welche die Formschneider machen. Aber sie können dieselben Formen anderst und weiter nicht gebrauchen/ noch die Buchstaben vertheilen/ einen andern Sensum, oder Innhalt damit an Tag zu geben/ wie wir thun.

Im Zuge der pietistischen Bemühungen des 18. Jahrhunderts überlegte Carl Hildebrand Freiherr von Canstein (1667–1719) – er war befreundet mit Philipp Jacob Spener und August Hermann Francke – , wie größere Auflagen der Bibel kostengünstiger herzustellen waren. Er wollte dadurch erreichen, dass auch ärmere Bevölkerungsschichten Bibeln kaufen konnten. Hierzu erwarb er für die 1710 in Halle a.d.Saale gegründete Cansteinsche Bibelanstalt die Bleilettern für einen sogenannten ›stehenden Satz‹. Alle ca. 1’300 Druckseiten der Bibel wurden mit ca. 5 Millionen Lettern auf einmal – d.h. ohne Auflösen des Letternsatzes nach einigen Bogen – gesetzt, und dieser komplette Satz konnte für weitere Auflagen dauerhaft stehengelassen werden. So konnten Bibeln schnell, in hohen Auflagen und kostengünstig gedruckt werden. Lediglich die erstmaligen Anschaffungskosten für das Blei waren sehr hoch: Zu diesem Zweck spendete C. H. v. Canstein den größten Teil seines privaten Vermögens und rief zu Spenden auf.
> https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Hildebrand_von_Canstein
> https://de.wikipedia.org/wiki/Stehsatz

Literaturhinweis: Stephan Füssel, Gutenberg und seine Wirkung, Ff/M und Lpz: Insel 1999.

 

Buchdruck als Verdienst


Darauf stützt sich die Welt (His nititur orbis)

Buchdruckermarke auf: Franciscus Neumayr S.J. [1697–1765], Theatrum politicum sive tragoediae ad commendationem virtutis et vitiorum detestationem Augsburg und Ingolstadt: Franciscus Xaver Cräz & Thomas Sommer 1760.

Das Drucken von Büchern führt durch Arbeit und Gunst [der Götter] in die Höhe: altius labore et favore.

Buchdruckerzeichen von Johann Thomas Trattner (1717–1798), österreichischer Hof-Buchdrucker*, Buchhändler und Verleger in Wien in: Iconologie tirée de divers auteurs. Ouvrage utile aux gens de lettres, aux poëtes, aux artistes, & généralement à tous les amateurs des beaux-arts. Par J.B. [Jean-Baptiste] Boudard, Vienne: Jean-Thomas de Trattner 1766.

Bei der Dame in dem mit Buchstaben bestickten Kleid könnte es sich um die Erfinderin der (lateinischen) Schrift Nicostrata handeln. (Es gibt auch Varianten des Holzschnitts in andern Büchern.)

*) Daher die vier Kronen auf den Säulen: österreichischer Erzherzogshut, römisch-deutsche Kaiserkrone, ungarische Königskrone und böhmische Königskrone.

Das gedruckte Buch gibt den verstorbenen Autoren das Leben zurück: Vitam mortuis reddo.

Buchdruckerzeichen auf: J. Jacobi Zimmermanni, S. theologiæ in gymnasio Tigurino professoris, ... Opuscula theologici, historici et philosophici argumenti, Tomi prioris secundi pars I, Tiguri: Typis Gesnerianis 1751. (Ähnlich schon auf einem Kupfer von B. Picart 1721)

Des Bücherschreibens ist kein Ende (Prediger 12,12)

1590 schreibt Johann Fischart (1546/47–1591) – angeregt durch das entsprechende Kapitel bei Rabelais (»Pantagruel«, Kap. 7) – den »Catalogus catalogorum perpetuo durabilis«. Dies ist eine ungeordnete Reihung von 527 Titeln kunterbunten Inhalts, welche teilweise aus realen Bestandteilen, teilweise aus fingierten bestehen, teilweise verfremdet und verballhornt sind und auf in der gelehrten Welt Bekanntes anspielen.

Portrait von Fischart aus [Bernhard Jobin / Niclaus Reusner] ICONES sive IMAGINES VIRORVM LITERIS ILLVSTRIVM. ARGENTORATI. M D XIIIC. [Straßburg 1587]

Catalogus Catalogorum perpetuo durabilis. Das ist, ein Ewigwerende/ Gordianischer/ Pergamenischer vnd Tirraninonischer Bibliothecken gleichwichtige vnd richtige verzeichnuß vnd registratur/ Aller Fürnemer außbündiger/ fürtrefflicher nützlicher/ ergetzlicher schöner nicht jederman gemeiner/ getruckter vnd vngetruckter Bücher vnd Schrifften/ Operum, Tomorum, Tractatuum, Voluminum, Partium viler machner Herrlicher Auctorn vnd Scribenten. Allen Lustgirigen rhum vnd klugheit nachstellenden Gesellen/ zu Dollen Polemischer Tractätlin/ vngetreümter/ vnerrathener Namentäuffung/ vnd Tittulzitierung/ dienstlich/ nutzlich/ hilflich vnd entwürflich. Vormals nie außkommen/ sondern vor den Sinnarmen vnd Buchschreibereichen/ an starcken Ketten bißher verwart gelegen/ Nemlich aber durch Astwisum von Fischmentzweiler/ erditricht/ abgelöst/ vnd an Tag gebracht. […] Getruckt zu Nienendorff/ bei Nirgendsheim/ im Mentzergrund. M.D.XC.

> https://books.google.ch/books?id=vbD2Y-6vZbwC&hl=de&source=gbs_navlinks_s

Einige Beispiele:

[23] Ars honeste crepitandi in societate, per M. Ortvinum & de caltaunibus purgandis Tractatus, M. Hen. Cribelinioniacotij.

[47] Fliegenwädelige Artzney der Muckenbiß/ sampt dem Stachel der Käßräßigkeit. durch Martin Weinwunderle.

[57] Roßbuch Adriani IIII. von rechtmäsiger Keyserlicher haltung der Steigreiff vnd zaumleittung deß heiligen Pegasi; sampt bericht wie man den Stuel zum Pferd besteigen tragen sol.

[63] Das Fleckbuch/ von der Kunst alle flecken hinden und fornen/ sichtbare vnnd unsichtbare zu verteiben; durch Mangold Loch im Peltz.

[84] Anatomy der Flöh/ und von der Milwen zän außbrechung: Mit einem kunstücklei / wie die Flöh in Wachs seind abzutrucken: Durch Fridle vom Laußhügel.

[216] Commentaria commentariorum, cum Additionibus additionum, & Anno-tationibus super Annotata […].

Fischart erkennt das Problem der Überproduktion von Büchern seines Säkulums, was er dadurch karikiert, daß er einen Messkatalog nachahmt und insinuiert, man könne ja am Titel den Inhalt und Intent ablesen. Sodann ist der »Catalogus« eine Satire auf gelehrte Verzeichnisse wie sie Conrad Gessner mit seiner »Bibliotheca Universalis« anfertigte, an die Fischart ausdrücklich anknüpft.

Vgl. das vorzügliche Vorwort von Michael Schilling zum Neudruck von Fischarts Catalogus catalogorum. Tübingen 1993.

Besitzer: Ex Libris — Bücherdiebe

Viele dieser Besitzermarken nehmen Bezug auf das Thema Buch / Lesen. Man blättere unter diesem Stichwort bei Pinterest:

Hinweis: Schweizerischer Ex Libris Club > https://www.exlibris-selc.ch/galerie/

 

Zur Abschreckung von Bücherdieben wurden bereits im Mittelalter Schreiber-Verse verwendet. Ein hübsches Beispiel mit Wortspiel aus dem 14.Jh.:

Sorte Supernorum Scriptor Libri Potiatur

Morte Infernorum Raptor Libri Moriatur

Möge der Schreiber dieses Buchs den Stand der Himmlischen erlangen;
Der Dieb des Buchs soll einen höllischen Tod sterben.

Hinweis bei Johannes Duft, Mittelalterliche Schreiber, St.Gallen 1964, S. 19–21.
vgl. http://berneval.blogspot.com/2010/06/ascribing-we-will-go.html

Das Buch der Schöpfung

Die ganze Schöpfung wird sinnbildlich als ein Buch verstanden, in dem die Menschen lesend den Schöpfer kennenlernen.

••• Hugo von St.Viktor († 1141):

Universus enim mundus iste sensibilis quasi quidam liber est scriptus digito Dei, hoc est virtute divina creatus, et singulae creaturae quasi figurae quaedam sunt non humano placito inventae, sed divino arbitrio institutae ad manifestandam invisibilium Dei sapientiam. Quemadmodum autem si illiteratus quis apertum librum videat, figuras aspicit, litteras non cognoscit: ita stultus et “animalis homo”, qui “non percipit ea quae Dei sunt” (1 Cor 2,14), in visibilibus istis creaturis foris videt speciem, sed intus non intelligit rationem. Qui autem spiritualis est et omnia dijudicare potest, in eo quidem quod foris considerat pulchritudinem operis, intus concipit quam miranda sit sapientia Creatoris.

Die ganze sinnlich wahrnehmbare Welt ist wie ein Buch, geschrieben vom Finger Gottes, das heisst geschaffen von der göttlichen Kraft; und die einzelnen Geschöpfe sind wie Zeichen, die nicht nach menschlichem Beschluss, sondern durch den göttlichen Willen gesetzt worden sind, um die Weisheit des unsichtbaren Wesens Gottes zu offenbaren. So wie aber ein Ungelehrter, wenn er ein aufgeschlagenes Buch sieht, Figuren erblickt und die Buchstaben nicht erkennt, so sieht der törichte und ungeistige Mensch, der nicht durchschaut, was Gottes ist, an jenen sichtbaren Geschöpfen nur aussen die Erscheinung, doch erkennt innen nicht die Vernunft. Wer aber von Gottes Geist begabt ist und alles zu unterscheiden vermag, der begreift, wenn er aussen die Schönheit des Werks betrachtet, im Innern, wie sehr die Weisheit des Schöpfers zu bewundern ist.

(Hugo von St.Viktor, Didascalicon, VII, 4 = PL 176, 814BC.

••• Johann Arndt (1555–1621):

Aus: »Vier Bücher vom Wahren Christentumb« (1605/09, 1612 zu 6 Büchern erweitert; die Embleme zuerst in der Ausgabe Riga 1678/79); 48. Emblem (am Beginn des vierten Buchs: Liber Naturae. Wie das grosse Welt-Buch der Natur, nach Christlicher Außlegung, von Gott zeuget vnd zu Gott führet.)

Hier aus einer späten Ausgabe: Erbauliche Sinnbilder. 56 Bilder mit Reimdeutungen und Bibelsprüchen entnommen den alten Ausgaben von Johann Arndt’s wahrem Christenthum. Neu gezeichnet von J. Schnorr, Stuttgart: Steinkopf 1855.

Im Setzen lieset man

Hier ist zu sehen eine Buchdruckerey, da etliche Kästen mit Buchstaben stehen, welche in ihren Fächlein eingetheilet sind. Da können nun die Buchstaben, solange sie ein jeder an seinem Ort in dem Kasten liegen, nicht gelesen werden, bis man sie zusammensetzt und aus ihnen ganze Wörter und eine Schrift macht. Alsdann kan man sie fein lesen.
Damit wird abgebildet, wie GOtt seine Wercke in der ganzen Welt ausgebreitet und jegliches zu seiner Zeit und an seinem Ort verrichtet, aber am besten kan man sie erkennen, wenn man sie fein zusammensetzet und andächtig betrachtet. Denn da wird man darinnen lesen und erkennen den großmächtigsten Schöpfer, und sehr grosse Lust an seinen Werken haben.

Psalm 111, 2: Groß sind die Werke des HErrn; wer ihr achtet, der hat eitel Lust daran.

Die Werke der Natur, so weit und breit,
Vertheilet und zerstreuet,
Die nimm und setze sie zusammen,
So wirst du wie mit lebendigen Flammen
Den Schöpfer sichtbarlich drin abgemalet sehn
Vor deinen Augen stehn.
Dieß große Welt Gebäu mit aller seiner Zier
Stellt uns des Meisters Größ und Schönheit für
[…]

••• Johannes Scheffler (1624–1677):

Die Schöpfung ist ein Buch: wer’s weislich lesen kann,
Dem wird darin gar fein der Schöpfer kundgetan.

Angelus Silesius, »Cherubinischer Wandersmann« [1675], V, 86

••• Barthold Hinrich Brockes (1680–1747). Statt sein sattsam bekanntes Gedicht »Das Blühmlein: Vergiß mein nicht« zu zitieren (vgl. http://diglib.hab.de/drucke/lo-676/start.htm?image=00124), hier zwei eher theoretische Passagen. Brockes schreibt, er habe über die Idee vom Natur-Buch nachgedacht, und da habe es ihn gedünkt, die Natur habe folgendes gesprochen:

Ihr verstehet eure Wörter und ihr könnet Schriften lesen;
Meynt ihr denn daß ihr allein Wörter habt und Schriften kennet,
Da ihr doch derselben Zeichen bloß allein durch mich benennet?
Es sind meine Red- und Schriften immer in der Welt gewesen.
Nehmt mein ABC zur Hand, das sind Körper und Figuren
Von so mancherley verhandnen ungezählten Creaturen.
Berge, Bäume, Thier und Kräuter, samt dem Meer und denen Sternen,
Sind so laut als stumme Lettern. Aber ihr müßt lesen lernen.

[…]

Herrn B. H. Brockes Jrdisches Vergnügen in Gott, bestehend in Physicalisch- und Moralischen Gedichten; Sechster Theil, Hamburg: Ch. Herold 1740; S. 257.
> https://www.e-rara.ch/zuz/content/zoom/16632784

Nachdem ich öfters überdacht,
Woher es komme, daß die Pracht
Der Wunder-schön geschmückten Welt
So wenig Eindruck bei uns macht;
Daß sie so wenigen gefällt;
Daß sie fast niemand recht vergnüget;
So deucht mich, daß es hieran liegt:
Es scheint, wir sehen alles an,
Als einer, der nicht lesen kann,
Ein Buch, das schön gedruckt, beschauet.
Denn laß die Züge noch so rein,
Die Lettern noch so zierlich sein;
Er wird daraus doch nicht erbauet.
Er sieht es, und, wann er es gesehen,
Spricht er, wenn’s hoch kommt: es ist schön,
Und legt es sanfte bei sich nieder.
So leider! ist der Menschen Brauch
Mit dem so schönen Welt-Buch auch.
[…]

Zweyter Teil, Hamburg: Kißner 1727, S. 124.
> http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/brockes_vergnuegen02_1727?p=160

Das Titelkupfer zu Band IV des Werks (2. Auflage, 1735; signiert: W[illem] van Mieris del. / Christian Fritzsch sculps.) versucht, das ›Buch der Welt‹ zu visualisieren – als Weltkugel plus Buch. Mit der barbusigen Dame könnte allenfalls die Natur personifiziert sein, die Licht in die Lektüre bringt. – Vergleichbar ist die Figur links auf dem Titelblatt von Johannes Sperling, Zoologia (1661) (die allerdings eine Lupe hält, aber ebenfalls auffordert, zu betrachten).

Wenn wir hier mit Lust und Ehrfurcht im Geschöpf den Schöpfer sehn,
Wird aus irdischem Vergnügen bald ein Himmlisches entstehn.

https://digitale-bibliothek-mv.de/viewer/image/PPN617064563/1/
oder
http://diglib.hab.de/drucke/lo-677-2-2/start.htm?image=00002

••• Johann Jacob Scheuchzer (1672–1733)

Am Ende seiner »Physica Sacra« zeigt Scheuchzer den Kupferstich (Tab. DCCL; 1735 erschienen) einer 40 x 17 Zoll grossen Schieferplatte,

so aus dem Blattenberg aus Glarus herkommt, … dergleichen man weit und breit in die Welt zu verführen und tragen pfleget. Der harte Stein ist unbehandelt. Scheuchzer ist sicher, dass es ein Denckmaal der alten Sündfluth seye.

Darauf glaubt er Buchstaben-förmige Characteren, hieroglyphica zu erkennen, die er aber nicht lesen kann, und die dem Lehr-begierigen Leser zum Räthsel dienen mögen.

Auf das Bild setzt er folgenden ›Denkzettel‹ für künftige Forscher:

Monumentum Diluvianum ex proprio Museo Problematis Physici loco Eruditis sistit Acarnan*. Soli Deo Gloria. (übersetzt: Dies Zeugnis der Sintflut aus seiner eigenen Sammlung stellt Acarnan für die Gelehrten als naturwissenschaftliches Problem dar. Gott allein die Ehre. — *Acarnan war Scheuchzers Gesellschaftsname in der Leopoldina.)

Die Paläontologen haben das Rätsel inzwischen gelöst: Es handelt sich um ›Rollmarken‹, das heisst versteinerte Abdrücke von in seichtem, leicht strömendem Wasser auf festem Schlamm rollenden Fischwirbeln.

••• Oswald Heer (1809–1883) in: Die Urwelt der Schweiz 1865:

Es erzählt Dr. Scherz, daß die Novarra-Reisenden [*] auf St. Paul, in einer Hütte dieses abgelegenen Eilandes, eine Bibliothek getroffen haben; allein kein Mensch der Insel konnte die Bücher lesen und hatte eine Ahnung davon, welch' reichen Schatz zur Belehrung und Unterhaltung jene vereinsamte Hütte barg. Wir haben an unserer Naturwelt ein noch unendlich viel größeres und herrlicheres Bildungsmittel; es bleibt aber, wie die Bibliothek jenen Insulanern, Allen verschlossen, denen das Verständniß derselben fehlt. Sie werden wohl von dem wunderbaren Zauber, der unsere Alpenwelt umgibt, ergriffen, allein sie begnügen sich mit diesen flüchtigen Eindrücken; sie betrachten nur den schönen Einband und Goldschnitt des Buches, sein Inhalt aber bleibt ihnen unbekannt und sie haben keine Ahnung von den großen und tiefen Geheimnissen, die es enthält, und von dem Genuß, der unserem Geiste zu Theil wird, wenn diese sich uns auflösen und damit die wunderbare Geschichte unseres Landes und unserer Natur sich uns aufschließt.

In den folgenden Blättern habe ich versucht, dieses Buch aufzuschlagen und seine Schrift zu deuten. Dabei will ich nicht verschweigen, daß die Erlernung der Sprache einige Anstrengung erfordert, und wer dieß Buch zur Hand nimmt in der Meinung, darin eine leichte Unterhaltung zu finden, wird sich getäuscht sehen.

* Karl von Scherzer, Reise der Oesterreichischen Fregatte Novara um die Erde, in den Jahren 1857–1859

Oswald Heer, Die Urwelt der Schweiz, Zürich: F.Schulthess, 1865. Vorwort S. XXIII:
> https://hdl.handle.net/2027/hvd.32044107346868?urlappend=%3Bseq=31

••• Johann Georg Hamann (1730–1788) schreibt 1757 in einem Brief:

Die Natur ist ein Buch, ein Brief, eine Fabel (im philosophischen Verstande oder wie Sie es nennen wollen). Gesetzt wir kennen alle Buchstaben darinn so gut wie möglich, wir können alle Wörter syllabieren und aussprechen, wir wißen so gar die Sprache in der es geschrieben ist – – ist das alles schon genung ein Buch zu verstehen, darüber zu urtheilen, einen Charakter davon oder einen Auszug zu machen? Es gehört also mehr dazu als Physik um die Natur auszulegen. Physik ist nichts als das Abc. Die Natur ist eine Aequation mit einer unbekannten Größe; ein hebräisch Wort, das mit bloßen Mitlautern geschrieben wird, zu dem der Verstand die Puncte setzen muß.

In der »Aesthetica in nuce« (1762) wendet Hamann den Vergleich etwas anders; und hier wird deutlich, was er damit meint, wenn er sagt, dass ein hebräisch Wort, […] mit bloßen Mitlautern geschrieben wird:

– versucht es einmal die Iliade zu lesen, wenn ihr vorher durch die Abstraction die beyden Selbstlauter α und ω ausgesichtet habt, und sagt mir eure Meynung von dem Verstande und Wohlklange des Dichters.

Alpha α und Omega ω stehen für Christus (Apokalypse 1,8. 21,6. 22,13), ohne den man das Buch der Welt nicht versteht.

J.G.Hamann, Briefwechsel, hg. W. Zeisemer / A. Henkel, Wiesbaden 1955; I, 450.
J.G.Hamann, Sokratische Denkwürdigkeiten. Aesthetica in nuce, Mit einem Kommentar hg. von Sven-Aage Jørgensen, Stuttgart 1968 (Reclams Universalbibliothek 926), S. 117ff.

••• Johann Wilhelm Ritter (1776–1810):

Was der Mensch nicht versteht, sieht er für Druckfehler im Buche der Natur an. Naturforscher sind ihm Korrektoren in der Druckerei Gottes.

Johann Wilhelm Ritter, Fragmente aus dem Nachlasse eines jungen Physikers. Ein Taschenbuch für Freunde der Natur, Heidelberg 1810; 2. Bändchen, Nr. 661.
> https://www.projekt-gutenberg.org/ritter/jungpsys/chap016.html

Zur Unlesbarkeit der Natur: Ohly (1995), S. 764–784.

••• Titelbild einer Enzyklopädie für Jugendliche:

Lies oft im Buche der Natur!
Es zeiget dir der Gottheit Spur,
Und was die Welt dir beut
[bietet] zur Schau,
Betrachte prüfend und genau!

Neuer Orbis Pictus für die Jugend, oder Schauplatz der Natur, der Kunst und des Menschenlebens ... in deutscher, lateinischer, französischer und englischer Sprache nach der früheren Anlage des Comenius bearbeitet und dem jetzigen Zeitbedürfnisse gemäß eingerichtet von J. E. Gailer, Reutlingen: Mäcken 1832.

Literaturhinweise:

Ernst Robert Curtius, Europäische Literatur und lateinisches Mittelalter, Bern 1948, 6. Auflage 1967; Kapitel 16 = S. 306–352: »Das Buch als Symbol«.

Erich Rothacker, Das ›Buch der Natur‹. Materialien und Grundsätzliches zur Metapherngeschichte, Bonn 1979.

Hans Blumenberg, Die Lesbarkeit der Welt, 1981; 2. Auflage als suhrkamp taschenbuch wissenschaft 592, 1983.

Friedrich Ohly, Zum Buch der Natur, in: F.O., Ausgewählte und neue Schriften, Stuttgart: Hirzel 1995, S. 727–843.

Der Himmel als Buchrolle

••• In einer Vision sieht Jesaias das Weltende so: Wie eine Buchrolle rollt sich der Himmel zusammen. (Jes 34,4) Die Johannes-Offenbarung nimmt diesen Gedanken auf: Der Himmel entwich wie eine Buchrolle (Vg.: liber involutus), wenn man sie zusammenrollt. (Apk 6,14)

In der Seitenkapelle (Parekklesion) der einstmals byzantinischen Choar-Kirche – dann Moschee – hat sich ein Fresko erhalten, das diese Szene darstellt:

aus: Paul Underwood, The Karyie Djami, London 1967.

• In seinem Erstlingswerk 1754 entwirft Hermann Samuel Reimarus (1694–1768) seine Religionsauffassung, den Deismus: Gott lässt sich mit der Vernunft physikotheologisch aus seiner Schöpfung erkennen.

Die Titelvignette seines Buchs scheint eher das Entrollen der Magna Civitas Dei (der Gottesstaat in Gestalt des Sternenhimmels) durch liebliche Engel und die Mutter Natur (?) zu zeigen als eine endzeitliche Vision. Könnte das bedeuten, dass er mit der Umkehrung des Motivs die natürliche Religion gegen einen primitiven Biblizismus setzt, der naiv an Apokalypsen glaubt? (Diese Meinung hat er in expliziter Form bekanntlich versteckt, bis sie Lessing dann publizierte.)

Die vornehmsten Wahrheiten der natürlichen Religion/ in zehn Abhandlungen auf eine begreifliche Art/ erkläret und gerettet von Hermann Samuel Reimarus, Hamburg: Bohn, 2.Aufl. 1755; (Vignette im Original 7,5 x 5 cm noch in der 4. Aufl. 1772).

••• Jacques Gaffarel (1601–1681) schrieb ein esoterisches Buch (Erstausgabe Paris: Hervé de Mesnil 1629):

Curiositez inouyes, sur la sculpture talismanique des Persans. Horoscope des patriarches et lecture des estoilles/ par I. Gaffarel, [ohne Ort und Drucker] MDCL
> https://doi.org/10.3931/e-rara-25412

Darin postuliert er, dass die Sternbilder eine Schrift am Himmel seien, und zwar in hebräischen Lettern:

Quatriesme partie de la lecture des estoilles, et de tout ce qui est en l'air.
Chapitre XIII. Que les estoilles, selon les Hebreux, sont rengees au Ciel en forme de Lettres, & qu’on y peut lire tout ce q’il arrive de plus important dans l’vnivers.
[Absatz 10] Par quel costé on dit commencer à lire au Ciel, & comment il faut interpreter les mots qu’on y trouve.

Der große Wissens-Kritiker Thomas Browne (1605–1682) glaubt das nicht:

More hardly can we finde the Hebrew letters in the heavens, made out of the greater and lesser Stars which put together do make up words, wherein Cabalisticall Speculators conceive they read the events of future things.
Pseudodoxia Epidemica: or ENQUIRIES into Very many received TENENTS And commonly presumed TRUTHS, Sixth Edition 1672 (Book VI, Chapter 14)
> http://penelope.uchicago.edu/pseudodoxia/pseudo614.html

Das Buch des Lebens

 

••• Vorherbestimmtheit

Ovid beschreibt (Metamorphosen XV,804ff.) anlässlich der Schilderung von Caesars Ermordung die Unfähigkeit der Götter, das Verhängnis zu ändern. Venus schlägt sich an die Brust und möchte Caesar in einer schützenden Wolke bergen. Jupiter sagt zu ihr: Betritt das Haus der Parzen, und dort wirst du aus Erz und massivem Eisen die Welten-Archive erblicken (cernes illic molimine vasto ex aere et solido rerum tabularia ferro); dort wirst du in beharrenden Stahl gehaun das Verhängnis deines Geschlechts finden (invenies illic incisa adamante perenni fata tui generis). Caesar hat seine Laufbahn vollendet. Seine Seele wird in einen Stern verwandelt.

Jupiter ist also gleichsam der Bibliothekar eines Archivs der ewig voraus festgelegten Schicksale; mit seiner Erlaubnis können diese gelesen werden.

Caesarius von Heisterbach († um 1240) erzählt die Geschichte eines Mönchs, dem ein Engel im Paradies das Buch des Lebens aufschlägt. Dass der Namen des Mönchs niemals gelöscht sein wird, ist erfreulich; aber die Aussicht, was geschehen wird, wenn das letzte Blatt des Buchs vollgeschrieben wird, ist beängstigend:

Eines tages der engel Gots gab im ein zaichen von seines appts wegen, das er zu der porten geen solt. Der selb münch er nach volgt dem vorgeer, und so er pey der porten seinen appt nit fand, do zuckt in auff der engel und fürt in auff ein veld. In wundert und gedacht wo hin er scholt gefürt werden. Do komen sy zu gar hohen pergen, und so er über die selben hohen pergen komen was, do fürt in der engel an die aller wunniklichisten statt mit manigerlay pawmen, fruchten und pluomen geziert, das was das irdisch paradys.
Und under andern dingen, die er do selbs beschawt, sach er auch zwen wunderscheinig allt manne, Enoch und Helyam, die selben hyelten in iren hennden ein grosz puoch, mit guldein puchstaben geschriben, darinnen nwr ein läres platt ungeschriben was. Und der engel sprach zw im: "Dicz ist das puoch der fürsehung und innhaltet alle nomen der gerechten, behalten menschen, die von angeng der welde bis auff die zeitt geporen sind. Wenn aber das ain plat, das du ungeschriben schawst, volkomen und volschriben wirt, so müs die werlt zergeen."
Und sein nomen zaigt im der engel in dem selben puoch geschriben. Do er den geschriben frölich gelesen hett, do sprach aber der engel: "Nymmer ewiklich wirt dein nomen aus dem püch getilget." Disz ist das puoch, davon David in dem psalm
[Ps 138,16 Vg.] spricht: 'Et in libro tuo omnes scribentur. Herre, in deinem puoch werdent alle die deinen geschriben und bezaichent'. Was ist es aber, das der selb prophett David von den verdampten spricht [Ps 68,29 Vg.]: 'Deleantur de libro vivencium etc. Sy süllen ausgetilgt werden von dem puoch der lebenden und nicht geschriben werden mit den gerechten.'"

Johann Hartliebs Übersetzung des »Dialogus miraculorum« von Caesar von Heisterbach, hg. Karl Drescher (Deutsche Texte des Mittelalters XXXIII), Berlin 1929. Kapitel I,37.

Eine ähnliche Vorstellung: Die himmlische Bürgerliste

Daniel 12,1: In jener [End-]Zeit wird dein Volk errettet werden, ein jeder, der sich aufgezeichnet findet im Buch (Vg.: in tempore illo salvabitur populus tuus omnis qui inventus fuerit scriptus in libro.)

Psalm 69,29: Die Feinde sollen getilgt werden aus dem Buch der Lebenden, sollen nicht verzeichnet werden unter die Gerechten. (Vg. Ps. 68,29: deleantur de libro viventium et cum iustis non scribantur.)

 

••• Register der begangenen Taten – kaufmännische Buchführung als Modell

»Jetzt nimm ihre Sünde von ihnen! Wenn nicht, dann streich mich aus dem Buch, das du geschrieben hast.« Der Herr antwortete Mose: »Nur wer gegen mich gesündigt hat, den streiche ich aus meinem Buch.« (2. Moses = Exodus 32,32f.)

Da redeten miteinander, die den Herrn fürchteten. Und der Herr merkte darauf und hörte es. Und es wurde vor ihm ein Buch geschrieben, das alle in Erinnerung behält, die den Herrn fürchten und seinen Namen achten. (Maleachi 3,16; et scriptus est liber monumenti)

Doch zu jener Zeit wird dein Volk gerettet, jeder, der im Buch verzeichnet ist (Daniel 12,1–4)

Sie haben mit mir für das Evangelium gekämpft, zusammen mit Klemens und meinen anderen Mitarbeitern. Ihre Namen stehen im Buch des Lebens. (Philipperbrief 4,3)

Die Toten wurden gerichtet auf Grund dessen, was in den Büchern geschrieben war, nach ihren Werken. (Apokalypse 20,12)

Thomas von Celano, O.F.M. (1190–1260; zugeschrieben), »Dies irae«. Das ist die Sequenz, die beim Jahresgedächtnis für Verstorbene gesungen wird. Daraus:

Liber scriptus proferetur,
In quo totum continetur,
Unde mundus iudicetur.

Und ein Buch wird aufgeschlagen,
Treu darin ist eingetragen
Jede Schuld aus Erdentagen.

Der ganze Text hier > http://hymnarium.de/hymni-breviarii/sequenzen/133-dies-irae

Heinrich Engelgrave, S.J. (1610–1670) zeigt folgendes Emblem zum Fest der Maria Magdalena (Ihr Name wird als Anagramm gedeutet: Grandia mala mea = meine gewaltigen Untaten. Die namenlose Sünderin Lukas 7,37–50, welche die Füße Jesu mit Reuetränen benetzte und dafür Vergebung der Sünden erlangte, wurde legendarisch mit der Maria aus Magdala aus Luk 8,2 gleichgesetzt.)

Das Lemma des Emblems: Omnes iniquitates meas DELE (Psalm 50 [Vg.],11): Tilge alle meine Missetaten!

Das Bild zeigt die Personifikation der Seele, die mit einem Schwamm Zahlen auf einer Tafel löscht.

In der Bildunterschrift wird ein Zitat aus einer Homilie des Kirchenvaters Chrysostomus (398–404) zu Psalm 50 verwendet: Peccata tua in libro scripta sunt. Spongiæ autem instar sunt lacrymae tuae: Lacrymas mitte & oblitterantur = Deine Sünden sind in einem Buch aufgeschrieben, deine Tränen aber gleichen einem Schwamm; vergieße Tränen, so werden sie gelöscht.

Lvx Evangelica sub velum Sacrorum Emblematvm Recondita, Pars tertia. Hoc Est Caeleste Pantheon, Sive Caelum Novum, In Festa Et Gesta Sanctorum Totius Anni, Selecta Historia, et Morali Doctrina Varie Illustrum per R.R. Henricum Engelgrave S.J., Pars posterior, Coloniae Agrippinae: Busaeus 1659, S.22.

Der Schreiber

Ein wol geführter Kiel   hat, was GOTT will zum Ziel.

Man muß in das Gewissen duncken
ehe man dunck in das Dinten Faß,
sonst springen aus so edlem Naß
einst Angst englimmte Höllen-Funcken.
Wer schreibt, was er nicht schreiben soll,
macht GOTTes schweres Schuld Buch voll.

[Christoph Weigel] Abbildung Der Gemein-Nützlichen Haupt-Stände Von denen Regenten Und ihren So in Friedens- als Kriegs-Zeiten zugeordneten Bedienten an/ biß auf alle Künstler Und Handwercker/ Nach Jedes Ambts- und Beruffs-Verrichtungen/ […] Regensburg 1698, S. 16ff.

 

Literaturhinweise:

Leo Koep, Das himmlische Buch in Antike und Christentum. Eine religionsgeschichtliche Untersuchung zur altchristlichen Bildersprache, Bonn: Hanstein 1952.

Stefan Fischer, Artikel »Buch des Lebens« (2017) > https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/15741/

Maria als Buch

 

••• Wie Maria geistlich geleicht jst in zechen dingen einem puch

Grundlage ist eine Allegorie der Pergamentbearbeitung. In zehn Schritten wird ein Bezug zu Maria hergestellt: Abziehen der Tierhaut – Beizen – Polieren – Blätterschneiden – Punktieren – Schreiben – Korrigieren – Rubrizieren – Binden – Lesen auf dem Pult.

Ein Beispiel: Zvm achten mal so mvs man ein pvch rubriciren mit roter tinten. O wie wol ist Maria gervbricirt worden vnder dem heiligen crvtz, wan ir hertz vnd ir gemvt nit anders gewest sey, wen das sie vber-rvnen sey gewest mit dem rosen varben plvt irs kindes und recht swer da worden sey von der meng seins rainen plvtz, das von im avf sie geflosen sey. Also stvnd es in irem hertzen.

Klaus Schreiner: » … wie Maria gleicht einem puch«. Beiträge zur Buchmetaphorik des hohen und späten Mittelalters, in: Archiv für Geschichte des Buchwesens XI (1979), Sp. 1438–1464.

Peter Kesting, Artikel »Maria als Buch« in: Verfasserlexikon, Band 5 (1985). Spalten 1255–1258 [mit Hinweisen auf andre Überlieferungen].

Peter Kesting, Maria als Buch [mit Edition des Texts des unbekannten Verfassers, handschriftlich um 1400] in: Würzburger Prosastudien I (= Medium Aevum 13), München, Fink 1968, S. 122–147.

Dieter Richter, Die Allegorie der Pergamentbearbeitung, in: Fachliteratur des Mittelalters = Festschrift Gerhard Eis, Stuttgart 1968, S. 83–92.

 

••• Emblem von Anton Ginther (1655–1725):

Das geöffnete Buch ist Sinnbild der Jungfrau Maria: B. Virgo & Mater Dolorosa liber est, ex cujus lectione & consideratione omnes possunt fieri docibiles DEi (≈ Die selige Jungfrau und schmerzensreiche Mutter ist ein Buch, durch dessen Lektüre und Betrachtung alle für das Verständnis Gottes gelehrig werden.) – Das vom Schwert durchbohrte Herz wird ebenfalls mariologisch gedeutet: Aus den hervortretenden Blutstropfen bildet der »kundigste aller Schreiber«, der hl. Geist, den Körper Jesu Christi.

Mater Amoris Et Doloris, Quam Christus In Cruce Moriens Omnibus Ac Singulis Suis Fidelibus In Matrem Legavit: Ecce Mater Tua: Nunc Explicata per Sacra Emblemata, Figuras Scripturæ quàm plurimas, ... Pios Ad Jesum Patientem, Ac Sanctissimam ... Cum triplici Indice Considerationum, Rerum. memorabilium, & Concionatorio, formandis per annum Concionibus opportuno, Augustae Vindelicorum: Schlüter & Happach 1726. (Erstausgabe 1711)

Zensur

Das Buch als solches wird nicht vernichtet, nur einzelne Passagen darin werden unkenntlich gemacht:

Gerold Edlibach, Zürcher- und Schweizerchronik, entstanden 1485-1532 Zentralbibliothek Zürich, Ms A 75.
> https://www.e-manuscripta.ch/zuz/content/pageview/41851

Censur-Lücke im Neujahrsblatt der Zürcherischen Hülfsgesellschaft 3, 1803 [ zum Thema der Schreckenstage des Herbstmonats 1802; vgl. ›Stecklikrieg‹ > http://www.hls-dhs-dss.ch/textes/d/D41551.php ]

Gerold Meyer von Knonau (1843–1931): Ein Conflict zwischen der Censur der helvetischen Republik und der zürcherischen Hülfsgesellschaft über das Neujahrsblatt auf das Jahr 1803, in: Zürcher Taschenbuch, Jg. 11 (1888), S. 141–164.

»Nebelspalter« Januar 1942

Camouflage

Es gibt unter totalitären Regimes immer wieder sog. ›Tarnschriften‹, wie diese 1935 in Deutschland kursierende kommunistische:

Die Aufmachung und der harmlose Titel dienten der Tarnung, um die Zensur zu umgehen und so die als illegal geltenden Botschaften zu verbreiten.

Literaturhinweise:

Tarnschriften der KPD aus dem antifaschistischen Widerstandskampf. Originalgetreue Reproduktion von 12 Heften aus den Jahren 1935/1936; eingel. und zus.gest. von Gerhard Nitzsche und Margot Pikarski [Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED], Lizenzausgabe München: Saur 1986 (13 Bde).

Heinz Gittig, Illegale antifaschistische Tarnschriften 1933-1945 = Beiheft 87 zum Zentralblatt für Bibliothekswesen vom Bibliographischen Institut, Leipzig. – Neufassung: Bibliographie der Tarnschriften 1933 bis 1945, München: Saur 1996

 

Ein Buch essen \ hervorwürgen

Ezechiel Kapitel 2f. beschreibt, wie Gott selbst dem Propheten die Rede in den Mund legt, in Form einer Schriftrolle:

8 Du aber, Menschensohn, höre, was ich zu dir sage. Sei nicht widerspenstig …! Öffne deinen Mund und iss, was ich dir gebe! 9 Und ich schaute und siehe: Eine Hand war ausgestreckt zu mir; und siehe, in ihr war eine Buchrolle. 10 Er rollte sie vor mir auf. Sie war innen und außen beschrieben und auf ihr waren Klagen, Seufzer und Weherufe geschrieben. 3,1 Er sagte zu mir: Menschensohn, iss, was du vor dir hast! Iss diese Rolle! Dann geh, rede zum Haus Israel! 2 Ich öffnete meinen Mund und er ließ mich jene Rolle essen. 3 Er sagte zu mir: Menschensohn, gib deinem Bauch zu essen, fülle dein Inneres mit dieser Rolle, die ich dir gebe! Ich aß sie und sie wurde in meinem Mund süß wie Honig.

Offenbarung / Apokalypse Kapitel 10 nimmt diese Vorstellung auf:

8 Und die Stimme aus dem Himmel, die ich gehört hatte, sprach noch einmal zu mir und sagte: Geh, nimm das Buch, das der Engel, der auf dem Meer und auf dem Land steht, geöffnet in der Hand hält! 9 Und ich ging zu dem Engel und bat ihn, mir das kleine Buch zu geben. Er sagte zu mir: Nimm und iss es! In deinem Magen wird es bitter sein, in deinem Mund aber süß wie Honig. 10 Da nahm ich das kleine Buch aus der Hand des Engels und aß es. In meinem Mund war es süß wie Honig. Als ich es aber gegessen hatte, wurde mein Magen bitter. 11 Und sie sagten zu mir: Du musst noch einmal weissagen über viele Völker und Nationen mit ihren Sprachen und Königen.

Holzschnitt von Jost Amman (1539–1591), in: Neuwe Biblische Figuren/ deß Alten und Neuwen Testaments/ geordnet vnd gestellt durch den fürtrefflichen vnd Kunstreichen Johan Bocksbergern von Saltbzurg/ den jüngern/ vnd nachgerissen mit sonderm fleiß durch den Kunstverstendigen vnd wohlerfahrenen Joß Amman von Zürich. […]. Getruckt zu Frankckfurt am Mayn/ durch Georg Raben/ Sigmund Feyerabend/ vnd Weygand Hanen Erben M.D.LXIIII. (1564)

Schon Dürer hat diese Szene illustriert in »Apocalipsis cum Figuris: Die heimlich Offenbarung Johannis« 1498 > http://www.zeno.org/nid/2000400129X

Martianus Capella beschreibt in seinem Werk »De nuptiis Philologiae et Mercurii« folgende Szene:

Merkur sucht eine Braut und findet sie in der Philologia. Vor der Hochzeit tritt die Unsterblichkeit (Athanasia) auf und verlangt von Philologia, die einst verschlungenen Bücher des nutzlosen irdischen Wissens hervorzuwürgen. »Wenn Du das nicht, wovon die Brust Du so voll trägst, in heftigster Entleerung ausbrichst (coactissima egestione vomeris forasque diffuderis) und aus Dir nach außen bringst, so wirst Du den Wohnsitz der Unsterblichkeit auf keine Weise behaupten.« Da aber brach sie mit aller Anspannung und großer Kraftanstrengung alles, was je in ihrem Busen sie erwogen hatte, aus (evomevat). Das wandelte sich dieses Erbrechen und Herausgewürgt-Erbrochene um in Riesenmengen Schrifttums aller Art

Die Hochzeit der Philologia mit Merkur, übersetzt, mit einer Einleitung, Inhalts-Übersicht und Anmerkungen versehen von Hans Günter Zekl, Würzburg: Königshausen und Neumann 2005 (Liber II, ¶ 135).

Die Metapher des Essens für das Lesen ist im Mittelalter gebräuchlich. Den Bibeltext soll man wiederkäuend lesen (Stichwort: ruminare, ruminatio).

Der Dominikaner Heinrich Seuse (um 1295 – 1366) empfiehlt:

Ein bewerter gotesfrúnd sol alle zit etwas guoter bilde ald sprúch haben in der sele mund ze kúwene, da von sin herz enzúndet werde zuo gote. (Brief XI = ed. Bihlmeyer S. 391)

Der Franziskaner David von Augsburg (um 1220 – 1272) baut die Metapher – in Anlehnung an 2 Kor 3,6 (Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig) und Psalm 33,9 (Gustate et videte, quoniam suavis est Dominus – schmeckt, wie süß der Herr ist) – aus:

Swer daz list oder hœret, der sol tuon als der eichorn. Der kiuwet die schal an der nüzze, unz er kumt an den kern. Alsô sol man die wort mit dem zande der verstantnüsse kiuwen, unz man kumet in die niezunge der gotlichen heimliche; so sol man du wort lâzen.

David von Augsburg, am Ende des Traktats »Von der unergründlichen Fülle Gottes«, hg. F. Pfeiffer, Mystiker I, S. 375.

Johann Fischart (1546–1590)

Schlappert nit auff Chorherrisch die Wort in euch, wie der Hund die Sup, sonder kauet und widerkauet sie wie die Küh.

Johann Fischart, »Geschichtklitterung« (1590), Das Parat oder Beraitschlag > http://www.zeno.org/nid/20004755251

Das Buch als Nahrung – verschmäht


> https://doi.org/10.3931/e-rara-614

Christus (mit Kreuznimbus) schüttet die vier Evangelien (in Gestalt ihrer Attribute) in den Trichter (der Adler des Johannes ruscht gerade aus den Sack.) — Als Mehl kommen aus der Mühle die drei Tugenden Glaube / Liebe / Hoffnung (1.Korinther 13). — Erasmus (am Ärmel angeschrieben) schüttet diese in einen Sack (mit einer Hausmarke versehen: Mühlrad mit Kreuz). – Luther (noch mit der Tonsur des Augustinermönchs wie auf dem Portrait von Lucas Cranach d.Ä. 1520) knetet den Teig in einer mit seinem Namen angeschriebenen Backmulde. — Daraus werden Bücher, die ein Diener den geistlichen Würdenträgern (Papst mit Tiara, Kardinal mit Galero, Bischof mit Mitra, Mönche in schwarzer Kutte) übergeben möchte; diese lassen die Bücher indessen auf den Boden fallen. – Über ihnen schwebt ein teuflisches Mönsterchen, das ruft: ban, ban (Bezug zur 15. Juni 1520 erlassenden Bannandrohungsbulle Exsurge Domine). Die Szene geschieht unter der Aufsicht von Gottvater; und der revolutionäre Bauer Karsthans (Bezug zu einem anonymen reformatorischen Pamphlet dieses Titels, erschienen in Basel 1521) schlägt mit dem Dreschflegel auf die ›Altgläubigen‹ ein.

Im Hintergrund steht das Wort von Jesus: Ich bin das Brot des Lebens (Joh. 6,35 und 48ff.)

Text-Ausschnitte:

Dyß hand zwen schwytzer puren gmacht
Fürwar sy hand es wol betracht

Der erst Pur.
Sygest gegruesset aller tieffgründtister vnd hochgelertester Müller / din müly zum malen vsz den vier Euangelisten mit sambt dem vsserwelten vasz Paulo zuo malen ist angelassen/ vff welcher müle daz aller zartest heilsam vnnd hunigsüessest mel der gütlichen warheit/ zuo einem trost Christenlichem volk/ täglichen malt/ darus das aller best brot gebachen: Jedoch verdampter gyt/ durch jnblasung Sathane/ sölich mel nit für hunigsüesz/ sunder als bitter gallen erkent würt: Jn hoffnung vnser Schöpffer werde mit sinen gütlichen gnaden gedachttem müller/ welchen ich acht für den andren Dannielem als ein waren Propheten/ vsz dem (vngezwyflet) der heylig geist redt: bystand thuon/ da mit das süesz mel in scherpffe siner vernunfft gebütlet/ durch die vnuerstendigen blinden/ tollen/ verstopfften/ gytigen/ vnd hochfertigen / so sich achten gelert/ Jren verkerten blintheiten verharrend nit gehindert/ sunder vns armen sünder sölich vsserwelt gebachen brot/ das Christus selbs ist/ zu erfolgung ewiger sälikeit gedienen möge Amen.

Die Schrift wurde auf Anregung von Martinus Säger (Stadtvogt von Maienfeld) von Johannes Füessli (Glockengiesser in Zürich) verfasst, wobei Zwingli den Text durchsah und ergänzte und die Idee für das Bild beisteuerte; vgl. dessen Brief an Myconius, datiert ultima feria pentecostes etc. XXI. (25. Mai 1521)
> http://www.irg.uzh.ch/static/zwingli-briefe/?n=Brief.181

Literaturhinweis: Thomas Neukirchen, Karsthans, Heidelberg: Winter 2011 (Beihefte zu Euphorion 68). Sechs Texte zum Thema transliteriert und in modernem Deutsch wiedergegeben, plus Nachwort.

 

Das Buch als Attribut von Allegorien

Die Personifikation der Eruditio (Gelehrsamkeit) hat als Motto: LVMEN VOLVMINVM (etwa: glanzverbreitendes Licht, erleuchtende, aufhellende Einsicht der Bücher / durch Bücher).

Cristoforo Giarda (1595-1649), Bibliothecae Alexandrinae Icones symbolicae P.D. Christofori Giardae […] Elogiis illustratae […], Mailand 1628.
> https://archive.org/details/bub_gb_XcBYc5g4GOIC/page/n192/mode/1up

Bei der Personifikation des weisen Rats heißt es: Das Buch mit der Nachteule ist eine geheime Bedeutung eines durchdringenden Verstandes …

Iconologie oder Ideen aus dem Gebiete der Leidenschaften und Allegorien. Wien: Anton Doll 1801. Christian Sambach (1761–1797) del. — Joseph Stöber (1768–1852) sc.

Weshalb die Nachteule als Attribut? Die Eule gehört zu den typischen Nachtvögeln (Plinius, nat. hist. X,xvi,23 nocturnae aves und xix,29: noctua; Vergil, Georgica 1,403). Sie steht für die nächtliche Arbeit am Buch.

Quintilian sagt (inst. or. X,iii,27), dass das Arbeiten mit der Lampe in der nächtlichen Stille die beste Form der Abgeschiedenheit für den Autor ist: Est tamen lucubratio, quotiens ad eam integri ac refecti venimus, optimum secreti genus. – Freilich ist der Qualm der Studierlampe (fuligo lucubrationum) in durchwachten Nächten unangenehm (XI,iii,23).

Aulus Gellius erzählt (noctes atticae XIII,xxxxi,10), wie ein aufgeblasener Mensch, der einen Buchladen besitzt, aus einem griechischen Text vorlesen soll, das aber aus Inkompetenz nicht vermag und sich so herausredet: "Du siehst, dass meine Augen sehr leidend von ununterbrochenen Nachtwachen fast verdorben sind, so dass ich kaum die Züge der Buchstaben erkennen kann …" – "vides" inquit "oculos meos aegros adsiduisque lucubrationibus prope iam perditos; vix ipsos litterarum apices potui conprehendere …"

Und Aulus Gellius, weiß, wovon er spricht, hat er doch seine bunte Sammlung in langen Nächten verfasst (praefatio 4).

Auf dem Titelkupfer dieser Ausgabe wird er bei der nächtlichen Arbeit gezeigt:

Aulus Gellius, Noctes Atticae Editio nova et prioribus omnibus docti hominis cura multa castigatior. Amstelodami: Lud. Elzevier, 1651.

Verehrung des heiligen Buches

Ein Schriftstück, das den Namen des Herrn enthält, wird nicht weggeworfen, sondern es wird beigesetzt in der Geniza (Genisa) > https://de.wikipedia.org/wiki/Geniza

Solomon Schachter (1847–1915) entdeckte und untersuchte 1896 in der Geniza der Ben-Ezra-Synagoge in Kairo zehntausende von schriftlichen Domumenten, die dort seit dem 9. Jh. deponiert worden waren. Hier der Bericht in der Jewish Encyclopedia (1906) > http://www.jewishencyclopedia.com/articles/6582-genizah

Literaturhinweis: Andreas Lehnardt, Genisa, Fundorte jüdischer Buchreste auf Dachböden und in Bucheinbänden, in Biographien des Buches, herausgegeben von Ulrike Gleixner u.a., Göttingen 2017, S.349–366.

Symbolik des Buches und die kaiserliche Macht im vormodernen China

Marc Winter schreibt dazu: Zwischen Büchern und dem Kaiserthron herrschte im kaiserzeitlichen China eine Beziehung wechselseitiger Unterstützung, indem die Kaiser die Pflege des Schrifttums förderten, worauf dieses ihrer Herrschaft Legitimität und Ansehen bei den literarischen Eliten verschaffte. Kaiser richteten staatliche Lehrstühle ein für den Unterricht in den «konfuzianischen Klassikern», sie liessen wiederholt die Texte fixieren und förderten Kompilationsprojekte, die jeweils neue Superlative waren. Aus einer unzusammenhängenden Gruppe von Texten wurde ein Kanon erschaffen, der das zweite Jahrtausend des Kaiserreichs massgeblich prägte, deren Propagierung aber auch die Kaiser als Bewahrer der eigenen Kultur erscheinen liess. Da jede Kanonisierung zugleich auch eine Zensur von nicht genehmem Wissen bedeutet, ist das Interesse der Kaiser am schriftlichen Erbe nicht bloss symbolischer Art.

Von der Bücherverbrennung der Qin-Dynastie bis zur vom Kaiser von China geförderten und mit Vorwort versehenen Palastausgabe der Qing-Dynastie: Die chinesischen Kaiser standen in stetem Kontakt mit, manchmal in Konkurrenz zu, manchmal im Dienste von literarischen Eliten, welche die Verwaltung führten und die für die Umsetzung kaiserlicher Direktiven und Gesetze verantwortlich waren, aber auch für das kulturelle Gedächtnis in Form der Geschichtsschreibung. Ein Kaiser war hilf- und machtlos ohne diese Eliten. Diese wiederum pflegten eine Buchkultur, in welcher die literarische Kommunikation als hohe Kunst gefeiert wurde. Die Kaiser förderten literarische Projekte, um die Gelehrten zu fördern, zu beschäftigen und gefügig zu machen. Zudem empfahlen sich Kaiser symbolisch als Behüter der Kultur in Form des Schrifttums, vor allem der «Konfuzianischen Klassiker», einer Sammlung von uralten Texten unterschiedlicher Natur und mit einem Entstehungszeitraum von ca. 1000 Jahren. Die Kaiser pflegten diese Texte, förderten die Exegese und liessen autoritative Editionen erstellen, um so auch Werte zu propagieren, die ihnen genehm waren. Folgsamkeit innerhalb der Hierarchie, kindliche Liebe in der Familie, Unterdrückung der Frauen und generell das Primat des Kollektivs gegenüber dem Individuum, all dies sind Werte, welche erst in die Texte hineingelesen werden mussten. Diverse Kaiser initiierten und förderten aber auch diverse Sammelprojekte, und die Herrscher gefielen sich in der Rolle der Arbeitgeber und der Förderer des Schrifttums. Im Tagungsbeitrag soll eine diachrone Betrachtung der kaiserlichen Macht und der Symbolik des Buches im vormodernen China am Beispiel der «Klassiker» vorgenommen werden.

Makulierung von Büchern

Für den Einband dieses 1616 gedruckten Buchs wurde das Pergament eines Messbuches verwendet. Der Text stammt aus der Messfeier zum Fest des Apostels / Evangelisten Johannes (27. Dezember):

Dem Schreibduktus nach dürfte es sich um ein Manuskript des 14. Jahrhunderts gehandelt haben.
(Bibliotheca Frœbeliana Turicensis)

 

Bücherverbrennungen

 

Die Bücher des Numa Pompilius

Livius, ab urbe condita XL, xxxix,3–14 (und andere) berichten, es seien (a.u.c. 573) beim Bearbeiten eines Ackers zwei steinerne Behältnisse (lapideae arcae) gefunden worden, bei denen es sich gemäß den Aufschriften um die sterblichen Überreste des sagenhaften zweiten römischen Königs Numa Pompilius und seiner Bücher gehandelt habe. Der Sarkophag des Königs war leer; im andern lagen wohlerhalten sieben lateinische Bücher vom priesterlichen Recht und sieben griechischen philosophischen Inhalts (de disciplina sapientiae). Der Stadtprätor liest die Texte und bemerkt, dass sie sich auf die "Auflösung des Gottesdiensts" beziehen (cum animaduertisset pleraque dissoluendarum religionum esse). Nach exaktem juristischem Prozedere werden die Bücher vor den Augen des Volkes verbrannt (libri in comitio igne a uictimariis facto in conspectu populi cremati sunt.).

Texte:
LIVIUS:
> https://www.thelatinlibrary.com/livy/liv.40.shtml
> https://gutenberg.spiegel.de/buch/romische-geschichte-2504/147

AUGUSTINUS, de civitate Dei VII,34: Von den Büchern des Numa Pompilius, die der Senat verbrennen ließ, damit nicht die darin niedergelegten Ursachen der Mysterien bekannt würden.
> https://www.unifr.ch/bkv/kapitel1925-34.htm

Hinweis > https://de.wikipedia.org/wiki/Numa_Pompilius#Schriftenfund

Von Ankunfft vnd Ursprung deß Römischen Reichs / der alten Römer herkommen / Sitten/ Weyßheit/ Ehrbarkeit / löblichem Regiment / Ritterlichen Thate . Jetzund auffs neuw auß dem Latein verteutscht/ und mit ordentlicher verzeichnuß der fünemsten Historien/ Jarrechnung/ kurtzer Liuischen Chronica/ und Register/ in den Truck verfertiget Durch Zachariam Müntzer. Mit schönen Figuren geziert/ … Frankfurt/Main, 1568; Holzschnitt signiert von Jost Amman.

Titus Livius/ Vnd Lucius Florus/ Von Ankunfft und Ursprung des Römischen Reichs/ der alten Römer herkommen/ Sitten/ Weißheit/ Ehrbarkeit/ löblichem Regiment/ Ritterlichen Thaten/ Victori vnnd Sieg/ gegen jhren Feinden: Auch von allerley Händeln vnd Geschichten/ so sich so sich in Fried und Krieg, zu Rom, in Italia, vnd bey andern Nationen, damit die Römer jeder zeit zu thun gehabt/ fast innerhalb achthundert jaren/ von erbawung der Statt an ... biß auff der ersten Römischen Keyser Regierung/ verloffen und zugetragen. Jetzund auff das newe auß dem Latein verteutscht ... Straßburg, Th. Rihel, 1590, p. 696; (Holzschnitt signiert von Christoph von Sichem)

Die sibyllinischen Bücher

Jn disem Buoch ist des ersten teils: das leben vnd fabel Esopi: Auiani: Doligani: Adelfonsi: mit schympffreden Pogij. Des andern teils vszüge schoner fabeln vnd exempelen Doctoris. S. Brant: alles mit synen figuren vnd Registern. Getruckt zum Theirgarten durch Joannem Prüß, Straßburg 1508.

Zu dem König Tarquinius kam eine fremde alte Frau und brachte ihm neun Bücher göttlicher Prophezeiungen, wie sie sagte; die wolle sie ihm für 300 Goldmünzen verkaufen. Der König hielt sie für verrückt und lachte darüber. Da warf die Alte drei Bücher ins Feuer und fragte den König, ob er die übrigen sechs Bücher zu demselben Preis kaufen wolle. Der König lachte darüber noch viel mehr und erklärte die alte Frau für verrückt. Da verbrannte sie sogleich drei weitere Bücher und fragte den König, ob er nun die restlichen drei Bücher zu demselben Preis wie zuvor die neun kaufen wolle. Da wurde der König nachdenklich und kaufte die Bücher. Die alte Frau aber verschwand und wurde nicht wieder gesehen. Die drei Bücher wurden die sibyllinischen Bücher genannt; sie wurden in einem Tempel aufbewahrt und benutzt, wenn es darum ging, zum Wohle des Staates den Willen der Götter zu erfragen.
Textzusammenfassung von hier
Bild aus > http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00001850/image_249

Sueton, Leben der Caesaren; Augustus, 31. Kapitel: Sobald er aber das Oberpriesteramt […] endlich übernommen, ließ er Alles, was an Weissagungsbüchern sowohl griechischen als lateinischen von entweder völlig unbekannten oder unglaubwürdigen Verfassern im Umlauf war, über zweitausend Bände, zusammenbringen und verbrennen. Nur die Sibyllinischen behielt er, und auch diese nur in Auswahl, zurück und bewahrte sie in zwei vergoldeten Schränkchen unter dem Fußgestell des Palatinischen Apollon auf. (Übersetzung A.W.Th. Stahr 1857)

Unchristliche Zauberbücher

Wie Paulus in Ephesus predigt und Kranke heilt, erscheinen auch einige Geisterbeschwörer, die vom bösen Geist besessen sind und Greueltaten verüben. Neubekehrte bekennen, dass sie das einst auch so getrieben hatten, bringen ihre Zauberbücher herbei und verbrennen sie vor aller Augen. (Apostelgeschichte 19,13–19)

Biblia, das ist, die ganze Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments, aus den Grundsprachen treulich wol verteutschet / mit dienstlichen Vorreden, begreiflichen Abtheilungen der Capitel, vielen Auslegungen und Nuzanwendungen, auch genauer Anmerkung der Parallelstellen, und nothwendigen Concordanzen, herausgegeben durch Johann Caspar Ulrich, Pfr. zum Frau-Münster, Zürich: bey Conrad Orell und Comp., 1755/1756. (Kupfer signiert von Georg David Nessenthaler, Augsburg 1717–1766)
> https://www.e-rara.ch/zuz/content/pageview/17791594

In der Zeit der Glaubensspaltung

Gruntlicher bericht, uss was ursachen die von Zug die heylig bibel, das luter wort Gottes uff den XXVIII Jenners dess 1556 jars offentlich verbrent haben.

Verbrennung einer protestantischen Bibel in Zug 1556. Wickiana Ms F 12, fol 17r
> https://www.e-manuscripta.ch/zuz/wick/content/pageview/2483

Transliterierter Text in: Die Wickiana: Johann Jakob Wicks Nachrichtensammlung aus dem 16. Jahrhundert, hg. von Matthias Senn. Küsnacht-Zürich: Raggi-Verlag 1975, S. 34–36.
Vgl. den Druck > https://books.google.ch/books?id=netlAAAAcAAJ&hl=de&source=gbs_navlinks_s

Christine Göttler, Die Zuger haben das Wort Gottes verbrannt – Strategien der konfessionellen Polemik am Beispiel einer reformatorischen Schmähschrift vom Jahr 1556, in: Zwingliana 18/1-2 (1989), S. 69–119.

Der Antichrist (mit Tiara, also: der Papst) tritt die Bücher (gemeint sind wohl die beiden Testamente der Bibel) mit seinen Pferdehufen:

[Rudolf Gwalther, 1519–1586; Schwiegersohn Zwinglis], Der Endtchrist. Kurtze/ klare und einfaltige Bewysung/ in fünff Predigen begriffen/ daß der Papst zuo Rom der rächt/ war/ gross/ und eigentlich Endtchrist sye/ von welchem die Hh. Propheten und Apostel gewyssagt vnd uns gewarnet habend. Nüwlich beschriben durch Ruodolffen Walthern, Dienern der Kilchen Zürych. [Zürich: Froschauer 1546]
> http://doi.org/10.3931/e-rara-957
> http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00008665/image_94

Zum ›Spottofen‹, in dem virtuell Bücher der Protestanten verheizt werden, vgl. den Aufsaz von Rosa Micus hier:
> http://www.symbolforschung.ch/Spottofen.html

 

Das Titelblatt der Ausgabe des »Index Librorum Prohibitorum« von 1761 nimmt Bezug auf die Bücherverbrennung in Apostelgeschichte 19,19, wo von Geisterbeschwörern und Besessenen die Rede ist, in denen der böse Geist hauste, die dann von Paulus bekehrt werden mit der Folge: Viele aber von denen, welche vorwitzige Künste getrieben hatten, trugen die Bücher zusammen und verbrannten sie vor allen.

Auf dem Titel der Ausgabe 1711 ist es der Heilige Geist, der das Feuer entzündet:

Bild auf der Website des Deutschen Buch- und Schriftmuseums der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig

Über die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 informiert ausführlich der Artikel in der Wikipedia
> https://de.wikipedia.org/wiki/Bücherverbrennung_1933_in_Deutschland

Hinzuweisen ist auf den 1953 erschienenen – und immer noch und erneut aktuellen – Roman »Fahrenheit 451« von Ray Bradbury (1920–2012); vgl hierzu > https://de.wikipedia.org/wiki/Fahrenheit_451 oder https://en.wikipedia.org/wiki/Fahrenheit_451

Literaturhinweise:

Thomas Werner, Den Irrtum liquidieren. Bücherverbrennungen im Mittelalter. Göttingen 2007 (=Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 225).

Mona Körte, Essbare Lettern, brennendes Buch: Schriftvernichtung in der Literatur der Neuzeit, Wilhelm Fink Verlag 2011.

Unzerstörbare Bücher

••• Unaustilgbarkeit des inspirierten Prophetenworts

Das Buch Jeremias (Kapitel 36) zeigt, wie das verschriftete Wort Gottes nicht durch weltliche Macht ausgetilgt werden kann. Jeremias diktiert dem Baruch alles, was der HErr zu ihm gesprochen hatte. Baruch liest den Text dann auftragsgemäß dem Volk vor; dann möchten auch die hohen Beamten den Text hören. Sie erschrecken darüber und wollen das dem König [Jojakim, regierte 609–598] mitteilen. Dieser lässt sich den Text vom Beamten Jehudi vorlesen.

22f: Der König aber sas im Winterhause im neunden monden fur dem Camin. Als aber Jehudi drey oder vier Blat gelesen hatte/ zuschneit ers mit einem Schreibmesser/ vnd warffs ins fewr das im Caminherde war/ bis das Buch gantz verbrante im fewr. (Luther-Übesetzung 1545 > http://www.zeno.org/nid/20005327865)

Biblia ectypa. Bildnußen auß Heiliger Schrifft deß Alten Testaments, Regensburg: Weigel 1697.

Da ergeht das Wort des HErrn erneut an Jeremias: Nim dir widerumb ein ander Buch/ vnd schreib alle vorige Rede drein/ die im ersten Buch stunden/ welchs Joiakim der könig Juda verbrand hat.

••• Das unverbrennliche Buch

Eberhard W. Happel berichtet im 4. Teil der »Relationes Curiosae«, No. 17 von verschiedenen Feuerproben. Darin S. 129: Das unverbrennliche Buch.

Die Szene spielt 1624. Der Trompeter einer einquartierten Truppe nimmt Johann Arndts »Paradiesgärtlein« mit ins Wirtshaus, um darin zu lesen. (Diese 1612 erstmals erschienene Sammlung von Gebeten und Gebetsliedern ist eines der einflussreichsten Andachtbücher des deutschen Protestantismus.)

Der Päbstliche Lieutenant Zacharias von Brechen, ein Eiferer in seiner Religion

ersiehet, daß sein Trompeter in dem Betbuch lieset, reisset ihm deswegen das Buch aus den Händen und eylet der Küchen zu; der Trompeter folget ihme auff dem Fusse nach, und bittet umb sein Buch. Die Wirthin hatte das Feuer in dem Ofen geschüret, daß es liechter Lohe brennete, und weil sie den Lieutenant sahe auff den Ofen zugehen, vermeinte sie, daß ihnen in der Stuben zu warm, und möchte sie ob dem Einheizen schelten, gienge deßwegen aus der Küchen. Der Lieutenant wirfft besagtes Büchlein in das Feuer und gehet darvon, sagend zu dem Trompeter, nun wird es zu Aschen, so kanst du es wiedersuchen und darinnen lesen. Der Trompeter betraurte sein Büchlein, daß es die Wirthin hörte, und beklagte, daß der Lieutenant solcher Gestalt Gottes Wort, auß welchem dieses Büchlein gezogen, zu dämpffen begehrte. […]

Uber etliche Stunde wil die Wirthin den Soldaten zwey Hüner an dem Spiesse braten, und indeme sie die Kohlen aus dem Ofen nimmet, bringet sie zugleich das Büchlein mit herauß, welches wie sie vermeint, längst verbrandt und zu Aschen worden, daß es zerfallen werde, wann man es betasten würde. Als sie es aber genauer betrachtet, findet sie, daß es an dem Leder Blättern und Bändern ganz unversehret, und sagt darauff mit Freuden zu ihrer Tochter: Lieben Kinder, schaut wie Gott die drey Männer in dem Feuer Ofen erhalten [Buch Daniel, Kapitel 3], also hat er auch dieses Büchlein in der Gluth nicht verbrennen lassen; So last uns nun bey dem Wort GOTTES auch beständig verbleiben etc. Beschleußt auch bey ihr, dieses Büchlein zu beharrlichem Andencken aufzubehalten und täglich zu gebrauchen. […] Dieses Büchlein ist zu Butzbach in der Fürstlichen Bibliotheca oder Schrein noch zu sehen. Der Lieutenant ist hernach zu Cölln an einer hitzigen Kranckheit ganz rasend gestorben.

E. G. Happelii Vierter Theil. Grösseste Denkwürdigkeiten der Welt Oder so genannte Relationes Curiosæ. In welchen eingeführt, erwogen und abgehandelt werden, allerhand Historische, Physicalische, Mathematische auch andere Merckwürdige Seltzamkeiten, Welche in der Menschen Lebens-Lauff, am Himmel, in der Lufft, im Meer und hin und wieder auff Erden sich jemahlen begeben und eräugnet haben … Hamburg: von Wiering, 1689.
> http://reader.digitale-sammlungen.de/resolve/display/bsb10059072.html
> https://archive.org/stream/bub_gb_Gpg_AAAAcAAJ#page/n155/mode/2up

Die Geschichte wird (nach derselben Quelle) ausführlicher erzählt von Georg Philipp Harsdörffer, Der große Schauplatz lust- und lehrreicher Geschichte, Frankfurt 1664. Das zweyte Hundert, Fünffter Theil, Nr. CII.
> http://www.zeno.org/nid/20004999002

Das Bild aus: Alfred Messerli, »Die Errettung des Paradiesgärtleins aus Feuers- und Wassernot«, in: Fabula 38 (1997), H. 4/4, S. 253–279.

Heilige Bücher brennen eben nicht, vgl. Stith Thompson, Motif-Index
D1656.1. Incombustible book
D1841.3.3. Sacred book or manuscript does not burn in fire.

 

Materialität: Wachstafel – Buchrolle – Codex

Neumagener Schulrelief, Ende des 2.Jhs. (Rheinisches Landesmuseum Trier)
> https://rlp.museum-digital.de/singleimage.php?imagenr=7684

Der Lehrer zwschen zwei Schülern mit Rollen; ein dritter mit Wachstäfelchen kommt hinzu.

Hinweise auf Texte in Codex-Form gibt es bereits in der heidnischen Antike:

Martial (40 – 103/104)

Martial (Epigramm I,2) empfiehlt seinen Lesern, seine Texte in einer Miniaturausgabe zu erwerben; mit den breves tabellae, die von einer Außenhaut (membrana) eingezwängt werden, ist wohl ein Codex gemeint:

Qui tecum cupis esse meos ubicumque libellos
    et comites longae quaeris habere uiae,
hos eme, quos artat breuibus membrana tabellis:
    scrinia da magnis, me manus una capit.

Der du wünschst, meine Büchlein wo nur immer bei dir zu haben, und der du sie als Begleiter auf einem langen Weg zu haben begehrst, kauf diese, die die Haut auf kleine Blättchen zwängt; für große verwende die zylinderförmige Kapsel für Rollen [scrinium], ich passe in éine Hand.

14. Buch, Nr. 184 Jenachdem wie man multiplex übersetzt: "vielfach gewunden" oder "mehrfach übereinandergelegt", ist eine Rolle oder ein Codex gemeint:

Ilias et Priami regnis inimicus Ulixes
Multiplici pariter condita pelle latent.

Die Ilias und [das Werk über] Odysseus liegen beide in vielfach geschichteter Haut verwahrt.

14. Buch, Nr. 186 muss ein Codex gemeint sein:

Quam brevis inmensum cepit membrana Maronem!
Ipsius vultus prima tabella gerit.

Welch kleines Pergament fasst den immensen Vergil! Das erste Blatt zeigt dir seine Gesichtszüge.

Mit Portraits der Autoren versehene Bücher gab es, vgl. Seneca, de tranquillitate animi, ¶ 9: cum imaginibus suis discripta … opera.

Ebenso 14. Buch, Nr. 192, wo von einer Menge aus vielfältig geschichteten Blättern die Rede ist:

Haec tibi multiplici quae structa est massa tabella
carmina Nasonis quinque decem gerit.

Sodann die berühmte Stelle bei Augustinus (354– 430), wo er im Garten in Mailand die Stimme hört Tolle lege! (Nimm und lies!) und dann die Bibel aufschlägt – das kann kaum eine Schriftrolle gewesen sein:

Ich konnte mir keine andere Erklärung geben, als dass eine göttliche Stimme mir befehle, die Schrift zu öffnen und die Stelle zu lesen, auf die ich zuerst träfe. […] Daher kehrte ich eiligst auf den Platz zurück, wo Alypius saß; denn dort hatte ich die Briefe des Apostels liegen lassen, als ich aufgestanden war. Ich griff nach ihnen, öffnete sie und las für mich die Stelle, auf die zuerst mein Auge fiel. – ut aperirem codicem et legerem quod primum caput invenissem. (Confessiones VIII, xii, 29)

Im Bild des Evangelisten Matthäus im Codex Aureus von Canterbury (Mitte des 8. Jhs.; Stockholm, Kunglia Bibliothek; Digitalisat > http://www.zeno.org/nid/20004167899) hält sein Attribut, der Engel, einen Codex in der Hand, während der Evangelist eine Buchrolle (mit dem Anfang des Evangeliums Liber generationis [Jesu Christi filii David,…]) hält. — Beiden gemeinsam ist indessen die Tonsur!

 

Ein Konzept schrieb man (von der Antike bis ins 15. Jh.) zunächst auf die Wachstafel, mit dem Griffel (stilus), der auf der einen Seite zum Schreiben spitz war, auf der anderen Seite platt, um Geschriebenes wieder zu löschen. Horaz rät den Autoren, den Griffel öfters zu wenden, d.h. den Text nicht gleich zu akzeptieren, sondern zu überarbeiten: saepe stilum vertas (Satiren I, x,80). Die Schreibtechnik wird hier zur Maxime für die Güte des Geschriebenen.

Bild: Peter van der Sluijs auf en.wikipedia

Quintilian (35 – 100), Institutio oratoria X, iii, 31sq.

Ob man auf Wachstafeln (cerae) oder auf Pergament (membrana) schreibt: Bei beiden Schreibarten sollen gegenüber leere Seiten bleiben, damit man auf ihnen Raum für Zusätze hat: Relinquendae autem in utrolibet genere contra erunt vacuae tabellae, in quibus libera adiciendi sit excursio.

Literaturhinweise:

Karl Dziatzko, Untersuchungen über ausgewählte Kapitel des antiken Buchwesens, Leipzig 1900.

Theodor Birt, Die Buchrolle in der Kunst. Archäologisch-antiquarische Untersuchungen zum antiken Buchwesen, Leipzig: Teubner 1907. > https://archive.org/details/diebuchrolleinde00birt/page/n4

C. H. Roberts, The Codex, in: Proc. Brit. Acad. 40 (1954), 169–204. — Colin Henderson Roberts / Theodore Cressy Skeat, The birth of the codex, Oxford University Press 1983.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kodex#Die_Verdrängung_der_Rolle_durch_den_Kodex

 

Buchdruckermarken

Während Schreibstuben in Klöstern Bücher nach Bedarf kopierten, konnte man mit dem Buchdruck Bücher auf Vorrat produzieren; auch gab es bald mehrere Buchdrucker, d.h.: Es entstand ein Markt, und damit Konkurrenz und das Bedürfnis, die eigenen Erzeugnisse als solche hervorzuheben. Das konnte unterstützt werden mit einem einprägsamen graphischen Zeichen. (Hier mehr zum Thema Buchdruckermarken.)

Die Buchdruckermarke von Jodocus Badius / Josse Bade (1461/1462 – 1535) zeigt rechts einen Setzer mit der an einem Stab befestigten Vorlage, Setzkasten und in der Hand den Winkelhaken – links eine Druckerpresse mit der Aufschrift Prelum Ascensianum (prelum = die Presse, die Kelter; ascensianus, weil Bade von Assche in Brabant gebürtig ist):

Fratris Hieronymi Sauonarole de Ferrariis ordinis predicatorum expositio in psalmos Miserere mei deus, Paris: Josse Bade 1513.
> http://www.bvh.univ-tours.fr/Consult/index.asp?numfiche=329
Andere Ausgabe > http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb11119242-8

Hübsch ist die Druckermarke mit der jungen Frau aus Dordrecht (virgo dordracena) mit dem lateinischen Wortspiel libros non liberos pariens (Bücher, nicht Kinder gebärend):

Ioh. van Beverwerck, Schat der gesontheyt, Met verssen verçiert door Herr Iacob Cats, Tot Dordrecht, Voor Mathias Havius. Gedruckt by Hendrick van Esch, 1636
> https://archive.org/details/schatdergesonthe00beve/page/n4

’SWERELTS BEGIN, MIDDEN, EYNDE, BESLOTEN IN DEN TROU-RINGH, MET DEN PROEF-STEEN VAN DEN SELVEN. door I. CATS. Tot Dordrecht, Voor Mathias Havius. Gedruckt by Hendrick van Esch, Dordrecht 1637.
> https://archive.org/details/ned-kbn-all-00001617-001/page/n13

>>> Hier draufklicken, um die Virgo Dordacena im (postumen) Buch Alle de wercken, soo Oude als Nieuwe, van den Heer Jacob Cats […] T’Amsterdem by Van den Dalen [u.a.] 1700 (in neuem Fenster) zu sehen.

Titelblätter (Frontispizien) von Büchern

Vgl. die Website zu Titelbildern von Enzyklopädien hier.

Hier erscheint der Verfasser des Buchs (Äsop) mitsamt einigen Tieren und Gegenständen, die in seinen Fabeln eine Rolle spielen:

Esopus leben und Fabeln, mit sampt den fabeln Aniani, Adelfonsi und etlichen schimpffreden Pogij. Darzu außzüge schöner Fabeln und exempeln Doctors Sebastian Brant, alles klärlich mit schönen figuren und registern außgestrichen, Freiburg/Breisgau: St. Graff 1555.

Und hier sagt das Titelbild, zu welcher literarischen Gattung der Text im Buch gehört: Es ist eine Satire – im 17. Jahrhundert wurde das Wort mit Satyr (mehr dazu hier) vermengt, und so eine Gestalt hält die Tafel mit dem typographischen Titel. Mit HEVTELIA ist gemeint: Helvetia, die Eidgenossenschaft:

Heutelia, das ist: Beschreibung einer Reiß, so zween Exulanten durch Heuteliam gethan […], Getruckt im Jahr nach Christi Geburt M.D.C.LIIX. [auf dem Kupertitel: Lutetiae Anno M.DC.LVIII]

Vgl. Hans Franz Veiras, »Heutelia« [1658]. Neudruck, hg. [und kommentiert von] Walter Weigum, München: Kösel 1969.

Büchergeschenke

Gelehrte, Politiker, Händler, Flüchtlinge und Diplomaten schenkten der Stadtbibliothek Zürich Objekte, Geld und vor allem Bücher. Zum Dank wurden die Donatoren mit einem Eintrag im Donatorenbuch verewigt.

Die elektronische Edition des Donatorenbuchs (1629–1772) (besorgt von Ch.Scheidegger) ist bei e-manuscripta online. Dabei handelt es sich nicht einfach um ein Digitalisat: Die elektronische Edition enthält biographische Angaben zu den Donatoren, die geschenkten Titel sind bibliographisch identifiziert und die überlieferten Exemplare sind mit dem aktuellen Standort nachgewiesen. Namen, Titel und Signaturen der Zentralbibliothek Zürich sind im Volltext recherchierbar (Suchfeld rechts über dem Editionsteil).

http://doi.org/10.7891/e-manuscripta-45784

Die beiden Figuren auf dem Titelblatt:
links Fortitudo mit gebrochener Säule
rechts Prudentia mit Spiegel und Schlange.

Donatorenbücher wie diejenigen in Zürich findet man auch in anderen Bibliotheken in der Schweiz und im Ausland, zum Beispiel in der Bodleian Library oder in der Pembroke College Library:
> https://cudl.lib.cam.ac.uk/view/MS-LC-II-00077

Bibliothek

Eine Bibliothek ist mehr als eine Ansammlung der dort verwahrten Bücher.

••• Claustrum sine armario quasi castrum sine armamentario (Ein Kloster ohne Bibliothek ist wie eine Burg ohne Rüstkammer. Dieser Satz kursiert im 12. Jahrhundert; vgl. H. Walther, Lat. Sprichwörter und Sentenzen des Mittelalters, Nr. 2818.)

••• ΨΥΧΗΣ ΙΑΤΡΕΙΟΝ (›Heilstätte der Seele‹): Inschrift auf der Bibliothek von Memphis und auf der Kartusche des Türsturzes am Eingang zur Stiftsbibliothek St.Gallen (errichtet 1758–67).

 

Codex Amiatinus (entstanden um 700), in: Biblioteca Medicea Laurenziana, MS Amiatinus 1; fol. 5r: Der Prophet Esra beim Schreiben vor einem Bücherregal (lat. armarium)
> https://de.wikipedia.org/wiki/Codex_Amiatinus

••• Die Philosophie spricht zu Boethius (um 480 – 524):

Ich suche lieber als die mit Elfenbein und Kristall geschmückten Wände deiner Bibliothek den Sitz deines Geistes (tuae mentis sedem) auf; dort habe ich einstmals nicht Bücher, sondern, was Büchern erst Wert verleiht: den Sinn meiner Bücher niedergelegt. (Boethius, Consolatio, 1. Buch, prosa 5)

••• Auszüge aus einem Isidor von Sevilla († 636) zugeschriebenen Gedicht:

Es gibt hier manches Heilige, manches Weltliche;
   wenn (dir) davon einige Gedichte gefallen, so nimm sie und lies!
Gefilde erblickst du voll von Dornen und von der Fülle der Blüten;
   willst du nicht die Dornen nehmen, so nimm die Rosen.
                                      […]
Wohlan, diese unsere Schreine bergen viele Bücher;
   der du Verlangen hast, nimm und lies, wenn du Lust hast.
Verbanne hier deine Indolenz, leg ab die Blasiertheit;
(Tolle hic segnitiem, pone fastidia mentis.)
   glaube mir, mein Bruder, du kehrst gelehrter von hier zurück.
Aber du sagst vielleicht: »Wozu ist mir das alles noch nötig (zu lesen),
   da ich mir (eben) überlege, daß mir nichts mehr zu studieren übrig bleibt;
ich habe alle Bücher der Geschichte erledigt, ich bin alles, was zum Gesetz gehört, durchgegangen.«
   Wirklich, wenn du das behauptest, so bist du nicht bei Verstande!
   (Vere hoc si dicis, iam nihil ipse sapis).

(PL 83, 1107C; übers. Ch. H. Beeson)

••• Eberhard Guarnerius Happel stellt in seinen ›Grössesten Denkwürdigkeiten‹ (Band 2, 1685) verschiedene Bibliotheken vor, darunter – mit zweiseitigem Bild – Die Keÿserliche Bibliothec (in Wien); er zitiert den englischen Reiseschriftsteller Edward Brown, An account of several travels through a great part of Germany 1677 (wo sich dieses Bild aber noch nicht findet).

E. G. Happelii grössester Denkwürdigkeiten der Welt Oder so genannte Relationes Curiosæ. Worinnen dargestellet/ außgeführet und erklähret werden Die Denckwürdigste Seltzamkeiten/ So da in Historien, natürlichen Wundern/ am Himmel/ auff und in der Erden/ wie auch in und unter dem Meer zu finden seyn. Anderer Theil. Einem jeden curieusen Liebhaber zu gut auffgesetzet/ in Druck verfärtiget/ und mit vielen Figuren erläutert, Hamburg: von Wiering, 1685.
> https://archive.org/stream/imageGIX360bMiscellaneaOpal#page/n363/mode/2up

••• 1940–43 wurden diese Bibliotheks-Einbauten in der Zürcher Wasserkirche (als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme) unter Stadtbaumeister Hermann Herter abgerissen. Am Ende hieß es, die Kirche sei »als spätgotische Raumschöpfung wiedererstanden«. Von heute aus gesehen ist es eine der verheerendsten Dummheiten, die Zürich baugeschichtlich begangen hat.

Aquatinta aus: Salomon Vögelin, Geschichte der Wasserkirche und der Stadtbibliothek in Zürich, Zürich 1848.
> http://dx.doi.org/10.3931/e-rara-54968

Zur Geschichte dieser Bibliothek:

Als Pendant zur Bibliothek des Chorherrenstifts, die primär nur deren Mitgliedern zur Verfügung stand, gründeten vier junge Zürcher ›Patrizier‹ (alle mit Jahrgang 1605/06/07) 1629 die Bürgerbibliothek, die allen Stadtbürgern offenstand. Eine lateinisch/deutsche Schrift von 112 Seiten legte Gönnern eine Beteiligung am Aufbau der Bibliothek nahe. Ein wichtiges Argument für die Errichtung einer Bibliothek im protestantischen Zürich ist die Bedrohung durch die Papisten – erwähnt wird eine Ausgabe des »Index verborum prohibitorum« aus dem Jahr 1592.

Der Verfasser des vor Gelehrsamkeit strotzenden Texts ist Johann Heinrich Ulrich (1575–1630), Chorherr und Professor für Griechisch am Carolinum. Das Unternehmen gedieh. Die Bibliothek war zunächst in privaten Wohnungen untergebracht; und schon 1634 wurde die Bibliothek in der Wasserkirche eingerichtet.

Daraus S.13: Das Bücherwesen ist ein treffenlicher haußrath. […] Dann diß widerstrebt vnd widersetzt sich nit/ schlegt vnnd balget nicht/ ist nicht verkippet/ nicht verfressen/ nicht halsstarrig. So man diß gsind (Bücher) heisset reden/ so redens/ heisset man sie schweigen/ so schweigens: wartend gneigt vnnd breit auff allen vnnd jeden befelch/ von denen man anders nicht dann was vnnd wie viel einer begehrt/ hört vnnd vernimbt/ vnnd kombt einer al zeit von jhnen gschickter dann er zu vor gewesen.

Bibliotheca nova Tigurinorum publico-privata selectiorum vararium linguarum, artium & scientiarum librorum […] Das ist Newe Bibliothec, welche gmein und eigen einer ehrlichen Burgerschafft der loblichen Statt Zürych. Der besten unnd ausserleßnisten Büchern Von allerhand gattung notw. Sprachen vnd freyen Künsten angestelt vnd zusamm gebracht. Auß freyer Steuer vnd ehren Vergabungen guter Herren […] dem gemeinen Studierwesen zu Diensten […] M.DC.XXIX.
> https://doi.org/10.3931/e-rara-10723

••• Die Bibliothek von Dr. med. Chistoph Jacob Trew (1695–1769):

Aus: Emil Reicke, Der Gelehrte in der deutschen Vergangenheit, Leipzig: Diederichs 1900; Abb. 119.

••• Der Brand der Bibliothek von Alexandria; hier ein Reflex in der Schedelschen Weltchronik (1493):

In Egypten wardt die allernamhaftigst librarey mit. xl. tausend büechern verprennt. vnd da bes der emmsyg fleiß der alten samlung der büecher gelobt. dann Aristoteles hat Theophrasto die librarey vnd die schuel gelaßen. vnnd ist (als Strabo maynnt) der erst sammler der büecher gewest. der die konig Egypti die ordnung der librarey geleret hat. darnach hat Theoprastus dieselben librarey Neleo vberantwurt vnd Neleus die fürter gein Sceptsym zu vngenieten vnerfarnen lewten gefueret. die sie versloßen hielten.

> https://de.wikisource.org/wiki/Die_Schedelsche_Weltchronik_%28deutsch%29:093

Luciano Canfora, Die Verschwundene Bibliothek. Das Wissen der Welt und der Brand von Alexandria, Rotbuch-Taschenbuch 1104, Hamburg 1998. [italienische Erstausgabe: Palermo 1986]

••• Georg Philipp Harsdörffer (1607–1658) kopierte das berühmte Bild des Bibliothekars von Arcimboldo (um 1526–1593):

Frauenzimmer Gesprechspiele, so bey Ehr- und Tugendliebenden Gesellschaften ... beliebet und geübet werden mögen/ aus italiänischen, frantzösischen und spanischen Scribenten angewiesen / ... durch einen Mitgenossen der Fruchtbringenden Gesellschaft. Theil 2, Nürnberg: Endter 1642. — Frontispiz zum Teil Das Schauspiel Teutscher Sprichwörter.

Harsdörffer setzt dazu ein Paar (ironische?) Verse, Das Verbücherte Titulbildnis erklärend. Er habe spielweiß ein Bild Von Bücherangehör erbaut.

So merck der Lippen Wachs/ das Ohrband ohne Degen/
Den Fleder-kehrwisch-bart */ der Augen Schlüsselöhr **/
Und wie dem guten Mann die Bücher angelegen.

*) zum Flederwisch vgl. das Bild bei Sebastian Brant
**) Schlüssel-Öhr: Der ring-förmige Griff des Schlüssels; taugt der als Brille?

Sind die Leib und Gewand bildenden Bücher unten diejenigen Bücher, aus denen H. das Schauspiel Teutscher Sprichwörter exzerpiert hat, welches den Kopfputz bildet? Ein Buchrücken ist angeschrieben C. Lehman; das wird sich beziehen auf die Sprichwortsammlung von Christoph Lehmann, Florilegium Politicum, 1630.

••• [Joseph Richter 1749–1813] Bildergalerie weltlicher Misbräuche. Von Pater Hilarion, Exkapuzinern, Frankfurt und Leipzig 1785

> Reprint: Bibliophile Taschenbücher Nr.8, Dortmund 1977.
> http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00075011/image_6

 

Sind nun einmal diese Festungswerke der Gelehrsamkeit aufgeführt, so legt man sich, da man keinen Feind von aussen zu befürchten hat, mit seiner Unwissenheit hinter diesem Bollwerk zur Ruhe. Wie sollen auch Leute, die nach der gemeinen Art zu reden ausstudiert haben, sich weiter den Kopf mit studieren zerbrechen? (S.154)

Endlich soll ich doch auch ein Wort über die Bibliothecken der Damen sagen; die Gelehrten werden freilich nicht begreiffen können, wie sich Damen und Bücher zusammen schicken; indessen giebt es doch nicht leicht eine Dame, die nicht eine kleine Handbibliotheck hätte. Ja es ist so weit mit der weiblichen Lecktüre gekommen, daß nun so gar die Bürgerstöchter sich ganz artige Büchersammlungen anlegen, und sich, bis der Kaffe siedet, wohl auch am Herd die Zeit mit einem Roman verkürzen. (S.161)

••• Robert Musil, »Der Mann ohne Eigenschaften«, 100. Kapitel: General Stumm … sammelt Erfahrungen über Bibliothekare, Bibliotheksdiener und geistige Ordnung

Es ist das Geheimnis aller guten Bibliothekare, daß sie von der ihnen anvertrauten Literatur niemals mehr als die Büchertitel und das Inhaltsverzeichnis lesen. ›Wer sich auf den Inhalt einläßt, ist als Bibliothekar verloren!‹ hat er mich belehrt. ›Er wird niemals einen Überblick gewinnen!‹
Ich frage ihn atemlos: ›Sie lesen also niemals eines von den Büchern?‹
›Nie; mit Ausnahme der Kataloge.‹

Der ganze Text hier

••• Arthur Schopenhauer, »Parerga und Paralipomena«, 2. Band (1851), Kapitel XXIV, § 293:

Wie die Schichten der Erde die lebenden Wesen vergangener Epochen reihenweise aufbewahren; so bewahren die Bretter der Bibliotheken reihenweise die vergangenen Irrthümer und deren Darlegungen, welche, wie jene Ersteren, zu ihrer Zeit, sehr lebendig waren und viel Lerm machten, jetzt aber starr und versteinert dastehn, wo nur noch der litterarische Paläontologe sie betrachtet.

Mehr dazu hier.

Eine Bibliothek ohne Katalog ist nahezu nutzlos.

Beispiel einer erweiterbaren Liste aus dem Kloster Einsiedeln (Foto PM):

1775 wurde Abbé François Rozier beauftragt, ein Register der Bibliothèque Royale zu erstellen; 1791 Gaspard-Michel Le Blond eines von ganz Frankreich. Damit die Aufnahmen der verschiedenen Bibliotheken dann in Paris zusammengetragen werden konnten, bediente man sich normaler Spielkarten (cartes à jouer), die mehr oder weniger genormt und auf der Hinterseite leer waren.

Vgl. Markus Krajewski, Zettelwirtschaft, Die Geburt der Kartei aus dem Geiste der Bibliothek, Kulturverlag Kadmos Berlin 2002; 2.Aufl. > https://de.wikipedia.org/wiki/Bibliothekskatalog

An der Weltausstellung in Paris 1855 wird ein Nouveau Système de Catalogue vorgestellt. La boîte à catalogue – un ingéniuex mécanisme – eine kleine Erfindung, die geeignet sei, das Kulturgut vor dem Vergessen zu bewahren. Die Erfindung besteht darin, dass die Karten an der Unterseite mit einem Loch versehen und von einem Bolzen zusammengehalten wurden, so dass sie nicht aus dem Kasten herausfallen oder umgestellt werden und doch gut sichtbar durchgeblättert werden konnten. Genial! Und hübsch die Idee, den Katalogkästen die Form eines Buches im Folioformat zu geben:

Le Magasin Pittoresque, 24 (1856), p. 135–136.

Karteikasten der Zentralbibliothek Zürich. Die Idee mit den gelochten Karten am Bolzen hat sich bewährt. (Foto PM anno 2013):

 

Das Alphabet und seine Bedeutung

 

Ausschnitt aus Sebastian Brant, »Narrenschiff« (Nr. 107)

Buchstaben-Symbolik, Buchstaben-Zauber (Kabbala, Tarot u.a.m.); hier nur wenige Hinweise; vgl. das umfängliche Buch von F.Dornseiff !

  • Gematrie: Weil im Hebräischen und Griechischen die Zahlen mit Buchstabenzeichen geschrieben wurden, kann man diese durch einander ersetzen, und daraus Interpretationen ersinnen.
  • Chronogramme sind (meist sinnige, lateinische) Sprüche, welche die Buchstaben M, D, C, L, X, V, I enthalten, die als römische Zahlen gelesen werden und zusammenzählt ein Datum ergeben. > Artikel mit Beispielen in der Wikipedia.
  • Die Reihenfolge des Alphabets (α — ω) wird zur Deutung verwendet: Die göttliche Stimme spricht zum Seher Johannes (Apokalypse 1,8 und 22,13): Ich bin das Alpha und Omega, der Erste und der Letzte, Anfang und Ende; d.h. Gott ist all-umfassend (vgl. Jes. 44,6; 48,12)
  • Der Name des Buchstabens wird gedeutet. Hebräisch א alef bedeutet auch "Rind"; ב bet "Haus"; ﬠ ajin "Auge" usw.
  • Die Form des Buchstabens wird gedeutet: Das "pythagoreische" Y steht für die Entscheidung, welchen Weg man gehen soll (Herakles am Scheideweg). — Der Buchstabe taw sah in der älteren hebr. Schrift so aus wie ein Kreuz: . So ist verständlich, dass die Stelle Ezechiel 9,4 (Zeichne ein Taw auf die Stirn derer, die seufzen ob all der Greuel...) auf diejenigen bezogen wurde, die sich zum Kreuz Jesu bekennen. Hugo Rahner, Das mystische Tau, in: ders., Symbole der Kirche, Salzburg: Otto Müller 1964; S. 406–431.

Auf dem Titel dieses Buchs P. Ovid Nasonis XV. Metamorphoseon librorum figurae elegantissime, a Crispiniano Passaeo laminisaeneis incisae, Köln: C. de Passe / Arnheim: Jannson anno #### ist die Jahreszahl als Chronogramm realisiert:
aVrea   MeDIoCrItas
(›Der goldene Mittelweg‹, Zitat aus Horaz, Oden, II,x,5). — Wann wurde es gedruckt?

Tacitus behandelt die Geschichte der Schrift nüchtern. Er kommt in den »Annalen« (verf. ca. 110–120) aus gegebenem Anlass bei der Vita des Kaisers Claudius (reg. 41–54) auf die Erfindung der Schrift zu sprechen:

Die Aegypter drückten zuerst durch Abbildungen von Thieren ihres Geistes Vorstellungen aus; dies sind die ältesten Denkmäler menschlichen Gedenkens, die man in Stein gehauen erblickt. Auch für die Erfinder der Buchstaben geben sie sich aus; von ihnen erst hätten sie die Phönicier, weil sie zur See die Oberhand gehabt, nach Griechenland gebracht, und dann den Ruhm erlangt, als hätten sie erfunden, was sie erst empfangen. Es geht nehmlich die Sage, Cadmus sei mit einer Flotte von Phöniciern gekommen, und habe den noch rohen Völkern der Griechen diese Kunst bekannt gemacht.

Einige erzählen, der Athenienser Cecrops oder der Thebaner Linus und, zu den Zeiten Troja's, der Argiver Palamedes hätten sechzehn Schriftzeichen, nachher Andere, Simonides vornehmlich die übrigen erfunden.

In Italien lernten sie die Etrusker vom Corinther Damaratus, die Aboriginer vom Arcadier Evander, und die Gestalt der latinischen Buchstaben ist gleich der der ältesten unter den griechischen; aber auch wir hatten zuerst nur wenige, dann wurden welche noch hin zugethan.

Nach diesem Beispiele fügte auch Claudius noch drei Buchstaben bei*, welche während seiner Herrschaft in Gebrauch nachher vergessen auch jetzt noch auf den ehernen Tafeln gesehen werden die um dem Volke die Senatsbeschlüsse bekannt zu machen auf den Marktplätzen und in den Tempeln angeheftet sind. (Annalen XI,14; Übersetzung von Wilhelm Bötticher, 1832)

Vgl. > https://archive.org/details/werkelateinischm02taciuoft/page/14/mode/

*) So das umgekehrte Digamma, um den Konsonant V vom Vokal U zu unterscheiden: SERℲVS
> https://de.wikipedia.org/wiki/Claudius#Claudische_Schriftreform

••• Die Buchstaben dienen der Erhaltung des Vergangenen.

Minerva zeigt das ABC – und einige Engelchen sind bemüht, es zu kopieren – unten schon bereit: die Typengießerei und der Setzrahmen:

Soutien du Temple de mémoire,
Nous transmettons les Faits à la postérité;
Les Arts, les Ciences, l’Histoire
Nous doivent l’Immortalité.

Pierre-Simon Fournier (1712–1768), Manuel typographique, Tome 2, Paris: Barbou 1766.
> https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k1070586b/f8.item

••• Platon war da anderer Meinung. In der berühmten Passage im Dialog »Phaidros« ist von den segensreichen Erfindungen des ägyptischen Gottes Theuth die Rede, wozu auch die Buchstaben gehören. Theuth preist diese dem König Thamos als Heilmittel gegen schlechtes Gedächtnis. Der König dagegen ist der Ansicht, die Schrift bewirke das Gegenteil:

Denn diese Erfindung wird in den Seelen derer, die sie erlernen, Vergesslichkeit bewirken, weil sie ihr Gedächtnis nicht mehr üben; denn im Vertrauen auf Geschriebenes lassen sie sich von außen erinnern durch fremde Zeichen, nicht von innen heraus durch sich selbst. (Phaidros 274; Übersetzung von Ernst Heitsch.)

Quintilian (inst. or. XI,ii,9) kennt die Plato-Stelle: Quamquam invenio apud Platonem obstare memoriae usum litterarum? videlicet quoniam illa quae scriptis reposuimus velut custodire desinimus et ipsa securitate dimittimus.

Caesar berichtet über die Druiden, dass sie der Meinung seien, man dürfe ihre Lehren nicht schriftlich abfassen, obschon sie die griechische Schrift benutzen. Er unterstellt ihnen, dass sie so die Lehre vor dem gemeinen Mann fernhalten wollen. Aber auch er ist der Meinung, dass durch das Hilfsmittel der Schrift der Eifer nachlässt beim Auswendiglernen. Neque fas esse existimant [Druides] ea litteris mandare, cum in reliquis fere rebus, publicis privatisque rationibus Graecis litteris utantur. […] quod fere plerisque accidit, ut praesidio litterarum diligentiam in perdiscendo ac memoriam remittant. (bellum gallicum VI,xiv,3–4)

Literaturhinweise:

Franz Dornseiff, Das Alphabet in Mystik und Magie, Leipzig 1922.

Harald Haarmann, Universalgeschichte der Schrift, Frankfurt / New York: Campus 1990.

Layout: Ein Buch im Buch

Cgm 10: Williram von Ebersberg, Kommentar zum Hohenlied: Osculetur me oculo sui. In der Mitte der Bibeltext; links ein lateinischer Kommentar, rechts ein deutscher Kommentar.

Ausgabe: Williram von Ebersberg, Expositio in Cantica canticorum, hg. und übersetzt von Henrike Lähnemann und Michael Rupp, Berlin: de Gruyter 2004.

 

Biblia cum Postillis Nicolai de Lyra et Expositionibus Guillelmi Britonis in omnes prologos S. Hieronymi et additionibus Pauli Burgensis replicisque Matthiae Doering. Nürnberg: Anton Koberger, 3.XII.1487. (Band 3) – Verweisbuchstaben führen vom Bibeltext zum ihn umgebenden Kommentar.

Literaturhinweis: Ivan Illich, Du lisible au visible. La naissance du texte, 1991. – Dt. Übers.: Im Weinberg des Textes. Als das Schriftbild der Moderne entstand; Ein Kommentar zu Hugos »Didascalicon«, Luchterhand: Frankfurt am Main 1991.

Die Personifikation der Geschichte/Historia hat als Attribut ein Buch

Die Personifikation der Geschichte = mythologisch ausgedrückt: die Muse Klio mit Schriftrolle bzw. Buch und Griffel bzw. Feder. Hinter ihr steht der geflügelte Chronos mit einer Sense, d.h. die Zeit, die alle Erinnerung gefährdet:

Titel der Enzyklopädie von Louis Moreri, Le Grand Dictionnaire Historique ou Le Melange Curieux de L'Histoire Sacree et Profane, Paris 1732–1735.

Die Geschicht. – Hier ist die Zeit dargestellt mit einer Sichel, der unsteten Kugel der Fortuna und der Ouroboros-Schlange (›der Selbst-Verzehrer‹) und als etwas verschlingend (nach tempus edax oder vorax; Ovid, Epist. ex Ponto IV, x ,7).
Zeichnung von Gottfried Eichler d.J. (1715–1770) und Kupfer von Joseph Wa[n]gner (1706–1780) in: Des berühmten Italiänischen Ritters, Cæsaris Ripæ, allerleÿ Künsten, und Wissenschafften, dienlicher Sinnbildern, und Gedancken, Welchen jedesmahlen eine hierzu taugliche Historia oder Gleichnis beÿgefüget. dermahliger Autor, und Verleger, Joh. Georg Hertel, in Augspurg [ca. 1760].

Anton Raphael Mengs (1728–1779), Gewölbe im Gabinetto dei Papiri, Vatikan (1772)
> http://www.zeno.org/nid/20004179501

Die Schweizerische Post verkaufte 1961 eine 5-Rappen-Marke der Pro-Patria-Serie mit den Symbolen für Zeit (Sanduhr) und – das Zeichen um 90 gedreht – Ewigkeit (mathemat. Zeichen für unendlich ∞); das Buch steht wohl für die Geschichte, in der beide Aspekte enthalten sind. Zeichner: Hans Schwarzenbach (1911–1983):

Metaphorische Büchertitel

Das Buch an sich hat eine merk-würdige Etymologie: Liber […] tractus a liberando, eo quod lectio plerumque a curis animum suspendat. – ›Buch‹ wird von ›befreien‹ hergeleitet, weil das Lesen den Geist meist von Sorgen entlastet. (Bernhard von Utrecht, Ende des 11.Jhs., Einleitung zur »Ecloga Theoduli«).

Über exklusive und anmaßende Büchertitel witzeln Plinius und Aulus Gellius in den Vorwörtern zu ihren Werken.

Plinius (Nat. hist., Praefatio, ¶ 24–25; vgl. den Kommentar in der zweisprachigen Ausgabe von Roderich König / Gerhard Winkler 1973, S.347ff.) nennt unter anderem einen Titel »Hahnenmilch« (lac gallinaceum), womit ein Autor das Ungewöhnliche an seinem Buch hervorheben wollte.

Aulus Gellius (Noctes Atticae, Praefatio ¶ 5–9; vgl. die Fußnote in der deutschen Übersetzung von Fritz Weiß 1875) nennt 30 ausgesuchte Überschriften (titulos exquisitissimos).

Clemens von Alexandrien († vor 215/16) rechrtfertigt sich so für seinen Buchtitel »Teppiche (Stromateis)«:

Und so haben manche Schriftsteller auch Schriften mit den Titeln "Wiesen" oder "Helikonberge" oder "Honigwaben" oder "Prachtkleider" verfaßt, indem sie gelehrte Sammlungen mit bunten Blüten ausschmückten. Und auch unser eigenes Werk, das wir "Teppiche" genannt haben, gleicht einer Wiese, da wir in ihnen absichtlich in bunter Mannigfaltigkeit das bringen, was uns gerade in den Sinn kam und was wir weder nach einem genauen Plan ordnen noch stilistisch sorgfältig ausfeilen wollten. (VI,ii,1)

Aurifodina (Goldgrube) als Buchtitel. In den Gruben arbeiten rechts Bergleute mit Lampe und Pickeln (hic ferro – hier mit dem Eisenwerkzeug) – links in metaphorischer Übertragung der Schriftsteller, der Bücher exzerpiert mit Lampe und Feder (hic calamo … mit dem Schreibstift).

Jeremias Drexel S.J., Aurifodina artium et scientarium omnium, excerpendi solertia, Antwerpen 1642; hier in der Ausgabe Francofurti: Müllerus 1670.

Acerra =   ›(Weih-)Rauchkästchen‹. Der Überarbeiter des »Acerra Philologica« betitelten Buches von Peter Lauremberg (1585–1639), Gotthard Heidegger (1666–1711), schreibt in dem zur Buntschriftstellerei gehörenden Buch zum Titel:

Es ist im Altertum Brauch gewesen, zur Mahlzeit den Gästen mit anmutigen Gerüchen aufzuwarten. Das dazu verwendete Rauchwerk hat man in einem Trühlein / oder in einer Schale und Gefäß, das man ACERRA nannte. Wenn der Leser sein Gemüt (im normalen Schulunterricht) mit solider Nahrung gesättigt habe, so wird ihm in diesem Buch gleich als zu einer unschuldigen Kurtzweil und ergetzlichem Rauchwerk auch die Philologische Studia, ich wil sagen eine etwelche Wissenschaft der heydnischen Antiquitæten / Fablen / Geschichten / Spitzfündigkeiten / Irrthümern / Disputationen etc. aufgesetzet.

Acerra Philologica Nova, Repurgata, Aucta, Das ist: DCC. merckwürdige Historien und Discursen, Theils aus den vorigen Editionen der so genannten Acerra Philol. und ihren Zusätzen ausgelesen, verbessert, mit vielfältigen Anmerckungen bereichert […] Zweyte Auflage Zürich bey David Geßner MDCCXXXV.

Erasmus Francisci, Acerra exoticorum oder historisches Rauchfaß, darinnen mancherley fremde Fälle und Geschichte nebens andern Erzehlungen als etlicher Kunst- und Natur-Wunder, alter Prachtgebäue wie auch einiger Meldungs-würdiger Sitten ... aus Sina, Cochinchina, Tunchin, Persien ... / zusammen gesucht, dargereicht und fürgesetzt durch Erasmum Francisci, Franckfurt: Schiele [3 Bände] 1672 / 1673. (Hier Titel zu Band 2)

Theater als Buchtitel – Theodor Zwinger verwendet die Metapher für seine umfängliche Enzyklopädie »Theatrum Vitæ Humanæ« (1565) – weitere Beispiele hier.

Georg Andreas Böckler, Theatrum Machinarum. Neu-vermehrter Schauplatz der mechanischen Künsten, handelt von allerhand Wasser- Wind- Ross- Gewicht- und Hand-Mühlen, wie dieselbige zu dem Frucht-Mahlen, Papyr- Pulver- Stampff-Segen- Bohren- Walcken-Mangen, und dergleichen anzuordnen, Nürnberg: In Verlegung Paulus Fürsten, Gedruckt bey Christoff Gerhard 1661.
> http://echo.mpiwg-berlin.mpg.de/MPIWG:DA0N7C57

Zur Theatermetaphorik mehr hier (PDF-Datei der HAB Wolfenbüttel).

Schatzkästlein als Buchtitel. – Lat. gazophylacium ist die Schatzkammer. – Ähnlich: Thesaurus (Vorratskammer). – Promptuarium (Vorratskammer, Speicher) – Brunetto Latini: »Tresor«

Spiegel als Buchtitel, u.a. besagend, dass die ganze Welt darin wie in einem Hohlspiegel verkleinert abgebildet ist: Radulfus Ardens: »Speculum universale« (mehr dazu hier)

Über dem Spiegel: Lasset uns Wahrheit suchen.

Ein Päkchen neue prosaische Fabeln. Nach Lessings Manier. Lindau: Fritzsch 1787.
> http://digitale.bibliothek.uni-halle.de/vd18/content/pageview/2191990

Weitere Titel:

Bücher erschließen die Welt oder andere Bücher (Melito von Sardes: »Clavis sacrae scripturae«; Johann Heinrich Alsted: »Clavis artis Lulliana»« – Schlüssel zu Lulls Werk); der biblische Hintergrund ist Lukas 11,52: Schlüssel zur Erkenntnis;

sie öffnen dem Leser die Türen (Comenius: »Janua linguarum reserata« 1629);

sie erleuchten die Leser (Honorius Augustodunensis: »Elucidarium«), feuern die Leser an (»Scintillarius«);

sie erquicken den Geist (»Refectio mentium«);

sie führen stufenweise aus dem Irdischen nach oben (Honorius Augustodunensis: »Scala«);

sie bilden eine (geistige) Welt ab (Honorius Augustodunensis: »Imago mundi«),

sie stillen den (geistigen) Hunger (»Ferculum« – das Tablett zum Auftragen der Speisen; »Pabulum vitae« – Speise fürs Leben);

sie liefern Material wie der Wald (Pedro Mexía: »Silva de varia lección: Das ist: Historischer Geschicht-, Natur- und Wunder-Wald, allerhand merckwürdiger Erzehlungen);

sie löschen den Durst wie eine Quelle (Sydrac: »Le livre de la fontaine de toutes sciences« – Domenico Bandini: »Fons memorabilium uniuersi«);

der Buchtitel zeigt, dass der Inhalt ein wonne-bringender paradiesischer Garten ist (Herrad von Landsberg: »Hortus deliciarum«);

der Buchtitel einer Enzyklopädie charakterisiert den Inhalt (Aegidius Albertinus: »Der Welt Tummel- und Schaw-Platz« 1612);

der Buchtitel zeigt, wie der Inhalt zustande gekommen ist (»Florilegium« – Blütenlese; »Spicilegium« – Ährenlese; Nano Mirabelli: »Polyanthea« 1517);

der Buchtitel weist darauf hin, wie kostbar der Inhalt ist (»Gemma« – Juwel, Gregor Reisch: »Margarita pholosophica« – Perle, »Medulla« – der Kern, das Vortrefflichste);

der Titel sagt ganz bescheiden, dass er nur andere Inhalte auf einem Bücherbrett darbietet: Pierre Coustau, »Pegma« 1555;

der Titel evoziert eine Versammlung oder den Versammlungsort der im Buch beschriebenen Charakteren: Schelmenzunft – Gäuchmatt – Narrenschiff.

Einen hübschen Kalauer leistete sich Eberhard der Deutsche (1. Hälfte 13. Jh.) mit dem Buchtitel »Laborintus« für sein Lehrgedicht der Poetik: Einerseits sagt ›Labyrinth‹: mein Buch ist wie ein Gebäude mit vielen Gemächern (vgl. Herodot, Historien II, 148) – anderseits meint das Wort, so geschrieben: es steckt viel Arbeit (labor) drin (intus).

........

Richard de Bury führt im »Philobiblon« die Metaphern auf Bibelstellen zurück:

In tausend Allegorien empfiehlt euch [die Bücher] auch die heilige inspirierte Schrift den Gebildeten immer wieder. Denn ihr seid gemeint mit den Gruben der tiefsten Weisheit, zu denen der Weise seinen Sohn schickt, auf dass er dort Schätze herausgrabe (Prov 2), ihr seid die Brunnen lebendigen Wassers, welche der Vater Abraham gegraben und Isaak wieder aufgegraben hatte, die Philister aber zu verstopfen versuchten (Genesis 26); ihr seid in Wirklichkeit die prächtigen vollen Ähren, die nur der Apostel Hände zerreiben dürfen, damit köstliche Speise für die hungernden Seelen austrete (Mt 12); ihr seid die güldenen Krüge mit dem Himmelsbrot, die honigspendenden Felsen (Dt 32, 13) oder die Honigscheiben, die Brüste voll Lebensmilch, die Kammern, die nie leer werden; ihr seid der Baum des Lebens, von dem sich der Menschengeist nährt, und der viergeteilte Strom im Paradies, der den vertrockneten Verstand benetzt und tränkt; ihr seid Noahs Arche und Jakobs Leiter, ihr die Rinnen bei der Tränke, über denen die Herden Jakobs gefleckte Junge empfingen, ihr die Denksteine, die Krüge Gideons mit den Fackeln darin; ihr seid die Tasche Davids, aus der er die glatten Steine hervorholte, um Goliath hin zustrecken, ihr die güldenen Gefäße des Tempels, die Schilde der Gottesmänner (Cant 4,4), an denen die Pfeile des Bösen zersplittern, die fruchtbaren Ölbäume, die Weingärten zu Engedi, die Feigenbäume, die nie verdorren, die brennenden Lichter, die wir stets vor uns hertragen sollen; kurzum, das Köstlichste, das die Heilige Schrift kennt, können wir auf die Bücher beziehen, wenn wir Lust haben, in Bildern zu reden.

Paul Lehmann, Mittelalterliche Büchertitel (= Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Philos.-histor. Klasse 1948/4 und 1953/3).

Edward Schröder, Aus den Anfängen des deutschen Buchtitels. Nachrichten der Akademie der Wiss. in Göttingen, phil.-hist. Klasse, Fachgruppe 4, NF 2,1. Seite 1–48 (Göttingen 1937–39).

Werner Bergengruen, Titulus: das ist Miszellen, Kollektaneen und fragmentarische, mit gelegentlichen Irrtümern durchgesetzte Gedanken zur Naturgeschichte des deutschen Buchtitels oder unbetitelter Lebensroman eines Bibliotheksbeamten, Zürich: Arche 1960.

Herbert Grabes, Speculum, Mirror und Looking-Glass. Kontinuität und Originalität der Spiegelmetapher in den Buchtiteln des Mittelalters und der englischen Literatur des 13. bis 17.Jahrhunderts, Tübingen 1973.

Bianca-Jeanette Schröder, Titel und Text. Zur Entwicklung lateinischer Gedichtüberschriften, mit Untersuchungen zu lateinischen Buchtiteln, Inhaltsverzeichnissen und anderen Gliederungsmitteln (Untersuchungen zur antiken Literatur und Geschichte 54), de Gruyter 1999.

Die Figuren im Buch sind für Analphabeten stumm

Ein (später Simplicissimus genannter) Knabe wird im 30-jährigen Krieg durch marodierende Soldaten vom väterlichen Bauernhof vertrieben und gelangt zur Hütte eines Einsiedlers. Dieser nimmt ihn auf und versorgt ihn. S. erzählt später (Grimmelshausen, »Simplicissimus«, 1668, 1.Buch, 10.Kapitel) :

Als ich das erste mal den Einsidel in der Bibel lesen sahe/ konte ich mir nicht einbilden/ mit wem er doch ein solch heimlich/ und meinem Beduncken nach sehr ernstlich Gespräch haben müste; ich sahe wol die Bewegung seiner Lippen/ hingegen aber niemand/ der mit ihm redet/ und ob ich zwar nichts vom lesen und schreiben gewust/ so merckte ich doch an seinen Augen/ daß ers mit etwas in selbigem Buch zu thun hatte: Jch gab Achtung auff das Buch/ und nachdem er solches beygelegt/ machte ich mich darhinder/ schlugs auff/ und bekam im ersten Griff das erste Capitel deß Hiobs/ und die davor stehende Figur/ so ein feiner Holtzschnitt/ und schön illuminirt war/ in die Augen; ich fragte dieselbige Bilder selzame Sachen/ weil mir aber kein Antwort widerfahren wolte/ wurde ich ungedultig/ und sagte eben/ als der Einsidel hinder mich schlich: Jhr kleine Hudler/ habt ihr dann keine Mäuler mehr? habt ihr nicht allererst mit meinem Vatter (dann also muste ich den Einsidel nennen) lang genug schwätzen können? ………
Text in heutiger Rechtschreibung > http://www.zeno.org/nid/20004913655

Eine postume Ausgabe von Grimmelshausens Buch enthält Bilder; hierzu dieses:

Der Aus dem Grab der Vergessenheit wieder erstandene Simplicissimus. Dessen Abentheurlicher/ und mit allerhand seltsamen/ fast unerhörten Begebenheiten angefüllter Lebens-Wandel ... vermittelst Scharfsinnigen Lehren/ wohlkommenden Anmerckungen und schönklingenden Poetischen Versen/ auch recht lebhafften Kupffer-Bildnüssen ... vorgestellet wird / Durch German Schleifheim von Sulsfort ... Nürnberg: Felßecker 1684.
> http://diglib.hab.de/drucke/lo-2310-1b/start.htm?image=00081

Der Einsiedler liest das erste Capitel deß Hiobs (Hiob 1,13ff.). – Dieses (oder ein ähnliches Bild) könnte Grimmelshausen vorgeschwebt haben, das S. in der Bibel sieht:

Neuwe Biblische Figuren/ deß Alten und Neuwen Testaments/ geordnet vnd gestellt durch den fürtrefflichen vnd Kunstreichen Johan Bocksbergern von Saltbzurg/ den jüngern/ vnd nachgerissen mit sonderm fleiß durch […] Joß Amman von Zürich. […] Getruckt zu Frankckfurt am Mayn/ durch Georg Raben/ Sigmund Feyerabend/ vnd Weygand Hanen Erben M.D.LXIIII.

Weniger wahrscheinlich ist: Biblia Das ist Die gantze Heylige Schrifft Teutsch, Franckfurt am Main, 1560/1561 (Holzschnitt von Virgil Solis)
> http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00084800/image_594

Bei der Betrachtung des Bildes erkennt S., dass dort Vieh gestohlen wird und Häuser in Brand stehen; das hat er soeben erlebt. Er reagiert so (auch diese Szene ist in der postumen Ausgabe als Kupferstich vorhanden):

halt/ halt/ ich will diß Feuer noch wol leschen/ damit stunde ich auff Wasser zu holen / weil mich die Noth vorhanden zu seyn bedunckte. Wohin Simplici? sagt der Einsidel/ den ich hinder mir nicht wuste/ Ey Vatter/ sagte ich/ da sind auch Krieger/ die haben Schaf/ und wollens weg treiben/ sie habens dem armen Mann genommen/ mit dem du erst geredet hast/ so brennet sein Hauß auch schon liechterlohe/ und wann ich nicht bald lesche/ so wirds verbrennen …

Der Einsiedler klärt ihn dann auf, wie Bilder und Buchstaben funktionieren.

In der Zentralbibliothek Zürich befindet sich ein Konvolut mit 37 Vorzeichnungen zu den Kupfertafeln
(Signatur ZEI 5.1_1-37.)
Digitalisat > https://www.e-manuscripta.ch/zuzneb/content/titleinfo/1439468

Literatur hierzu:

Manfred Sestendrup, Das Medaillonkupfer und die Textillustration des sogenannten "Barock-Simplicissimus" von Grimmelshausen. Studien zur Urheberschaft, Editionsgeschichte und Echtheitsfrage, Münster 1977.

"Benebenst feinen und neu-inventirten Kupffer-Stücken." Die Illustrationen der postumen Grimmelshausen-Gesamtausgabe (1683-1713), hrsg. und eingel. von Ruprecht Wimmer, Augsburg: Pröll 1991 (Sondergabe für die Mitglieder der Grimmelshausen-Gesellschaft 5)

Rosmarie Zeller, Weitere Originalzeichnungen zu den Kupferstichen der ersten postumen Grimmelshausen-Gesamtausgabe (1683/84), in: Simpliciana XXXII (2010), S. 427–434

Wie liest man richtig im Buch?

 

••• Seneca (gest. 65 u.Z.), Ad Lucilium Epistolae Morales I,2

Distringit librorum multitudo; itaque cum legere non possis quantum habueris, satis est habere quantum legas.

Die Menge der Bücher wirkt zerstreuend; Da du nicht alles lesen kannst, was du haben kannst, so genügt es, soviel zu haben, als du lesen magst.

»Sed modo« inquis »hunc librum evolvere volo, modo illum.«

»Aber ich möchte nun einmal«, erwiderst du, »bald in diesem Buch blättern, bald in jenem.«

Fastidientis stomachi est multa degustare; Quae ubi varia sunt et diversa, inquinant non alunt.

Nur ein verwöhnter Magen trägt das Verlangen, vielerlei zu kosten; das bunte Allerlei hat mehr verunreinigende als nährende Wirkung.

Probatos itaque semper lege, et si quando ad alios deverti libuerit, ad priores redi.

Lies also immer nur Schriftsteller von anerkanntem Wert, und hast du dich einmal zu anderen hingetrieben gefühlt, so kehre nur wieder zu jenen zurück.

> http://www.lateinheft.de/seneca/seneca-epistulae-morales-epistula-2-ubersetzung/

••• Seneca, De tranquillitate animi IX,6

Bei den geistlosesten Menschen kann man alle Redner und Historiker finden und Bücherschränke (loculamenta ) bis ans Dach hinauf; selbst in Badehäusern und Thermen wird eine Bibliothek angebracht als notwendiger Schmuck des Hauses. Man müsste das gelten lassen, wenn es von großer Vorliebe für die Wissenschaften herkäme, aber jene ausgesuchten und mit Bildnissen [der Verfasser] verzierten Werke hervorragender Geister werden nur zum Schein und als Schmuck der Wände hingestellt.
> https://www.thelatinlibrary.com/sen/sen.tranq.shtml
Von der Gemütsruhe, übers. Ludwig Rumpel 1979.

••• Petrarca (1304–1374), De remediis utriusque fortunae I,43: De librorum copia:

Holzschnitt aus: Franciscus Petrarcha, Von der Artzney bayder Glück/ des guten vnd widerwertigen […]. Augspurg: H. Steyner 1532.

In der Übersetzung von Stephan Vigilius (hier aus dem Druck 1572) sagt die ›Freude‹: Ich frewe mich/ daß ich so ein köstliche Liberei hab/ mit allerley besten vnd erlesenstem büchern/ die mann je vnd je hat bekommen mögen.

Die Vernunft argumentiert dagegen: Statt in das Gestell sollte man die Bücher ins Herz setzen. – Mit dem Verstand ist es, wie mit dem Magen: Aus Überfülle folgt Ekel; man solle nur die besten lesen. – König Ptolemäus hat mit viel Fleiß und Verstand 50’000 Bücher zusammengebracht, aber die Bibliothek ist abgebrannt. – Wo viel Bücher sind, ist viel Irrtum. Die ketzerischen Gedanken sind unter einer interessanten Form versteckt: Meußdreck vnder Pfeffer. — Wer viele Bücher besitzt, muss wie Tantalus mitten im Wasser verdursten. — Es ist närrisch zu sagen, eine gewisse Information habe man zuhause im Buch; man muss sie im Kopf haben. — Tugend kann man im Gegensatz zu Büchern nicht kaufen; die Tugend sieht man nicht, aber die Bücher im Gestell. — Eine Wegkreuzung mit drei oder vier Wegen ist verwirrlich – ebenso die Lektüre vieler Bücher statt eines einzigen.

Ins hirn muostu es bringen/ nit in buochkasten nach einander stellen.

••• Die Hermeneutik von (hässlicher oder burlesker) Schale und dem (heilsamen, ernsthaften) Kern hier in der Variante von François Rabelais (ca. 1494–1553), »Das unschätzbare Leben des großen Gargantua«, 1534.

Des Autors Prologus

[Platon] sagt unter anderen Reden zum Lob seines Meisters Sokrates, welcher ohnstreitig der Weltweisen Kaiser und König war, daß er sey gleich den Silenen gewesen. [Symposion 215 a-b] Silenen waren vor diesem kleine Büchslein, wie wir sie heut in den Läden der Apotheker sehen, von außen bemalet mit allerlei lustigen, schnakischen Bildern, als sind Harpyen, Satyrn, gezäumte Gänslein, gehörnte Hasen, gesattelte Enten, fliegende Böck, Hirschen die an der Deichsel ziehen, und andre derley Schildereyen mehr, zur Kurzweil konterfeyet um einen Menschen zu lachen zu machen: wie denn des guten Bacchus Lehrmeister Silenus auch beschaffen war. Hingegen im Innersten derselben verwahrt' man die feinen Spezereyen, als Balsam, Bisam, grauen Ambra, Zibeth, Amomum, Edelstein und andre auserlesne Ding. So, sagt er, wär auch Sokrates […]

Aber, so ihr die Büchs nun eröffnet, würdet ihr inwendig funden haben himmlisch unschätzbare Spezereyen: einen mehr denn menschlichen Verstand, wunderwürdige Tugend, unüberwindlichen Standmuth, Nüchternheit sonder gleichen, feste Genügung, vollkommenen Trost, unglaubliche Verachtung alles dessen darum die sterblichen Menschen so viel rennen, wachen, schnauffen, schiffen und rauffen. [………]

Der ganze Text in der Übersetzung von Gottlob Regis > http://www.zeno.org/nid/2000551651X

••• Coping with information overload. Dieses Bild darf natürlich nicht fehlen!

Agostino Ramelli (1531–1600), Le diverse et artificiose machine, Parigi 1588.
> https://doi.org/10.3931/e-rara-8944
> http://digitale.bibliothek.uni-halle.de/urn/urn:nbn:de:gbv:3:1-725063

••• Usus libri, non lectio prudentes facit.

[Joh. Sambucus 1531–1584] Emblemata, et aliquot nummi antiqui operis, Ioan, Sambuci Tirnaviensis Pannonii. Tertia editio, Cum emendatione & auctario copioso ipsius auctoris, Antwerpen, Ch Plantin, 1569.

Die Anwendung des Buches, nicht das Lesen macht klug

Ich lehre nicht immer, es gibt keinen Grund, weshalb du mich immer wieder ansehen solltest: mein Blatt weckt das Bewusstsein der Leser. Eine gewaltige Anzahl besitzt der habsüchtige Buchhändler, der sie verkauft, aber sicher ist er deshalb nicht klüger. Wenn du uns ständig wälzt und mit Ernst immer von neuem liest, wirst du niemals vorankommen. Mühe und Licht sind verschwendet, wenn du [das Gelesene] nicht anwendest und im Gedächtnis behältst. Unsere Aufgabe war, dir dieses ins Gedächtnis zu rufen. Da du das [schon] gut wusstest, gelehrter Fulvius, haben dich die alten Bücher vor allem gebildet. Du bewahrst eine ausgezeichnete und seltene Anzahl von ihnen und hast mit Scharfsinn viele Bücher wiederhergestellt. Dies und die ganze Antike erfreut auch Sambucus. Lass uns denen helfen, deren Kenntnisse und Möglichkeiten vielleicht geringer sind. (Übersetzung in Henkel/Schöne, Emblemata, Sp. 1289).

••• Vorsicht beim Lesen! Die Schlingen des Teufels sind überall ausgebreitet:

Du mainst in der Theologey
Seist gantz von meinen stricken frey
. ...


Johann von Schwarzenberg, Memorial der Tugendt = Abschrift des Buches, Augsburg: Heinrich Steiner 1534; Trogen, Kantonsbibliothek Appenzell Ausserrhoden, CM Ms. 13 Fol. 67recto
> https://www.e-codices.unifr.ch/de/cea/0013/67r

Die Vorlage im Druck hier: http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00029340/image_249

••• Und wenn Frauen lesen, dann passiert das:

Federlitho von Heinrich Jenny (1824–1891); vgl. > https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Jenny

Eine kleine Anthologie von Stellen zur Ablehnung der Lesesucht (la lecture des livres impudiques) hat zusammengestellt Rudolf Schenda, Volk ohne Buch. Studien zur Sozialgeschichte der populären Lesestoffe 1770–1910. V.Klostermann, 3. Auflage 1988, S. 98–106.

••• Jeder liest das, was er schon im Kopf hat. Simplicissimi Gauckeltasch:

[Simplicissimus zog] ein Buch aus dem Sack und blättert darin herum, dem Umstand [die herumstehenden Leute] seine glaubwürdige Schein [hier: Ansehen] zu weisen; aber siehe, da erschienen eitel weiße Blätter. »So!« sagt er darüber, »so sehe ich wohl, ich stehe da wie Butter an der Sonnen! Ach,« sagte er zum Umstand, »ist kein Gelehrter unter euch, der mir einige Buchstaben hineinblasen könnte?« Und demnach zween Stutzer zunächst bei ihm stunden, batt er den einen, er sollte ihm nur ein wenig ins Buch blasen, mit Versicherung, daß es ihm weder an seinen Ehren noch an seiner Seligkeit nichts schaden würde. Da derselbe solches getan, blättert Simplicius im Buch herum; da erschiene nichts anders als lauter Wehr und Waffen. »Ha!« sagte er, »diesem Kavalier gefallen Degen und Pistolen besser als Bücher und Buchstaben, er wird ehender ein braven Soldaten, als ein Doktor abgeben. — Einem anderen ›Leser‹ erscheinen beim Ins-Buch-Blasen eitel Cavalliers und Dames, einem anderen lauter Taler und Dukaten, einem weiteren eitel Würfel und Karten, einem anderen lauter Hasen-, Esels- und Narrenköpf im Umblättern usw.

[Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen], Der seltzame Springinsfeld [Erstausgabe 1670], 7.Kapitel.
Der ganze Text hier > http://www.zeno.org/nid/20004915704

Der Hintersinn des Kunststücks ist natürlich die hermeneutische Aussage, dass jeder Leser den Text des Buchs anders auffasst nach dem Satz: »Quot capita, tot sensûs« (So viele Köpfe – so viele Meinungen) oder nach dem (in der Gänze zu zitierenden!) Satz des Terentianus Maurus »pro captû lectoris habent sua fata libelli« (Je nach der Auffassung des Lesers haben Bücher ihre Prognose).

Grimmelshausen hat die Idee zu diesem Zauberbuch aus: Daniel Schwenter, Deliciae physico-mathematicae oder mathematische und philosophische Erquickstunden. Nürnberg, 1636. (Reprint hg. Jörg Jochen Berns, Frankfurt/M.: Keip 1991). Vierzehender Teil, Die VII. Auffgab. Ein artlichs Buch zu machen/ daß im vmbblättern allerley Figurn bringet/ doch auff ein vmbschlagen allzeit nur einerley.

> http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/schwenter_deliciae_1636?p=536
oder > https://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/4200/537/0/

Buchorakel

Augustinus (354–430) beschreibt in den »Confessiones« (IV,iii,5) folgende Szene:

Als ich ihn [den Arzt Vindicianus] fragte, wieso die Sterndeutekunst so viele tatsächliche Erfolge aufweisen könne, antwortete er, das sei eine Wirkung von der überall im ganzen Weltall vorhandenen Macht des Zufalls. Denn oft komme es vor, dass jemand sich bei einem Dichter, der etwas ganz anderes meine und beabsichtige, Rats erhole und auf den zufällig (sorte) aufgeschlagenen Blättern einen wunderbar zu der Angelegenheit passenden Vers finde; so dürfe man sich auch nicht wundern, wenn aus der menschlichen Seele auf höheren Antrieb, nicht durch Kunst, sondern durch Zufall, so daß sie selbst nicht wisse, was in ihr vorgehe, Worte herausklängen, die mit den Verhältnissen und dem Vorhaben des Fragenden übereinstimmten.

Georg Philipp Harsdörffer (1607–1658) hat unter dem Pseudonym Fabianus Athyrus ein »Stechbüchlein« publiziert. In der Vorrede (S.12) beschreibt er dessen Verwendung:

Wann man sich nun in vertraulicher Gesellschaft dieser Erfindung gebrauchen will/ muß jedes anwesende/ in dem ersten Theil [dieser enthält 50 Kupfferblättlein]/ wann es eine Weibsperson/ und in dem andern/ wann es eine Mannsperson/ mit einem Stefft/ Messer oder Stecknadel einstechen, seines Hertzens Siegel-oder Spiegel-Bild ausswehlen/ ablesen und bemercken […] Es ist fast jedesmals ein gutes Bild nechst einem bösen gesetzet worden/ daß es dem Glück unterworffen/ was man bey solchem einstechen begegnen möchte.

Das erneurte Stamm- und Stechbüchlein. Hundert Geistliche Hertzens Siegel/ Weltliche Spiegel. Nürnberg: Fürst 1654.
> http://diglib.hab.de/drucke/165-19-eth-1/start.htm

Der Brauch, mit einer Nadel zwischen die Blätter eines Buches zu stechen und beim Aufschlagen die Stelle als Orakel zu betrachten, war bei den Herrnhutern mit der Bibel seit 1728 gebräuchlich (›Losungen‹).

Goethe:

Solcher Art ist die überall herkömmliche Orakelfrage an irgendein bedeutendes Buch, zwischen dessen Blätter man eine Nadel versenkt und die dadurch bezeichnete Stelle beim Aufschlagen gläubig beachtet.
Noten und Abhandlungen zu besserem Verständnis des west-östlichen Divans, Buchorakel
> http://www.zeno.org/nid/20004849221

Büchernarren

••• Lukian von Samosata (um 120 – nach 180): Der ungebildete Büchernarr

Lukian, Sämtliche Werke, nach der Übersetzung von Ch.M.Wieland, bearb. von Hanns Floerke, 5.Band, Berlin 1922, S. 74–96.

Übersetzung von August Friedrich Pauly (1839).

••• Sebastian Brant:

Sebastian Brant, Narrenschiff, Basel 1494

Von buechern hab ich grossen hort
Verstand doch drynn gar wenig wort
Vnd halt sie dennacht jn den eren
Das ich jnn wil der fliegen weren

Text > https://www.hs-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/15Jh/Brant/bra_n001.html

Digitalisat der BSB > http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00036978/image_12

••• Ein emblematisches Kupfer von H[endrick] und C[ornelis] Bloemaert zeigt einen Büchernarren:

Wat baet keers off bril, als den Uul niet sien en wil.
Was nützt Kerze oder Brille, wenn die Eule nicht sehen will?

(Wikimedia Commons. Danke, Harry für den Hinweis!) Was ist auf dem Buchzeichen geschrieben?

Das Vorbild für die Eule, die nicht sehen will, ist das Flugblatt von Hans Sachs / Erhard Schön mit dem Motto Was hilfft mich sunn/ licht oder prill. weyl ich doch selbs nicht sehen will. aus dem Jahr 1540. Hier indessen fehlt das Buch noch.
> http://www.zeno.org/nid/20004286685

Die Eule hat einen feuchten Kollegen. Hier geht es indessen um die Scheinheiligen, die zwar quaken (coaxant), denen aber die Kraft (des Glaubens) fehlt:

Daniel Cramer, Octoginta emblemata moralia nova, Francofurtum: Jennis 1630.
> https://archive.org/details/octogintaemblema00cra

(Danke, Romy, für den Hinweis!)

••• Abraham a Sancta Clara fälschlich zugeschrieben:

Quot capita tot Sententiæ: Das ist: Hundert narren/ und hundert lappen; Soviel Sparrn und bsondere Kappen. Im ersten Centifolio, Oder Hundert Ausbündige Narren in Folio. neu aufgewärmet und in einer Alapatrit-Pasteten zum Schau-Essen, mit hundert schönen Kupffer-Stichen, zur ehrlichen Ergötzung, und nutzlichen Zeit-Vertreibung, sowohl frölich- als melancholischen Gemüthern aufgesezt : auch mit einer delicaten Brühe vieler artigen Historien, lustiger Fablen, kurtzweiliger Discursen, und erbaulicher Sitten-Lehren angerichtet, Wien, Lehmann o.J. (1725)

••• Bücher selber imaginieren

Jean Paul sagt im »Leben des vergnügten Schulmeisterlein Maria Wutz in Auenthal«,

daß Wutz eine ganze Bibliothek – wie hätte der Mann sich eine kaufen können? – sich eigenhändig schrieb. Sein Schreibzeug war seine Taschendruckerei; jedes neue Meßprodukt, dessen Titel das Meisterlein ansichtig wurde, war nun so gut als geschrieben oder gekauft: denn es setzte sich sogleich hin und machte das Produkt und schenkt’ es seiner ansehnlichen Büchersammlung, die, wie die heidnischen, aus lauter Handschriften bestand.

[…] seine Glaubenssache: da er einige Jahre sein Bücherbrett auf diese Art voll geschrieben und durchstudieret hatte, so nahm er die Meinung an, seine Schreibbücher wären eigentlich die kanonischen Urkunden, und die gedruckten wären bloße Nachstiche seiner geschriebnen; nur das, klagt' er, könn' er – und böten die Leute ihm Balleien dafür an – nicht herauskriegen, wienach und warum der Buchführer das Gedruckte allzeit so sehr verfälsche und umsetze, daß man wahrhaftig schwören sollte, das Gedruckte und das Geschriebne hätten doppelte Verfasser, wüßte man es nicht sonst.

in: Die unsichtbare Loge, Berlin: Matzdorff 1793.
> http://www.zeno.org/nid/20005124883 – Der Text folgt hier der zweiten verbesserten Auflage: Berlin (G. Reimer) 1822.

••• Bibliomanie

BIBLIOMANE --- C'est un homme possédé de la fureur des livres. Ce caractere original n'a pas échappé à la Bruyere. Voici de quelle maniere il le peint dans le chap. xiij. de son livre des Caracteres, où il passe en revûe bien d'autres originaux. Il feint de se trouver avec un de ces hommes qui ont la manie des livres; & sur ce qu'il lui a fait comprendre qu'il a une bibliotheque, notre auteur témoigne quelqu'envie de la voir.
«Je vais trouver, dit-il, cet homme, qui me reçoit dans une maison, où dès l'escalier je tombe en foiblesse d'une odeur de maroquin noir dont ses livres sont tous couverts. Il a beau me crier aux oreilles, pour me ranimer, qu'ils sont dorés sur tranche, ornés de filets d'or, & de la bonne édition, me nommer les meilleurs l'un après l'autre, dire que sa galerie est remplie à quelques endroits près, qui sont peints de maniere, qu'on les prend pour de vrais livres arrangés sur des tablettes, & que l'oeil s'y trompe; ajoûter qu'il ne lit jamais, qu'il ne met pas le pié dans cette galerie; qu'il y viendra pour me faire plaisir: je le remercie de sa complaisance, & ne veux, non plus que lui, vifiter sa tannerie, qu'il appelle bibliotheque».
Un bibliomane n'est donc pas un homme qui se procure des livres pour s'instruire: il est bien éloigné d'une telle pensée, lui qui ne les lit pas seulement. Il a des livres pour les avoir, pour en repaître sa vûe; toute sa science se borne à connoître s'ils sont de la bonne édition, s'ils sont bien reliés: pour les choses qu'ils contiennent, c'est un mystere auquel il ne prétend pas être initié; cela est bon pour ceux qui auront du tems à perdre. Cette possession qu'on appelle bibliomanie, est souvent aussi dispendieuse que l'ambition & la volupté. Tel homme n'a de bien que pour vivre dans une honnête médiocrité, qui se refusera le simple nécessaire pour satisfaire cette passion.

Encyclopédie ou Dictionnaire Raisonné des Sciences, des Arts et des Métiers, tome second (1751), p. 228.

Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799):

Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl, ist das allemal im Buch?

Georg Christoph Lichtenberg, Schriften und Briefe, Erster Band: Sudelbücher I, hg. Wolfgang Promies [1935–2002], München: Hanser 1968, Heft D, Nr. 399


Literaturhinweise (Auswahl)

 

Wilhelm Wattenbach, Das Schriftwesen im Mittelalter, 3. Auflage, Leipzig: Hirzel 1896.

Holbrook Jackson (1874–1948), The Anatomy of Bibliomania, London 1930/31; New edition: London: Faber & Faber 1950; Reprint NY 1978.

Gustav Radbruch / Joseph Braun, Artikel »Buch (Buchrolle) als Attribut«, in: RAC = Reallexikon zur Deutschen Kunstgeschichte, Bd. 2 (1947), Sp. 1339–1343 > http://www.rdklabor.de/w/?oldid=94506

Artikel »Buch« in Reallexikon für Antike und Christentum (RAC), Band 2 (1954), Spalten 664–731: I technisch (Verf.: L. Koep) — II heilig, kultisch (S. Morenz / J. Leipoldt) — III metaphorisch und symbolisch (L. Koep) — IV himmlisch (L. Koep)

Herbert Hunger, Antikes und mittelalterliches Buch- und Schriftwesen, in: Geschichte der Textüberlieferung der antiken und mittelalterl. Literatur, Band I, Zürich: Atlantis 1961, S.25ff.

Rudolf Schenda (1930–2000), Volk ohne Buch. Studien zur Sozialgeschichte der populären Lesestoffe 1770–1910, 3. Auflage: Frankfurt/M.: Klostermann 1988.

Alexander Demandt, Metaphern für Geschichte, München 1978; S. 379ff: Das Buch der Geschichte.

Volker Honemann (1943–2017), Funktionen des Buches in Mittelalter und Früher Neuzeit; in: Medienwissenschaft. Ein Handbuch … hg. Joachim-Felix Leonhard u.a., 1. Teilband, de Gruyter 1999, Artikel Nr. 45 = S. 539–560.

Rosa Micus, „... et secum huc ad monasterium hoc S. Viti in pruel Carthus. Ord. Detulit“. Zu Geschichtsbild und Selbstverständnis bei F. Franciscus Hieremias Grienewaldt [1581–1626; Kaartause Buxheim], in: Analecta Cartusiana 182:1 (2003); S. 129–138. [mikrohistorisch exakte Studie zu Bibliotheken im Kartäuserorden]

Buchkultur im Mittelalter. Schrift – Bild – Kommunikation, hg. von Michael Stolz und Adrian Mettauer, Berlin: de Gruyter 2005.

Romy Günthart, Deutschsprachige Literatur im frühen Basler Buchdruck (ca. 1470 – 1510), Münster: Waxmann 2007 (Studien und Texte zum Mittelalter und zur frühen Neuzeit 11).

Felix Heinzer, Klosterreform und Mittelalterliche Buchkultur im deutschen Südwesten (Mittellateinische Studien und Texte 39), Brill 2008.

Christian Kiening / Martina Stercken (Hg.), SchriftRäume. Dimensionen von Schrift zwischen Mittelalter und Moderne, Zürich: Chronos 2008.

Mona Körte, Essbare Lettern, brennendes Buch: Schriftvernichtung in der Literatur der Neuzeit, Wilhelm Fink Verlag 2011.

Elke Blumenthal / Wolfgang Schmitz (Hgg.), Bibliotheken im Altertum, Wiesbaden 2011 (Wolfenbütteler Schriften zur Geschichte des Buchwesens 45).

Martyn Lyons, Das Buch. Eine illustrierte Geschichte, Hildesheim: Gerstenberg 2012.

Alois Maria Haas, "Buch", in ders., Mystische Denkbilder. Einsiedeln, Freiburg/Br.: Johannes-Verlag 2014, S.152–175; mit vielen weiterführenden Hinweisen

Otto Mazal (1932–2008) Hauptherausgeber: Geschichte der Buchkultur, Graz: Akademische Druck- und Verlagsanstalt
Band 1: Otto Mazal: Griechisch-römische Antike (1999)
Band 2: Christian Gastgeber: Byzanz (in Vorbereitung)
Band 3: Otto Mazal: Frühmittelalter (2005)
Band 4: Andreas Fingernagel: Romanik (2007)
Band 5: Christine Beier: Gotik (2016/2018)
Band 6: Alfred Noe: Renaissance (2007)
Band 7: Christian Gastgeber / Elisabeth Klecker: Barock (2015)

Sammeln, kopieren, verbreiten. Zur Buchkultur der Kartäuser gestern und heute (Kongress 13.–16. Juli 2017 in der Kartause Ittingen), herausgegeben von Sylvain Excoffon und Coralie Zermatten, Saint-Étienne: Centre européen de recherches sur les congrégations et ordres religieux 2018 (Schriftenreihe: Analecta Cartusiana)

Biographien des Buches, herausgegeben von Ulrike Gleixner, Constanze Baum, Jörn Münkner und Hole Rößler, Göttingen: Wallstein Verlag, [2017] (Kulturen des Sammelns 1) — Zusammenfassung > https://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-6616

Websites:

https://de.wikipedia.org/wiki/Bücherverluste_in_der_Spätantike

 

Fragen und Anregungen an:

Vorsicht mit Büchern!

 

Die Sprüche von Walti Reimann auf der Eulen-Tafel der Buchhandlung Hirslanden in Zürich haben Tradition.

Wir warten darauf, was Du Dir mit den Wörtern Kopfzeilen, Kopfschnitt, Fußnoten, Buchrücken ausdenkst! Auf Eselsohren bist Du ja schon gekommen …

Und dann noch dies:

Freund Heins Erscheinungen in Holbeins Manier. Von Johann Karl August Musäus (1735–1787); Stiche von Johann Rudolf Schellenberg (1740–1806), Winterthur: Steiner 1785. (Kupfer gegenüber S. 134)
> http://tinyurl.com/38tddjg
> https://archive.org/details/gri_33125008604502/page/n175