Die feinen Sinne der Tiere

 

Um die Sinne zu veranschaulichen, können metonymisch typische Gegenstände gezeigt werden (für den Geruch eine Blume, für das Gesicht ein Spiegel, für das Gehör ein Musikinstrument usw.)

Tiere sind berühmt für ihre feinen Sinne. Auch sie dienen deshalb zur Visualisierung.

In einer Enzyklopädie a.d.J. 1503 seht: a quibusdam dictum est nos aper auditu: linx visu: simea gustu: vultur olfactu & aranea tactu excellit – Der Eber übertrifft uns an Gehör;  der Luchs an Schärfe des Auges; der Affe durch den Geschmackssinn; der Geier bezüglich des Geruchssinns, und die Spinne durch ihr Tastgefühl (Gregor Reisch, Margarita Philosophica, 1503 u.ö., Lib. X, Cap. xvij; deutsche Übersetzung von Otto und Eva Schönberger, Würzburg: Königshausen & Neumann 2016)

Beispiele aus der Druckgraphik vom 16. bis 18. Jh. findet man hier (mittels Suche unter "Five Senses"):

http://www.britishmuseum.org/research/collection_online/search.aspx

 

Erstes Beispiel: Kupfer von Abraham de Bruyn 1569; Der Gehörsinn (Auditus) wird repräsentiert durch Musikinstrumente und eine Glocke sowie die scharf-sinnigen Eber und Hirsch.

Vom Eber sagt Thomas Cantimpratensis († 1270/72): Aper cunctas bestias precedit in auditu – Der Eber übertrifft alle Tiere bezüglich des Gehörs (Liber de Natura Rerum IV,3; ed. Boese S. 110)

Vom Hirsch heißt es, dass er das Gebell der Hunde bei der Jagd gut hört; dann präziser: rectis auribus acutissime audiunt, submissis vero nil audire dicuntur –  Man sagt, dass sie mit aufgestellen Ohren äußerst scharf hören, aber mit niedergelegten nichts. (a.a.O. IV,2; S.122)

British Museum, Museum number 1850,0810.274

 

Zweites Beispiel: Auf diesem Bild sind alle fünf Sinne in éiner Darstellung vereinigt:

Der Adler steht für das Gesicht/Sehen (Visus)
Der Hirsch und die Laute stehen für das Gehör (Auditus)
Die Blumen stehen für den Geruch (Odoratus)
Der Affe ein Frucht kostende steht für den Geschmack (Gustus)
Die Spinne steht für den Tastsinn (Tactus)

 

Einer Kunst- und Tugendliebenden Jugend in Zürich, ab der Bürgerbibliothec für das 1657. Jahr, verehrt. Kupferstich von Conrad Meyer (Zürich, 1618–1689); Text von Johann Wilhelm Simler (Zürich, 1605–1672):

Hier  geht es um den rechten – geistigen – Gebrauch der sinnlichen Vermögen: Fünfer Sinnen rechter Sinn Bringet Leib und Seel Gewinn

1. Visus
O Schöpfer, der du mir der Sinnen fünf gegeben,
die auch den Thieren gmein: verhüet ein thierisch Leben:
von eitelm Augenlust abwende mein Gesicht,
daß ich es nur auf guots, und auf das Ewig richt! 

Details auf der Seite Allegorieseminar UZH

 

Drittes Beispiel:

In der Überarbeitung der »Iconologia« von Cesare Ripa bringen Gottfried Eichler d. J. (1715–1770) und seine Mitarbeiter auch Allegorien der Sinne. Der Eber steht traditionsgemäß für das gute Gehör (Auditus). 

Des berühmten Italiänischen Ritters, Cæsaris Ripæ, allerleÿ Künsten, und Wissenschafften, dienlicher Sinnbildern, und Gedancken, Welchen jedesmahlen eine hierzu taugliche Historia oder Gleichnis beÿgefüget. dermahlige Autor, und Verleger, Joh. Georg Hertel, in Augspurg [ca. 1760]; Tafel 111.

Im Hintergrund eine Szene, zu der der Text übersetzt lautet:  Die Grundlagen der Bildung nahmen die Schüler des Pythagoras, denen ein fünfjähriges Schweigen auferlegt wurde, mehr durch Hören als durch Reden und Fragen in sich auf.

 

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