Neuerscheinungen zum Thema Symbolik

 

Othmar KEEL: 700 Skarabäen und Verwandtes aus Palästina / Israel.

Die Sammlung Keel. (Orbis Biblicus et Orientalis / Series Archaeologica, Band 30), Leuven / Paris / Bristol: Peeters, 2020, (319 Seiten).

   

> https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/187056/1/SA39_Keel_799_Skarabaen_FINAL-PDF (246 MegaBytes)


Ringe der Macht / Rings of Power
Internationale Tagung vom 9.–10. November 2018 in Halle (Saale), Tagungsband herausgegeben von Harald Meller, Susanne Kimmig-Völkner und Alfred Reichenberger, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt / Landesmuseum für Vorgeschichte, Verlag Beier & Beran Langenweißbach, 2019, (2 Bände, zus. 620 Seiten).


Alois Maria Haas, Offene Horizonte. Gott – Engel – Mensch

Johannes-Verlag Einsiedeln/Freiburg 2019 (ISBN: 978 3 89411 447 3) — € 14.– / CHF 21.–

Auf hundert Druckseiten entfaltet Alois Haas – in Anbetracht dessen, dass das Christentum immer wieder aufgefordert wird, den Glauben zu überdenken – ein Gespräch über drei grundlegende Probleme. Wie immer nimmt der Verfasser Überlegungen von Autoritäten aus Jahrhunderten ernst und schmettert sie nicht als überholt und museal ab. Denkformen des Neuplatonismus, der Patristik, der Scholastik und der Renaissance sieht er nicht als leere Schablonen, sondern als Ausdrucksmittel, auf die es hinzuhorchen gilt. Alle drei innerlich zusammenhängenden Kapitel entfalten ein Spannungsverhältnis: Mystik und Atheismus (nicht in einem vulgären Sinne) – Engel zwischen Geistigkeit und Körperlichkeit – der Mensch in seiner Mittelstellung zwischen Geistigem und Materiellem.

Aussagen über Gott verneinen kann Ausdruck des Atheismus im Sinne der Leugnung der Existenz Gottes sein – oder aber im Gegenteil ein religiös-ernster Ausdruck davon, dass Gott in menschlicher Sprache nicht bestimmbar ist. Insbesondere dieser zweite Aspekt wird anhand der sog. apophatischen Theologie (besonders bei Dionysius Areopagita und in der mittelalterlichen Mystik) belegt und erörtert. Daran schließt sich ein Exkurs über die Dialektische Theologie an, die der »gottlosen Mystik« (sie wohl missverstehend) nicht gut gesinnt war. Gewürdigt wird sodann die Position des Linguisten und Atheismus-Forschers Fritz Mauthner. »Ziel des ganzen radikalen Nichts-Sagens über Gott ist dessen Überfülle an Sein.« (S.22). – Dazu kommt mir (P.Michel) der Satz von Augustinus in den Sinn: »Si comprehendis non est Deus.« (Sermo 117.3.5.)

Aussagen über Engel (nicht als Thema der Ikonographie oder Religionsgeschichte) werden umso problematischer, je mehr Textquellen man beizieht. Sind Engel Emanationen Gottes oder von Gott erschaffene Wesen? Geistig-unsterblich? Sind sie an einem Ort oder überall-nirgends? (Die vermeintliche Scherzfrage »Wie viele Engel haben auf einer Nadelspitze Platz?« bekommt überraschenderweise weitreichende Dimensionen.) So mündet das Kapitel in einem Exkurs über die Aussage von Porphyrios (Ende 3. Jh.), dass Gott wie eine unendliche Kugel den Mittelpunkt überall und den Umfang nirgends hat.

Aussagen über den Menschen als ein zugleich vernünftiges und leibliches Wesen gibt es seit der paganen und christlichen Antike. Interessant ist hier beispielsweise die Anthropologie des Nemesios von Emesa (um 400 n.Chr.), die Asclepius-Schrift (2./3. Jh.n.Chr.) und Johannes Scottus (9.Jh.). Weil der Mensch als Mikrokosmos geschaffen ist und deshalb die ganze geschaffene Natur in sich enthält, steht er rangmässig höher als die Engel! Die Schrift über die Würde des Menschen von Pico della Mirandola († 1493) kann so in eine Geschichte anthropologischer Entwürfe eingeordnet werden, mit denen immer wieder versucht wurde, die Position des Menschen im Kosmos zu verorten. Statt der Idee einer Mittelstellung zwischen Geist und Materie geistert heutzutage diejenige einer Mittelstellung zwischen Tier und Maschine herum.

Lange überliefertes Gedankengut weiter zu tradieren und deutend zu durchdringen ist erklärtes Ziel des Autors. Allein schon die im Buch zitierten einschlägigen Quellentexte sind eine aspektreiche und anregende Anthologie zu den drei Themen; in den Anmerkungen wird man in ganze Bibliotheken zu den behandelten Themen geführt. — pm 8.12.2019


Petra Barton Sigrist, Denise Frey und Larissa Ullmann:

Die Rosenkranz-Sammlung des Klosters Sießen

https://klostersiessen.omeka.net/


Ursula Ganz-Blättler, Signs of Time. Cumulative Narrative in Broadcast Television Fiction.

Münster/Zürich: LIT-Verlag 2018 (Reihe: Medialität – Crossmedialität. Beiträge zur Fernseh- und Onlineforschung Bd. 4); 352 S., 49.90 € / 49.90 CHF (ISBN 978-3-643-80273-6)

>>> Link zum Verlag

Der in englischer Sprache erschienene Band »Signs of Time« befasst sich mit den Erzählstrukturen US-amerikanischer Fernsehserien in den 80er und 90er Jahren. Das war die Zeit, als das herkömmliche Broadcasting-Konzept (im Sinne einer Ansprache möglichst vieler und unterschiedlicher Publikumssegmente) einer zunehmenden Konzentration auf kleinere und kleinste sogenannte ›Zielpublika‹ Platz machte.

In dieser Übergangsphase vom Broad- zum Narrowcasting entwickelten dramatische Fernsehserien – nicht zuletzt unter ökonomischem Druck – eine doppelte Erzählstruktur. Auf der einen Seite versorgte diese die Gelegenheitszuschauer im Sinne einer ›Laufkundschaft‹ mit altbewährten Genreformeln, während die treueren, beständigeren Zuseher im Sinne einer ›Stammkundschaft‹ mit zunehmend differenziert gezeichneten, ambivalenten und komplexen Serienfiguren rechnen durften.

Am Beispiel des cumulative narrative – einer von den Konventionen der Seifenoper abgeleiteten seriellen Strategie, die vom US-amerikanischen Fernsehwissenschaftler Horace Newcomb erstmals beschrieben wurde – zeigt die Habilitationsschrift von Ursula Ganz-Blättler auf, wie die Entwicklung einer persönlichen ›Geschichte‹ populären Medienfiguren Tiefe und Nahbarkeit verleiht und damit zu höchst vielfältigen Anschlusskommunikationen beiträgt, aber auch zur laufenden Aktualisierung kollektiv bewirtschafteter Erinnerungsbestände in öffentlichen ebenso wie privaten Gedächtnisräumen.

Ursula Ganz-Blättler ist Film- und Fernsehwissenschaftlerin und lehrt Soziologie der Unterhaltung an der Universität St. Gallen. Ihre Interessen liegen im Grenzbereich zwischen Populärkultur, Zeitsystemen und der kollektiven Bewirtschaftung sozialer Gedächtnisse.


Neu im März 2018: Andreas Hebestreit, Drachensaat und Schlangensegen. 30'000 Jahre Symbolpolitik

Format A5 – 125 Seiten – 33 Illustrationen

Klappentext:

Warum ist ausgerechnet die Schlange ein nahezu global verbreitetes Symbol? – Sogar in Gebieten, in denen es nachweislich nie Schlangen gegeben hat. Und vor allem: Warum gilt die Schlange trotz ihres oftmals tödlichen Giftes in vielen Kulturen als heilvoll und glücksbringend? – Die überraschende Antwort: Das bereits seit dem oberen Paläolithikum dokumentierte Schlangensymbol geht ursprünglich nicht auf die zoologischen ›Serpentes‹ zurück, sondern auf ein wellenförmiges Ideogramm mit der Aussage ›Gegenseitigkeit – Reziprozität – Austausch‹.

Besprechung von PD Dr. Marc Winter (Universität Zürich):

»Erzsymbole« — Andreas Hebestreits Annäherung an zwei der Erzsymbole der Menschheit – nämlich die Schlange und der Drachen – argumentiert mit Leidenschaft und Überzeugungskraft für eine letztlich sehr persönliche, auf jeden Fall aber stimmige Interpretation. Wie bereits der Untertitel ›30’000 Jahre Symbolpolitik‹ deutlich macht, bewegt sich diese Interpretation in einem ausserordentlich weit gespannten zeitlichen Rahmen, aber stets mit einem kreativen Blick auf anthropologische Konstanten und unter Miteinbezug der wenigen Zeugnisse aus dieser entfernten Vergangenheit. Ausgehend von seiner Kernthese, dass nicht die Schlange am Ursprung der Symbolik stand, sondern ein Zeichen föderaler Gegenseitigkeit, argumentiert Hebestreit für eine kulturelle Kontinuität durch Zeiten und Räume, die schlüssig und anregend zu lesen ist. Zudem lernt man allerhand grundlegende Mythen verschiedener Völker kennen, was zum Lesevergnügen beiträgt. Schließlich sei auf die Bijoux dieser Publikation hingewiesen: Die Illustrationen – Handzeichnungen des Autors, die teilweise vorhandenes Bildmaterial aufgreifen und neu interpretieren. (Juli 2018)

Bestellen: Gegen Einsendung von CHF 20.– bzw. € 20.– in Banknoten an den Verfasser

Mit genauer Angabe Ihrer eigenen Adresse bekommen Sie das Buch per Post zugesandt (Preis inkl. Porto und Verpackung). – Im Buchhandel vorderhand nicht erhältlich.


Alice Thaler, Die Signatur der Iconologia des Cesare Ripa: Fragmentierung, Sampling und Ambivalenz. Eine hermeneutische Studie.

Basel: Schwabe-Verlag 2018. (229 Seiten, 61 Abbildungen; CHF / € 41.50; ISBN 978-3-7965-3782-0)

Link zum Verlag

C. Ripa, Iconologia, Roma: Lepido Faci 1603: Perfettione


Annemarie Geissler-Kuhn, »Nach dem Probier-Stein der Vernunfft examiniret«.

Popularisierung realkundlichen Wissens in der Buntschriftstellerei der Frühen Neuzeit, (Schriften zur Kulturgeschichte Band 50), Hamburg: Kovač  2018, 590 Seiten; ISBN 978-3-8300-9896-6

>>> Link zum Verlag

Aus dem Klappentext: Diese Studie widmet sich der deutschsprachigen Buntschriftstellerei des 16. bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts. Im Fokus des Interesses steht die Wissensvermittlung auf den Gebieten der Medizin, Naturkunde, Astrologie und Kosmologie. Das Hauptgewicht der Untersuchung liegt bei der Argumentation. Wie wird die Glaubwürdigkeit des kommunizierten Wissens begründet bzw. in Frage gestellt? Prämissen der Argumentation werden aufgedeckt und Quellen aufgespürt, um das Dargebotene innerhalb der zeitgenössischen wissenschaftlichen Diskurse zu verorten. Im Ganzen entsteht in etwa ein Panorama dessen, was interessierte Zeitgenossen von Natur und Welt wissen und was sie über die Probleme, die sich der im Wandel befindlichen Wissenschaft stellten, in Erfahrung bringen konnten. Dieses Panorama hat keineswegs eine eindeutige Kontur, vielmehr offenbart sich ein Nebeneinander unterschiedlicher, nicht miteinander vereinbarer Denkstile und Mentalitäten.

 

Titelkupfer eines der hier besprochenen Werke:  [Johann Michael Schwimmer] Monatliche Nutz-spielende Lust-Fragen Zu Gelehrter und Ungelehrter sonderbarer Ergetzung: Januarius; Jena / Verlegts Johann Bielcke / gedruckt bey Joh. Dav. Werthern [1692].

Mehr zum Thema hier  auf der Website zur Buntschriftstellerei.


Gerald Unterberger: Die Gottheit und der Stier.

Der Stier in Mythos, Märchen, Kult und Brauchtum. Beiträge zur Religionswissenschaft und vergleichenden Mythenforschung, Wien: Praesens-Verlag 2018 (440 Seiten – ISBN 978-3-7069-1005-7).

>>> Link zum Verlag: http://www.praesens.at/praesens2013/?p=6686


Anna Lehninger, Klassiker im Kinder-Bild

Zur Rezeption von Kinderbuchklassikern in Kinder- und Jugendzeichnungen. In: kids+media. Zeitschrift für Kinder- und Jugendmedienforschung, 6. Jahrgang, Heft (2016).

>>> als PDF (3 Megabytes, 76 Seiten) downloaden bei http://www.kids-media.uzh.ch/de/2-2016.html


Wilhelm Durandus (* um 1230, † 1296), »Rationale divinorum officiorum«

Übersetzung und Verzeichnisse von Herbert Douteil CSSp, mit einer Einführung herausgegeben und bearbeitet von Rudolf Suntrup
Münster/Westf.: Aschendorff 2016
(Reihe Liturgiewissenschaftliche Quellen und Forschungen, Band 107)
3 Bände, XLVIII und 1694 Seiten — ISBN 978-3-402-11267-0

Aus dem Verlagsprospekt:

Das Rationale der Gottesdienste, verfasst von dem Kanonisten und Liturgiker Wilhelm Durandus dem Älteren († 1296) und in zwei Fassungen vom Ende des 13. Jahrhunderts überliefert, ist ein hervorragendes Zeugnis der hochmittelalterlichen Papstliturgie, das durch zahlreiche Hinweise auf alternative lokale Liturgieformen ergänzt wird. Zweifellos darf das in acht Bücher gegliederte umfassende Werk als die wichtigste Liturgieerklärung des Mittelalters gelten; sie beschreibt nicht nur die gesamte Liturgie der Zeit – den Kirchenbau, seine Ausstattung und Weihe, die Liturgen und ihre Gewänder, die Messfeier mit ihren komplexen Riten, die Sakramente, das Stundengebet und die Kalenderberechnung – äußerst genau, sondern erweist sich zugleich als eine Fundgrube für eigene und von den Vorgängern (vor allem von Innozenz III.) übernommene allegorische Liturgiedeutungen; deren Methode wurde aus der mittelalterlichen Bibelallegorese abgeleitet und insbesondere auf die gottesdienstlichen Riten übertragen. Zahlreiche Handschriften und Druckausgaben bezeugen die nachhaltige Rezeption des Textes.

Die Edition auf der Grundlage der kritischen Ausgabe von Anselme Davril und Timothy M. Thibodeau (1995-2000) bietet erstmals eine vollständige deutsche Übersetzung aller acht Bücher des Rationale divinorum officiorum. Durch mehrere Verzeichnisse und ein umfangreiches analytisches Sachregister, das die Übersetzung allen an Denken, Gebräuchen, Kunst, Liturgie, Theologie und Volkskunde Interessierten umfassend erschließt, wird die Übersetzung des lateinischen Textes einem weiten Leserkreis leichter benutzbar. 



Clemens Zerling, Orpheus oder die Macht des Urtons. Zwischen Dionysos und Apollon

Synergia Verlag, 2016. 114 S.; Details beim Verlag hier

Clemens Zerling, Auf der Suche nach dem Goldenen Vlies. Mit Iason, den Argonauten und Medeia auf Mysterienfahrt

Synergia Verlag, 2017, 94 S.; Details beim Verlag hier


Spinnenfuss und Krötenbauch. Genese und Symbolik von Kompositwesen.

Herausgegeben von Paul Michel (Schriften zur Symbolforschung Band 16), PANO Verlag Zürich 2013; 469 Seiten und 291 s/w-Abbildungen (ISBN 978-3-290-22021-1) CHF 48,00 · EUR 36,90 · EUA 38,00

Details hier.


Alois Maria Haas, Mystische Denkbilder.

Johannes Verlag Einsiedeln, Freiburg/Br. 2014 (ISBN 978 3 89411 423 7)

Kurze Besprechung hier.


Hans Meierhofer, Welt des tibetischen Buddhismus (2015)

Prospekt als PDF-datei


Christian Doelker: Bild Bildung.

Grundzüge einer Semiotik des Visuellen, (hg. Thomas Hermann, Daniel Ammann, Gestaltung: Team hp Schneider), alataverlag 2014 — ISBN: 978-3-033-04830-0   


Andreas Hebestreit, Im Namen des Wolfs. Über keltische ›rites de passage‹,

 Münster / … / Zürich: LIT Verlag 2013 (Reihe Kulturwissenschaft Band 44).

Wieso waren (bei Kelten und Germanen) Personen- und Volksnamen mit dem Bestandteil ›Wolf‹ so beliebt?  Und was hat das mit der Technik des Flechtens von riesigen (von Caesar als simulacra bezeichneten) Gewölben aus Ruten und der bei den Kelten bedeutsamen Eisen-Technologie zu tun? Und dies wieder mit der Verehrung der keltischen Gottheit, die von den Römern mit Mercurius identifiziert wurde?

Es gab bei den Kelten aggressive Männerbünde, die sich als Gefolgsleute des Wolfs sahen, Treuegemeinschaften, die Neumitglieder nur nach einem Initiationsritus aufnahmen. Dieser Ritus bedeutete ein konkretes In-die-Pflicht-Nehmen, in die Gemeinschaft-Einbinden, bei der der Novize durch einen ›Tod‹ hindurchgehen musste. Sinnenfällig wurde dies durch den Gestus eines Sprungs von hier nach dort drüben – wobei die Selbstpreisgabe des früheren Lebens erst recht deutlich wird, wenn der Sprung besonders abschreckend ist, z.B. als Sprung in einen aufgesperrten Rachen. Im Hintergrund steht der Glaube der Kelten an eine Wiedergeburt, der die kriegerischen Verbände zum Kampf ›bis in den Tod‹ führte.

Ein Nachleben im Mittelalter findet sich u.a. spurenhaft im »Ysengrimus«-Epos (Mitte 12. Jh.), in dem sich womöglich Nachklänge keltischen Brauchtums finden lassen, die satirisch auf das Mönchtum bezogen werden. Trotz aller Adaptationen und Umkrempelungsversuche in der mittelalterlichen kirchlichen Deutung scheint sich der Wolf hartnäckig in der Erinnerung zu halten.

Erst die Zusammenschau verschiedener Disziplinen (Namenkunde – Sozialpsychologie – Ethnologie – Religionsgeschichte – Archäologie – Mythologie – Antikenkunde) erlaubt die vorsichtige Rekonstruktion des Geschehens bei solchen Initiationsriten. Das Ergebnis dieser Rekonstruktion sei in dieser Buchbesprechung nicht verraten, es erschließt sich allmählich im Lauf der Lektüre von »Im Namen des Wolfs«.

Hebestreit entwickelt seine Hypothese als lange Indizienkette, in Einzelschritten, die sich allmählich zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Antike voreingenommen-parteiliche Berichte werden ebenso wie nichtplausible Forschungshypothesen mit einleuchtenden Argumenten angezweifelt. Seite für Seite eine Entdeckung. Ein frisch geschriebener Text, ein bis zum letzten Kapitel spannendes Lesevergnügen (was sich bei wissenschaftlichen Büchern ja nicht immer zwingend einstellt).

Und es muss ja nicht immer der Wolf sein; warum nicht zur Abwechslung der Walfisch ?


Karl Bernhard (und Co-Autoren), Zürcher Mercuriositäten.

Wie Merkur die Limmatstadt beflügelt, Zürich: Orell Füssli 2013. (ISBN: 978-3-280-05503-8) CHF 29,50

Für die Symbolforschung ist besonders interessant der Artikel von Virgilio Masciadri: Hermes – Ein vielgestaltiger Gott der Antike (S.169–195) und die Thematik der Rezeption dieser viel-aspektigen mythologischen Gestalt im Lauf der Geschichte bis in die Gegenwart. – Prospekt hier


Christa Sütterlin: Urbilder, Suchbilder, Trugbilder.

Inszenierungen und Rituale des Sehens. Kunst zwischen Kultur und Evolution, Frankfurt/M. u.a.: Lang 2013 (Historisch-anthropologische Studien, Band 26)


Handbuch der politischen Ikonographie

hg. Uwe Fleckner / Martin Warnke / Hendrik Ziegler, München: Beck 2011. (2 Bände)

Dieses von 90 Autoren verfasste Lexikon führt in 141 Beiträgen und 1200 Abbildungen vor, wie von der Antike bis in die Gegenwart Symbole für Ereignisse, politische Ideale und Institutionen verwendet und wie sie im Laufe der Geschichte abgewandelt wurden. Es wird gezeigt, wie das politische Leben in verschiedenen Medien (Gemälde, Denkmäler, Flugschriften, Plakate, Pressephotos, Fernsehbilder, Erzählungen, Metaphern, Allegorien, Rituale, Landkarten, Karikaturen) dargestellt, gedeutet, diffamiert oder legitimiert wurde.

Die Bildquellen bestreichen einen Zeitraum von der Antike (z. B. der Titusbogen) über das Mittelalter (Tapisserien) und die Renaissance (Cesare Ripa) und das Barock (Versailles) und das 19. Jh. und das Dritte Reich bis in die jüngste Gegenwart (Spiegel-Titelseiten). Die dabei zutage tretenden historischen Kontinuitäten sind überraschend. Die Verfasser haben sich bei ihren aspektreichen und horizont-öffnenden Interpretationen methodologische Zurückhaltung und stilistische Zucht auferlegt, was der Sache dienlich ist.

Die einzelnen Artikel gehen teils von Bildspendern bzw. Zeichenträgern (Beispiel: leerer Thron, Hand in der Weste) aus, teils von Konzepten, die mit verschiedenen Symbolen zum Ausdruck gebracht werden (Beispiele: Aufklärung, Fortschritt, Rebellion), teils von den transportierenden Medien (Beispiele: Flugblatt, Denkmal).

Rezension:  H-Soz-u-Kult


 

Anette Syndikus, Christliche Naturdeutungen und neuplatonisch-hermetische Traditionen. Stationen einer Vorgeschichte des literarischen "Symbols" in der Frühen Neuzeit, Diss. Gießen 2005; Als e-Text publiziert 2012.

Die Arbeit entstand im Rahmen des SFB 434 »Erinnerungskulturen« an der JLU Gießen und des SFB 573 »Pluralisierung und Autorität in der Frühen Neuzeit« an der LMU München. – Zusammenfassung und Link zum Download hier. 

Handbuch der Farbenbedeutung im Mittelalter

Christel Meier-Staubach / Rudolf Suntrup, Handbuch der Farbenbedeutung im Mittelalter.

1. Teil: Historische und systematische Grundzüge der Farbendeutung

2. Teil: Lexikon der allegorischen Farbendeutung.

Köln Böhlau 2012 (Pictura et Poesis 30) (ISBN 978-3-412-20558-4) --- Voraus-Version als CD-ROM, Köln: Böhlau 2011 (ISBN 978-3-412-20560-7)


 

Gerald Unterberger: »Der Stier mit der Weltsäule. Ein archaisches Mythenbild vom Bau der Welt«, Wien: Praesens Verlag 2011.

G. Unterberger, Ethnologe und Afrikanist, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit historischer Mythen- und Symbolforschung. Er beschreibt den ›weltsäulenhaften Stier‹ als ein im Glauben der Völker heilig verehrtes Rind, das eine Säule auf seinem Rücken trägt, die den Himmel stützt. Die ›stierhafte Weltsäule‹, ein Pfeiler mit aufgesetzten Stierhörnern, war ein weit verbreitetes Kultobjekt, das wahrscheinlich den gleichen mythischen Sinn besaß: nämlich den Himmel zu tragen.

Dagmar Schmauks, Denkdiäten, Flachflieger und geistige Stromsparlampen.

Die kognitive Struktur von Redewendungen zur Dummheit, Aachen: Shaker 2009.

Waschzettel und Cover als PDF-Datei hier


Günter Butzer / Joachim Jacob (Hgg.), Metzler Lexikon literarischer Symbole,

Stuttgart: Metzler 2008. (Umfang: XXVI + 443 S. – ISBN: 978-3-476-02131-1)

Bepsprechung (PDF-Datei)


 

Sascha Demarmels, »Ja. Nein. Schweiz.« Schweizer Abstimmungsplakate im 20. Jahrhundert, Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft  2009 (ISBN: 978-3-86764-158-6).

S. Demarmels hat in Band 15: Unmitte(i)lbarkeit. Gestaltungen und Lesbarkeit von Emotionen ihre Dissertation vorgestellt. 


Paul Michel, Physikotheologie

Ursprünge, Leistung und Niedergang einer Denkform (= Neujahrsblatt auf das Jahr 2008, hg. von der Gelehrten Gesellschaft in Zürich), Zürich 2008.
212 Seiten + 13 Abildungen

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