Kleine Symboliken des Alltags

An dieser Stelle sammeln wir kollaborativ Skizzen zum Thema  »Kleine Symboliken des Alltags«.

Wer beitragen möchte, schickt ein Mail an

 


Leere Fläche oder Kunst?

Das Giebeldreieck über dem Haupteingang des Bundeshauses in Bern soll mit einem zeitgenössischen Kunstwerk verziert werden:

Hans Wilhelm Auer (1847–1906), Architekt des 1902 eingeweihten Bundeshauses, liess das Tympanon ganz bewusst leer. Er meinte dazu 1885: » … doch scheint uns, müsste dann das Tympanon frei bleiben, denn darin liegt ja die Wirkung des Giebels: in dem Dreieck zwischen den ansteigenden Dachlinien und dem horizontalen Gesims – der freien Denkerstirne, die ins Weite schaut.« (Zitat im Tages Anzeiger Zürich, 8. Februar 2021)

Ins Dreieck so wie zur Eydgnossenschafft passend wäre die Szene vom Apfelschuss des Wilhlem Tell auf der Luzerner Kapellbrücke (Originale ab 1614; die lithograph Abbildung 1828 erschienen):

Aber wie den Maler Hans Heinrich Wägmann (1535–1628) und den Lithographen Philipp Jakob Schwegler (1793–1866) bezahlen?
Wir sind gespannt. {PM, März 2021}

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Die Impf-Gegner

Der Arzt Edward Anthony Jenner (1749–1823) entwickelte Ende des 18.Jhs. die Schutzimpfung gegen Pocken.

Erstmals scheinen im 16. Jahrhundert Chinesen die Skarifikation mit dem Abstrich von Kuhpocken-Bläschen praktiziert zu haben. Zwischen 1716 und 1718 muss Lady Montagu – die Gattin den britischen Gesandten in Istanbul und Schöpferin der “blue stockings” – davon gehört und in England Impfpropaganda gemacht haben.

Dr. Edward Jenner, Landarzt in Berkeley/Gloucestershire, führte das Experimentum crucis durch, entnahm Kuhpocken/cowpox-Bläschenmaterial beim Milchmädchen Sarah Nelmes, übertrug dieses auf den Arm eines Buben namens James Phipps (variolation, vaccination) und machte ihn resistent gegenüber dem menschlichen Pockenvirus/smallpox. Er publizierte seine Resultate 1798 unter dem Titel »An Inquiry into the Causes and Effects of the Variolae Vacciniae«.

Sofort zeichnet James Gillray (1757–1815) eine Karikatur: »The cow pock–or–the wonderful effects of the new inoculation!« (1802):

> https://en.wikipedia.org/wiki/File:The_cow_pock.jpg

Das Bild im Hintergrund zeigt den Tanz um das goldenen Kalb! (2.Mos.32)

Die Etymologie von engl. vaccination: von lateinisch vaccinus "zur Kuh gehörig"; und daher hatte Dr. Jenner ja auch den Virus!

(Dank an Dr.med. Peter M. in W.)

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Wahl des »Aufschreibsystems«

Kann man einen Kondolationsbrief zu einem Todesfall per E-Mail senden? Kann man einem Freund per SMS zum Geburtstag gratulieren? Kann man sich per Telefon um eine Stelle bewerben? 

(Eingesandt von P. M. aus Z. am 13.6.2011)


Von Superhelden empfohlen.

Die Firma Mojo AG (CH-4532 Feldbrunnen, Schweiz) führt die neue Getränke-Generation mit einem Plakat ein, das man sich unter http://www.mojo-drink.ch/media/Mojo_kampagne2011.pdf herunterladen kann.

   

Dem Kenner ist der intertextuelle Bezug zu Superman sofort deutlich (Quelle des Bildes: http://images.wikia.com/superman/images/d/df/Superman_Man_of_Steel_1.jpg). Insinuiert wird, dass Mojo solche Kräfte verleiht.

(Eingesandt von ppm; f25 am 19.06.11)

 


Freund Hein

Harald Naegeli – der "Sprayer von Zürich" – hat Freund Hein hier passend zur pandemischen Situation im ersten Halbjahr 2020 so dargestellt, dass der Arm mit der Sense beinahe so aussieht wie ein Fledermaus-Flügel. (Viren vom Typ SARS-CoV-2 wurden bereits 2008 in chinesischen Fledermäusen gefunden; vielleicht sind sie von dort auf den Menschen übersprungen, eine Zoonose.)

Am Limmatquai in Zürich, vis-à-vis Helmhaus, am Aufgang zum Grossmünster, aufgenommen am 15.Juni 2020 von PM.

Die Sense in der Hand der personifizierten Todes hat eine lange Tradition:

Jeremias 9,22: Die Leichname der Menschen werden fallen wie Dünger auf dem freien Feld und wie Garben hinter dem Schnitter, die niemand sammelt.
(Übers.: https://www.schlachterbibel.de/de/bibel/jeremia/9/)

Johannes von Tepl, Der Ackermann aus Böhmen:

Johannes von Tepl, Ackermann von Böhmen, Druck: Bamberg, Albrecht Pfister, ca. 1463
Digitalisat > https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k1517627j/f27.item

Das XVI. capitel. [Der Tod spricht:] Du fragest, wer wir sein. Wir sein gotes hantgezeuge, herre Tot, ein rechte wurkender meder [Mähnder]. Vnser segens [Sense] geet vur sich. Weiß, swarz, rot, braun, grun, blaw, graw, gel vnd allerlei glanzes blumen vnde gras hewet sie vur sich nider, ires glanzes, irer kraft, irer tugent nicht geachtet.

Text > https://www.hs-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/15Jh/Tepl/tep_tod.html

Achim von Arnim / Clemens Brentano: Des Knaben Wunderhorn

Es ist ein Schnitter, der heißt Tod,
[…]
Hüte dich schöns Blümelein!
Was heut noch grün und frisch da steht,
Wird morgen schon hinweggemäht.

Ganzer Text > http://www.zeno.org/nid/20004464214


Unterthänigster Diener

Um das ständische Gefälle zwischen dem adligen Widmungsträger und dem bürgerlichen Verfasser auszudrücken, verwendete man einst verschieden große Schrift. Auch in der Alten Eidgenossenschaft war das gebräuchlich, wie das Beispiel aus einer 1755/57 in Zürich gedruckten Bibel zeigt.

  

(eingesandt von p.pichelmeyer 22.10.11)


Semiotische Umnutzung



Die Verkehrssignale werden hier aufgrund ihrer äusseren Form neu genutzt. Wie funktioniert das semiotisch ?

(eingesandt von paul pierre 28.09.11)


ICHTHYS

Der Schweizer SP-Nationalrat und Gewerkschafter Ph. H. trägt seine fromme Gesinnung mit einem roten Fisch-Pin zur Schau. Das sei für ihn »ein Bekenntnis, dass ich jemand bin, für den Jesus wichtig ist«, betont er gegenüber 20 Minuten Online <Zugriff: 20.1.2012>. – Der Fisch ist ein altes christliches Symbol. Die Buchstaben, die das griechische Wort für Fisch – IΧΘΥΣ – bilden, lassen sich als Akrostichon eines Glaubensbekenntnisses lesen: »Jesus Christus, Theoú (Gottes) Hyiós (Sohn) Sōtér (Erlöser)«. Möglicherweise haben die verfolgten Christen in den ersten Jahrhunderten den Fisch als Erkennungszeichen benutzt. Vgl. den Aufsatz von Alois M. Haas in: Tiersymbolik, Schriften zur Symbolforschung, Bern 1991.  S.77ff.

(PM 20.1.12)


Von Griffeln seiner Schüler erstochen

 

Sie finden diesen Kupferstich aus dem Ende des 17. Jhs.: Da wird ein Mann von einer Horde von Schülern (erkennbar an den Schreib-Tafeln und Büchern, die sie mittragen) gepeinigt, ja sie erstechen ihn geradezu mit ihren Griffeln. Welcher Heiliger ist das?

Sehr empfehlenswert für solche Recherchen ist das http://www.heiligenlexikon.de/Patronate/Attribute.htm, wo man unter dem Attribut ›Griffel‹ sofort fündig wird. Der Mann erlitt sein Martyrium um 304 und wurde später zum Patron der Stenographen und Lehrer. Nicht aktuell?

(PM; das Bild ist gemeinfrei.)


Public knitting

Was wird wohl symbolisch ausgedrückt, wenn ein beliebiger Gegenstand in unseren Städten ›bestrickt‹ wird?  (Gesehen an der Kirchgasse in Zürich, 4. Okt. 2011; Foto PM)


Warum trägt der Papst rote Schuhe?

Dazu gibt es im WWWeb reichhaltige Auskünfte; am besten in der Sammlung Philippi. Der Schuhmacher heisst übrigens Adriano Stefanelli.

 


Dienstsignale des Postillions

 

Ähnlich: die Jagdhornsignale , zum Beispiel »Sau tot«.

(PM)


Damen oder Herren?

In der WC-Anlage des Leuchtturmuseums von Cascais (Protugal) bin ich diesen Piktogrammen begegnet. Durch welche Tür wären Sie eingetreten, mein Herr / meine Dame?

Abgezeichnet und eingesandt von R. Sch. aus Z.  (August 2012)


Damit Unfälle nicht zum Horror werden

Die Schweizerische Unfallversicherung SUVA mahnte 2005 mit einem Plakat Velofahrer, sie sollten einen Helm tragen:

Das Aussehen des Helms (mit Luftschlitzen) soll an die Hauptbösewichte des Horrorfilms »Scream« erinnern, die sich sich  als »Ghostface« verkleiden und diese Maske tragen:

Und diese Masken sollen am Edvard Munchs »Schrei« erinnern:

Tragen Sie jetzt einen Helm beim Radeln?

(Eingesandt von J.H. aus T.)


Schwimmtest bestanden?

Aus: http://www.swimsports.ch/de/testwesen/

Wie ist aufgrund der ›symbolischen‹ Wassertiere eine Hierarchie zu erkennen? Krebs kommt vor Seepferd und dieses vor Frosch (eine Frechheit gegenüber den Seepferdchen) und schliesslich der Pinguin. Es folgen Oktopus, Krokodil und Eisbär. Letzterer heisst ja Ursus Marinus und kann bis 150 km durchs Wasser paddeln. Natürlich ist das für den Oktopus eine Frechheit, aber die Wirbellosen, mit denen kann man's ja machen.

(Eingesandt von M.W. aus Z. am 14.11.13)


Madame Saucisson

Lieber Thomas Neuwirth

Es ist ganz toll, wie Du die Idee von François Rabelais († 1553; Text) und André Derain (1880–1954; Farbholzschnitte) wieder belebst mit Deiner "Conchita Wurst". Eine ähnliche Gestalt kannten die schon. Schulterzuckend scheint sie zu sagen "et alors?"

Rabelais  / André Derain: Les Horribles et Espovantables Faictz et Prouesses du Très Renommé Pantagruel, Roy des Dipsodes, fils du Grand Géant Gargantua, Paris 1943 und Reprint.

Und dazu der Artikel von Ursula Ganz-Blättler: »Beim Barte der Aphrodite« (NZZ 12. August 2014)

vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Conchita_Wurst

(Eingesandt von polomi)

 


Love padlocks


Pärchen schwören sich ewige Liebe, indem sie ihre Namen auf ein Vorhänge-Schloss schreiben oder gar gravieren lassen, dieses an einem Brückengeländer o.ä. befestigen und den Schlüssel in den darunter fließenden Fluss werfen. – Ein junger Brauch, der gleich mit zwei Symboliken (Brücke, Schloss) spielt.

Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Liebesschloss

 

Aufnahme aus Florenz (Herbst 2014), etwas weiter rechts führt der Ponte Vecchio über den Arno. (PM)

Anfang September 2015 wurde damit begonnen, Paris von einer Million Liebesschlösser zu befreien – aus Sorge, der Pont des Arts könnte unter den mittlerweile 45 Tonnen zusammenbrechen. 


Was gilt?

Liebe Stadtpolizei Zürich

Was gilt nun: »Lächeln generell verboten« oder »Freundlich kommt man besser an«?

Aktion im November/Dezember 2015, fotografiert von PM in Z.

 


Destroyed Denim

Vgl. den Artikel im Tages-Anzeiger Zürich und den Blog am 14.6.2016 hierzu.

Menschen aus der 3. Welt gehen in Fetzen, und die dekadenten Jungen hierzulande kaufen freiwillig zu "überrissenen" Preisen solche Jeans mit künstlich hergestellten Löchern. Symbolik?

Im 16. Jahrhundert hatte der Scharfrichter solche Hosen an!

Romische Historie / Uß Tito Livio gezogen, Mainz bei Johann Schöffer 1505, Fol. XVIII recto


Vorsicht: Diebe

Auf dieser Warntafel wird sprachunabhängig eine Situation gezeigt, das Konzentrat einer kleinen Geschichte:

Die Bösewichter sind rot eingefärbt; der Dieb hat die Augenbinde der Panzerknackerbande > http://www.duckipedia.de/index.php5?title=Panzerknacker

Gefunden hat das Schild R.G. im Bahnhof Milano. (Eingestellt am 28.7.2016)


Wann beginnt die Woche?

Auf meinem Smartphone kann ich wählen, wann die Woche beginnen soll. Politically correct – für gewisse Religionsgemeinschaften ist es freilich entscheidender, wann sie mit dem Feiertag aufhört: mit dem Sabbat oder dem Sonntag. Vgl. dazu http://www.sabbat.at/p_der_wechsel.shtml


Frakturschrift ade

Hat der neue Wirt hier die alte Schrift entfernt, weil im Wort Restaurant das S falsch war? (Geschweiftes s statt dem in der Ligatur st zu erwartenden langen ſ ) – oder vielmehr weil diese dämliche Frakturschrift im Ruch des Altmodischen steht? 


 


Politically correct


Bei den Emoticons kann/soll man neuerdings die Hautfarbe wählen. Die Botschaft (hier: ›ist ok.‹) ist aber dieselbe, oder? Die Handgesten bedeuten nicht in jeder Kultur dasselbe....

Von iPhone von SM in Z.

Mehr zum Thema Hand hier.


Kastanien braten

Die Castanien-Brätin

In Stacheln wohnt gedult und in ihr Gottes Huld.

Nach Ausführungen über den Nutzen der Kastanien als Nahrungsmittel folgt plötzlich ein moralisierender Abschnitt:

Die Castanien/ wann sie im Feuer seyn/ schnaltzen sie und praesentiren [symbolisieren] das Hertz eines Christen/ der in allen Trübseligkeiten/ Creutz und Leiden die Frölichkeit spühren lassen solle/ und gleichsam einen Tantz anstellet.

Der Text geht dann noch mehrere Seiten recht assoziativ weiter... Man lese selbst > https://archive.org/stream/bub_gb_us-U-DNTXUcC#page/n202/mode/1up

Eingesandt von: Abraham a Sancta Clara, Etwas für Alle/ Das ist: Eine kurtze Beschreibung allerley Stands- Ambts- Gewerbs-Persohnen/ Mit beygedruckter Sittlichen Lehre und Biblischen CONCEPTEN, Durch welche der Fromme mit gebührendem Lob hervor gestrichen/ der Tadelhaffte aber mit einer maässigen Ermahnung nicht verschonet wird; Anderer Theil/ Allen und Jeden heilsamb und leitsamb/ auch so gar nicht ohndienlich denen Predigern/ Definitiorem und Provincialem. Verlegt und mit Kupffern vermengt Durch Christoph Weigeln/ Kupfferstechern und Kunsthändlern in Nürnberg/ gegen der Kayserl. Reichs-Post über zu finden, Würzburg: Martin Frantz Hertz für Christoph Weigel, 1711.

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vesica piscis?

Die Verkehrsbetriebe einer großen Stadt in der Schweiz haben die Tramlinie 8 verlängert, die nun über den Stadtkreis 4 hinaus auch in den Kreis 5 fährt. Der Slogan »Für immer verbunden« bringt die Graphiker auf die Idee, die Ziffer 8 liegend als Unendlichkeitszeichen ∞ darzustellen – oder als das Zeichen für eine eheliche Verbindung: ⚭?

Symbolisch hübsch, aber die Straßenbahn kommt auf diesem Gleis nie und nimmer in den Kreis 5.

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Wozu bekamen die Saurier Flügel?

Wozu haben Dinosaurier Flügel entwickelt? Wohl nicht zuerst zum Fliegen. Fossile Funde legen nahe, dass sie mit ihrem Federkranz zuerst das andere Geschlecht zur Paarung einluden oder die schlüpfenden Nachkommen mit ihren Schmuckfedern schützten. Fossiler Zeuge für diese Hypothese ist Ornithomimus edmontonicus, ein zweibeiniger Dinosaurier, der ähnlich wie ein Strauß aussah und dessen Name so viel bedeutet wie Vogelnachahmer. Dass er Federn besessen hat, haben Darla Zelenitsky von der Universität Calgary und ihre Kollegen 2012 nachgewiesen (Science, Bd. 338, S. 510).

Interessant, dass die Symbolik der Kommunikation vor dem pragmatischen Verwendungszweck kommt...

> http://www.ucalgary.ca/drg/

> http://www.sciencemag.org/content/338/6106/510

> http://www.farbimpulse.de/Die-bunte-Welt-der-Dinosaurier.dinofarben.0.html

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Bildformat 9 mal 16

Fernsehbilder, DVDs und Powerpoint-"Folien" haben heutzutage das Bildformat 16:9. (Das ist bei der Projektion von hochformatigen Bildern optimal !). Woher eigentlich diese Maß-Zahlen? Das Format 3 x 4 geht wohl zrück auf Oskar Barnack, der 1914 für die erste Leitz-Kamera die Bilder auf 24 x 36 mm formatierte.

17:9 wäre symbolisch, deshalb:

Die Symbolzahl 153:

Die Zahl ist eine mathematische Delikatesse; ein sog. "Strudel".

153 ist die Summe der Kuben ihrer Ziffern: d.h. die 3.Potenzen ihrer einzelnen Ziffern ergibt wieder 153: 1*1*1 + 5*5*5 + 3*3*3 = 1+125+27 = 153. (Wenn man die Zahl mit römischen Ziffern schreibt: C—L—III, geht es auch.)

153 ist auch gleich der Summe der Summanden von 1 bis 17 ist (153 = 1 + 2 +3 + … + 17).

153 ist eine "Dreieckszahl".

Nach der Auferstehung erscheint Jesus den Jüngern, die am See Tiberias fischen, aber nichts gefangen haben. Auf das Geheiß Jesu werfen sie das Netz erneut aus und fangen 153 Fische (Johannes-Evg. 21,11): »Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.«

Die Zahl 153 ist bei den Kirchenvätern Anlass vieler Deutungen. Vgl. Heinz Meyer / Rudolf Suntrup, Lexikon der mittelalterlichen Zahlenbedeutungen, (Münstersche Mittelalter-Schriften 56), München: Fink 1987, S. 814ff. Augustinus (354–430), Vorträge über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium), 122. Vortrag, ¶ 8–9 (deutsche Übersetzung >>> hier)

Die Zahl 17 wird ihrerseits zerlegt in 10 (zehn Gebote ≈ das AT Gesetz) und 7 (sieben Gaben des hl. Geistes [nach Jes. 11] ≈ die NT Gnade); mandata Dei per gratiam impleri intelligitur in numero piscium captorum (Augustinus). Die 7 kann auch für die Anzahl der Schöpfungstage stehen. — Die Zahl 9 ist wegen der darin implizierten Trinität bedeutsam.

153 = 9 mal 17

Die nach 1113 entstandene romanische Kassettendecke in Zillis (Graubünden) enthält 9 Felder auf der Schmalseite und 17 Felder auf der Längsseite, also 9 x 17 = 153 Felder. Damit ist die ganze Welt umschrieben. Vgl. Diether Rudloff u.a., Zillis. Die romanische Bilderdecke der Kirche St. Martin, Basel: Heman 1989.

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