Tiere in der Mythologie

 

Heidnisch-antike Mythologie

..... das kann man sich einfach machen, indem man auf die vorzügliche Website The Theoi Project (Greek Mythology) created and edited by Aaron J. Atsma, Auckland, New Zealand verweist:

http://www.theoi.com/greek-mythology/bestiary.html

Hier sind die Tiere alphabetisch aufgelistet.


Beispiel: Der Wolf --- nicht nur in der Antike!

 

••• In Lumbrein (Lugnez-Tal, einmündend bei Ilanz) ist derzeit eine von Gabriele Lutz kuratierte Ausstellug zu sehen:

»Il luf el visier del art« – »Der Wolf im Visier der Kunst«

Der Wolf ist in unsere Täler zurückgekehrt. Wie gehen die Menschen als direkt Betroffene damit um? Wie können weniger Betroffene für die Situation sensibilisiert werden? Diese hochaktuellen Fragen erfordern praktische und politische Antworten, aber auch kulturelle Überlegungen. Denn Kunst und Kultur können in diesem Spannungsfeld als Brückenbauer fungieren und Raum für Reflexion und Austausch schaffen. Die Ausstellung richtet den Fokus auf den Wolf in der historischen und in der zeitgenössischen Kunst. Schweizer Kunstschaffende haben sich seit der Rückkehr des Beutegreifers vermehrt mit ihm auseinandergesetzt. Reflektieren ihre Werke aber auch den öffentlichen Diskurs? Die Kunstausstellung lässt die unmittelbar betroffene Bevölkerung zu Wort kommen und integriert ihre Reaktionen und Kommentare.

3. Juli 2021 bis 30. Oktober 2021 und 28. Dezember 2021 bis 19. März 2022

Die Öffnungszeiten auf der Homepage:

https://culturalumnezia.ch/category/casa-dangel/

https://www.graubuenden.ch/de/veranstaltungen/aussstellung-wolf-visier-kunst-lumbrein

Johann Elias Ridinger (1698–1767): Entwurff Einiger Thiere. Wie solche nach ihren unterschiedlichen Arten/ Actionen und Leidenschafften, nach dem Leben gezeichnet, samt beygefügten Anmerckungen. Vierter Theil, Augsburg 1740, Tafel 68.

Dieser Geselle ist dem vorigen [dem Luchs] in vielem gleich/ und wegen unersättlicher Begierde des Frasses noch schlimmer; er ist nicht gewohnet von der Mahlzeit zu gehen/ er habe dann alles aufgezehret; dieses machet/ daß er wo möglich seinen gefräßigen Magen täglich wieder zu füllen trachtet. Ich habe hier vorgestellet/ wie der vom Hunger getriben herum trabet. N. 68 [dort die Bildunterschrift: Ein umher streichender Wolff]

> https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb00073479


••• Andreas Hebestreit, Im Namen des Wolfs. Über keltische ›rites de passage‹, Münster / … / Zürich: LIT Verlag 2013 (Reihe Kulturwissenschaft Band 44).

••• Der Wolf auf der Homepage von Ralph Häussler (2018) :

> https://ralphhaussler.weebly.com/wolf-deities-and-myths.html


Beispiel: Der Schwan

Hier sind mehrere Gestalten und ihre Geschichten zu unterscheiden, vgl. die Aufstellung hier > https://en.wikipedia.org/wiki/Cycnus — Einige sind in die gleichnamigen Tiere verwandelt worden.

••• Cygnus

Cygnus / Cycnus, König der Ligurier – mit einer anmutigen Stimme begabt – ist aus Kummer über den Sturz seines Verwandten Phaëton in einen Schwan verwandelt worden, der Teiche Seen, Flüsse aufsucht, weil er sich vor dem Feuer fürchtet, das Phaëton zu Fall gebracht hat. – Sterbend singt er noch Trauergesänge.

Ovid, Metamorphosen 2, 367–380

Kupfer von Hendrick Goltzius 1589 (Ausschnitt) bei https://artsandculture.google.com/

Zum Schwanengesang: Aelian, hist. animal. 5,34 und mehrere andere Autoren.

••• Cygnus

Der von Phylios umschwärmte, ihn aber zurückweisende Cygnus stürzt sich von einem Felsen und wird dabei in einen Schwan verwandelt

Ovid, Metamorphosen 7, 371–381 (olor)

Metamorphoseon sive transformationum Ovidianarum libri quindecim, aeneis formis ab Antonio Tempesta florentini incisi et in pictorum antiquistatisque studiosorum gratiam nunc primum exquisitissimis sumptibus a Petro de Iode Antverpiano in lucem editi Aº 1606.

Links unten im Bild die von Ovid auch erwähnte Mutter Hyrie, die in Tränen zerfließt und so in einen See verwandelt wird…

••• Kyknos

Cygnus, ein Sohn Neptuns, Trojaner, Gegner Achills im Trojanischen Krieg. Den Zweikampf schildert Ovid, Metamorphosen 12, 72–145.

Bei seinem Tod: Corpus deus aequoris albam | contulit in volucrem, cuius modo nomen habet — den Leib verwandelte der Gott des Meers in den weißen Vogel, dessen Namen er eben noch getragen hatte (144f.)

Nicht signiertes Kupfer aus: Les Metamorphoses d’Ovide. De nouueau traduites en françois, Et enrichies de figures chacune seolon son subiect. […]. A Paris Chez la veufe M. Guillemot... 1622; II, p. 221.

••• Jupiter als Schwan und Nemesis

Eine Visualisierung des Sternbilds mit zugehörigem Text aus Hyginus, Poeticon Astronomicon, Venedig: Ratoldt 1482 sieht so aus:

> http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0005/bsb00054123/images

Ein Codex aus dem 9./11 Jh. enthält 22 solche Figuren, in denen das Bild als Text gestaltet ist:

British Library, Harley MS 647, fol. 5v
> http://www.bl.uk/manuscripts/FullDisplay.aspx?ref=harley_ms_647

Die Figur ist mit dem Text gestaltet, der entnommen ist Hygin, De Astronomia II, viii.

OLOR. Hunc Graeci cygnum appellant; quem conplures, propter ignotam illis historiam, communi genere avium ornin appellaverunt. De quo haec memoriae prodi est causa. Iuppiter cum, amore inductus, Nemesin diligere coepisset neque ab ea ut secum concumberet impetrare potuisset, hac cogitatione amore est liberatus. Iubet enim Venerem aquilae simulatam se sequi; ipse in olorem conversus ut aquilam fugiens ad Nemesin confugit et in eius gremio se collocavit. Quem Nemesis non aspernata, amplexum tenens somno est consopita; quam dormientem Iuppiter compressit. Ipse autem avolavit, et quod ab hominibus alte volans caelo videbatur, inter sidera dictus est esse constitutus. Quod ne falsum diceretur, Iuppiter e facto eum volantem et aquilam consequentem locavit in mundo. Nemesis autem, ut quae avium generi esset iuncta, mensibus actis, ovum procreavit. Quod Mercurius auferens detulit Spartam et Ledae sedenti in gremium proiecit; eo quo nascitur Helena, ceteras specie corporis praestans, quam Leda suam filiam nominavit. Alii autem cum Leda Iovem concubuisse in olorem conversum dixerunt; de quo in medio relinquemus.

(Hier in der modernen Ausgabe > https://www.thelatinlibrary.com/hyginus/hyginus2.shtml)

Deutsche Übersetzung von Jürgen Wüllrich, Hyginus. Von der Astronomie, BoD 2009:
Die Griechen nennen ihn Kyknos, doch einige kennen seine Geschichte nicht und nennen ihn wie mit dem Oberbegriff für Vögel Ornis. Seine Geschichte ist aus dem folgenden Grund überliefert.
Jupiter verliebt sich in Nemesis und begann ihr nachzustellen, aber er hatte bei ihr keinen Erfolg mit seinem Wunsch, dass sie mit ihm schlief. Da dachte er sich etwas aus, um seine Leidenschaft zu stillen. Er befahl Venus, ihn in der Form eines Adlers zu verfolgen.
Er selbst nahm die Gestalt eines Schwans an und tat so, als flöhe er vor dem Adler und suchte bei Nemesis Unterschlupf, in deren Schoß er sich niederließ. Nemesis war dies nicht unrecht, sie umarmte ihn und schlummerte wie betäubt rasch ein. Kaum schlief Sie, da schwängerte sie Jupiter.
Dann flog er auf, und die Menschen sahen ihn so hoch am Himmel fliegen, dass sie sagten, der Schwan sei unter die Sterne gekommen. Um sie nicht Lügen zu strafen, stellte Jupiter danach den fliehenden Schwan und den nachsetzenden Adler ans Himmelsgewölbe.
Weil sich Nemesis jedoch mit einer Vogelart verbunden hatte, kam sie nach den Monaten der Schwangerschaft mit einem Ei nieder. Dieses Ei entwendete Merkur, brachte es nach Sparta und warf es Leda in den Schoß. Daraus wurde Helena geboren, die alle anderen an körperlicher Schönheit übertraf. Leda nannte sie ihre eigene Tochter. Andere berichteten jedoch, dass es Leda war, mit der Jupiter als Schwan verwandelt schlief. Dies lassen wir dahingestellt.

Unter dem Bild-Text steht in normaler Schreibung der entsprechende Text aus Cicero, Aratea:

Namque est Ales avis lato sub tegmine caeli
Quae volat et serpens geminis secat aera pennis.
Altera pars huic obscura est et luminis expers,
Altera nec parvis nec claris lucibus ardet,
Sed mediocre iacit quatiens e corpore lumen.
Haec dextram Cephei dextro pede pellere palmam
Gestit; iam vero clinata est ungula vemens
Fortis Equi propter pennati corporis alam.

Cicéron, Aratea, Fragments poétiques. Texte établi et traduit par Jean Soubiran, Paris: Les Belles Lettres, 1972, p. 169 = 47ff. (275ff.).

Literatur zu den Figurentexten mit vielen weiteren Beispielen bis in die Moderne: Jeremy Adler / Ulrich Ernst: Text als Figur. Visuelle Poesie von der Antike zur Moderne, Weinheim 1987 (Ausstellungskataloge der Herzog August Bibliothek 56).

Euhemeristische Deutung des Mythos:

»Zeus täuschte Nemesis, die Göttin des peloponnesischen Schwanenkults [Quelle???]. Dieser Mythos scheint sich auf den Einfall hellenischer Krieger in Kreta oder in die pelasgischen Städte zu beziehen. Anfangs huldigten die Eindringlinge der Großen Göttin und versorgten ihre Priesterinnen mit gehorsamen Männern. Doch allmählich entwanden sie ihr die Oberherrschaft.«
Robert von Ranke-Graves, Griechische Mythologie. Quellen und Deutung. [Deutsche Übersetzung der engl. Ausgabe 1955], rowohlts deutsche enzyklopädie 113/115, Reinbek 1960; Nr. 62

Vgl. auch Hederich, Gründl. mytholog. Lexikon (1770) > http://www.zeno.org/nid/20002823071

 

••• Jupiter als Schwan und Leda

Mosaik aus Kouklia (Zypern)
> https://en.wikipedia.org/wiki/Kouklia#/media/File:Leda_mosaic.jpg

Die Geschichte wurde seit der Antike von hunderten von Malern genüsslich geschildert; dabei ist die Textgrundlage recht schmal:

Nach Hygin (Kaiserzeit?) hat Jupiter, in einen Schwan verwandelt, Leda vergewaltigt:

Iuppiter Ledam Thestii filiam in cygnum conversus ad flumen Eurotam compressit et ex eo peperit Pollucem et Helenam, … (Fabulae ¶ 77)
> https://www.thelatinlibrary.com/hyginus/hyginus5.shtml

Bei Ovid erscheint die Geschichte nur beiläufig: Die geschickte Weberin Arachne rühmt sich Athene gegenüber hochmütig, was sie alles für Szenen dargestellt habe, worunter Schandtaten der Götter: fecit olorinis Ledam recubare sub alisSie malte auch Leda, wie sie unter den Flügeln des Schwans ruhte. (Metamorphosen 6,109)

In den Liebesgedichten verwendet Ovid das Motiv, um die Schönheit der Angesprochenen zu lobpreisen:

Qualis erat Lede, quam plumis abditus albis
   Callidus in falsa lusit adulter ave

Schön wie Leda es war, die der schlaue Buhler – in weißes Gefieder versteckt – unter Vogelgestalt täuschte. (Amores I, x, 3f.)

Helena rechtfertigt ihre Mutter Leda in ihrem Brief an Paris: pluma tectus adulter erat (Ovid, Heroides XVII, 46).

Apollodor (ca. 60 v.u.Z.) erzählt die Geschichte von einer anderen Frau:

Einige behaupten, Helena sei die Tochter der Nemesis und des Zeus. Diese [N.] habe sich nämlich, um der Zudringlichkeit des Zeus zu entgehen, in eine Gans verwandelt, Zeus aber habe dennoch in Gestalt eines Schwans mit ihr Verkehr gehabt. Sie habe infolge der Vereinigung ein Ei hervorgebracht, das ein Hirte auf der Wiese gefunden und Leda gebracht habe. Diese habe es in einer Kiste verwahrt; zur entsprechenden Zeit sei Helena geboren worden, die sie wie ihre eigene Tochter aufgezogen habe. (Bibliotheca 3,10.7 = 127)
> https://www.gottwein.de/Grie/apollod/apollod30801.php#Apollod.3,10,7

Antike Darstellung:

Griechische und Römische Alterthümer, welche der berühmte P. Montfaucon ehemals samt den dazu gehörigen Supplementen in zehen Bänden in Folio, an das Licht gestellet hat ... Auszugsweise ... in Deutscher Sprache herausgegeben von M. Johann Jacob Schatzen ... ; … Nürnberg, in Verlag Georg Lichtenstegers 1757. Tab. XXXV/7.

Hans Sebald Beham († 1550):

Leda a Iove, in cygnum verso, compressa. 1548

Am üppigsten ist das Ölbild von Paolo Veronese (1528–1588): hier auf Wikimedia

Hier ist online einsehbar das Bild von Cy Twombly (1928–2011) Leda and the Swan, one of Twombly's most accomplished works ::::

> https://www.wikiart.org/en/cy-twombly/leda-and-the-swan

> https://www.moma.org/collection/works/80083

Hübscher ist freilich die Karikatur von Rudi Hurzlmeier aus dem Jahr 2008.

 

Literaturhinweis:

Brage Bei der Wieden, Mensch und Schwan. Kulturhistorische Perspektiven zur Wahrnehmung von Tieren, Bielefeld: transcript Verlag 2014 (Edition Kulturwissenschaft 52).

 


zurück zur Überblicks-Seite Tiersymbolik