Tiergärten, Menagerien, Zoos

 

Tiere in Tiergärten, Menagerien, Zoos

 

Aelian (ca. 170 bis nach 222) schreibt in Περὶ ζῴων ἰδιότητος – De natura animalium (2,11) über die Elefanten:  

Von der Klugheit der Elefanten habe ich an anderer Stelle gesprochen und auch über ihren Fang. Das war nur ein wenig aus der Fülle von dem, was andere berichtet haben. Jetzt möchte ich etwas über ihre musischen Leistungen berichten, über ihre Folgsamkeit und ihre Lernwilligkeit  Fertigkeiten, die selbst der Mensch nur mit Mühe erwirbt und die bei einem Tier um so erstaunlicher sind, das so riesig ist und bei jeder Begegnung vorher ganz ungebärdig erschien.

Zu tanzen und rhythmisch im Reigen zu schreiten, gern auf die Flöte zu hören, die Unterschiede der Töne zu erkennen, den Schritt zu hemmen, wenn sie langsamer, zu beschleunigen, wenn sie schneller werden, all das lernt und behält der Elefant gewissenhaft und ohne sich zu irren. Denn wie die Natur ihn riesengroß geschaffen hat, so macht ihn Bildung sanft und lenkbar. Wollte ich über seinen Gehorsam und seine Gelehrigkeit bei den Indern oder in Äthiopien oder in Libyen schreiben, so sähe es vielleicht aus, als wollte ich mit märchenhaften Erfindungen prahlen und zum höheren Ruhm des Tieres naturwidrige Lügen erdichten. So etwas sollte ein Philosoph und glühender Verehrer der Wahrheit niemals tun. Ich ziehe es vor, nur das zu berichten, was ich selbst gesehen habe und was, da es vor meiner Zeit in Rom geschehen ist, andere aufgeschrieben haben. Ich greife dabei nur wenige von vielen Begebenheiten heraus, die die Eigenart des Elefanten besonders gut belegen.

Der gezähmte Elefant läßt sich ganz leicht lenken, wohin man will. Und da man das Alte ehren soll, will ich die frühste Geschichte zuerst berichten.

Cäsar Germanicus, der Neffe des Kaisers Tiberius, gab den Römern Zirkusspiele. Es lebten damals in Rom mehrere ausgewachsene männliche und weibliche Elefanten, die auch in. der Gefangenschaft junge bekommen hatten. Als deren Glieder allmählich erstarkten, nahm sich ein Mann ihrer an, der mit solchen Tieren umzugehen verstand. Dabei bediente er sich einer wundersamen und erstaunlichen Unterrichtsmethode. Er begann, sie ganz in Ruhe und voller Liebe zu erziehen, und brachte sie mit allerlei Lockmitteln und angenehmer und abwechslungsreicher Kost dazu, sich zu fügen und sich lenken zu lassen. So trieb er ihnen die letzten Spuren der Wildheit aus, und sie wechselten die Fronten zu einer sanften und gewissermaßen menschlichen Wesensart.

Ihre Lernaufgaben waren: nicht wild zu werden, wenn sie die Pfeife hörten; nicht in Unruhe zu geraten beim Dröhnen der Pauken; nicht verzückt zu werden von der Syrinx; unmelodische Töne auszuhalten, auch das Stampfen von menschlichen Füssen und vielstimmiges Singen. Mit einiger Mühe wurden sie dahin gebracht, auch Menschenmassen nicht zu scheuen.

Es gab aber auch eine Erziehung zur Mannhaftigkeit: so sich gegen Schläge nicht aufzulehnen; nicht in Zorn zu geraten, wenn man sie zwang, die Glieder zu drehen und sich im Tanz und im Chorverband zu bewegen, und das bei ihrer großen Stärke und Kraft. Für die Natur des Tieres ist es ja schon eine höchst achtbare Leistung, sich gegen Lernaufgaben der Menschen nicht undiszipliniert und ungehorsam zu gebärden.

Als sie also ihr Tanzmeister gut ausgebildet hatte und sie ihre Lektion genau kannten, da enttäuschten sie die Mühe des Unterrichts nicht, als es an der Zeit war, das Gelernte vorzuführen. So lautet der Bericht: Zwölf Elefanten bildeten den Zug. Sie zogen von rechts und links geteilt in die Manege ein, wobei sie sich in zierlichem Schritt bewegten und den ganzen Körper hin und her wiegten. Geschmückt waren sie mit Tanzkleidern und Blumengewinden. Der Chorleiter lenkte sie nur mit leisen Zurufen, und die Elefanten, heißt es, gingen einer hinter dem anderen, wenn es ihr Lehrer befahl. Dann wiederum auf erneuten Zuruf des Lehrers bildeten sie einen Kreis, und wenn sie sich drehen sollten, taten sie auch dies. Sie warfen Blumen und schmückten den Boden damit, und all das taten sie mit gebührender Gemessenheit. Wenn sie fest aufstampften, so geschah es im Tanzschritt und im gleichen Rhythmus. Daß Damon, Spintharos, Aristoxenos, Philoxenos und andere wunderschön singen und tanzen konnten und sich wie wenige in diesen Künsten auszeichneten, das ist zwar bewundernswert, aber keineswegs unglaubwürdig oder unvorstellbar. Denn der Mensch ist ein vernunftbegabtes Wesen und fähig, logisch zu denken. Daß aber ein vernunftloses Tier Rhythmus und Melodie versteht, die Tanzfiguren beachtet und nicht gegen die Harmonie verstößt und den Anforderungen der Kunst genügt, die es gelernt hat, das ist ebenso ein Geschenk der Natur wie eine besondere Leistung, die jedesmal verblüfft.

Was dann noch geschah, genügte, den Betrachter vollends aus dem Häuschen zu bringen. Niedrige Ruhebetten mit Polstern wurden im Sande der Manege verteilt. Darauf kamen Kissen und bunte Decken, wie sie nur ein sehr reiches und vornehmes Haus aufweist. Man sah kostbare Becher und Mischkrüge von Gold und Silber mit reichlich Wasser darin. Schön verzierte Tische aus Zitrusholz und Elfenbein waren aufgestellt. Darauf lagen Fleisch und Brot in genügender Menge, um die Mägen der hungrigsten Tiere zu füllen.

Als die Vorbereitungen getroffen und alles wohl geordnet war, erschienen die Festgäste, sechs Männchen und ebenso viele Weibchen, angetan mit Männergewändern und Frauenkleidern. Sie legten sich ordentlich nieder, immer ein Männchen mit einem Weibchen. Auf ein gegebenes Zeichen streckten sich die Rüssel wie Hände ganz gesittet aus und aßen sehr bedachtsam. Keines von ihnen wirkte gierig oder voreilig oder wollte eine große Portion an sich reißen, wie es der Perser bei dem goldigen Xenophon tut.

Als es dann zu trinken galt, wurde jedem ein Mischkrug vorgesetzt, und mit dem Rüssel schlürfend tranken sie recht brav ihr Getränk. Schließlich bespritzten sie noch einander, aber im Spiel und nicht aus Bosheit.

Manche anderen klugen und erstaunlichen Dinge hat man über die Eigenart dieser Tiere noch aufgezeichnet. Ich selbst habe zum Beispiel sogar einen Elefanten gesehen, der mit dem Rüssel auf eine Tafel lateinische Buchstaben schrieb, ganz gerade und richtig. Nur hatte der Lehrmeister seine Hand daraufgelegt und lenkte ihn bei der Niederschrift der Buchstaben, bis das Tier zu Ende geschrieben hatte. Unverwandt blickte es nach unten, und fast möchte man sagen, daß seine Augen unterrichtet und in der Grammatik geschult waren.

Älian, Die tanzenden Pferde von Sybaris. Tiergeschichten. Übersetzt von Ursula Treu und Kurt Treu, Reclam, Leipzig 1978 (= RUB 747)

Einhard (ca. 770 – 840 ) berichtet in der »Vita Karoli Magni« (Kapitel XVI), dass Kaiser Karl der Große († 814) u.a. mit dem Kalifen von Bagdad, Harun al Raschid (786 – 809) freundschaftliche Kontakte pflegte. Mit einer aus Persien zurückkehrenden Gesandtschaft schickte Harun auch eigene Boten mit, die neben Stoffen, Parfums und anderen orientalischen Schätzen teure Geschenke überbrachten. Einige Jahre zuvor hatte Karl ihn um einen Elefanten gebeten. Der Kalif hilet Wort. et revertentibus legatis suos adiungens inter vestes et aromata et ceteras orientalium terrarum opes ingentia illi dona direxit, cum ei ante paucos annos eum, quem tunc solum habebat, roganti mitteret elefantum.  > http://www.hs-augsburg.de/~harsch/egiv16.html 

Am 20. Juli dieses Jahres kam Isaak [das ist der Wärter] mit dem Elefanten und den übrigen Geschenken des Königs der Perser an und übergab sie in Aachen dem Kaiser. Der Elefant führte den Namen Abul Abaz.

Ipsius anni mense Iulio, XIII.Kal.Aug., venit Isaac cum elefanto et ceteris muneribus, quae a rege Persarum missa sunt, et Aquisgrani omnia imperatori detulit; nomen elefanti erat Abul Abaz.

Im Jahre 810 stirbt der Elefant plötzlich: elefans ille, quem ei Aaron rex Sarracenorum miserat, subita morte periit.

Annales Regni Francorum / Die Reichsannalen, in: Rau, Reinhold (Hrsg.), Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte, Erster Teil: Die Reichsannalen; […]; Darmstadt 1962; zu den entspr. Jahren 802 und 810.

Vgl. Achim Thomas Hack, Abul Abaz, Zur Biographie eines Elefanten, Jenaer mediävistische Vorträge Band 1, Badenweiler 2011.

Weitere berümte Elefanten: der Elefant Hanno (gest. 1516); der 1629 in verschiedenen deutschen Städten gezeigte Elefant; der Elefant Soliman (gest. 1553); der Elefant Hansken (gest. 1655).

 

Stephan Oettermann, Die Schaulust am Elefanten. Eine Elephantographia Curiosa, Frankfurt am Main: Syndikat 1982.

 



Literaturhinweise

Gustave Loisel, Histoire des ménageries de l’antiquité à nos jours, Paris: Doin & Laurens, 1912
Vol. 1 : Antiquité - Moyen âge - Renaissance
Vol. 2 : Temps modernes (XVIIe et XVIIIe siècles)
Vol. 3 : Epoque contemporaine (XIXe et XXe siècles)

Karl Hauck, Tiergärten im Pfalzbereich, in: Deutsche Königspfalzen. Beiträge zu ihrer historischen und archäologischen Erforschung, Band 1 (= Veröff des Max-Planck-Inst. für Gesch.  11/1), Göttingen 1963, S. 30-74. – dass. in: Günther Binding, Deutsche Königspfalzen. Von KdGr bis Friedrich II., 1996.

Thierry Buquet, Les animaux exotiques dans les menageries medievales. > https://halshs.archives-ouvertes.fr/halshs-00905429 {Dernière modification 18 novembre 2013}

 

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