Greyerz / Gruyères 2017

 

2. Kolloquium der Historischen Spezialwissenschaften

«Greyerz / Gruyères – Historische Facetten»

Samstag, 7. Oktober 2017 am Ort

 

Programm

 ab 9:15 h Empfang, Tee- & Kaffeebuffet im Hôtel de Ville
10:15 h Trudi Kohler (Pfäffikon): Begrüssung
10:25 h Fred Minder (Belfaux): «Die Grafen von Greyerz und ihre Ländereien»
10:50 h Paul Michel (Zürich): «Das Symbol des wachsamen Kranichs (lat. grus)»
11:15 h Pierre Zwick (Fribourg): «Les armoiries des comtes et des comtesses de Gruyères»
11:40 h Stefan Jäggi (Luzern): «Siegelkunde in der Schweiz»
  Mittagessen im Hôtel de Ville
  Nachmittag im Saal des Schlosses
14:15 h Nicole Schacher (Fribourg): «Les monnaies de Michel comte de Gruyère (1539–1554)»
14:40 h (Vexillologie) «Fahnen im Greyerzerland»
15:05 h Trudi Kohler: Orientierung und Verabschiedung
15:45 – 17:15 h Filipe Dos Santos (Directeur du Château de Gruyères): Visite du Château (en français)  oder freie Besichtigung / ou visite individuelle

 

Die Anmeldung für den 7. Oktober 2017 ist obligatorisch bis  16. September 2017 bei:
Inscription obligatoire jusqu’au 16 septembre 2017:

             
Geben Sie bitte an, welcher Gesellschaft Sie (evtl.) angehören und ob Sie ein einfaches Mittagessen wünschen. Spesen / frais:  Fr. 20.00 + Essen.

 

 



Exposés der Referentinnen und Referenten:

 

Fred Minder

 

Paul Michel, Das Symbol des wachsamen Kranichs

Der Ortsname Gruyères stammt vielleicht von mittellat. gruarium = ›Recht in einem fremden Waldstück‹* (vgl. afrz. gruer = ›eine Abgabe erheben‹); immer wieder wurde er aber auf lat. grūs ›Kranich‹ bezogen; und das Wappen zeigt ja einen solchen – vielleicht ist das eine Volkseytmologie.**

Bereits Plinius (ca. 23–79 n.Chr.) schreibt: In der Nacht haben sie [die Kraniche] Wachen, die in der Klaue einen kleinen Stein halten, der beim Einschlafen losgelassen und herabfallend, ihre Unachtsamkeit verrät; die anderen schlafen, indem sie den Kopf unter den Flügel stecken und abwechselnd auf dem einen und anderen Bein stehen … (naturalis historia X,xxx,59).

Dieses Verhalten wurde in der barocken Emblematik *** allegorisch bezogen auf den Fürsten, der wachsam sein Volk vor der Tücke der Feinde beschützen soll:

     Pro grege  [Für die Schar; Gemeinschaft]

Damit d’andern ruhen die Nacht/
Hält hie ein Kranich fleissge Wacht/
Auff daß/ so er der Feind wird gwar/
Sich und die Sein bewahr vor Gfahr.
    Ein Fürst/ der soll sorgfältig seyn/
    Frü vnd spat/ für sein liebe Gmein.

Petrus Isselburg / Georg Rem, Emblemata Politica. In aula magna Curiæ Noribergensis depicta, Nürnberg 1617; Nr. 21. Digitalisat > http://diglib.hab.de/drucke/uk-40/start.htm

Das Emblem wird dann passend auf Stukkaturen und Ofenkacheln in Rathäusern plaziert.

*) Eduard Brinckmeier, Glossarium diplomaticum … 1856, S.938.

**) Der Ortsname von Schwanden im Kanton Glarus ist ein Rodungsname, von mittelhochdeutsch der swant = ›Aushauen des Waldes‹, aber das Wappen zeigt einen Schwan als gemeine Figur.

***) zur Emblematik mehr hier.

Pierre Zwick

 

Stefan Jäggi 

 

Nicole Schacher

 

Vexillologie